Band 
Zweyter Theil [3].
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als Dramante, sein Freund und etwas entfernterVerwandter, (in 1508. zy) ihn nach Rom einlud.Die Vcranlaßung war folgende:

Julius H. saß in dieser Zeit auf dem päpstlichenStuhl. Unter ihm entstanden die bessern Ideenzur Erbauung der Et. Peters - Kirche, und zuVerschönerung des Vatikanischen Pallastes. Bra-mante war hierin einer seiner erfahrensten Rath-geber; und dieser vermochte ihn vornehmlich, aufrvaphael sein Aug zu richten. Der Päpstliche Rufan den fünf und zwanzigmhrigen Jüngling lautete:Daß Ee. Helligkeit, von dem Namen bewogen,den seine Werke bereits ihm verschafft, ihn einlade,um in seinem eignen Pallast sein ausgezeichnetes Ta-lent allgemeiner bekannt zu machen. Diese Einla-dung erwiederte er mit Ehrerbietung 40) und eilte»ach Rom . Julius empfieng ihn mit ausgezeichne-ter Güte 41). Mit Arbeite» in Fresko sollt' ersein Probestück ablegen; und dazu ward ihm diesogenannte Stanzn della Segnatura angewiesen 42).Einer jetzt allgemein angenommenen Meinung zu-folge, war es die berühmte Disput« (Streit derKirchenvater über das Sakrament des Abendmals)die er zuerst übernahm. »Zwischen diesem Gemälde"(bemerkt der schon oft angeführte Aufsatz im: ^l-mrmacssi a Uorn izio. 8. H8. sehr gut) »undjener Grablegung in Borghese, findet noch einegroße Achnlichkeit der Empfindung, des Ausdrucksund des Stifts statt, die in keinem seiner spaihernWerke sich mehr entdecken laßt"; und wird dann(vortrefflich) hinzugefügt: »Ein unendlicher Reich-thum der Phantasie im Hervorbringen der verschie-densten Gruppen und Gestalten, eine tiefe Seelen-kunde, die innncrn Bewegungen des Geistes auch im

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Raum als »»bezweifelt wahr und lebendig sprechenddarzustellen, vor Allem aber eine wahrhaft edleNaivetät und Unschuld eines noch kindlich religiö-sen Sinnes in der Anlage des Ganzen wie in derAusführung des Einzelnen, diese Vorzüge machendie Haupte,genschastcn dieses Gemäldes aus, inwelchem Xaphae! sich als plastischer Religionsdich-tcr zum ersten Mal im großem Umfange zeigte 4z).Für denjenigen, welcher bey dem Anschauen derWerke der bildenden Kunst mehr von der in ihnensich darstellenden Tiefe und Originalität des Gei-stes ihrer Urheber als von dem bloß Mechanischenderselben ergriffen wird, bleibt es unstreitig dasVortrefflichste von Allem, was Raphaei schuf; undzugleich bezeichnet es bestimmt die Periode, in welcherder Künstler aus seiner sogenannten zweyten Manierzur dritten der Uebcrtritt unternahm."

»Diese dritte Manier, diejenige nämlich, in wel-cher die ausgebildeter«: Kunst die ursprüngliche Na-turkraft, zwar nicht besiegt, jedoch ihrer Leitungvorzüglich unterworfen und mehr geregelt hak, giebtsich bestimmter in dem gegenüberstehenden gleichgroßen Fresco, die Schule von Athen vorstellend,zu erkennen. Männlicher ist hier der Geist, deraus dem Ganze» spricht, vollkommner ist die Kom-position, größer sind die Massen, reiner ist die Har-monie des Einzelnen zum Ganzen; untergeordneterblickt man hier das Gefühl dem mit Einsicht undWissen producirenden Verstände. Solcher Geist, nichtmehr der eines Jünglings, sondern der eines ebenso kräftig als leise fühlenden Mannes, steht in die-sem Meisterwerke vor unsern Augen. In der Dar-stellung der höchste» Wissenschaften hat er sich selbsthöchst wissend dargestellt 44)."

39) -z. l>. 1507. Andere gar erst I 5 ic>. Genau ausgemittelt ist es noch bis auf diese Stunde Nicht. Lll.

terr. It. 3Z. H4ot. g.

4<>) -Umrnscl, a. Koni Igio. S. 11617. Die Urkunden sind, unsers Wissens, nicht mehr vorhanden.

sti) Lon malte csrerre. Vasiari.

4 ») Hieher gehört vielleicht am Füglichsten, kurz zu erwabuen, was Vasäri erzählt: Wie nämlich, gerade umdiese Zeit, Michael Angelo's Feinde, Bramante besonders (um ihn von der Sculptuc abzuziehen, wodurch ersich bereits hoch berühmt gemacht hakte) den Pabst bewogen, ihm den Auftrag zu geben, die Sirtina auszu-malen, um in diesem letzter» Kunstzweige ihn gegen den jungen Raphaei in Schalten zu sehen ; wie aberDuonaroti, dem wohl die gelegte Schlinge nicht entgieng, diesen letzter»! gerade selbst dem H. Vater vorschlug,der aber, wie gewöhnlich, aus seinem Sinne, um so viel mehr bestehen mochte, da er für Raphaek bereitsandre Arbeiten bestimmt hatte. Was aber an dieser ganzen Kunstanekdote apokrpphisch seyn dürste, ist hiernicht die Stelle, zu erörtern.

43) Eine gute Beschreibung, und verschiedene beachtenswerthe Urtheile über dieses Bild s. bey Ramdohr I.159 62. und scharfsinnige Bemerkungen über Ebendasselbe in den Propyläen !-(-.) 19. die sichschließen, wie folgt:Das größte Interesse aber für Beschauer aller Art erhält dieses Gemälde von derMannigfaltigkeit, die darin bcrscht: Alles ist Leben, Bewegung, Handlung; es ist Natur und Menschlichkeit,aus ihrer reinsten Quelle geschöpft, weder erhöht noch erniedrigt. Die Wahrheit und Abwechslung der Cha-raktere in den Aöpfen erregt Bewunderung; jeder Strich ist Bedeutung, ist Seele und Geist; Alles spricht denMenschen an, fordert seine Erinnerung aus; Alles ist ein Spiegel der Welt, der Natur, mit unübertrefflicherTreue dargestellt. Und wahrscheinlich ist hierin die Ursache zu suchen, warum die Disput«, von so vielenLiebhabern und Künstlern, Knphnels andern Bildern vorgezogen wird." Auch Kichardson III. 33749. verdientmit allen seinen Seltsamkeiten darüber nachgelesen zu werden. Gestochen ist dasselbe in ältern Lagen, von G-Mantuan (iZ;o.) in zwey großen schönen Blättern (Copie derselben von einem: 6s ?. Venedig >572. beyN. Nelli zu Venedig ); von Ph. Thvmassin »617. s. K. (ganz irrig) 1677. und von S. Gantrel, bevde eben-falls groß. Hierauf in dem Werke: plccurse kisplisells stc. b'»l. komse 722. von F. Aquila, und endlichin neuern Tagen, theils von Vojpato in einem von >enen acht Blättern, welche Mengs ins Venetianischeübersetzt nannte, und die von Joseph Cadcs, einem Schüler Battoni's gezeichnet wären, theils im Umrissevon Duppa, in seinem Leben Raphaels, wo man in der Beylage mehrere Köpfe nach Zeichnungen von derGröße des Originals findet. Der Herausgeber (1802.) ist Robinson. Ebenfalls im Umrisse giebt dieses BildÜaiidon IV. Nro. 185.

44) Diese letzte Phrase sagt (wenn wir solche, nach unsrer Einfalt, recht verstehen) nichts Anderes, als daß Kaphaelsich selbst darauf in einer Ecke, seinem Lehrer Perugino und Zoroastern zur Seite (Pasari sagt:im Spie-gel, und eben so bescheiden als graziöse") dargestellt habe. Gute Beschreibungen dieses Bildes, nebst ma-uigsaltigen Bemerkungen darüber, finden sich bey Kichardsou lli. 34959- und bey Kamdohr I. 162 68.Dann heißt es in den Propyläen l. (1 ) trefflich davon:Hier ist unser Künstler schon mehr Maler, mehrColorist geworden, als in der DiSpuia, und selbst in Parnasse (welcher hier für die frühere Arbeit gehaltenwird); er wechselt in den Tönen schön ab, ohne der Uebereinstimmung des Ganzen zu schaden. Weder dasMechanische noch das Wissenschaftliche in der Kunst hinderten das Streben und Wirken seines Geistes mcbc -Alles ist kühner gedacht, mit mehr Freyheit und Geschmack angelegt, geordnet, vertheilt; die Falten der Ge-wänder sind breiter, zierlicher, sorgfältiger gewählt; die Massen von Licht und Schatten reiner, größer, we-niger unterbrochen, und daher wirksamer und deutlicher. So wie er sich im Colvrir und in den übrigenangeführten Theilen der Malerey verbessert hat, so geschah es auch in der Zeichnung, und selbst in der Be-handlung. Hier kömmt nichts Schiefes, Krummes oder Verschobenes mehr vor; keine Hand, kein Fuß, derfalsch gestellt, steif oder schlecht bewegt wären; sondern Alles ist an seiner Stelle, thut gute Wirkung, und istim Ganzen richtig, wiewohl Manches besser ausgeführt seyn, auch wohl zartere und gereinigter«: Umrisse habenkönnte. Die Farben sind richtiger, in bessern Massen angelegt, und daher auch die Scdraffirung in denSchalten weniger nothwendig geworden; die Striche sind jetzt viel breiter, frever und gelinder, d. h. sie un-terscheiden st» weniaer von der Masse, welche sie beben oder vertiefen sollen; keine Falten sind über die hohenStellen der Glieder weggezogen." Der Carton dieses Werkes befand sich einst in der Ambrosianischeu Biblio-

A,ih. zum VII. Heft. 5