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Hestia-Vesta : ein Cyclus religionsgeschichtlicher Forschungen / von August Preuner
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404 HERLEITUNG DER R. GRÜNDUNGSSAGEN.

übergehen, auch die Verbindung von Mars mit einer Vestalinals die hellenistische Umbildung der Ehe von Mars und Vesta anzusehen ist?

Dazu stimmt in überraschender Weise ; dass am 1. März,an dem das Hauptfest des Mars war, 1 auch das heiligeFeuer der Vesta erneuert wurde. 2 Und es ist nicht ohneBelang, dass der Flamen des Quirinus, d. h. des als Gottgedachten Stadtgründers, die Vestalinnen beim gallischen Ein-fall auf ihrer Flucht nach Caere geleitet, und dass die Jung-frauen die Heiligthümer, die sie nicht mitnehmen konnten,sacello proximo aedibus flaminis Quirinalis vergraben. 8

Auch diese Sage weist uns nach Laurentum: Mars unddie Vestalin, Latinus und Amata bieten unverkennbareAnalogien 1

Denn ganz ebenso, wie in Rom Mars Gatte der Vestalinist, heisst in Laurentum Latinus Gemahl der Amata. Amataaber nennt der Pontifex die Jungfrau, die er als Dienerinfür die Göttin capiert. 4 Und diese Amata ist dem Vergilselbst eine Schwester der See- und Quellengöttin Venilia. 5Die Schwester einer Göttin ist aber gewiss ursprünglich nichteine Vestalin, sondern die Feuergöttin Vesta .

In thier-symbolischer Form erscheinen die beiden GötterMars und Vesta zu Rom in Picus und .Parra. Denn derSpecht ist Vogel des Mars, die Parra der Vesta. G

*

1 C. I. L. I p. 387.

* S. o. S. 287 A. 6.

8 Liv. V, 40. Plut. Cam. 20 sagt geradezu: ino roV ytäv roü Kv^lvov.Borghesi (Giorn. Arcad. I (1819) p. 58 f.), dem Schwegler beistimmt(r. G. III S. 250), bezieht auch das Elögium bei Orelli 537 = C. I.L. I p. 285 auf den Flamen. Mommsen dagegen a. a. 0. stimmt Nie-buhr, r. G. II S. 606 A. 1201 bei, der dort an Albinius denkt, wieschon Fabretti (s. Mommsen a. a. 0.) ergänzt batte.

4 Verg. Aen. X, 75; VI, 90; VII, 366; XU, 29.

8 S. o. S. 397 A. 1.

8 Non. p. 518 Hyginus : est parra Vestae, picus Martis. Wegendes Spechts s. noch weitere Stellen bei Schwegler, r. G. I S. 415 f. A. 3.