1464 Schadow.
Schadow.
zugleich so poetisches Werk mehr aufgetragen worden;vielmehr hat er sich mit sehr viel Undankbarem,höchst Prosaischem befassen müssen; wozu er vor-züglich Alles zahlt, wobey die neuen Klcidcrtrachken,Röcke, Westen, dreyeckte Hüte, Zöpfe u. s. w.einen wesentlichen Bestandtheil für den Anblick aus-machen". „Nach Beendigung jenes Denkmalswurden zwar die Vorkehrungen zu einem noch wich-tigern für Friedrich den Einzigen, auf eine Weilemit vielem Eifer betrieben, und Schadow nachStockholm geschickt, um an dem Guße der StatüeGustav Adolphs zu Pferd in Crzt, diese Vorrichtungzu erlernen; leider kam er zu späte, lernte aberdafür den geschickten Serge! kennen. Von Stock-holm gieng er nach St. Petersburg , und sah dortvon Gotcclan (?) eine Statüe in Lebensgröße gießen.In Zarskonselo bewunderte er die große Anzahl derAntiken (nach Antiken?) vom ersten Range, in Erzgegossen. Alsdann kehrte er durch Finnland nachSchweden zurück, sah hierauf weiter in Kopen-hagen (1792.) Cailly's Ritterstatüe Christian V. und sammelte überhaupt auf dieser Reise so vielInteressantes über jene Kunst, daß er sich getraute,einen Auftrag dieser Art mit glücklichem Erfolgeübernehmen zu können. Leider! verlor sich mittler-weile der Enthusiasmus für Friedrichs Andenken,bey der Menge sowohl als bey den Großen; dieGötzen des TagS drängten die Heroen der Vorzeitzurück. Indessen erhielt er doch bald nachher dieBestellung der auf dem Wilhelmsplatze zu Berlin errichteten kolossalischen Slatüe des Generals vonZiethen in Husaren-Uniform-Costume, mit dreyBasreliefs am Piedestal, welche kriegersche Scenenaus den Feldzügen dieses Helden darstellen. (Eineausführliche Beschreibung und gründliche Würdi-gung derselben von Lielnow s. in Meusel'sMiscell. I- 2g— 5 t).)> Eine andre in der Zeit-schrift: UerUn I. 2sZ—.sö. wo dieEtellnng mitübereinander geschlagnen Beinen (die, nach Minkel-mann, als unanständig, sich nie bey den Altenfinden soll), wenigstens als unpassend für einenHelden, genüget, alles Uebrige an diesem Werkehingegen vortreflich gefunden wird. Eine dritteBeurtheilung im Tübing. Morgenbl. 1807. hin-wieder findet gerade das Gegentheil, daß nämlichSchadow bey einem Preussischen Feldherrn nochetwas Höheres voraussetzte, als die Kunst, denMarschallstab zu führen, öder ein Pferd zu bereiten,und darum seinem Helden eine nachdenkendeStellung gab; er ist (in der schon erwähntenPositur) an einen Baum gelehnt, die Linke auf denSäbel, mit der Rechten das Kinn stützend. JeneBiographie dann drückt sich darüber kurz so aus:„ Von Statüen in der bizarren Kleidungsart derneuern Zeit, gefällt diese, in erwähntem Costum,noch am Meisten; und deswegen hat solche auchvorzüglich allgemeinen Beyfall gefunden; so wiehingegen eine andre Bildsäule Friedrich des Großen,welche ungefehr in nämlicher Epoche die bravenPommern in Stettin errichten ließen, minder ge-fiel, weil der König einen Hut auf dem Kopfe hat;und liebendem der sich selbst scharf beurtheilendeKünstler glaubt, daß ihm auch in der DrappirungManches nicht ganz geglückt sey". Einige Zeit
darauf bildete er für einen Kunstsalon ein Gyps-modell in Lebensgröße, welches die damalige Kron-prinzessin, nachherige Königin, und ihre Schwester,die Prinzessin Friederike von Colms-Braunfels ,sich zärtlich umschlingend darstellt. Auch dieseGruppe sollte in Marmor ausgeführt werden ; aberFriedrich Wilhelm II. starb, ehe sie beendigt werdenkonnte. Nachher hat sie einige Jahre in einer Kistegelegen, ohne daß Jemand (?) darnach fragte,bis die Großfürstin Helena nach Berlin kam, inderen Zimmer sie, in schlechter Beleuchtung auf-gestellt wurde. Leider hatte sie durch den Schmutzder in der Kiste nistenden Mäuse viel gelitten, undder Marmor entstellende Flecken behalten. (Erst inganz neuern Tagen sah man davon eine Abbildungim zweyten Hefte des Berlinischen 'Journals fürBunst - und Runftsachen). Unter der Regierungdes jetzigen Königes hat unser Künstler auf Befehldesselben nur Ein bedeutendes Denkmal ausgeführt,nämlich des Fürsten Leopold von Anhalt-Dessau *)in seinem bizarren Costum, mit dem kleinen drey-eckigten Hute, Zopf, Knebelbart u. dgl. **). Die-selbe war anfänglich, so wie andre ähnliche für denoben erwähnten Wilhelmsplatz bestimmt, wurdeaber nachher in dem Königl. Lustgarten, demSchlosse gegen über aufgestellt. — In Sandstein-arbeiten von ihm verdienen angeführt zu werden:Die Basreliefs am neuen Münzgebäude zu Berlin ;denn hier war die Aufgabe poetisch (?); auch ist derAusführung ein genialer Schwung nicht abzu-sprechen : Darunter sind mehrere drappirte Figuren,die auf der Stelle nach lebenden Modelle» entworfenwurden. Auf dem Glacis zu Breslau steht von ihmdas Denkmal des General von Tauenzien: Auf demSarge liegt Dellona; zwey Basreliefs am Piedestalstellen einen Ausfall der Preussen, und das Aus-rücken der Oestreichs aus Schweidnitz vor. ZuLehnhaus, einem Gute der Baronin von Grünfeld.ein hoher Denkstein: Auf der einen Seite in Haut-relief die Religion, auf der andern ein Todescngel,der ein zerbrochenes Wappen hält. Zu Boizenburg in einer eigenen Kapelle der Aschenkrug des Staats-ministers Grafen von Arnim, den (wie wir's ver-stehen) seine trauernde Gemahlin hält. In Schoen-eich ein Denkmal des Banquiers von Schütz: Urne,bey welcher die Hoffnung steht. Auf dem Salonzu Berlin i8ocj. sah man von ihm: Bacchus , derdie Ariadne tröstet; ein vertieftes Marmor-Ovalin Relief, von einer vortreflichen Ausführung,welches der König kaufte; dann einen zum Jünglingheranwachsenden Knaben, im Costum eines römi-schen Opferknabcn, der Weihrauch streuend vorden Altar tritt, in Lebensgröße, nur noch in Gypsausgeführt, welches die Portraitfigur des jüngstenSohns eines Prcuß. Staatsministers seyn soll.Dann um dieselbe Zeit die marmorne Büste desverstorbnen Ministers Grafen von Herzberg. Ini8uZ. oder i 8 c> 5 . arbeitete er an der von Wielandfür den Engländer Linonell Colman. I» 1807.und 8. theils für den H. Kronprinzen von Bayer»,theils für die Akademie zu München an denjenigenvon Friedrich II. Ferdinand von Braunschwelg,Copernik, Leibnitz , Hallcr, Kant, Klopstock,Wieland ***), Joh. von Müller, und Jffland ch).
Sarg schmückende» Basreliefs bilde das eine; die Nische mit der Gruppe der drey Parzen, und der darunterbefindlichen Innschrift (Repräsentantin der Statue) aber das zweyte. «Indessen übersieht man" (heißt esdann weiter) «diesen Uebelstand über den vortreflich gearbeiteten Parzen, die nur zaudernd den Faden des Lebenszerschneiden, und über der reizenden Abbildung des Knaben selbst". 2 » einem allgemeinen Urtheile dann überdie Werke Berlinischer Sculptur (selbst diejenigen unsers Gchadorv's nicht ausgenommen) ergeht Ebendaselbstder — sollen wir sagen — harte oder gerechte? Spruch: «Alle diese Denkmale beweisen übrigens aufs Neue,daß die Kunst im Norden nur ein Orangenbaum ist, der wohl Blüthen, aber nie süße Früchte ansetzt. Wassind alle diese Denkmale — nicht gegen Canova's, sondern gegen jene nur, die einsweilcn der bloße Eatholi-cism' im südlichen Europa hervorbrachte?"
") Des regierenden Fürsten steht unter der Statüe dieses Helden, der 60. I. vor Errichtung des Denkmalsstarb; «ein überflüssiger Anachronism'" (heißt es im Tübing. Morgenbl. 1807. S. 927.) »der mit demDaseyn der Akademie sich schwer vereinigen läßt."
uiH «Dasselbe ist meisterhaft" (sagt das erwähnte Morgenbl. l. c.) «in Hinsicht des Kampfes, den die Kunsthier mit barbarischen Formen führte; sie siegle nicht."
uns) Ob diejenige treflick gelungene mit dem Prälatenkäppchen, welchem letztem der geistreiche Künstler ein mutb-williges Genienspiel in Basrelief auf der Basis der Büste, das — Gegenwichr gab? Tübing. Morgenbl.-809. S. 650.
-f) Sechse von denen für den H. Kronprinzen ausgeführte: Friedrich, Leibnitz, Copernik, Luther, Kant und Klopstock finden sich im Umrisse abgebildet im Tübing. Morgenbl. -809. S. z?;.