schrieb er mit großen goldenen Buchstaben seinenNamen 27). Zuletzt ward ihm noch von einer ge-wissen Signora Baglioni ein großes Bild, vonwelchem wir sogleich reden werden, aufgetragen;allein sein rastloses Streben nach immer mehrererVervollkommnung zog ih„ einsweilcn zum zweytenMal nach Florenz .
Von diesem seinem zweyten dortigen Aufenthaltnun (meint wenigstens Vassan) habe man später-hin wohl spüren mögen, was er daraus für Nu-tzen geschöpft; wie er jetzt seine Manier verschönert»nd vermannigsaltigt, oder vielmehr alle Manierso abgelegt habe, daß man seine Bilder bald fürdes, bald für eines andern Künstlers rrestiches Werkhielt. Nun war es, wo die Bekanntschaft mitFra Bartholomeo die St. Marco ihn zu festemGrundsätzen im Cvloriren leitete 28), wofür erdiesem hinwieder Unterricht in der Perspcktiv gab.Von seinen damaligen Arbeiten in Florenz nenntvasäri die Bildnisse eines Dilettanten, AgnoloDoni, der (nach neuester Weise) gern bezahlte,aber so wenig wie möglich, und seiner Gattin,
Maria Strozzi: Das erste kannte Lottari (nursagt er nicht, wo?) noch gut erhalten, das zweytehingegen, wegen des Kreibengrundes woraus esgemalt war, ganz versplittcrt.
Nun gieng er abermals für eine Weile nach Pe rugia , wo er für die Signora Baglioni das schonoben angezogene Bild ausführte, jene berühmteGrablegung, welche späterhin nach Rom gebrachtwurde, und noch in ganz neuerlichen Lagen in derGallerte Borghese, als eine ihrer vorzüglichstenZierden stand, vasan kann dieses Bild nicht ge-nug erheben 29); und einer von Raphaels neue-sten Biographen 30) nennt es, wohl ebenfalls mitGrund, ein wahres Wunderwerk der Composition zi),Zeichnung und höchst gefühlvollen Ausdruckes.«Gleich selbst schon Verklärten" (heißt es dort) »schei-nen die Verwandten und Freunde des Heilands dessenerblaßten Körper zu Grabe zu tragen, aller Weltum sich her vergessend, mit ihrem Geist an ihmhangend, aber doch nur in dem Schmcrzensausdruckedler, unsterblicher Wesen 32).
Noch gedenkt Lanzi aus diesem Zeitpunkt einer
27.) Lanzi nennt nock, neben diesem Christus mit den lecks Heilige», ein Crnzifir, ebenfalls in FreSco, wel-ches späterhin aus der Mauer geschnitten wurde, und noch gegenwärtig von den PP. Camaldulensern aufbe-wahrt werde, und will dann aus der Ansicht aller die'er frühern Fresco-Arbeite» Raphaels neuerdings (S.oben S. 5.) den Schluß ziehen, was er aus seinem ersten Aufenthalt zu Florenz , ungefähr für Nutzen ge-schöpft habe: Für's Studium des Schönen nämlich, und für Ausdruck, keinen (diese beyde» Kimstttheile kannteer schon früher theils so gur, theils wirklich besser als diejenigen, von denen er in Florenz dergleichen hättelernen können). — Kenntniß der Anatomie? Diese erwies er eben nicht sonderbar, da wo er's hätte thun können,an jenem Christ in der Glorie. — Das Gruppiren, die Verkürzungen, ein mürberes Cvloriren? Dies mochteer wohl dem da Vinci oder Angelo, oder den noch ältern Meistern abgelernt haben.
28) Warum bey Fiorillo I. 87. diese wohl unstreiiige Thatsache so halb und halb bezweifelt wird, begreifenwir nicht.
-9) Besonders rühmt er die Figur des Johannes, »der, mit kreuzweise gesalteuen Händen, den Kopf auf eineWeise senke, die das härteste Gemüth zum Mitleid bewegen muß."
Zc>) -tlmsnacli L ttoin. ign. S. >is.
zi) Einige wollen zwar, daß er diese aus einem Blatt von Mantegna entlehnt habe. Hcrnecke ll.
3-) Vortrefflich! Und ebenfalls schön - aber ob auch wahr? — das dieser Stelle theils Vorhergehnde, theilsNachfolgende: »Dieses Bild ist aber dadurch vorzüglich merkwürdig, daß in ihm Raphaels Scbwermuth, durchden nicht lange vorher erfolgten Tod seiner geliebten Eltern erregt, sich so lebendig, so tief, und zugleich miteiner so leisen Seelenbewegung ausgesprochen hat, daß in dieser Hinsicht, ihm nichts von seinen eignen spä-tbern Arbeiten, und noch weit weniger sonst etwas aus dem gesammte» Gebiete der neuern Kunst gegenübergestellt werden kann." Daß ein Sohn, wie der Jüngling Raphael war, sich über den Tod guter Elterninnig betrüben mochte, wer sollte daran — zweifeln? Aber von der Schwermuth, in welche er darüber versun-ken, sagt uns die Geschichte kein Wort. Daher ist wohl nur halb wahr, und eben darum auch nur halb ver-ständlich, was folgt: „In diesem unübertrefflichen Meisterwerk wallt die letzte Flamme eines melancholisch-zartenJugendgefühls, welches, durch die Schläge eines düstern Schicksals geweckt, in wahrhaft edlen Naturen alleinder höchsten elegischen Stimmung fähig ist. Bey ihm trennen wir uns von den Blüthen, die seine Jugeuderzeugte, wie von tieblichen, überirdischen Gestalten, die, ungerufen wie unerwartet, ais ein Spiel der großenNatur selbst im Traum des Lebens vor uns erscheinen. Mit seiner Beendigung war unser Künstler in dieJahre der Mannbeit getreten; da erblicken wir ihn in seinen reifern Früchten, welche die geübtere Kunst mitdem Naturtalent erzeugte und uns hinterlassen hat." Auch Lanzi (dieser mit seiner gewohnten Klarheit)spricht von unserm Bilde kurz, wie folgt: »Es sind der Figuren nicht viele; aber jede verrichtet ihr Geschäftaufs Beßre. Die Köpfe sind wunderschön, und seit dem Wiederaufleben der Kunst gehören solche zu denersten, wo der Ausdruck tiefer Trauer und banger Klagen, dennoch der Schönheit keinen Abbruch thut". Undendlich hören wir auch einen sehr bewährten deutschen Kunstlichter in den Propyläen (I. -. »ogHan. »DieFrucht seiner Studien nach den Werken des Massaccio" (heißt es dorr) »wendete Raphael nun in dem Ge-mälde von der Grablegung an, und zeigte darin seine vermehrten Einsichten in allen Theilen der Kunst. Erberichtigte die Zeichnung, machte die Formen mannigfaltiger, breiter, stärker und kräftiger; er wählte mirSorgfalt, und arbeitete mit Fleiß, mit Liebe, und zugleich mit meisterhafter Leichtigkeit aus; seine Motivesind vortrefflich erdacht, und überaus zweckmäßig, der Ausdruck lebendig »ud rührend. Aus keinem seinerBilder spricht die Empfindung gewaltiger in Höhe und Tiefe; er trift das Herz, und dieser Theil seinesKunstcharakters kann hier alldereits für vollendet angesehen werden, in dem Raphael hierin nie weiter ge-kommen ist. Hingegen die Anordnung, die Massen, die Meisterschaft in der Behandlung, hauplsäcblrch aberder Styl der Zeichnung, welcher eher natürlich als groß, mehr sein als kühn ist, find noch keineswegs voll-kommen, und in allen diesen Theilen darf dieses Bild nicht mit seinen späthern Werken verglichen werden."Sonderbar! Richards»» in seinen Nvrizzen über den Pallast Borghese schweigt von dieser Grablegung, undRamdohr nennt sie irrig eine Krcumbnchmung, und spricht dann dennoch cathegorisck davon, wie folgt:»Der Künstler stand, als er dieses Bild verfertig«, noch nickt auf der Höhe der Vollkommenheit, die ernachher erreicht hat; aber er hatte schon den Gothischen Geschmack der Schule des Pcrugino verlassen. Manfindet kein natürliches Gold mehr, weder in den Glorien um die Köpfe der Heiligen, neck in den Sticke»reveu auf den Kleidern. Die Hand ist noch etwas furchtsam, dem ungeachtet aber der Ausdruck unvergleichlich.Die Köpfe sind schön, die Zeichnung ist fein und correkk, die Färbung, ohne kräftig zu seyn, frisch und durch-sichtig; die Behandlung geleckt, und bis zur Kälte sorgsam in den geringsten Beywcrken. Hieran, und audem Style in den Gewändern, erkennt man die Bekanntschaft des Meisters mit den Werken des Leonardo da Vinci und des Fra Bartholomeo. Die Luftperspektive und das Helldunkel fehlen ganz. Die Umrisse sindetwas hart und nicht genug verschmolzen." Don diesem Bilde kennt man unsers Wissens bloß einen altenStick von E. Vicus (15(8.) S. Heinecke l. c. S. ä<>2. Nr. 43. und winkler Nr. 3652. wo es aber nochzweifelhaft ist, ob solches Blatt wirklich, wie Heinecke behauptet, unsere Grablegung in Borghese zum Ge-genstand habe, da er nämlich von einem Grabmal in Gestalt eines Thurmes spricht, vor dessen Eingang dieH. .Jungfrau in Ohnmacht gefallen. Dann ein neues Blatt von Vvlpato, ,7" hoch, >5" breit. Landonendlich Nr. - 54 . giebt im Umrisse eine Copie des Blatts von E. Vicus, von 5. weiblichen und 4. männlichenFiguren, ohne den Leichnam, wo jener Thurm eben auch nickt ersichtlich ist, und nennt dann noch zwcoandere Stecher (den Grafen Caylus und le Rvir) desselben »schönen Bildes" sagt er, ohne (eineStelle zu bestimmen, so wie hingegen Heinecke >. c und winkter Nr. 566,. das Blatt von Caylus alsnach einer Zeichnung im Crozatschen Kabinet, in Helldunkel, anführt. Wie wir somit vermuthen» wäre dasBlatt von Vvlpato, das wir leider eben uicht vor uns habe», das einzig sichere nack unserm berühmten Bilde.
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