Buch 
Mosaik zur Kunstgeschichte / von Dr. Gottfried Kinkel
Entstehung
Seite
412
JPEG-Download
 

412

X. Bemalte Tischplatten.

Martin Luther bedeuten, welche dem Papst seinen Kram ver-schleppen und damit ihr Afsenspiel treiben. Van Mander erzähltuns in seinem Leben des Hern von Bouvignes von dieser Deu-tung, aber er verwirft sie zugleich: denn, sagt er, die Kunst sollnicht Persifflage sein. Und gewiß ist diese nachträgliche Auslegungfalsch, denn der Gegenstand ist von Holbein ja schon zwei Jahrevor Luthers Thesen gemalt, wo also diese Deutung auf dessenVornamen Martin noch nicht möglich war. Es ist sogar fraglich,ob nicht Holbein als der erste Erfinder des ganzen Scherzes be-trachtet werden muß. Doch bleibt bei den Tischen in Berlin undin Wiesbaden ein Umstand immer merkwürdig. Es sitzt nämlichauf beiden Darstellungen rechts auf einem Baume ein Käuzchen,und dieser Vogel war das Malerzeichen des Herri von Bouvignes,welcher nach diesem Zeichen sogar bei den Italienern den Bei-namen Civetta erhalten hat. Sollte nun der Maler, welcher deneinen der beiden Tische (der das Original ist) gemalt hat, vielleichtdas berühmte Bild des Herri gekannt, für seinen Zweck verkleinertund das Käuzchen ehrlich beibehalten haben?

Aber welcher von den beiden Tischen in Berlin und in Wies-baden ist denn das Original? Hiezu müßte zuerst das Wies-badener Exemplar, das bis jetzt noch Niemand beachtet hat, genauergeprüft werden. Daraus möchte sich ergeben, daß es der Handdes Beham würdig erschiene, während das Berliner Exemplareine fabrikmäßige Copie zu sein scheint.

Dieß scheint nun ganz besonders der Platz zu bestätigen,woher das Museum in Wiesbaden seinen Tisch erhalten hat. Derin Berlin ist von einem Tapezierer in Baden-Baden angekauftworden. Der in Wiesbaden aber stammt aus der Martinsburg'in Mainz , einem durch Tiether von Jsenburg 1478 gegründeten,1555 erneuerten burgartigen Schloßbau der dortigen Kurfürsten,welcher zwischen dem jetzigen alten Schloß und dem Rhein lagund 1807 demolirt wurde. Der Tisch scheint also aus dem Nach-laß des Kurfürsten Albrecht herzurühren, und für diesen hatte jaBeham ebenfalls den Tisch im Louvre gemalt.^)

*) Weltmann, Holbein, erste Auflage I. 215 sagt, auf dem Berliner ^