Band 
Zweyter Theil [3].
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irgend einem Hauptwerke unsers Künstlers gespro-chen, wieder Athem, um seine Leser, mit mannig-faltigen einzelnen Arbeiten desselben zu unterhalten.So hier, nach seiner, zwar n»r kurzen Erwähnungder Loggien, erzählt er uns Verschiedenes.

Dörderst von Architektonischem: Wie er die Zeich-nung für eine V'gne des Papstes, für mehrereHäuser in Borgo (wie z. B. für den schönen Pal-las! dell Aquila), für den Bischof von Troja inder Straße St. Gallo zu Florenz (jetzt PallastPandolfini) gefertigt n 8) , u. s. f. 119).

Dann von Gemälden: Die H. Jungfrau, gan-zer Statur, mit dem Kind, in der Glorie, untenSt. Sirt und St. Barbara, ein csi, 3" hohesund 7/ breites Bild, ehemals das große Altarblattin der Benediktiner-Kirche St. Sirt zu Piacenza ,in 1754. aber um 22000. (der Dresdner -Katalogsagt um 40,000.) Scudi, für dortige Gallerte an-gekauft, auf Tuch gemalt, und daher ziemlich be-schädigt. vasär, nennt es: coss vergmente rs-rlsslmn e sm§olare, und das neueste Verzeichniß(izoZ.) sagt, vollends auf Stelzen: »Es scheineein Werk der Phantasie, ohne Pinsel gefertigt zuseyn, und gränze an das höchste Ideal griechischerSchönheit". Eine gute Beschreibung dieses aller-dings vorzüglichen Bildes, haben wir nirgends ge-sunden. Einzig lesen wir davon in den Propy-läen I. (1.) 52. wo bey Anlaß der Raphaeli-schen Madonnen überhaupt, bemerkt wird: „Da,wo die H. Jungfrau menschlich handelt, auf Erdenist und lebt, da sey sie menschlich, u. s. f. Wosie aber verklärt, ober als Erscheinung auftritt,schwebend von Engeln getragen, angebetet, wo sieMutter Gottes, Himmelskönigin ist, da erhalte sieeinen göttlichen Charakter — zwar ebenfalls nichtJunonisch und stolz, auch nicht kalt und strenge,wie Pallas, darf sie seyn, sondern selbst dem Er-habenen sey Liebe und Güte beygemischt. Raphaelhat diesfalls in seinem herrlichen Bilde zu DreSden gewiß schon Vieles geleistet; aber es war freylichweder in seinem noch irgend eines andern neuernKünstlers Vermöge », alle Forderungen zu erfüllen,die an einen solchen Gegenstand gemacht werdenkönnen 120).

„Für Frankreich " (heißt es bann bey vafariweiter) „Vieles, besonders aber einen St. Mi-chael 121), der mit dem Teufel kämpft, für König FranzI. (cosn maravl^IIosn). Dann folgt eine ge-dehnte Beschreibung desselben. Auf dem Saumedes Panzers findet sich des Künstlers Name unddie Jahrszahl 1Z17. Dieses 8^ 2" hohe und 4/10" breite Bild von lebensgroßen Figuren, wurdewahrscheinlich von dem erwähnten Monarchen sofürstlich bezahlt, baß Raphael ihm das Jahr darauf

n8) Dieser letztere blieb unvollendet. Gestochen findet

8 tUt 1 i lli Uorw e b'ineotro. birenrs 172,

mit -er bekannten H. Familie ein noch fürstlicheresGegengeschenk machte 122). Bey Füßli (I.169—70.) wird es beschrieben, wie folgt: „DerKampf scheint über der Erde gewesen zu seyu; dennMichael schwebt noch fast ganz in der Luft, undberührt seinen heruntergestoßenen Feind nur nochmit dem einen Fuße, um ihn tief niederzudrücken.Den einen Arm hebt er zu einem Lanzcnstvßc dro-hend in die Höhe, mit dem andern hält er seinenSchild; Satan ist auf seinen Vorderleib gestürzt,und richtet das Gesicht durch eine gewaltige Dre-hung des Halses auswärts. Eleganz, Kraft undSchnelligkeit ist in der ganzen Form, und in jedem Gliede, so wie in dem Schweben und derHandlung des Engels bewundernswürdig ausge-drückt. Sein Gesicht ist ein hohes Ideal vonblühender männlicher Schönheit, und zeigt mit we-nigen und durch Raphaeks tiefsinnige Kunst fastnicht merkbaren Charakterzügen den höchsten Gradvon Muth, Abscheu und Verachtung. Der Kon-trast, den das Gesicht Satans dagegen macht,üherkrift alle Einbildung. Auch dieses ist ein Idealhoher und schrecklicher Art. Die Form desselbenwäre an sich selbst (ungeachtet der gehörnten Stirne)schön zu nennen, wenn nicht die allerhestigsien Lei-denschaften alle Theile davon auszutrcibcn und zuüberspannen schienen: Alle erdenklichen Merkzeicheneines höchst bösen aber mächtigen Wesens, haupt-sächlich aber trotzender Stolz, Rachbcgierde undWuth, glaubt man in jedem Zuge, besonders inden auswärts gegen seinen Uebcrwinder scharf bli-ckenden Augen zu lesen; nur keine Spur von Furchtist darin zu finden; ja man kann sich bey dieserPhysiognomie die Furcht nicht einmal denken. DieZeichnung ist im höchsten Grade schön, sorgfältigausgeführt, und im großen Geschmack, und Alleshaimvnirt in diesem vortrefflichen Bilde." Auchder Verfasser des Manuel du Musee Francaismacht darüber ähnliche treffliche Bemerkungen, wiez. B.: „Dieser St. Michael ist für die neuereMalerey, was der Vatikanische Apoll für die alteSculptur, das vollkommenste Muster idealischerSchönheit. Indessen hatte der Künstler des er-ster« noch mehr Schwierigkeiten zu besiegen; denninnnmer war es doch leichter eine nackte Gottheitdarzustellen, als einen kämpsenden Eugcl so zu be-kleiden, daß er dasjenige beybehält, was die Ein-bildungskraft sich an einem solchen Wesen denkenkann, von dem sich keine wirkliche Gestalt auf Er-de finden läßt. Schon die Stellung dieses Hauptsder himmlischen Hecrschaaren ist siegreich; es istdie Stellung der Ucberlcgenhcit ohne Mühe undfast ohne Kamps. Der ganze obere Theil derFigur ist mit einer militärischen Zierlichkeit beklei«

man die Fenster, Säulen lind Gesimse desselben in: L.' 1 '. II. 3 rb. 7z.

119) Bstt-rri, l» einer Anmerkung zu dieser Stelle, nennt überdies noch, als Raphneks Bauten: Zu Rom dieFahnde der Ställe des kleinen Pallastes Eisig! all« Lungara, und diejenige des Pallastes Laffarelli, welche an-derwärts kurz der kleine unvollendete Pallast Caffarelli heißt, den indessen Vasari vielmehr der Leitung desBildhauers ssorenzetts zuschreibt. Dann zu Florenz (wohin ihn der Papst eines Tags eigens dafür mitge-nommen) die Fa>,aden von St. Lorenzo, und des Pallastes Uguccioni auf dem Großherzoglichen Platze, welchletzteres Werk Einige (doch eher irrig) für M. Angelv's Arbeit halten. Gestochen findet es sich ebenfallsbey Ruggieri l. c. lab. 7,. Bey Heiiiecke II. 522. werden vollends drey Tafeln dieser Sammlung (Nr.71. 72. uud 75.) als Darstellungen von Raphaels Bauten, und alle dem Pallaste Pandolfini zugehörig,angezeigt.

i2„) Unsers Wissens, weder in ältern noch in neuern Tage» nie gestochen, jetzt aber, wenn wir nicht irren, vondem trefflichen Müller dem Sohn, zu Stuttgart in Arbeit genommen.

i2>) Schon zu Primaticcio's Zeiten soll es gelitten haben, und von demselben ritoccirt worden sevn. Bey Fe-libien: ?rs,ni,'rs Eoassisnoe V. Z3Z. und Z7i>. heißt es: Es scv, wie viele Werke Raphaels, sehr nach-gedunkelt. Lot,a,r II. 120. In -75Z. wurde es, die einen sagen von Loriot, andere von Picault, vomHolz auf Tuch getragen, ja, wie irgendwo behauptet wird, auch spätber die Uebertragung von einem Tuchauis andere 177L. von Hacquin zum zweyten, und igoo. von Picault dem Sohne gar zum drittenmal vor-genommen.

122) Gleich fürstlich handelte in unfern neuern Tagen A. R- Mengs gegen seinen Königlichen Wohlthäter inSpanien Einige wollen indeß a» eine solche Großherzigkeit von Sanzio nicht glauben, und erzählt uns z.B. H. Dm» in feinem: ssrosor üe.-i slerveiUe^ lis ssontainebleau I.. II. L. XIII. p. IZ5. (aus welcher 7-trüben Quelle ist uns unbekannt: Der König habe die H. Familie mit der Aeusserung angenommen: „Einberühmter Künstler, der die Unsterblichkeit mir den Großen theile, dürfe wohl mit ihnen unurhandeln" —und habe dann diese (für uns nur umgewandt verständliche) Pointe mit 24,000 Livr. (wie es dort heißt,dem doppelten Preiß des St. Michaels) begleitet.