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Im Plafond dieser Stanze 75) bildete Raphael:Gott erscheint dem Moses im brennenden Busche;Gott befiehlt dem Noch die Arche zu bauen; dieAufopferung Jsaak's, und Jacobs Traum von derLeiter 76).
Ungefähr um diese Zeit muß sich Sanzio aufeine Weile in Neapel befunden haben. Dort malteer77) für St. Dvmeniev eine Altartasel, die sichgegenwärtig im Eskurial befindet, unter demNamen Madonna del Pesce nur wenig bekanntist, und es doch so sehr zu seyn verdienet. FüßliI. 167—69. beschreibt es, wie folgt: „Maria aufeinem erhobenen khronahnlichen Sitze hält mitmajestätischem Ansiande das auf ihrem Schooßesitzende Kind Jesus , welches mit-ausserordeiulicherAnmuth seine Hände gegen einen Fisch ausstreckt,den ihm ein junger Fischer (der junge Tobias) indemüthig knieeuder Stellung darbietet, welcherletztere von einem neben ihm stehenden Engel (Ra-phael, sagt vasari) herbcygesührt worden zu seynscheint; seitwärts steht der H. Hicronymns vollAndacht und Ehrfurcht, der aber wahrscheinlichnur — auf Beseht, und wider die Neigung desMalers, hier angebracht ist. Die Cvmpositiondieses Stücks ist für das Auge die gefälligste undangenehmste, die ich noch von Raphael gesehenhabe; und unter seinen vielen und mannigfaltigen
Vorstellungen der Maria mit dem Kinde kenne ichkeine, wo er das Ideal einer Mutter Gottes mitso ernster Würde und auf eine so erhabene Artin allen Theilen ihrer Form, und in allen Zügendes Gesichts, auch selbst in der Größe und Schön-heit der Drapperie ausgedrückt hätte. Reizendschön ist die Bildung und Bewegung des Kindes,aus dessen Gesichte Würde mit Anmuth und Ver-gnügen über das empfangene Geschenk hervorleuch-tet. Die Figur des Geschenk bringenden jungenFischers ist, meines Erachtens, einzig in ihrer An.Bey einer solchen Figur, aus der gemeinen und schwerarbeitenden Menfchenklasse, ein so angenehmes, soholdes Bild zu schaffen, ohne daß das Charakteri-stische der Naivetät und Einfalt dabey geschmälertwird — eine junge rustikale Form so zu zeichnen, daßman sie nicht elegant heißen, aber wohl bemerkenkann, daß sie es unter andern Umständen seynwürde; einem Gesicht endlich eine schöne Bildung,einen srcymüthigen Blick, und dabey doch etwasStaunendes und der Einfalt nahe kommendes zugeben, ohne der Anmuth der ganzen Physiognomieetwas zu benehmen, dieses konnte nur Raphael zu Stande bringen 78). Dann nennt vasari eineandre Madonna mit dem Kind aus dem Schovß,nebst dem kleinen Johannes, St. Elisabeth undSt. Joseph: Alle (die Mutter selbst mit gefalteten
75) „Derselbe" (heißt es in den Propyläen 1. S. 1-5—27.) „hat wahrscheinlich durch oben eingedrungcneFeuchtigkeit einen Theil von der ursprünglichen Kraft des Colorics verloren, und ist blast und fleckichr gewor-den, doch noch so viel davon sichtbar, daß man seine ehemaligen Verdienste, wo nicht beurtheilen, doch er-rathen kann. In der Zeichnung herrscht ein großer und edler Styl, die Massen von Schatten und Licht sindausnehmend schön; auch die Gewänder verdienen Lob wegen ihrer Einfalt und guten Falten. Das Bild, aufwelchem Gott dem Noah befiehlt, die Arche zu bauen, ist als ein Meisterstück wohlgerathener Anordnung zu bewunvervtes besteht aus drey kleinen Gruppen von guter Form, welche einander schon entgegen gesetzt sind: Gott Va-ter herabschwebend und von zwcn Engeln getragen, hat einen majestätisch erhabenen Charakter; No»0,,deranbetend auf den Knien liegt, ist eine herrliche Gestalt, voll Würde und Andacht, schön mit dem kleinenKnaben zusainmengeordnct, der, an dem Busen des Vaters, zwischen dessen Armen sich sträubt. Die Fraumir zwey Kindern, die aus der Hütte tritt, ist unstreitig eines der vorzüglichsten Meisterwerke unsers Künst-lers. - Das Bild rom flammenden Busche hat sich besser erhallen. Gott Barer ist ebenfalls in einem hohenSinne dargestellt, und Moses , der die Hände vor dem Gesicht hält, indem er den Glanz, der GegenwartGottes nicht erträgt, unübertreflich. — Der schlafende Jacob vor der Himmelsleiter hat schone Falten, undist vortreflich beleuchtet; seine Lage bedeutet Ruhe und tiefen Schlaf; die herauf und Herabsteigenden Engelmachen ein angenehmes Gewimmel, und beleben das Ganze. — In dem vierten Bilde, welches die Aufopfe-rung Jsaaks vorstellt, hat die Figur des Knaben zwar schöne jugendliche Formen, ist aber zusammengekrümmt,und erhält dadurch den paffenden Ausdruck von Ergebung. Der Engel, welcher aus der Höhe herabfährt,und den ausholenden Abraham zurückhält, hat »»gemein viel Bewegung, und schießt gleichsam durch die Luft;sein Gewand ist fürtrefsich. Der andere Engel, welcher den Widder zum Opfer bringt, fährt ebenfalls schnellherab; er schwebt und schwingt sich durch, als ob er Widerstand fühlte, herunter zu kommen. Abrahamselbst ist eine edle Figur, die Falten seines Gewandes sind schon, und der Ausdruck im Gesicht, so viel mannoch abnehmen kann, gut."
76) So Bellori und alle Neuern. Der einzige vasari hat, für den Befehl Noah: Gott verheißt Abraham dieMehrung seines Saamens. Indessen will auch Bsttari wissen, daß dieser Gegenstand von ,p?arc Antonsowohl, als (minder gut) von dessen Schülern geetzt worden. Es sind aber dies wohl die Blatter nach einemBilde, das, vielleicht schon zu Vasnri'-s Zeiten, unter der Rubrick: Die Segnung Abrahams , in der Thatden Befehl an diesen, aus seinem Lande zu ziehen, oder auch den Befehl an Noah, in die Arche zu gehe»,enthielt. Dennoch bemerken wir, daß ypinkler (Nr. Z56Z. ) ein sehr seltenes Blatt von M. Corneillenennt, welches Gott in den Wolken, von Engel» getragen, darstellt, wie er Abraham — oder Noah ? seineBefehle ertheilt. Von dem Befehl an diesen letzter«, die Arche zu bauen, kennt man übrigens kein einzelnes,wirklich so bezeichnetes Blatt. Es ist aber offenbar das bey Landsn Nr. 344 - im Umriß gegebene, aberauch dort irrig mit; Abraham u. s. f. rubrizirte. Dagegen von der Aufopferung Jsaaks eines von A. Ve-netiano und M. von Ravenna gemeinschaftlich (schön), dann im Verlage von H- Lock (-552.), von P.Scalberge und von I. Aleffandro (17-».). iVmklev Nr. 3562. nennt nock eln kleines von Wienr (ob viel-leicht das in CockS Verlage?) Ob aber von diesen allen auch nur Eines »ach dem Bild m der Stanze ge-nommen worden, ist uns unbekannt, wenigstens das von A. Venetiano nicht, welches wir bey Lands»Nr. 345 . nachgebildet finden). — Jacobs Traum von H. da Carpi, nach einer Zeichnung m Helldunkel; vonI. Bos um 1560.; von Aleffandri 1718. — Endlich Moses im Busche, in einer schonen Landschaft, von G.Audran in einem großen Blatte; wieder von Aleffandri > 7 - 8 . Zuverläßig dann hat F. Aquila alle diese vierGegenstände nach den gedachten Urbildern in der Stanze (vermuthlich in den Czcmris mc. geliefert. Nach-bildungen im Umrisse giebt auch Lands,» Nr. 345. 344. (dieses wie schon gesagt) 38-. 28Z.
77) Vasari sagt ausdrücklich: kecs -c Issaxoli.
78) Eine reifende Kunstkenner!'» (die Frau von Humboldt) fand es noch vor zehn Jahren in der Kirche Vieja des Eskiprials—beschreibt es umständlich, sogar bis auf dieFarben der Gewänder, kann ebenfalls des Preisens desselben —wohl mit bcßtem Grunde kaum kokt werden, und schließt dann, wie folgt: „Dies wäre etwa die AufanimenstellungderFiguren in diesem unnachahmlichen Bilde. Weiter läßt sich aber auch nichts, davon sagen. Man muß es ge-sehen, man muß den Zauber empfunden haben, der gleichsam davon ausströmt — die Harmonie der Farben,die Größe lind Grazie aller Gestalten vor Augen gehabt haben , UNI zu begreifen , wie man die lebendigst^Erinnerung an dasselbe auf ewig in der Seele trägt, und fein innerstes Leben, seine tiefste und innigste Em-pfindung auf das ganze Daseyn dadurch bereichert fühlt? S. Programm zu der Jen. L- Z. 1809. S. 5 —6-Nach Spanien kam dieses Bild um ,656. Fisrillo IV. S. 4?.. Anm. c. Ob ek aber diejenige H' Familiesey, welche nach eben diesem Schriftsteller (>. c. Anm. s.) aus der Kunstverlaffenfchafl Carl I. in Englanderstanden worden, ist uns unbekannt. Gestochen hat solches in ältern Tagen trefllch M. Anton (alte Copiennach demselben sind» wie man denken kann, von minderm Werth); in neuern Tagen der Svanler F. Selma(>782.) und in kleinerm Formale Bartvlozzi; dann in den allerneuesten im Umrisse bey Lands» Vle et Oeu-ren 6s Kspliskl kgl-, -95., wo aber der junge Tobias als ein ächter Bengel erscheint. Ob Gclma's Blattzu der bey Fiorillo (IV. S. 42. wieder Anm. r.) angeführten: Lolleccion 6i enlampLi kacallas äe l°ainejvres guaäroz «zue tisn« 8. M. en xns p-lscloz «tc. gehört , ist uns unbekannt.