Band 
Zweyter Theil [3].
Seite
1510
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rzio Schmidt.

Schenk 1772. radirt, gehören. Beyde findet manihren Lebenslnufen in 8°. vorgesetzt. Schmidtbezeichnete seine Stiche unterwcilen 6. 0. 8. so.Als Schriftsteller zeigte er sich durch mehrere Ab-handlungen über Elektrisir- und andern Maschinen;von diesen ist anzuführen: Beschreibung einerUmversalmaschine (?) zuni Abzeichnen nachder blattn- (Berlin 1779. 4°- mit Kupf). Erlebte noch 1811. zu Jena . Eonk. unten G. E.Schmidt und I. <5. Schmidt.

* Schmidt (Georg Friedrich), Zeichner undStecher mit der Nadel und dem Grabstichel. Der-selbe war eines dürftigen Tuchmachers (nicht, wiees bey de Lonrenai heißt), eines reichen Handels-manns) Sohn, und zu gleichem Handwerke be-stimmt. Allein sein Genie foderte ihn auf, einKünstler zu werden. Schon in seinem Vierzehntengenoß er durch glücklichen Zufall den unentgeldlichenUnterricht in der Akademie. Anfangs wollte erMaler werden; da sich aber eben kein Meister fand,der einen Schüler brauchte, so wählte er die Stecher-kunst, und bekam an G- P. Busch zwar keinen be-sonders geschickten, aber liebreichen und sorgfälti-gen Lehrer, bey dem er, verbunden mit seinemeignen unermüdetcn Fleiß , in Zeit von drey Jahrenbereits namhafte Fortschritte machte, als er 1720.gezwungen wurde, sich beym Artilleriekorps ein-schreiben zu lassen, und erst nach sechs Jahrenda Man sah, daß er eben nicht groß wuchs",dieses Diensts wieder entlassen ward. In derZwischenzeit hatte er nichts desto minder, alle ihmnoch für die Kunst vergönnten Stunden bey seinemgetreuen Meister zugebracht, als die Eifersucht eines(ungenannten) niederträchtigen Mitschülers ihnnöthigte, denselben auf immer zu verlassen. Umein dürftiges Brod zu erwerben, gab er itzt eineWeile Unterricht im Zeichnen, besuchte mittlerweilefleißig die Akademie, und gewann dort die Freund-schaft eines jungen H. von Knobelsdorf, der ihmNachworts sein ganzes Leben durch Beweise seinerthätigsten Zuneigung gab. Endlich entschloß er sich172b. ohne Empfehlung, ohne der Sprache mächtigzu seyn, und so gut als ohne Geld aber nichtohne Muth, nach Paris zu gehn, und sich an denMaler Laueret zu wenden, von dem der gute Jüng-ling wahrscheinlich erst itzt vernommen hatte, daßer des Preussischen Hofmalers A. Pesne besondrerFreund sey. Da diesem seine vorgewiesenen Ver-suche gefielen, geschah es durch dessen Vermittelungdaß er in die vortrefliche Schule von N. de Lar-meffin gelangte, wo ihm über seine Kunst erst dasrechte Licht aufgieng. Nachdem er sieben Monatebey diesem Künstler zugebracht, entschloß er sich,für sich allein, und zwar nur so viel um Lohn (hört,hört!) zu arbeiten, als er zu seinem Unterhaltbrauchte, seine übrige Zeit hingegen gänzlich wei-ter», Studium zu widmen. Von Hyacinth Rigaudermuntert, unternahm er dann, nach demselben diebeyden Bildnisse des Grafen von Evreux und desErzbischofs von Cambrai zu stechen, und erhielt fürbeyde eine ansehnliche Belohnung. Neben ihmzeichneten sich damals in Paris noch zwey andreDeutsche, durch vorzügliche Talente in gleicherKunst aus: Wille und Preißler; aber durch wahreFreundschaft mit einander verbunden, herrschteunter ihnen nur ein Wetteifer von der edelsten Art.Schon in i7>jn. wollte ihn sein ehemaliger Zcich-nungskamcrade von Knobelsdorf, der sich ebenfallseine Weile in Frankreich aufenthielk, bey seinerAbreise mit sich nach Haus nehmen, als eben dererste Schlestsche Krieg eintrat. Alsdann widerfuhr

Schmidt.

ihm 1744. als Protestanten die bekannte Auszeich-nung, auf sein vortreflichcs Bildniß P. Mignardsnach Rigaud hin, zum Mitgliede der Akademie auf-genommen zu werden. Indessen behinderten ihnweder diese Ehre, noch die glänzendsten Französi­ schen Anerbietungen, dem Rufe seines Königes *)zu folgen: Noch in genanntem Jahr kehrte er nachBerlin zurück. In ,746. vermählte er sich miteiner dortigen liebenswürdigen Kaufmannstochter,Dorothea Louisa videbanr, und arbeitete einschönes Blatt nach dem andern, als er in ,757.von der Kaiserin Elisabeth (ebenfalls auf Ansichteines seiner Bildnisse, Mignards, hin) nach St. Petersburg berufen wurde '"*), theils um das-jenige der gedachten Fürstin zu liefern, theils indortiger Akademie, wegen Anführung jungerKupferstecher die nöthige Einrichtung zu treffen.Der damaligen Kriegsunruhen in Deutschland wegen verpflichtete er sich, fünf Jahre daselbstzu bleiben, und genoß hier in dieser Zeit alle Vor-züge, die ein Künstler von seinem Werthe nur hoffenkonnte. Die Monarchin gab ihm ein jährlichesSchalt von ,200. Rubel, und 4«"U. zahlte sie ihmfür jedes seiner Bildnisse, das von ihr bestellt wurde.Eben so konnte er, auch nach seiner in 1762. er-folgten Rückkehr, noch lange die Gunstbezeugungendes ersten Kaiser! Kammerherrn Iwan JwanowitschEchuwalow, als wahren Beschützers der Künste, niegenug rühmen. In Berlin betrat er jetzt eine neueLaufbahn, und etzte in dem bekannten malerschenStyl seine wunderschönen Blätter, theils nachRembrandt , theils ganz in der Manier diesesgroße» Meisters. In 1772. starb er, kinderlos,und, wie es scheint, erst nach seiner Lebensge-fährtin ch), an einem plötzlichen Schlagfluß, alser (wenn wir dem H. von Heinecke glauben sollen)eben im Begriffe stand, ein Testament zu Gunstender Französischen Akademie zu errichten ffch).Seine Erben waren meist arme Handwerker, bisauf den Königl. Cvmmissair Gerike, der noch in1786. diejenigen seiner Kupferplatten besaß, welchenicht früherhin in den Händen derer gebliebensind, auf deren Kosten solche gestochen wurde».H ein ecke's blachiichren l. 164- 174. undEbendess. LZ blachr. S. 5 c». Die Anzahl derBlätter dieses krcflichen Künstlers, der einzig seinerKunst ergeben war, belaufen sich an die 200. ohnedie zahlreichen Bücherverzieruugen zu rechnen,welche er besonders für die Prachtausgabe derMcmoires von Brandenburg und andre Werkeseines großen Königes geliefert hatte. Nach Rostfände sich die bcßte Litteratur derselben in dem unsunbekannten: OtaloAuo ru,«c>nn6 (vorn Kammer-rath Erapen, Kaufmann in Leipzig ) üe I'Oeuvrsilv t'eu k. 8cbm!clt 8". l^onüres (I)eilin 789.)122. S. mit des Künstlers Bildniß. Von Schmidteigener Hand besaß der H. von Heinecke eines,welches er (1786.) also erst lange nach desselbenTode in den eben erwähnten bleuen Nachrichtenvon Rünftlern und Runstsachen S. 2172. mit-getheilt hat, und nicht vermuthen will, daß etwasdarin fehlen sollte. Einen guten Auszug desLrayenschen giebt hiernächst Rost H- 122 22.dann derKatalog vonWinkler eben so; beyde theilsin systematischer, theils in chronologischer Ordnung.Die vollständigste Sammlung des Schmidri-schen Werkes aber, mit allen unausgeführtensowohl als mit allen Veränderungen der beendigtenBlätter, soll sich, »ach Rost, bey dem H. Erb,Prinzen von Loliurg befinden. Die Meister, nachwelchen unser Künstler Bildnisse gestochen hat, sind:I. Aved, Boizot, I. L. Cars, Ph. de Champagne,

") Nach dem einzigen de Fontenai hätte er von Friedrich II. auf die Ansicht seiner Bildnisse des Grafen vonEvreur und des Crzbischofes von Eambrai hin, ein Jahrgeld von 3000. Livr. während feines ganzen übrigenAufenthaltes z» Paris erhalten?

«*) Nach de Fontenai wäre er auch noch früher (-72ä-), mit Erlaubniß des Königes auf einige Zeit nachDresden gegangen.

f) Der einzige de Fontenai sagt ausdrücklich, daß er bev seiner Gattin mehrere Kinder erzeugt, die aber alleminderjährig verstorben, bis auf einen Sohn. der bereits große Anlagen für die Kunst seines Bakers verrieth,aber ihm ebenfalls frühzeitig, noch vor seiner Gattin durch den Tod entrissen wurde.

kk) D. h. derselben seine Kunstsachen (freylich wohl fast sein Einziges) zu legiren.