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scheidet sich zu iffenig von seinen Gefährten. Aberimmerhin ist es Raphael, die Dämmerung derschönen Tage seiner Kunst; alle Figuren haben ihregefühlte und richtige Bewegung, und noch zehnJahre spater hatte er seine ganze Composition be-folgen, und die Gedanken seiner frühern Zeit be-nutzen können. — Das dritte Bild endlich (dieDarstellung im Tempel) zeigt schon Fortschritte imStudium des Künstlers. Die Zusammensetzung istverwickelter und geschickter; die drey Gruppen indemselben stimmen mit der Haupthandlung zusam-men; die Figuren haben ihre gehörige Größe, dieStellungen sind gut gewählt, die Gewänder we-nigstens genau nach dem Gliedermann geworfen,die Bewegungen aller Personen voll Reitz und An-muth , der Kopfputz an Frauen und Männern (dendes Hohenpriesters ausgenommen) richtig cosiumirt,die Köpfe von einer Regelmäsigkeit der Formenund Feinheit der Züge, welche uns schon den gan-zen rvaphael verkündigt. Bloß in dem Verglei-chungsniaaße zwischen den Figuren und der Colon-uade, unter welcher die Handlung vorgeht, ver-rath sich noch die Jugend des Künstlers; nach dem-selben würden die Säulen nicht über 8—9^ in dieHöhe messen, und dies in einem Tempel", u. s. s.Diese Bilder haben nicht mehr als n" in die Höhe,und zusammen 5/ 7" in die Länge. Noch bemer-ken wir, daß sich bey Landon X. Nro. 51. daserste derselben (die Verkündigung) in der Darstel-lung namhaft verschieden von derjenigen im Ma-nuel befindet. Bey ihm sitzt Maria nicht in einemSaulengange, sondern in einem Zimmer, an ihremBette, eine Garnwinde auf einem Stein. DerEngel kömmt näher auf sie zu; eben so Gott derVater in den Wolken, und die in beyden Vorstel-lungen erscheinende H. Taube blast ihr hier ein —Etwas ins Gesichte 8.).
Während seines Aufenthalts zu Citta di Castello wurde Sanzio von Pinturicchio, seinem ehemali-gen weit altern Mitschüler bey Vanucci, nachSiena berufen, um demselben bey Ausmalung desdortigen Büchersaales beholfen zu seyn. Für diesein 1501. (3. K. 1504.) begonnene Arbeit hatte erbereits mehrere Cartons gefertigt y.), als ein Zu-fall ihn von diesem Geschäfte ab, seiner hoher«Ausbildung entgegenricf.
Die Regierung zu Florenz hatte nämlich L. daVinci und M. A. Buonarotti , zu Verzierung desgroßen Rathsaals, als Preisbewcrbung ausgegeben,den Ueberfall der Florentiner durch die Pisancr zumalen. Die Cartons von beyden wurden öffentlichausgestellt. Jede dieser Zeichnungen enthielt Vor-treffliches; indeß wurde derjenigen von Buonarotti die Palme zuerkannt. Diese Preisarbeiten zweyer,so berühmter Künstler zu sehen, war Raphaetäußerst begierig; sein Freund vermochte es nicht,ihn. langer in Siena zurückzuhalten; er begabsich unverzüglich nach Florenz io.).
»Jene Zeichnungen " (sagt uns vasäri) „fander göttlich; aber auch die schöne Stadt behagteihm nicht minder"; und eben so gefiel dpr liebens-würdige und talentvolle Jüngling Jedermann.Mehrere andre junge Künstler, R. Ghirlandajo,A. Sant Gallo u. s. f. wurden bald seine Freunde;der Kunst und Tugend liebende Adliche TaddeoTaddei wollte ihn beständig im Haus und an sei-ner Tafel haben, und ein dringendes Empfehlungs-schreiben der Herzogin Johanna von Urbino anden damaligen Gonfaloniere P. Soderini mochteihn überhaupt bey Allem, was trefflich in Florenz war, eingeführt haben n.). Welchen Vortheilfür seine Kunst er aus .diesem seinem ersten, unddem nachher zweymal wiederholten dortigen Auf-enthalte gezogen, sind die Meinungen verschieden.
s.) Gestochen ist die Himmelfahrt Maria, genau wie die beyden Bilder, welche wir oben beschrieben haben,unsers Wissens nirgends, als im Umrisse in dem Manuel ll. cc. Wohl aber von einem alten Ungenannten,mit namhaften Veränderungen. Hier sitzt Maria, ganz wie eine Nonne gekleidet, auf dem halben Monde i»gerader Stellung, und beret, mit einer Glorie von Engeln umgeben, davon zween an der Seite jeder einebrennende Fackel tragen. Hier kein Christus, der sie krönt. Unten das leere offene Grab, hier nicht miteinem Blumenparterre gefüllt; die Apostel rings umher (hier nur eilfe) in theils erstaunter, theils anbetender,überhaupt ganz anderer Stellung als die unfrigen. Dieses 10" hohe und 8 " breite Blatt ist unten zur Rech-ten mit dem 8 . auf einem Würfel, und zur Linken mit einem k bezeichnet. Auch Abdrücke mit der Aufschriftzur Linken: ^lxenxlo etc. und: stomse l.Lkrer/j das li. aber zur Rechten (S. Heillecke ll. 44z. undWinkler Nro. 379».); dort heißt es ein gutes Blatt, aber ohne Namen und Zeichen. Eine Nachbildungim Umrisse giebt ILandon r Vis etc. äe Lafbae/, dx'ro 4Z7. — Die Verlobung der H. Jungfrau dann, frey-lich mir einigen Veränderungen gegen das von vasari beschriebene Urbild, ebenfalls von einem alten Meister,ein n" L'" hohes, und 7" 9"' breites, seltenes Blatt, mit dem Buchstaben tt. und einem verschlungenen8 4 V- als Monogramm bezeichnet, welches Heinecke II. 44 -. und nach ihm winkler Nro. Z778. auf einenValent. Sebenzanus deuten wollen. Nachgebildet im Umrisse finden wir es bey Landon 1. c. Nro. 40,. —(Von einem ähnlichen Urbilds zu Mailand sprechen wir unten). Von de» drey kleinen Bildern dann unterder Himmelfahrt bey St. Francesco zu Perugia kennen wir keine alten Stiche, ausgenommen von der Ver-kündigung Einen (so wie ihn London in den Annalen sowohl, als in der: Vie etc. ä« L-ipbaek dlro.407. nachbildet), bloß mit: >»v. bezeichnet, welches n" 9"' in die Hohe, und 7" 9^" in die Breite
hält, und A. Veneziano zugeschrieben wird. Mit Veränderungen dann mehrere. Eines, wo Gott der Vaterdie Weltkugel in der Linken hält, und mit der Rechten den Segen ertheilt, sonst dem ben ILandon ziemlichähnlich, ohne die Garnwinde (-<>"9'" hoch, 9" <p" breit). Wahrscheinlich das, welches Vasari dem Marcvon Ravenna und A. Veneziano gemeinschaftlich zuschreibt; auch in Drücken mit dem Namen Salamanca .Wieder eines kennt man von P. S. Bartoli. Noch eines von einem Ungenannten. Auch Eneas Vicus solleine Verkündigung gestochen haben. Alle diese Blätter finden sich nachgebildet bey Lands»: Vie etc. Klo»,izi. -42. 417. 4,8. u. 473. so wie 47z. u. 74. auch die Anbetung derWeisen und die Darstellung im Tempel.Alte Blätter hingegen, welche mit unsern Bildchen von diesen zwey Gegenständen die mindeste Aehnlichkeit haben,finden wir keine.
N.) An einigen Köpfen des ausgeführten Werkes soll man nicht bloß seine Zeichnung, sondern auch sein Koloriterkennen (»eil» frcciate extern», l» qusl rixpanäe Ll Ouoirio, heißt es in einer Anmerkung bey Bottori).Der neuere Lanzi vollends ertheilt dieser Arbeit Rophoels seine höchste Bewunderung. Ihr Gegenstandwar das Leben des Aeneas SylviuS Piccolomini, nachherigen Papstes Pius II . Noch war es etwas ganzUngewohntes, einen solchen historischen Cyclus, zumal aus weltlicher Geschichte von Ereignissen im Jnu- undAuslande, und alle dies in lebensgroßen Figuren darzustellen. Und dieses wagte der kaum zwanzigjährige Jüng-ling, der damals in die große Welt noch keinen Fußtritt gesetzt hatte. Die ganze Arbeit» mir einer Beschrei-bung derselben begleitet, findet sich aus ic>. Quartblättern mittelmäßig gestochen in einem Hefts, das zumTitel führt: dlarrLrions äcile QextL (li Lne» 8 >lvio ?>ccolom>»i poi klo ll. rLprexentLke nells psrellckell» libreri» corals äel Onomo äi 8 ien» clsl /'-»tticrccdro, cui» ll xcliirri e curkoni äi U'L/zl»»o iir
X.grsn gusclri. 8ien» 1771.
10.) Vasari, im Leben Buonarotti's , spricht, nach seiner Weise- »Alle, welche nach jenem Carton desselbenstudirt und gezeichnet haben, sind vortreffliche Künstler geworden", und zählt dann z. B. sechse derselben»und unter diesen auch Rophoel auf. Bemerkenswerlh ist es jedoch, daß in der ersten Ausgabe von Vasari ,(ssirenre 550) Sanzio nicht unter jener Zahl begriffen wird.
»-.) In diesem Schreiben, dat. r. Oct. 1504. nennt sie ihren Empfohlenen: vixcrsw e gentii gwvune-, und setztdann, neben Anderm, hinzu: pec vtzni rlxpetto io l'»mo xominsmeiile, s äesiäero cke egli vsngit L buonperksrions. I. I. Wir sehen nicht ein, warum (wie Herr Hiorillo I. 86 . meint) dieser Brief
ein irriges Datum trage», und wohl auf einen Knaben von zehn bis zwölf Jahren, aber nicht auf den einund zwanzig jährigen Jüngling passen könne, der.drep Jahre daraus bereits vonJuliusU. nach Rom berufen wurde,