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Achtzehntes Capitel.
es täglich beobachten können. Aus der Ontogenie, d. h. dem Modusder Entwicklung bei dem Einzelwesen, machen wir nun den Rück-schluß auf die Phylogenie, auf die Entwicklung der Phyle, desGenus Ironro. Bei dieser Anwendung der Ontogenie auf diePhylogenie ergibt sich dann als Consequenz, daß in der Geschichteder Menschheit ein langer Zeitraum vergangen sein muß, eheüberhaupt das Sprachvermögen zur wirklichen Sprache wurde,ehe die Potenz sich in Entelechie umsetzte. Vielleicht sogar tratdie Sprachbildung erst ein, nachdem bereits ein Auseinander-gehen der verschiedenen Menschen- Species oder Rassen statt-gefunden hatte. Ganz analog wäre nun die Entwicklung derReligionen zu denken. Notorisch existirt die Religion in denersten Stadien des Lebens bei dem Individuum noch nicht; dieBewußtseinsentwicklung ist eine ganz allmählige, von uns ver-borgenen Anfängen ausgehende; aus tiefen, geheimnißvollen,dunkeln Brunnenkammern im unbewußten Seelenleben quellendie heiligen Empfindungen, Ahnungen und Ideen hervor.
Diesem Zustande eines noch nicht erwachten Bewußtseins undeiner noch schlummernden religiösen Anlage, wie er bei dem ein-zelnen Individuum während seiner Existenz als Embryo und inden ersten Monaten resp. Jahren der Kindheit täglich beobachtetwerden kann, muß ein ähnlicher, entsprechend lange Zeit an-dauernder Zustand in der Geschichte des sich entwickelnden mensch-lichen Geschlechts vorausgegangen sein, in welchem ein wachesBewußtsein und eine aus der bloßen Anlage in die Wirklichkeitgetretene Religion noch nicht wahrzunehmen ist. Aller Wahr-scheinlichkeit nach hat sich die Bildung von Religionen auch erstvollzogen, nachdem eine Divergenz und Spaltung in die ver-schiedenen Rassen schon längst stattgefunden hatte; denn erfah-rungsgemäß kommt die Entwicklung von Bewußtsein und be-sonders von religiösem Bewußtsein noch viel später zur Pcrfectionals die Sprechfähigkeit und Sprachbildung. Wie in der Onto-genie so müßte eventuell also auch in der Phylogenie die Sprach-bildung der Rcligionsbildung vorausgegangen sein. Vorausgesetztnun, daß wir für Entstehung der Sprache nicht Einen Anfang,nicht Eine gemeinsame Abstammung, sondern viele Anfänge,zahlreiche Ursprachen anzunehmen hätten, so würden wir danach