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Entwicklungsgeschichte der Vorstellungen vom Zustande nach dem Tode auf Grund vergleichender Religionsforschung / dargestellt von Edmund Spiess
Entstehung
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523
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Rückblick und Endergebniß der Untersuchung. 523

und Phylogeuesis und vorn Parällelismus dieser beiden auch fürdas psychologisch-religiöse Gebiet nachzuweisen, so könnten wiraus den Zuständen und Stufen der religiösen Entwicklung, welchedas Individuum durchläuft (gewisse Zustände, welche seiner Zeitdie Phyle, das Genus durchgemacht hat, mögen nach dem Gesetzder abgekürzten Vererbung bei dem Individuum ausfällen), zu-verlässige Rückschlüsse auf den religiösen Bildungsgang und dieEntwicklungsgeschichte der Nationen und der ganzen Menschheitmachen. Der Schluß von dem Mikrokosmus der Einzelpersönlichkeitaus den Makrokosinus des gestimmten Genus dürfte um so be-rechtigter und folgenschwerer sein, je mehr man sich für dieAnnahme einer monophyletischen Abstammung des Menschen-geschlechtes entscheidet. Es ist zwar der Vergleichenden Sprach-forschung, die jedoch auch erst in dem Kindheitsalter steht, bis jetztnoch nicht gelungen, die zahlreichen noch lebenden und die bereitsausgcstorbenen Sprachfamilien auf Eine gemeinsame Wurzel zurück-zuführen. Man ist gezwungen, einstweilen noch verschiedene Ur-sprachen anzunehmen und die menschliche Sprache polyphyletischenUrsprungs sein zu lassen. Aller Wahrscheinlichkeit nach werdensich aber diese verschiedenen Typen auf Einen Urtypus reduciren,wenn für jetzt auch die Grundverwandtschaft vieler Sprachstämmcnoch nicht nachweisbar ist.

Ebenso wird es nach unsrer Ueberzeugung auch mit derReligion und den Religionen sich verhalten. Vielleicht lassen siesich auf Eine Urreligion auch der Zahl nach zurückführen, wiesie sicherlich von Einer Urreligion der Art oder Stufe nach sichentwickelt und gespalten haben. Doch geben wir auch die Möglich-keit von vielen Anfängen gegenüber der eben gedachten Annähmeeiner Entstehung aus Einer gemeinsamen Urreligion zu, und zwarmit Berücksichtigung folgender Gründe: Die Entwicklungsgeschichteder Sprache zeigt uns, daß die eigentliche menschliche Begriffs-sprache sich erst allmählig entwickelt hat, nachdem bereits derübrige menschliche Körper in der specifisch menschlichen Form aus-gebildet worden ist. So ist die Genesis bei dem Kinde, wie wir

Wiederholung der Phylogenese."Trotz der Abkürzung der Entwicklung kommenaber Unterbrechungen oder wirkliche Sprünge zwischen den aufeinanderfolgendenEntwicklungsformen weder bei dem Individuum noch bei der Gattung vor."