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Hestia-Vesta : ein Cyclus religionsgeschichtlicher Forschungen / von August Preuner
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407
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HERLEITUNG DER R. GRÜNDUNGSSAGEN.

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Endlich darf nicht übersehen werden, dass der imStrom waltende Gott sowohl in Rom , wie zu Lavinium Ju-piter ist, der ja auch direct als der Vater des Stadtgrüudersvon Rom bezeichnet wird. 1 2 *

Einmal scheint Vesta selber Bezug zum Flussgott zuhaben. VergiP.sagt von ihr:

Vestaque mater

quae Tuscuni Tiberim et Romana Palatia servas.

So ragt auch hier Vesta herein. Immer wieder machtsich bei diesen römischen Göttern der Mangel einer festabgegränzten Individualität geltend, immer wieder gehenihre Begriffe in einander über, wie Kreise, die durch insWasser geworfene Steine hervorgerufen sind, in einanderzerfliessen. Als weitere Mutter der Zwillinge erschien so-dann die Gattin des Faustulus, Acca Larentia, iu der maneher Fauna, d. h. Bona Dea, denn Vesta zu suchen habenwird. Als Laren-Mutter scheint auch sie am Herde heimisch.Aber sie berührt sich mehr mit den Lares agrestes, die fürdie Fruchtbarkeit der Felder sorgen, als mit dem Lar fami-liaris, der mit Ocrisia oder vielmehr mit Caecilia-Caca-Vestaden Servius erzeugt, eine Sage, die, wie wir uns erinnern,zu dem Gründungsmythos von Praeneste stimmt.

Acca Larentia wird auch in der Lupa oder Luperca ver-steckt sein, an die das Lupercal gemahnt 8 und neben welcherdie Ficus Ruminalis stand. 4 Bei diesem Feigenbaum be-fand sich ein Heiligthum der Rumina , 5 von welchem der-selbe seinen Namen hatte. Rumina ist die säugende , 6 * eine

1 S. o. S. 310 und 384.

2 S. Verg. georg. I, 499 sq.

8 S. o. S. 389 A. 3.

4 Plin. h. n. XY § 77; Serv. Aen. VIII, 90: ficus Ruminalis, quae

fuit, ubi nunc est Lupereal. Vgl. Ov. fast. III, 411; Varro 1. L. V, 54;

Plut. Rom . 3 sq.; Dionys. I, 79.

' Varro r. r. II, 11, 4 sq. Vgl. Schwegler, r. G. I. S. 421.

* Corssen, krit. Beitr. z. lat. Formenl. Leipz. 1863. S. 427 ff. leitetdas Wort ab von der Sansk. Wz. sru = fluere, und erblickt in rumen dasEuter als »fliessendes« und sodann in Rumina die Eutergöttin.