Band 
Zweyter Theil [3].
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Nicht zu verwechseln dann mit den Bildern derFarnesina sind 38. Zeichnungen, welche Raphaelvon der Fabel der Psyche, nach Apulcjus verfer-tigte, deren achte (nach Botrari) der Englische Maler, Carl Jarris, in 1735. zu Florenz an sichzu bringen wußte. Wo die übrigen hingekommenfind, ist uns ganz unbekannt 136).

Als jetzt ebenfalls Augustin Ghigi (mit welchemunser Künstler stets im vertrautesten Umgänge lebte,und der einen großen Theil seines Reichthums dazubenutzte, diesem zur Ausübung seiner Kunst Gele-genheit z» verschaffe») in St. Maria del Popolo eine Kapelle bauen ließ, die wegen der in ihr fastverschwendeten Kunstschatze zu den größten Sehens-würdigkeiten in Rom zu zählen war, mußte ihmebenfalls Raphael den Plan dazu, für die Bautesowohl, als für die innern Verzierungen fertigen 137).Kein Schriftsteller (unsers Wissens) giebt uns einendeutlichen Begriff von diesen letztern. Einer derneuern (Rainkohl-) sagt: Der Ort sey viel zuschlecht erleuchtet, um über dieselben ein Urtheil zufallen, volkrnann dann spricht von acht Bildernaus der Geschichte Adams und Eva's in der Attike,und von vier Jahrszeiten an den Kuppelpfeilcrn,welche nach Raphaels Zeichnungen von Sebastian del Piombo angefangen, und von Franz Salviativollendet worden. Die gewohnten Beschreibe! vonRom , wie Titi u. a. sind noch unvollständiger.Und von dem Wichtigsten spricht vollends der ein-zige Richardson. Dies ist nämlich der dort, eben-falls nach der Zeichnung des Unsrigen, in Mosaik(zwar schlecht) ausgeführte Plafond dieser Kapelle,

welcher die sieben Planeten, und in einem achtenBilde Gott den Vater darstellt, wie er die Engelerschafft; Alles in verkürzten Halbsiguren 138).»Jene" (sagt der fromme Botrari) reimten sicheben nicht für eine so heilige Statte; aber R.ließ sich hier von den Dichtern des (so. profanen)Leo verleiten". Uebrigens halt Ebenderselbe, gleichallen Neuern (mit wie viel Grund ist uns unbe-kannt), dafür, daß vasan sich irre, wenn er glaubt,daß unser Meister Einiges oder gar Alles in dieserKapelle ausgemalt habe. Dafür ist es wohl sicher,daß unser Künstler die beyden in zwey dortigenNischen aufgestellten Statue» des Ellas und Jonasgezeichnet habe, welche hieraus Ghigi durch Loren-zetto von Floren; ausführen ließ, und wovon dieerstere, vielleicht das edelste Werk der Scnlpturunter allen neuern ist 139).

Mittlerweile machte Leo X. an Raphael immerneue Federungen, die nur das Genie und die fer-tige Hand eines so großen Künstlers befriedigenkonnte. Da er ein Zimmer im Vatikan mit Tape-ten verzieren wollte, die damals in Flandern sehrschön gearbeitet wurden, so mußte Sanzio zu vie-lem Behuf die Cartons liefern. Dieselben waren,und zwar in derselben Form und Große, wie dieTeppiche seyn sollten 140), in Tempera oder Leim-farben auf Papier gemalt, in der Art wie er ge-wöhnlich seine Frcscowerke zu behandeln pflegte;die Farben mit vollem breite» Pinsel aufgetragen,und in den Lichtern sowohl als in den Schattenmit Schraffirungen geendigt. Hintergründe, Thiere,Architektur u. a. Nebenwerke ließ er durch seine

Amorinen getragen, bringt die Büchse aus der Hölle, von einem Ungenannten (n. l>. A. Veneziano), bis-weilen mit: i.strei-i bezeichnet; und Ebendieselbe überreicht diese Büchse der Venus (nicht der Juno, wiees bey Heinecke heißt), von M. Anton und L. Suavius. Amor liebkost dem Jupiter, um Psvche's Qua-lm ein Ende zu mache», von M. Anton, Ch. Albert (-58->.), und einem Ungenannten. Endlich: Merkur führt Psyche zum Himmel, von M. Anton (». K I. Caralius) und M. Lucchese. (Somit finden sich allezehn Dreyecke, einzeln, von alten Meistern gestochen). Dagegen dann von den Lunetten nur zwey: Amorder die Schärfe eines Pfeils in dem Köcher prüft, den er an seinem Rücken, oder auch Amor , der überdem Haupt den Köcher und Bogen hält (wir denken aber, eher der erstere), ohne Namen, von Eh. Albert; undwieder Amor, der einen Löwen und ein Seepferd (Erde und Wasser) bändigt, wieder von Albert, leytreSbisweilen mit: /. etc. bezeichnet. Wir schließen diese weitschichrige Litteratur mit einer Bemer-

kung bey Füßli (l. 157 ): »In den beyden Hauptplafonds ist die Person jeder Gottheit nach dem tiefstenSinne der Mythologie nicht etwa durch die in der Kunst schon allgemein angenommenen Kennzeichen, son-dern durch die Art der Formen überhaupt, und besonders durch die Cbarakterzüge der Köpfe, und durch eineso sinnreiche Abstufung und Contrastirung von Würde, Kraft, Anmuth und Freude, auch selbst im Anstandund der Bewegung jeder Figur, dergestalt bezeichnet, daß man darin, sowohl den hohen poetischen Geist alsdie Stärke der Kunst, bewundern muß."

iz6) Gestochen wurden wenigstens 32. derselben, in ältern Tagen sehr gut von Raphaels Schülern, A. Vene-ziano (Nro. 4. 7. u. 13 tragen sein Zeichen), M. von Ravenna , und einem v. V. was (wie Bottari be-merkt) Einige irrig aus Beatrizek beuten. Eine seltene (nach Heinecke schlechte, nach winkler äußerst feingestochene) Copie derselben in Oktavformat gab L. Gaultier r58->. und endlich, in ganz neuern Tage» (dochbloß in Umrissen) theils Landon in : Vie et Oeuvres <is Lnpbaek d^ro. 7210z. theils le L?oir in s. Oescrip-tio» cies Viti-nux etc. nach Glasgemälden, welche wahrscheinlich von Palissy's Hand einst im Schloße Leonen,standen, nun im Museum befindlich sind, und vollends 45. Darstellungen aus jener Fabel enthalten.

Die beßte Gesammtlitteratur über alle bekannten Stiche nach den Bildern in der Farnesina sowohl, alsnach den Raphaelischen Zeichnungen aus der Fabel der Psyche, im Ganzen und von einzelnen Theilen, s.bey Heinecke II. S. 55458. und 47883. und bey Winkler Nro. 3897-39i6. und 403358.

137) Einige setzen den Bau dieser Kapelle früher als die Arbeiten im Casino all« Lungara (der Farnesina) an,zu welchem letztern Ballhasar von Siena den Grundriß liefern mußte.

>38) S. Ramdohr >11. 312. Volkmann II. 382. DU 391. kicknrclson III. 594. Gestochen sind sie in9-, schönen Blätter» von Dvrigny, und H. Boellmann hat davon gute Kopien gefertigt. In Umrissen findenwir sie bey Caiidon Nro. >6670. Das erste Blatt stellt eine gestirnte Kugel dar, über welche ein Engelschwebt. Das letzte das Bild des Weltschöpfers. Von diesem sagt Füßli l. lg5., daß solches als das zuerreichen möglichste Ideal der personificirten Gottheit betrachtet werden könne- Wohl zu unterscheiden sind die-selben übrigens von derjenigen Folge von Planeten, in einem Zimmer des Vaiikans (deren vasari nirgenvSErwähnung thut), von welchem wir an seinem Ort reden werden.

.59) Ramdohr indessen weiß noch Manches daran auszusehen:Ob" (sagt er)die Zeichnung freylich nicht soübertrieben geziert als viele andere neuerer Meister ist, so fehlt ihr doch der ruhige Reiz der Antiken. DerKopf hat viel Aehnlickes mit dem Anttnvus im Delvedere, aber der feine Ausdruck des letztern ist nicht er-reicht" (Wer federt das?);der Körper dann ist mit einer Zartheit behandelt, die sich auf eine sehr glück-liche Art von der übertriebenen Muskeln-Andeutung des M. Angel» unterscheidet. Hauptsächlich verdient die-ses Bild seinen Ruf durch die weise Einfalt des Gedankens. Wie viel aber mangelt demselben noch an Schön-heit nnd Bestimmtheit der Zeichnung, und am Ausdrucke des Charakters, um mit einem Apollo Antinous,u. a. Meisterstücken der Alten in Vergleichung gesetzt zu werden". (Ob alle dies je in die Frage kömmt?)Die Statue des Clias dann ist mittelmäßig, und nur die Gewänder verdienen Aufmerksamkeit". Anderehingegen halten den Jonas für so vortrefflich, daß sie (dies nun wohl irrig) behaupten, daß Raphael selbstihn gemeißelt habe. Wie auch Winkelmann davon mit Enthusiasmus gesprochen, ist bekannt. S. Ram-dohv III. 311. Volkmann II. 383. winkelmann's Sendschreiben au Berg, S- 12. Gestochen findet sichdieselbe in Maffei's kaecolta cki Llstue, von Rvßi Nro. 145.

»40) Was (neben viel Andern,) auch zu Beurtheilung dessen dienen mag, was man etwa in ältern Taaeu füraufgefundene Bruchstücke vermißter Cartone hielt, oder künftig noch dafür achten dürfte.