Band 
Zweyter Theil [3].
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let, und Christi Gebet im Garten, ebenfalls klein,und wie Miniatur ausgemalt 18.).

Jetzt (1505.) ging er wieder nach Perugia zu-rück. Die vorzüglichsten Werke, die er dort ineinem Zeitraum von zwey Jahren verfertigte, wa-ren: Eine Madonna mit Johann dem Lauser«ebst St. Nicolas, für die Kirche der Frati deServi, gegenwärtig in Paris iy.). Für dieNonnen von St. Anton eine andere Madonna,den Leichnam bekleidet 20) in ihrem Schooß,nebst St. Peter und Paul, St. Cacilia und St.Catharina 2i.), wo vasari besonders die schonenKopse dieser beyden heiligen Jungfrauen, und das

Abgewechselte in ihrem Kopsputze 22.) rühmet.Ueber dieser Altartasel hing in einem Nond eintrefflicher Gott der Vater; und am Altarschemmelsah man, in ganz kleinen Bildern, den Cyclus:Wieder, wie zu llrbino, ein Christus betet imGarten; dann die Kreuztragung; und wieder dertodte Christ in dem Schooß seiner Mutter 23.).Hiernächst für die Kapelle der H. Jungfrau imKamaldulcnscr Kloster St. Severo ein großes Fres-cogemalde 24.), so viel bekannt ist, das erste,welches er je unternahm, worin Christus in einerGlorie, nebst Gott dem Vater, von sechs Heili-gen 25.) umgeben, vorgestellt ist. In dasselbe 26)

18) Die zwey letzter» waren für den damaligen Herzog von Urbinv, die bevden Madonnen für den Florentiner-Capitaneo Guidobald von Montefeltro gemalt. Von allen vieren weiß man mit keinerley Sicherheit, wo siehingekommen sind. Ueberdaupt befand sich in neuern Lagen (wie schon BottarL klagt) in Raphnels Geburts-ort, weder öffentlich noch bey Privaten, kein einziges Bild mehr von ihm. (S. oben die einzige Ausnahme.)Die beyde» Madonnen (glaubt ebenfalls Lottart) dürften vielleicht diejenigen seyn, welche N. de Larmessinund I. C. Flipart, aus der Gallerie Orleans gestochen haben. (S. Heinecke II. 438. und winkler Nro.377274) Auch derChristus im Garten könnte (wieder nachBottari) in gedachte Gallerie gelanget seyn, und wärealsdann dasjenige Bild, welches Flipart für Crozat geliefert hat. (S. Hemecke t. c. 397. und winkler Nro. 3633.)Die ächt Litteratur des Bildes von St. Georg dann ist noch weit schwerer r» bestimmen. Zwey dergleichenBilder nämlich befinden sich im Französischen Museum; beyde klein. Das eine, wo der Ritter den Drachenmit der Lanze bestreiket, und eine betende Heilige im Mittelgrund knieet, von ,5" Höhe, und wie Landon(Ann. ill. Nro. 15 ) sagt, in Raphaels erster Manier gemalt, etwas trocken, aber mit Feinheit und Rein-lichkeit ausgeführt, ist wohl dasjenige, welches einst dem H von Crozat zuständig war, und sich, von Larmeßingestochen, in der bekannten Sammlung befindet (S. Heinecke U 456. und winkler Nro. 38-5 ); wesentlichverschieden von einem zweyten noch kleinern (10" 8"' hohen, 91/2" breiten) aber vorzüglichern, das sich schonvon Alters her in der Königlichen Sammlung befand, wo der Heilige, nachdem ihm die Lanze gebrochen, derenSplitter zur Erde liegen, das sich gegen ihn aufbäumende llngethümm mit dem Schwerdt bekämpft, und eineFrauensperson (hier wie eine Königin dargestellt) vor Schrecken zu stieben scheint (S. Heinecke >- e. 455. u.winkler Nro. 5824.). Dieses, ebenfalls von Larmeßin, wieder für Crozat, in neuern Lagen von Nicquergeliefert, soll, gemeiner Meinung nach, das bey vasari erwähnte seyn, und ist das vollkommene Nebendilddes unteu folgenden kleinern St. Michaels in dem nämlichen Kunstschatze. Von diesem heißt es bey Landon(Ann. IV. Nro. 6-.):Die fleißige Ausarbeitung desselben, und zumal die überaus sorgfältige Verschmel-zung der Farben ist nicht genug zu bewundern. Das stärkste Licht geht durch unmerkbare Abstufung in die tief-sten Schatten über, so baß man, wie in der Natur, nie die Grenzlinie zwischen Licht und Schatten bestimmenkann. Jeder andere Maler würde, besonders in der Rüstung des Ritters, helle abgeschnittene Lichter aufge-setzt haben, um das Schimmernde des Stahls herauszubringen. Unser Meister bedarf dieses Hülfsmittelsnicht; die Rüstung glänzt wie ein Spiegel, ohne daß man den mindesten Pinselstrick (Toccirung) gewahr wird.Auch auf dem weiße» Pferde bemerkt man keine einzige starke Lichtxartbie; das Liebt glinzt unmerklich in dietiefern'Schatten hinab. Der Hintergrund dieses kleinen Meisterwerks scheint von einer fremden aber geschick-ten Hand aufgefrischt, und die fliehende weibliche Figur ebenfalls nicht von dem llnsrigen zu seyn." Noch einanderer St. Georg von Raphael befand sich, nach Lomazzo (l.. l. L. 8.) einst in St. Victor zu Mailand ,und noch ein Anderer bey dein Grafen von Pembrock in England, schon 1628. von David Granger gestochen(S. Heinecke >. c. 456. u. winkler Nro. 3828.). Letzterer dann nennt noch ein (schönes) solches Blattvon L. Vorstermami, welches aber>, wie wir glauben, eben so wie noch eines von L. Gaultier, keinanderes, als das zuerst genannte Bild aus dem Kabinet Crozat vorstellt. Beyde im Museum befindlichendann kennen wir auch in bloßen Umrissen aus Landon's Annalen und dem lVlauuel <lu jVluseuiii ll. cc. sowie aus des erstern Vle ecc. äe L-ybael Nro. 333- u. 3t-

19) tklmanacli a. Rom itzio. 8. rra. Weder das: Manuel <lu Museum, noch LandSNS Annalen wissen da-von nicht das Geringste; und eben so wenig findet sich irgendwo die Anzeige eines Blattes »ach diesem Bilde,selbst in Hirnboiiö Vis etc. äs ^apkmet nicht, der sonst dort an die 40. H. Familien von R. giebt.

20)Denn" (sagt Vasari )so gefiel es den einfältige» ehrwürdigen Frauen."

21) Bottari vermuthet irrig!, daß dies Bild nach Spanien gekommen sey. Es befindet sich, so wie der gleichfolgende,dazu als oberer Theil des Gemäldes gehörige Gott Vater in Halbfigur mit zwey Engeln, noch gegenwärtig(wenigstens 1798. noch) in der Gallerie Colonna zn Rom .Noch ist freylich" (sagt Meyer in den Propy-läen I. I. 1089)nichts Großes, nichts Gewaltiges, weder im Style noch in den Forme» dieses Bildes;die Falten sind nicht zum besten gewählt, und in dem Wissenschaftlichen der Zeichnung möchte dasselbe ungefährneben die Arbeiten seines Meisters Perugino zu stellen sevn. Gott der Vater bat keine Majestät, sondern istnur ein alter Mann, nicht größer und würdiger als die beyden Apostel; es fehlt durchaus an der Unterord-nung der Theile zum Ganzen; der Künstler scheint bloß an jeder einzelnen Fignr sein Möglichstes gethan zuhaben. Hingegen ist Alles, was Empfindung und Gemüth hervorbringen können, vorrefflick, ja sogar wunder-sam ; die bevden Kinder (denn seltsam Meyer bezeichnet das obere Bild als eine Madonna mit Chri-stus und Johannes, unten die vier HH., welche auch Vasari nennt) voll Naivetät und Unschuld, die Weibermit himmlischer Anmuth geschmückt. Es sind schöne Erscheinungen, beglückende Träume."

22) Letztres zumal als: cosa rara in gue tempi.

23) Diese drey kleinen Bilder kamen ins Kabinet Orleans , und finden sich gestochen bey Crozat: Das zweytevon Larmessin, das dritte von du Flos (S. Heinecke II. 398. und 401. und winkler Nro. 3640. und3651.). Auch das Blatt von FUpart, oben in Note -8. genannt, dürfte eher dieses, als das dort ange-führte Gebet im Garren seyn.

-4) Eine Note in der Stenenfer-Aukgabe des Vasari spricht, neben dem hier im Tert benannten, noch voneinem zweyten Frescogemälde, welches die ganze Vorderseite des Oratorium von Citta della Pieve einnehme, und dieAnbetung der Weisen vorstelle, was bisher immer dem perugino zugeeignet wurde, und aber durch die Liebe,womit besonders Mutter und Kind (mit seinen Füßchen wie gedrechselt) gemalt seyen, dann nebenbey auchdurch das elegant gefügte und fein geglättete Holzwerk der Hütte, worinn die Krippe stand, sich unrweydeutigfür Kaphaelö Arbeit, freylich von der Zeit eigne, wo er sich noch des Styls des gedachten seines Meistersbefliß. Das Ganze ist 22. Palmen breit , und 20. hoch, und besteht aus 33. ungefähr sieben Palmen hohenFiguren, soll aber von den vielen Nägeln, die man in die Mauer geschlagen, von 'charfen Beten, womitman es ausgeputzt, u. s. f. übel zugerichtet, in neuern Tagen (1790.) jedoch, auf Befehl des H. Bischofs,mit einer Decke verwahrt worden seyn.

-5) Den HH. Benedict, Romuald, Lorenz, Hiervnvmus, Maurus und Placidus.

26) »Das man" (sagt vasari schielend genug)damals für ein al Lrescg, für sehr schön hielt."