Band 
Zweyter Theil [3].
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Da lesen wir z.B. im Alm-nach aus Rom iZia.S. 107—10. (so schon ausgemalt wie möglich):„Eine ihm bisher ganz unbekannte Kuiistwelt em-pfing ihn hier in ihrem Scsiooße, und enthüllte sei-nen Blicken ihre Schatze. Was drey Jahrhunderteschon gethan, das konnte, im kleinen Bezirk dieserStadt vereint, sein Geist mit einem Male umfas-sen. Hier war es, wo die Arbeiten der Ncugrie-chcn, des Cimabne, ihres Schülers, besondersaber die des Giotto, des Masacciv, des Verocchio,des altern Ghirlandajo , und endlich die beyden Car-tons nebst den bronzene», noch jetzt als einzig be-wunderten Thüren von Ghiberti , seinen, der Kunstmit inniger Liebe ergebenen Sinn mächtig reitzenund seinem Geist die Aufschlüsse verschaffen mußten,auf die bisher sein ganzes Streben gerichtet war.Ob er das Campo Santo in Pisa , wo die hetruri-sche Schule sich ein Hauptmvnumcnt ihres Wir-kens errichtete, zu eben diescrZeit gesehen, darüberfindet man ebenfalls keine sichere Nachricht ertheilt.Das Benutzen mehrerer daselbst ausgeführter Idee»in einigen Logcngemahlden im Datican scheint we-nigstens einen solchen Besuch, entweder damalsoder späterhin, nicht gänzlich unwahrscheinlich zumachen. Allein mehr als wahrscheinlich, ja sogargewiß ist es, daß unter den Arbeiten der altern flo-rentinischen Meister keine sein Stiidium so sehr aussich leiteten, als die des Masacciv, des tiefkühlen-den, reinmenschlichcn Masacciv, von dem noch diespätern Zeitalter sagen, daß, was den innern Cha-rakter seiner Bildungen betrifft, in ihm schon einRaphael vor Raphael lebte! Hier trafen sichzwey verwandte Geister, obgleich durch mehrereMenschenalker getrennt, zusammen; hier fand derspätere den Hauch desselben Geistes, dieselbe ru-hige Tiefe der Empfindung wieder, die auch ihnbelebte. Für den Eindruck, den die empfindnngs-vvllen Werke dieses, für die Kunst leider nur zufrüh verstorbenen Künstlers auf Raphael machten,spricht die Benutzung des herrlichen Paulus in derCapeile der S. S. Derginc in der Kirche del Car-mine, in seinem Paulus, wie er den Athenern pre-digt, und des Adams und der Eva daselbst in sei-ner Darstellung derselben in den Lögen des Vatikan .Die in dieser Capelle enthaltenen Gemälde warenschon vor ihm von Leonardo da Vinci , so wie vonMichael Angelo fleißig studirt worden; aber nie-mand ward von ihnen so sehr ergriffen als Er ir.).

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Seine Freundschaft mit Rudvlph Ghirlandajo, ei-nem Sohne des Dominicus, welcher der Lehrerdes Buonorotti war, ließ ihn ebenfalls sehr vielgewinnen. Dieser junge Künstler, um einige Jahrejünger noch als Raphael , war schon damals alsein trefflicher Zeichner bekannt. Die Winke, welcheSanzio von ihm über das gründliche Zeichnenbekam, lehrten ihn wenigstens die Lücke kennen,die er noch auszufüllen hatte". Lanzk hinwieder(etwas kaltblütiger) glaubt: „Raphaeis Aufent-halt in Florenz habe ihn nicht, wie Andere, ausseiner eigenthümlichen Kunstbahn gezogen; wohlaber habe er durch das Anschav'n alles dortigenguten Alten iz.) und Neuen seinen Jdcenschatz stetsbereichert, den Lebenden wohl manche Praktik ab-gelernt", u. s. f. Don seiner persönlichen Bekannt-schaft und Freundschaft mit da Vinci schweigt dieGeschichte fast völlig, so sehr man auch solche auSder Aehnlichkeik ihres liebreichen und großherzige«Personalcharaktcrs, so wie ihres beydseitigenTrachtens nach vollkommener Schönheit hatte ver-muthen sollen; so daß in der That Niemand sogeschickt als da Vinci war, dem Unterricht, wel-chen Sanzio von Vanucci empfangen, eine ge-wisse Verfeinerung zu geben" 14.). Wie dem nunimmer seyn mag, Raphaeis erster Aufenthalt zuFlorenz war von kurzer Dauer, da der mittler-weile erfolgte Tod seiner Eltern ihn nach Hausrief. Doch hinterließ er bort, zum Andenken sei-ner frühen Kunst, und zugleich als Denkzeichcuder Freundschaft, drey Bilder: Zweye für TaddcoTaddei iZ.); das eine (wie vasari ausdrücklichsagt) in seiner ersten Peruginischen, das andere inseiner zweyten bessern Manier r6.); dann ein drit-tes, als Hochzeitgefchcnk für Lorenzo Nasi: Die-ses letztre eine Madonna, ein Buch in der Hand,mit dem Kinde zu ihren Füssen , dem der kleineSt. Johann ein Vögelchen reicht; ein Bild, dasVasari wegen dem Kopf der Mutter, »voll Grazieund Göttlichkeit", so wie wegen naiver Fröhlichkeitder beyden Kinder, dann auch für Cvlvrit und fleißigeAusführung nicht genug rühmen kann 17.).

Während Raphael die Angelegenheiten seinerFamilie zu Urbinv in Ordnung brachte, blieb erfür die Kunst auch dort nicht müßig. Aus diesemZeitpunkt kannte man von ihm ein Paar kleine,aber sehr schöne Madonnen von seiner zweytenManier; einen St. Georg, der den Drachen töd-

-2) „Aus ihnen" (beißt es auch IN den Propyläen I. I. 107—8.) „scheint Raphael ganz besonders die un-gezwungenen natürlichen Motive, die Oekvnomie der Figuren, die Wahrheit und Simplicität In Stellungenund Bewegungen in höhen» Grade erlernt, oder vielmehr bessere Marimen über diese Punkte auSgefunden zuhaben."

lZ) Sein Studium des Aeltern betreffend sagt auch vasari, aber mit seiner ehrlichen Kürze, ausdrücklich:

«luciio guesto eccellentiLLUno pitlore nslla citts 6i Zsttenrs la cose vsccliiö lii Mti-accro

14) Ein Bildniß in der Gallerie zu Florenz , welches da Vinci, der Ueberlieferung nach, für Raphacl gemalthaben soll, ist — kurz das Bildniß eines Unbekannten.

15 ) ker nou eoser vlulo cki cvrtesls, gli kecs äue yunäri.

1 6 ) Der Gegenstand von beyden ist unbekannt. Eines wurde in später» Tagen von einem Erzherzoge von Oestreichgekauft; vielleicht eines von den Bildern, die sich gegenwärtig in der Kaiser!. Gallerie zu Wie» befinden.

17) 2 » 1548. ging dasselbe mit dem Hause, worin es sich befand, durch einen Erdsturz zu Grund; wurde aberaus den Trümmern — freylich in Stücken wieder aufgefunden, und diese so gut möglich zusammengesetzt, inwelchem Zustande es in die Tribune zu Florenz kam. Dort sah es noch Morgenstern, in unsern neuestenTagen, voll gerechter Bewunderung, und bemerkt, neben Anderm: Daß die Mutier große Aehnlichkeik mitder Gärtnerin habe, und eben so die landschaftliche Sraffirung mit Versen,'gen IN dem letztgenannten Bilde.Auch Meyer in den Propyläen (l. 1. >06.) welcher glaubt, Vasari irre sich, daß solches während R. erstemAufenthalte zu Florenz gefertigt worden, und es daher für spätere Arbeit, als die bald unten erscheinendeMadonna in der Gallerie Colonna hält, sagt davon: „An der unsrigen seoen alle Tbeile «cvon größer undfreyer; das Ganze ist männlicher gedacht, die Anordnung zierlicher, die Kunst überhaupt verbessert, und anzartem Gefühl nichts verloren. Die jungfräuliche Mutter sitzt, und schaut mit inniger Liebe auf das Spielder Kinder; ihre Seele ist ein reiner Spiegel, nie vom Hauche der Leidenschaft getrübt, Gottes Friede wobntin ihr, und ist über ihr ganzes Wesen ausgegossen. Die beyden Kinder sind harmlose unschuldige Geschöpfe,fromm und gut; aber man siebt in ihren Formen immer noch die befangene Art der Peruginischen Schule,welche auch in dem sanften, gelblichen Ton des Kolorits wieder erkannt wird." Ein anderes diesem vollkom-men ähnliches Bild besaß das Kloster Vallambrosa. Heinccke ll. S. 42-. und winkler Nro. 57-3. nennenvon dem erstern ein großes, gut gestochenes Blatt von Eher. Alberst (-5-8.) — Dann nach einem solchen Bildenennen ebenfalls Heinccke I. c. S. 426. und winkler Nro. Z72P. einen Stich von Rousselet, erstrer auchibid. ein Blatt von ). Matham (,650.), und ein neueres von Alir. Indessen bemerken wir, daß alle dieseBlätter eine Elisabeth mit enthalten, von welcher hingegen weder der alte vasari, no» der neue Mor-genstern kein Wort spricht.

Anh. zum VII. Hefr. r