Band 
Zweyter Theil [3].
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»nd ausrecht; keinerlei! Poesie belebt diese untereScene; aber schon spürt man Raphael in derZeichnung der Gestalten von zweyen oder dreyendieser Eilsen, und noch mehr in ihren Gesichter»/welche alle Grazie habe,,/ die unser Meister spä-therhin in seinen jugendlichen Figuren so oft wie-derholt hat; und eben so merkwürdig ist es/ wie dieseschönen Gestalten schon hier ganz andere/ als diejeni-gen der Antiken sind. Schon trug Raphael die Mu-ster der seinigen in seinen eigenen Gedanken; ihreZeichnung ist vollkommen; der Kops des jungenSt. Johannes in der Mitte verliert nichts von sei-ner Schönheit durch die Verkürzung/ welche seinnach der obern Scene gerichteter Blick erfordert;und derjenige von St. Peter/ der jenem am näch-sten zur Rechten steht/ mit seiner halbkahlen Stirn',seinem krausen Haar, seinen an sich gemeinen,aber jetzt durch sein neues Geschäfte vcredelrenZügen, kurz mit seinem sokratischen Aussehen,diente spalherhin allen Darstellungen dieses Apo-stels zum Vorbild. Auch der denkende Kopf desZöllners Matthäus ist bemerkenswerth; sein langerBart, sein völliges Kahlhaupt, sein verschlossenerBlick haben ganz die Physiognomie eines Kabinet-manns. In dem obern Theil des Gemäldes dannsind Farben und Vollendung weit mehr beachtet.Die H. Jungfrau hat noch nicht die Schönheit,welche ein vvllkvmmneres Talent im Verfolg bil-dete; aber strebt derselben sichtbarlich nach. DieFigur des Christus, der ihr die Krone aussetzt,ist nur wegen der Korrektheit ihrer Zeichnung zurühmen; beyden mangelt etwas vvm Göttlichen;späterhin hätte Raphaek für sie eine andere Stel-lung gewählt, und sie zumal nicht sitzend vorgestellt.Die vier musizirenden Engel sind zierliche schlankeFiguren mit wahrhaft englischen Gesichtern; aberspäterhin hätte der Künstler sie nicht so symmetrischgestellt, und ihnen andere Instrumente, als Gei-gen und Schellentrommeln gegeben; auch die qeflä-gclten Engelsköpse zu vbersi hätte er vielleicht an-ders geordnet. Aber alle dies war nun einmaldie Weise seines Lehrers; und der achtzehnjährigeSchüler war dem seinigen Achtung schuldig, em-pfand aber wohl, daß er bald anf eigenen Füßenstehen sollte". Noch bemerken wir, daß der äußersteApostelkops zur Linken im Profil ein Bildniß ebenseines Meisters, Perugino , so wie der äußerste zurRechten sein eigener ist. Das Zweyte dieser Bil-der (9/ 10" 6"/ hoch, 7/ 2" breit) nur etwasgrößer als das Vorgenannte, rührt aus der Cla-riffcnkirche von Montc Luce bey Perugia her. Ra-phael hatte solches in 1505. (also vier Jahrespater als das erstere) den dortige» Nonnen zufertigen verheißen, und für die Zeichnung als Vor-schuß zo. Dukaten erhalten, dann aber, unterseinen andern unzähligen Arbeiten das Versprechenvergessen, und, als er eilf Jahre später (1516.)von den guten Frauen erinnert wurde, einen förm-lichen Act ausgestellt, daß er nunmehr das Werkinner Jahresfrist für den Gesammtpreiß von 200.Gvldgülden vollenden wollte, was abermals, undzwar bis an Sanzio's Tod nnterblieb. Jetztwandten sich die Nonnen an seine Kunsterben, Pipiund den Fattvre (nicht Lucas Pcnni, wie es imManuel heißt), und wollten entweder das bestellteBild, nunmehr von ihrer Hand, oder dann dieanfangs vorgeschossenen zc>. Dukaten zurück haben.Die beyden Künstler wählten das erstere. Deneinen Nachrichten zufolge theilten sie sich in dieArbeit, so daß Pipi die untern, und penn,' dieobere Scene zu fertigen übernahm; Andere schrei-ben diese letztere pierin del vaga, noch Anderedie obere Raphael selber, und hinwieder die un-tere dem Farrore zu; denn auch diese halten siefür Pipi's Styl zu leicht ausgeführt. In 1524.wurde endlich das Werk zu Monteluce ausgestellt,wo es bald drey volle Jahrhunderte unberührt blieb,sodann aber unter den hundert Knnstartikeln begris-

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sen war, die, dem zwischen dkm H. Äater lin-dem General Bonaparte geschlossenen Vertrag vonTolentino zufolge, nach Paris wandern mußten.Das Manuel nun (l. c. 39.) glaubt kurz, daßdie obere Scene beynahe ganz das Werk des Mei-sters, die untere hingegen Arbeit seiner Schülersey, und findet in der erstem Schönheiten, dieRaphaels bester Zeit würdig seyen, wie z. B.die beyden Köpfe der Engel, welche die Hauptper-sonen mit Blumen bestreuen, deren besonders dereine zur Rechten im Halbschatten für Reinheit derForm und durchsichtige Farbenleuchte nicht vortreff-licher seyn könnte, und bann freylich ein höheresIdeal der vergötterten Jungfrau sowohl als ihresverklärten Sohns wünschen ließen. » Die untereScene dann" (heißt es weiter) »bietet man-cherley Bemerkungen dar. Zeichnung und Compo-sition sind auch hier sicher des Meisters. Die Köpfeder Apostel sind, wie alle in seinen historischenWerken, offenbar Bildnisse (so z. B. derjenige zurLinken mit den grauen, frisch abgeschnittenen Haa-ren), alle von größter Mannigfaltigkeit. Dannaber verräth sich in der Ausführung überall dieArbeit der Schüler. Die Lichter sind nicht reingenug, das Weisse zu matt, die Schatten zu we-nig durchsichtig. Auch das eben nicht gut gewählteProfil des Grads ist zu rügen, und das emailliiteBiumenparterre in demselben kann auch nicht zumMuster in solcher Gattung dienen." Auch diejeni-gen drey kleinen Tafeln, welche, nach vaiari,an dem Fußgestell des zuerst genannten Bildes inSt. Francesco.standen, und die Verkündigung,die Anbetung der Hirten und die Darstellung imTempel zum Gegenstand haben, befinden sich ge--gegenwartig im Französischen Museum beysammen,und das oben erwähnte Manuel (Nro. 46.)giebt davon eine Beschreibung, wie folgt: »Die-selben gehören zu Raphaels jugendlichen Kunst-spielen. Das erste derselben ist offenbar übermalt,und der plumpe Ton desselben erhellet am beßtenaus der architektonischen Staffirung, die sogar imPerspektiv verfehlt ist. Die Unschicklichkeit ausge-nommen, die H. Jungfrau unter eine lange präch-tige Colonnade zu setzen, erkennt man übrigensdie noch junge Hand bloß in der Ausführung; dieErfindungskraft hingegen zeigt sich darin schon thä-tig und fruchtbar. Freylich sind auch die Contou-re der Madonna sowohl als des Engels durchRestauration verdorben; doch haben die Formendes letztem die Eleganz ihres Ebenmaaßes erhalten,und es ist schon ein Engel von Raphaei; dasProfil ist ungemcin zart und sein, und die Gestalthat jenes schöne Schlanke, das er allen seine»überirrdifchcn Personen zu geben wußte. Dannaber bemerkt man wieder das noch kindische Alterdes Künstlers an dem rosenfarbnen langen fliegen-den Rock des Himmelsbotcn, und an der Bewe-gung der Hand, die mit zwey langen Fingern denSegen giebt; so wie an dem hängenden Kopf derJungfrau, welcher naiv seyn soll, an dem kleinengebundenen Büchlein, das sie in der Linken hält,und an der gesuchten Bewegung ihrer Rechten,welche Bescheidenheit und Demuth ausdrücken muß.Immerhin aber ist dieses Bildchen ein kostbaresDenkmal des frühen angebornen Talentes. DasZweyte dann, die Anbetung der Weisen, verräthnicht minder noch die Kindheit des Genie, woRaphael anfing, sich seine Begriffe von Geschichts-malercy zu bilden; man glaubt darin Reminiscen-zen von der Manier des Mantegna zu finden.Alles ist wohl überlegt. Der Schauplatz hat Wahr-heit; er ist vor der Hütte eines Armen. Köpfeund Stellungen sind anmuthig, aber die Gestaltendünne und die Mannerbeine mager; das Co-siume dasjenige des Zeitalters unsers Künstlers.Die Figuren stehen nickt alle fest auf ihren Füßen;die Kopse haben nickt Mannigfaltigkeit genug; demkniecnden Könige fehlt es an Würbe, und er unter-