Band 
Zweyter Theil [3].
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Volke gemeiner karakteristischer Kopfe bedurfte, Roman », Franz Penni und Raphael da Colle 171)wie in der predigt zu Acheu, in den Einrvoh- vollführt, die sich dadurch als würdige Schülernern zu Lystea, in der Heilung des Lahmen, eines so großen Meisters bewahrten. Bekanntlichu. a. finden wir sie ganz im Karakter der wirklichen stellen von den vier Seiten dieser Stanza die ersteNatur, so daß man glauben möchte, sie seyen bloß die Bekehrung Constantins 172), mit der wunder-aus ihr entlehnt, wenn nicht, bey aller Individua - baren Erscheinung des H. Kreuzes; die zweyte undlitat, zugleich das idealische Prinzip der Erfindung größte Constantins Sieg über Maxentius 173), dieaus ihnen hervorleuchtete. Wo es denn aber dieser dritte dessen Lause, und die vierte seine SchenkungHerablassung zur Wirklichkeit nicht bedurfte, da an die Kirche vor 174). In demselben Zimmersehen wir blos Verschiedenheit eigenthümlicher Phy- findet man auch die Bildnisse mehrerer Papste,sivgnvmien, ohne jenes scharfe Gepräge der Jndi- die sich durch ihre Frömmigkeit ausgezeichnet haben;vidualitat; und wo vornehmlich der pathognomische jeder derselben sitzt in einer besondern Nische, und

Ausdruck unser Gefühl beschäftigen soll, wie z. B. hat zwey Engel neben sich, die seinen Mantel tra-

im Heliodor und Burgbrand ^in den Stanzen), gen, oder das Buch halten worin er liest. Zuim Rindermord und in der Bekehrung Sauls den Seiten endlich stehen zwey Lugenden 175).(in den Tapeten), da finden wir blos Köpfe, die Lesenswerthe Beschreibungen der vier Hauptb-Ioerdiesem Ausdrucke gemäß sind, ohne durch ihren dieser Stanze finden sich bey Richardson (III.Karaktcrausdruck besondere Ansprüche zu machen, x. 412zz ) und bey Ramdohr (I. S. 14045 ),In solchen Darstellungen sucht R. blos durch den die beßte Beurtheilung von dreyen derselben aberAusdruck des Affekts zu wirken; und der mo- in den Propyläen I. (2.) S. 95 99 - Dort heißtmentane Gemüthszustand kündigt sich dem Gefühle es »orderst von dem Hauptbilde der Schlacht:

nur um so reiner und deutlicher an. Durch dies »Dasselbe ist in seiner Art ein vollkommenes Gc-

Verfahren ward es dem Künstler möglich, das Man- dicht, wie das Incendiv del Borge, und gehörtgelhaste der wirklichen Individualität, ohne Nach- ohne Zweifel mit unter die vorzüglichsten Produktetheil der Wahrheit, zu vermeiden, und seine han- von Raphaels Geist. Er hat darin mit bewun-delnden Personen, obgleich im Karakter der wirk- dernswürdigerKunst und Verstand den bedeutendstenlichen Natur, doch immer edler und schöner zu Moment und die bcßten Motive, welche kriegrischebilden, welches besonders bey hohen Graden Austritte darbieten, gewählt, und auf diesem Wege-es Affekts iwrhig ist, wo der starke pathogno- nicht nur seinen Gegenstand, sondern gewiffcrmaa-mische Ausdruck an einer Physiognomie leicht zur ßen dieses ganze Fach erschöpft. Auch hat diesesKarikatur wird 169). Werk bis jetzt allen Künstlern, welche einen ahnli-

Neben dem Auftrage der Cartons für die Arazzi chen Gegenstand bearbeitet, zum Canon gedient,hatte Raphael von dem Papste noch einen zweyten und selbst die bcßten sind genöthigt gewesen, inerhalten, jene vierte Stanze, welche unter dem interessanten Stellen , mehr oder weniger offen oderNamen der Gala grande di Constantino bekannt ist, versteckt, von ihm zu borgen. Jul. Rvmanus,und zwar diese in Del auszumalen. Eine Wand der sich mit der Ausführung desselben so viel Ehrewar bereits dafür ausgerüstet, und mehrere Zeich- gemacht, erreichte nun freylich die Arbeiten desnungen verfertigt; aber, wie es scheint, wurde Meisters weder im Colorite noch im lebendigenentweder von der Ungeduld des H. Vaters, oder Ausdruck, noch in der Uebereinstimmung der Fvr-von dem Künstler selber, der Ausführung jener Car- men; aber überall sieht man das beßte Bestrebentons und einiger anderer Arbeiten der Vorzug ge- und vielen Fleiß. Die Behandlung ist auf die Artgeben, welche zu den letzten gehören, womit er sein tha- wie im Helivdor und Atkila; die Farben sind wohltenreiches Leben, bald nachher, Ach! so frühe be- in einander vertrieben, und nur selten Schraffi-schloß. Wie dem immer seyn mag, das Ganze rungen gebraucht, die Striche aber doch nicht sowurde erst späterhin, unter der Regierung Cle- kühn und leicht, und deswegen auch die Conlonremens VII. vvm Hause Medieis 170), durchIuliv alle ein wenig hart und schwer ausgefallen. Die

169) Alles Uebrige dieses Sendschreibens ist theils bloß eine weitere Ausführung des so eben Angeführten, dieRaphaelischen Tapeten iusbesonders betreffend, theils allgemeine (höchst lesenswerthe) Bemerkungen überdas eigentlich Auszeichnende von Raphneis Styl überhaupt.

,70) Leo X. starb nämlich 15-2. Von seinem nur wenige Monathe regierenden Nachfolger (Adrian VI .) aber be-zeugt uns der biedere Vnsnri, daß derselbe »s äi kitture 0 Zcuiture, ns 6l aiua cona vuonn nl 6iistt»vs.

>7») Und zwar nicht, wie Sanzio anfangs im Sinne hatte, in Oel, sondern, gleich den übrigen Stanzen, in Fresco.

>72) Nach Richardson (Nl. 4>6.) soll sich zu seiner Zeit die Rnphnelische Zeichnung dieser Darstellung aufeinem halbe» Bogen blaßgefärbten Papiers, mit der Feder gemacht, ausgetuscht und aufgehöht, in dem Ka-dinet Devcnshire befunden haben, schon früher aber einmal um iou. Pf. Sterl. verkauft worden seyn;und, was ungemein merkwürdig ist, so behauptet Ebenderselbe, daß der häßliche Zwerg sowohl, als die beydenjungen Leuthe im Vorgrunde, deren der eine Constantins Helm, und der andere sein Schwerdt hält, beydeaber den Raum für den Kaiser unschicklich verengen, und so die volle Wirkung der Hauptfigur behindern, i»Rnphnels Entwürfe nicht vorhanden, somit ein unweises Beywerk seines Schülers sind.

»7Z) Eine ,8" breite Zeichnung von dieser Stanzenseite, in gleicher Manier wie die vorgenannte, befand sich einst»u Bologna, in Malvafia's Besitze; dorr sah sie A. Sacchi; dann kam sie i 7 > 5 . nach Frankreich ins KabinelCrozat. Lrbac-Kau l. c. p. 428. Und seither, wohin? Auch dieser Zeichnung werden von dem Brüte»mehrere Vorzüge vor dem Hauptbilde zugeeignet. Noch an einer andern Stelle will derselbe wissen, einezweyte Originalzeichnung von Constantins Schlacht befinde sich in Spanien .

174) In Kupfer findet sich die ganze Stanze von Constantin, unsers Wissens einzig in den kicturl» kapliaelk,von P. Aquila in vier Blättern (oder eigentlich sieben, da die Schlacht aus vieren zusammengesetzt ist) vor-trefflich geekt, und von Ebendemselben auch die Verzierung dieser Sala in Helldunkel, von Polvdoro. InUmrissen giebt sie llandsn in: Vis etc. äs dirs. 186. 299. Z01. Z02. Dann aber haben einzelne

gestochen: Constantins Bekehrung (unter dem Titel: Anrede an seine Soldaten) ein Ungenannter. S. HeineckeII. 476. Dann die Schlacht, »orderst in ältern Tagen, in einer langen, iz" 8'" hohen Frise, ebenfalls einUngenannter vortrefflich, mit einem Monogramm, welches Bsttari (doch wahrscheinlich irrig) auf Ravignanodeutet (S. I. c- 477.). Hierauf M- Petrejus zu Antwerpen , I. B. dc Cavalleriis - 57 '- und P. Scalberge1637. lauter große Blätter. Kleiner dann Voeiriot und B. Pavillon (> c.). Die Taufe besonders, unsers Wis-sens , niemand; die Schenkung endlich in ältern Tagen einzig B. Franco.

>75) Die Gerechtigkeit, und die Sanftmuth, Freundlichkeit, Leuthseligkeit, oder auch sie hat ein Lamm zurSeite wenn man lieber will, die Unschuld, welche beyde Kaphnel noch in Oel gemalt hatte, und dieseine Schüler, aus gebührender Achtung für den Meister, stehn ließen. Gestochen sind beyde, sehr schon,von R. Strange, nach seiner eignen (dürftigen) Zeichnung; die Gerechtigkeit noch früher, auch von ernem uuSUnbekannten.

Anh. zum VII. Heft.

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