Band 
Zweyter Theil [3].
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Händen) bet«« das Kind an; ein Bild von ganzbesonderer Schönheit, das unser Künstler ur-sprünglich für Levnello da Carpi, Herrn von Mcl-dola gemalt, und von welchem Botran vermuthet,daß solches in späthern Zeiten nach Frankreich ge-kommen sey 79). Ueberdies kannte er eine treff-liche Kopie desselben in einem (ungenannten) Pri-vathause zu Rom , von welcher er urtheilt, daß sieebenfalls Raphaels Werk, oder doch von ihm ri-toccirt sey.

Nun folgen bey dem in der Zcitordnung freylichnichts weniger als kanonischen Giorgio »och fol-gende einzelne Bilder von Sanzio.

Vörderst seine H. Cacilia (ihr zu Seiten St.Magdalcna, St. Paul, Johannes und Augustin;in der Höhe eine Glorie muficirender Engel), 1513.für die Kirche St. Johann in Monte zu Bologna gemalt, jetzt zu Paris (vor ungefähr zehn Jahren,durch Haecquin, vom Holz auf Luch gebracht).Dieses Bild, in lebensgroßen Figuren, hat 7^3^ Hohe, und 4/ 6" Breite. Schon Richard-son (III. 44.) will aus dem etwas harten undtrockenen Ton des übrigens für Geist und Charak-ter göttlichen Werkes bemerkt haben, daß es nichtin Raphaels letztem und vorzüglichstem Styl aus-geführt sey; und Füstii (I. 159 ) scheint, zwaraus einem verschiedenen Grund, ungefehr dasselbezu schließen. „Cacilia " (heißt es bcy)hm) „stehtin der Mitte, als Hauptfigur; die übrigen sindebenfalls stehend, und zwar fast ganz in geradenLinien vorgestellt, welches eine unangenehme undin das Gothische fallende Komposition ausmacht.Daher vermißt man auch in diesem Bilde die Ra-phael sonst so eigene angenehme Kvntrastirung inden Formen und Wendungen." Aber, wie vieleSchönheiten ersetzen nicht jenes Gebrechen der An-ordnung! Hier ist (wie Kandon Ann. V. Nr.Zz. sehr gut bemerkt) die Engeisgloric, wie sonstin so vielen Andachtsbildern, keine bloße Staffi-rung. Die von der Harmonie des himmlischenChors entzückte Schutzheilige irrdischcr Lvntunst hatbereits mehrere zertrümmerte Instrumente 80) vonMenschenhänden gemacht, zu ihren Füßen; undbald wird auch das letzte (die Orgel) ihren be-benden Handen entsinken. Trefflich heißt es dannferner von diesem Bilde im Manuel des Mu-seums IV. Nr. zi. „Raphaels Genie gabihm auch das Gefühl hoher Schicklichkeit ein, undverbot ihm, dem Auge darzustellen, was nur wi-drige Empfindungen errege» konnte; somit nimmer-mehr den wirklichen Martyrtod einer Jungfrau.Seine St. Cacilia geht bloß der Stelle entgegen,wo die Palme sie erwartet; nur ihr Fuß berührtnoch die Erde; ihre gehobenen Blicke sagen uns,daß ihre Gedanken schon »11 Himmel sind. Heiter-keit thront auf ihrem Gesichte; ihre Stirne ist ru-hig, ihr Gang stille. Engel voll übmrrdischcrGrazie fcycrn ihre Ankunft; ein bloßes Stimmen-conzert, ohne Instrumente, die uns zu sehr an die

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Unterwelt erinnern." — Dann aber (man trautseinen Augen kaum) hielt der Verfasser St. Paulmit dem Schwerdte für den — Scharfrichter, Sk.Augustin für den — Beichtvater, St. Johannesfür einen Liebhaber, und St. Magdalcna für einetheilnehmende Freundin, welche die Heilige zur Richt-statte begleitet—faselt hierauf über alle diese dreyGefährten — was man sich denken kann, undfürchtet namentlich, baß die Schönheit der letzter»dem Interesse der Hauptfigur nacht heilig seyn kounte8 i). Ferner nennt Vasart82): Einen Christus, alsJupiter, mit den vier Evangelisten so vorgestellt,wie Ezechiel solche in einem Gesichte sah. Nochkennt man auf den heutigen Tag zwey dergleichenDarstellungen, welche beyde für Urbilder gehaltenwerben. Das eine derselben war ursprünglich(1510.) für den Grafen Ercolani zu Bologna ge-malt, und mit 8 - Dukaten bezahlt (LorramsVasäri II. p. in. IBIs. I. 44.). Von

einem Erben jenes Hauses kaufte es der H. vonChantelou 1642. (FL/rbre» IV. 50). Nach des-sen Tobe besaßen es, nach einander ein H. deLaunay, dann die Gallerte Orleans, und endlichkam es in jünger,, Lagen nach England. Einzweytes, wie wir denken spatheres, wurde für je-mand aus dem Hause Mebicis bestellt, und standseit undenklichen Zeiten im Pallaste Pitti zu Flo-ren; I. c. not. 2.) , bis solches als Er-

oberung nach Frankreich gieng. Auf Gobelins fin-det sich eine schöne Kopie desselben (hier in lebens-großen Figuren) wofür schon Ludwig XIV. denCarton in Italien fertigen ließ. Beyde Original-bilder sind auf Holz gemalt, nicht mehr als 3"hoch, und ii" breit. Ein Kenner, der das er-stere vor wenig Jahren in London gesehen hat,giebt demjenigen zu Paris den entschiedenen Vor-zug. Beschreibungen von diesem finden sich beyLands» II. Nr. 21. Dann im Manuel duMuseum IV. Nr. n. und endlich die vorzüg-lichste von Emeiich David im Museum Fran-kens, und wieder abgedruckt im Französischen Amtsblatte 1312. Nr. 140. Hier heißt es: „Niehat Raphael einen Gegenstand behandelt, derdurch die Verwickelung seines Details weniger fürdie Kunst geeignet war, und dennoch hat er viel-leicht in keines seiner Bilder mehr Einfachheit undUebereinstimmung gebracht, als in das gegenwär-tige". Hieraus führt er den Text des Propheten(Ezech. K. I. und II.) an, und fahrt bann alsofort: „Hier mußten freylich der am Firmamenterrrichtete Thron, und die Räder, welche die Erdeberühren, als gigantische Maschinen, die zu vielRaum eingenommen hatte», wegbleiben; Alles übrigehingegen behielt der Künstler getreu bey, und ver-schönerte es noch durch malerische Formen. Mitten ineiner sich öffnenden Wolke erscheinen, von einer Gloriehcllleuchtender Cherubinskopfe umzingelt, in EinerGruppe die majestätische Figur der Gottheit, und diesymbolischen Thiergestaltcn, welche ihr zu Stützen die-

79) 2 m Französischen Museum scheint sich solches nicht zu befinden. Gestochen wurde es vor Alters von ei-nem Unbekannten (-571.) durch Vorschub eines: ?. k. ?aiumbi igovai-iensis, ein sehr großes Blatt- Ri-toccirte Abdrücke verkaufte spärher Cd. Alberti. Hiernächst von W. Ballet, nach C- Cesio's Zeichnung. Be-sonders vortrefli'ch aber (und vielleicht Raphaels Geist besser gefaßt, als selbst in der Weltberühmten H.Familie von Edeiink) von N. Pitau; woraus wir schlieffen, daß solches einst in der Gallerie Orleans stehe«mochte; und endlich von I- G. Iacoboni zu Rom 1721.

3 °) Diese sollen von Johann von Udftie gemalt seyn; was, wenn es begründet ist, uns denn doch vermuthe«lapc. daß das Bild nicht vor Igiz. oder 14. gefertigt seyn kann.

8r) Eine Copk dieses Bildes von Guido Ren, befindet sich (oder befand sich wenigstens noch zu Dsttari's Zei-ten) in St. r»tgi de' Franzesi zu.Nom, das, naw seinem Urtheil, das Urbild wenig beneiden durfte. AuchVoikmann (ii. 470.) nennt solche noch, doch mit Bedauern, daß sie durch Riltoccireu namhaft verdorbenworden. Gestochen ist das Urbild in ältern Tagen, nach einer Handzeichnung von Raphael, die einst de Pilessoll besessen haben, mit einigen (wie es scheint eher voriheilhaften ) Abänderungen, mir Marc Antons Mo-nogramm unten auf der Harfe; dann kennt man alte Copicen dieses Blaues; eine von N- de Bruyn, eineandre von C. Cheron la Haye. Hiernächst, »ach dem ausgeführten Bilde, zuerst von Bvnasvne i5Z>-Dann von Ph. Thomassin -6,7. Ferner von Greuter. In neuern Tagen (>771.) von R. Strange, nachdessen eigener Zeichnung, »sehr sorgfältig" (wie Füßli sagt) «aber allzuängstlicb". Endlich die beyden ein-zelnen Figuren der H. Cäcilla und Magdalcna (Heinecke k. 459.) nach einem Studium von Raphnel, voneinem alten unbekannten Meister. Im vlvßen Umrisse findet man das Ganze bey itand-n «ud im Manuell. c. so wie in des erster» Vis src. äs cgr. >IZ.

«V Aber wahrscheinlich irrig, als gleichzeitig mit der H. Cacilia.

A»,h. zum VII. Heft. z