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Hern und Deutschland erschollen, und bewog nebenAndern, Albrecht Dürern, dem kunstreichen wel-schen Jüngling, nebst mehrern seiner Kupscrblätter,sein Bildniß auf das feinste Tuch yz) in Aquarellzu senden, was von dem letztern, namentlich auchder Manier wegen, sehr bewundert wurde, da sol-ches, ohne Grundirnng, ganz durchsichtig, unddie höchsten Lichter vom Tuch aufgespart waren 94).Zum Gegengeschenk empfteng der große Deutschevon Xaphael eine Anzahl (malte) seiner Zeich-nungen, welche Albert, wie man denken kann, inhohen Ehren hielt.
Dann war es (wie vasari ausdrücklich sagt)eben der Anblick von Dürers Blattern, welcherVanzio bewog, zu zeigen, was auch Welschland 95)i» diesem Kunstjwcige zu leisten vermöge. Zu dem Endließ er den geschickten Marc Anton von Bologna fleißigdarauf studiren, und es gelang diesem letztern so gut,daß er bald eine Anzahl schöner Eriche nach seinemMeister liefern konnte, wie z. B. den Kindermord,ein Abendnial, einen Neptun, die im sieden-den Del gemarterte St. Felieitas 96), u. s. f.Alle diese Blatter übergab bann Rapyael seinemGarzone, Baviera, der, wie es scheint, jene be-rühmte Bäckerin (Fornarina) bediente, in welcheunser Künstler so sterblich verliebt war 97). Wasder Garzone eigentlich damit anfing, ob solche zuseines Herrn, oder wohl eher zu feiner DonnaVortheil verkauft wurden, meldet vasari nicht;wohl aber (was sich denken laßt), daß, durch denneuen Verdienst aufgemuntert, die Stecher in Rom (bessere und schlechtere) wie Pilze wuchsen, und,neben Andern dadurch auch jene schöne KunstHugo's da Carpi, in Helldunkel mit drey Stöcken zuschneiden, erzeugt wurde.
Noch ein berühmtes Bild endlich (in lebensgroßenFiguren) nennt vasari, als von Raphael umdie nämliche Zeit für die Olivetancr von St.Maria del Spasimo zu Palermo gefertigt (unddaher unter dem Namen lo Spasimo di Siciliabekannt): Eine Kreuztragung, welche, nach demseltsamst erlittenen Abenthener 98), späterhin ineine Kapelle des Königes von Spanien nach Madrid kam. Sein Gegenstand ist bekanntlich Christusauf dem Wege zu dem Calvarienberge. Füßli I.
165—166. sagt davon, neben Andern,: »DasAngesicht Christi ist ein Ideal, welches über diegewöhnlichen, auch schönen Gesichtssvrmen gehet.Empfindung und Schwache der Menschheit, miteinem Gefühl göttlicher Kraft verbunden, ist darinsehr glücklich ausgedrückt. Das selbstwillige, nichtgezwungene Bestreben, die Laufbahn zu vollende»,ist, bey genauer Betrachtung, in der Bewegung desganzen Körpers und jedes Gliedes sichtbar; er-scheint gegen die an seinem Wege knieenden undwehklagenden weiblichen Personen zu reden. Mariadie Mutter kniect in äußerst wehmüthiger Stellung,aber mit hoher Würde in Miene und Gebehrde,gegen die rohen Kriegsdiener, die ihren zum Todegehenden Sohn mißhandeln, und scheint einigeSchonung erflehen zu wollen/ Magdalena und nocheine Freundin sind mit Eifer beschäftigt, ihre sinken-den Kräfte zu unterstützen. Diese weiblichen Figu-ren, und die des Johannes/ sind eine bewunderns-würdige Gruppe in Rücksicht auf die Schönheit dercoiitrastirte» Formen, des hohen und wahren Aus-drucks, der jeder derselbe», der Geschichte nach,angemessenen Charaktere, und der eben so elegan-ten als natürlichen Zeichnung der Drapperien. Aufähnliche Weise ist verhältnißmaßig jede der übrigenFiguren, ohne Ausnahme, voll Bezug und Bedeu-tung für das Ganze, so, baß keine derselben ent-behrlich zu seyn scheint 99".
Mittlerweile sing Raphael wieder an, eine dritteStanze im Vatikan auszumalen, und vollendetesolche in 1517.
In derselben bewundern wir vörderst das schon vor-hin erwähnte sogenannte Jucendio del Borg» 100),woran ihm zwar, wie Einige glauben, so wie auden drey übrigen Bildern dieser Stanze, seine Schü-ler geholfen, und das überdies eines der wenigsterhaltenen ist, aber deswegen nicht minder zu den»Vortrefflichsten gehört, was je in dem Geist unsersKünstlers erzeugt worden. »In demselben sind"(sagt Füßli I. 150.) „zumal die jammerndenFrauen mit ihren geretteten Kindern im Dorgrunde,sowohl einzeln, als im Verhältnisse mit dem Gan-zen betrachtet, in Rücksicht auf Größe, Gelehrt-heit der Zeichnung, Stärke und Wahrheit desAusdruckes, Eleganz und Gewandtheit der Formen,
SZ) Byßus.
84 ) Die etwas seltsame Stelle bey Vasari lautet: e §l, msnäü la rezm ä'un zu» rllratto cvnsotm <l, lui »Lttarra 8U un rela itl bizzo clis si» og»i banäa nioztrsva pariinente s 86N2L disccL I luiui tossparonti,ze non clis con aa,/«c,cllr si colori era tinta s macchiam, e cle' liimi sei panno aveva cunipato i clilari,
(S. noch mehr hierüber in vasari's Leben von Buonarotkl.) Dieses Bildnis befand sich noch unter demje-nigen Theil von Raphaels Verlassenfchaft, der an Jul. Nomano kam. Seither hat sich die Spur davon(Ach! wie von so Vielem) verloren.
95) Uneigentlich — wie so Vieles bey dem ehrlichen Giorgio, was uns aber doch in der gewohnten Meinungbestärken kann, daß Raphaek an den beßten Blätter» von Raymond« u. a. wenigstens durch (das Wichtigste!)das Zeichnen auf die Platte, keinen geringen Antheil gehabt.
96) Nicht Cäcikia, wie es bey vasari heißt.
97 ) Vielleicht auch damals noch eine Andre, da Vasari ausdrücklich : ä'unn 8US sonnn spricht.
98 ) Vasari erzählt dasselbe wesentlich so: Das Schiff, welches diesen Kuustschatz führte, wurde nämlich, aufseiner Reise nach Palermo, durch einen schrecklichen Sturm ins Ligurische Meer verschlagen, und von derganzen Ladung das einzige Bild bey Genua unbeschädigt wieder aufgefischt, und so wieder nach Sicilien ge-bracht, wo es (sagt der gute Giorgio) noch Hähern Ruf als der — Feuerspeyer Etna sich erwarb. — Untermehrern Äunstgefchichtsfabeln, welche der berühmte (berüchtigte) Johann Casanova eines Tags dem sei.Winkelmaun und dem Verfasser der gegenwärtigen Zusätze, bey einer Flasche Lacrimä aufbinden wollte, befand sichauch eine vollkommen gleiche Geschichte, weiche einer Madonna von Correggio »»'ederfahren wäre, die po^vorioz cnsuz IN seine Hand gekommen sey, und die er, da sie lange im Hafen von Genua versunken gele-gen — vermittelst seiner großen chemischen Kenntnisse, von einer dichten Kruste — Meersalzes zu befreyengewußt habe! S. oben den Art. Fr. Spierre. Und gerade erst jetzt merken wir, woher Casanova seine Fabelgeschöpft habe.
99) Eine noch ausführlichere meisterhafte Beschreibung dieses Bilds giebt Meng« (Opere's. 11.75 -85.), undbemerkt: Der in solchen Urtheilen elende Vasari spreche mit Verachtung davon. Noch eine andre, eben-falls sehr umständliche s. im Programm zur Jen. A. U. A. S. V«. — VlI. wo es,, »eben Anderm, beißt:„In diesem Bilde scheiden sich alle Mguren mit einer bewundernswürdigen Leichtigkeit vor den Augen dessen,der sie anschaut. Uebcrall ist die reichste Fülle, und überall Klarheit nnd Ordnung". Gestochen wurde das-selbe in ältern Tage» (Heineckc II-397. will's nach Vasari wissen?) von M. Anton; dann (doch, nachBoltaci» noch ungewiß, ob nach dem Gemälde oder nach einer Zeichnung Raphaels) von A. Veneziano» 5 > 9 .) (sehr schon — sagen die Linen; Meng« hingegen l. c. meint: »ohne einen Begriff von dessen Schön-heit zu geben"). Davon mehrere Kopien von I. B. Cavalleriis, u. s. f. Und endlich in neuerer Zeit(dies nun einzig sicher) von D. Cunego (Uomse 178-.), nach Füfiki mit viel Sorgfalt und Geschmack; »»Umrisse , nach dem Blatte von A. Veneziano , bey Uandon Nro. 296.
,00) Die wunderbare Löschung des Burgbrandes in Rom durch St. Leo. Gute Beschreibungen dieses berühm-ten Bildes finden sich bey Richards«»» lU. x, 405—9. und bey Ramdohr k. 171—74.