34
Zeichnung ist an sich ausführlich (?), aber nichtimmer untadelhaft. Das Colorit ist stark genug/nur ein wenig trocken und roh; im Licht sind dieFlcischtintcn ziegelsarbig, in den Schatten schwarzund schmutzig. — Die Taufe Lonstantins dann hatFranz Penni ausgeführt. In Dergleichung mit derSchlacht ist es schwacher, verwischter und unent-schlossener, sowohl in Farbe als Behandlung; manbemerkt hin und wieder verschobene, kleinliche, un-richtig gezeichnete Stellen; aber daneben auch vielWahres und Gemüthliches im Ausdrucke, welches,so wie der auf die Ausführung gewendete Fleiß,gelobt werden muß. Die Gewänder sind hübschgelegt, ihre Massen aber werden oft unterbrochen,und verliere» daher das Auffallende und Wirksame.— Das Gemälde von der Schenkung der Stadt Rom endlich an den Papst Sylvester wurde von Raphaelda Colle ausgeführt. Dasselbe ist sehr bestimmt,meist auch gut gezeichnet, und der Ausdruck derKöpfe lebhafter als in dem vorigen Bilde, die Be-handlung kecker, und das Colorit nähert sich inStärke und Ton demjenigen von der Schlacht; esist ruhig in den Schatten, im Licht ziegelsarbig,und grell ausgehöht. Die Gewänder sind zum Theilschon gelegt; nur sollten die Massen reiner gehal-ten seyn. Im ganzen Werke fehlt überhaupt dieRuhe". Noch wird die allgemeine Anmerkunghinzugefügt: „Es ist zu vermuthen, daß von denvier Hauptbildern dieser Stanze Raphael nur zuder Schlacht gegen den Maxentius eine vollendeteZeichnung hinterlassen, und daß hingegen zu denübrigen dreyen nur flüchtige Scizzen vorhandengewesen; wenigstens hat Julius Romanus sowohlin dem Bilde von der Schenkung der Stadt Rom ,als in dem andern von Constantins Bekehrung,Gelegenheit gefunden, seine eigenen Erfindungenanzubringen. Ausserdem rühren noch alle übrigenallegorischen und andern Figuren und Bilder, unterund neben den vier Hauptgemälden von ihm her,jene beyden der Freundlichkeit und Gerechtigkeit ausge-nommen, welche er in Oel , doch ebenfalls aufdie Mauer, und wahrscheinlich kurz vor seinemTode gemalt. Diese beyden sind in einem großenStyl gezeichnet und ausgeführt, und im Verhält-niß gegen das klebrige in dieser Stanze nur zu kräf-tig. Die Freundlichkeit (Lomitas) hat einen schö-nen Kopf und reitzendcn Haarputz; auch ist sie gutbeleuchtet; aber die Falten ihres Gewandes sindnicht so zierlich und einfach schon, wie an manchenandern Raphaelisthen Figuren. Die Ausführungist überhaupt sehr meisterhaft und leicht, deswegenaber die Zeichnung nicht vernachläßigt; nur daslinke Aug' scheint etwas zu groß und zu offen, undda, wo der linke Arm an die Brust gränzt, giebtes zu viele Falten. Noch frägt es sich, ob dasLamm, aus welches die Figur den Fuß gesetzt hak,ein hinlänglich bedeutendes Attribut ihres Charak-ters sey? Die Gerechtigkeit bann ist etwas grauerund schmutziger colorirt, und ihr Kopf weniger na-türlich und gemüthlich; dagegen sind die Faltenbesser gerathen, die Stellung sehr zierlich, unddie Zeichnung im Ganzen vortrefflich. Besondersist der erhobene linke Arm sehr schön. Ihr zurRechten steht ein Strauß als Attribut, dessen Be-deutung schwer zu errathen ist".
Nachdem der gute vasari (der überhaupt in sei-nen Kunstnachrichten, das zu seiner Zeit Allbe-kannte — wie es sich gebührt, kurz abzufertigenpflegt) der weltberühmten Cartons, und der nachdenselben gewobenen Arazzi 170) in wenigen Zeilen,der Gala bi Constantinv aber (welche Raphael nurangefangen) voßends kaum mit drey Worte» Er-wähnung gethan, kömmt er noch auf zwey seinerletzten Staffeleybilder zu sprechen; nur in ein Paar
176) Und zwar wesentlich bloß des wunderschönen Gew
-77) ^usrü§e SU8 äsn lilgedücksrn u, 8. V, I. (r.)
i/L) k. 229. Anmerk.
Worten aus einen St. Johann; dann aber aus-führlicher, und nach Würden, auf seine Verklärung.
Das erstere dieser Bilder, aus Leinwand, wurdeursprünglich für den Kardinal Cvlonna gemalt.Von demselben kam es an dessen Arzt, Jacob daCarpi, der solches für eine gelungene Kur zu —federn den Muth hatte; von diesem an einen Bür-ger zu Florenz , Beninkendi. Dort sah es Vasari ;und ist solches wohl ohne Zweifel unter so vielen,die denselben Gegenstand darstellen, dasjenige,welches sich noch auf den heutigen Tag, in derTribuna zu Florenz befindet, „und" (wie sichMorgenstern 177) ausdrückt) „obgleich nur Einelebensgroße Figur, beym Ucberblick dieser prächti-gen Kunstkapclle, die Aufmerksamkeit zuerst er-greift, und zuletzt fesselt". „Wodurch"? (fahrter denn fort) „Durch den Adel und die Herrlich-keit der Jünglingsgestalt; durch das Bewegte,Beredte ihres prophetischen Geistes; durch dieVortrefflichkeit des Colorils und Helldunkels; durchdie hier so gelungene Vereinigung der Schönheitantiker Form mit allem Glanz und Zauber derneuern Malerey, durch das dieser Schöpfung inallen ihren Theilen ausgedrückte Siegel der Vol-lendung. In tiefe Einsamkeit, ins Schweigen derFclskluft das nur von rieselnden Quellen leis' un-terbrochen wird, zurückgezogen aus einer Welt,die sein reiner, scharfer Sinn verderbt fand, er-blickt er von dem kunstlosen kleinen Kreutze ausschwankem Bambusrohr, das auf einem Aste desfast blätterlosen Stamms befestigt steht, einengoldenen Lichtschein, flammend in die Haibnachthin; und Begeisterung ergreift ihn, die Erscheinungzu offenbaren der zur bessernden Welt. Die dun-keln , festgehefteten Äugen funkeln unter der vombraungelockten Haupthaar umschatteten edeln Stirn;die schon geschwungenen Augeubraunen ziehn sichzusammen; die Lippe», von Weissagung schwer,öffnen sich; die Rechte erhebt sich mit deutendemZeigefinger zum lichtstralendcn Kreutze, und er ver-kündigt den der kommen soll, besser als er selbst— den Reiniger des Menschengeschlechts, denErlöser der Welt. Seine niedergehaltene Linkehält eine Rolle, auf der man nur das Del, alsdas Bedeutendste, liest. Er sitzt noch, ein Tie-gersell um den linken Arm und um den rechtenSchenkel; aber auch sitzend ist er in lebendigerThätigkeit. Nur der rechte Fuß, meisterhaft ver-kürzt, ist mit dem Hacken (?) auf einen Steingesetzt; der linke scheint nur leicht die Erde zuberühren. Bald steht er auf", u. s. f. „Sohat kein Maler vor Raphael, und keiner nachihm, Johannes den Täufer gemalt; so konnt' eskeiner. Dieser ist eine Bereicherung der neuernKunst". Und noch an einer Stelle: „Ich werfenoch einen Abschiedeblick auf diesen Johannes.Auch der Hintergrund ist so weislich gewählt. NurFclskluft in der Nahe, und rieselnde Wasser; inder Ferne nur Heide, Wald; Stille überall; nurdie Begeisterung, vom Blick in die Zukunft erhellt,wach und laut. Aus bräunlichen, sich mehr undmehr verdunkelnden Farbentöncn des Grundes trittdie vollbeleuchtctc Jugendgesialt um so strahlenderhervor". Von mehrcrn, diesem fast vollkommengleichen Bildern, welche ebenfalls Raphael zuge-schrieben werden, reden wir, kon jedem an seinemDtte. Hier bemerken wir nur noch, daß, Mor-gensterns Beschreibung zufolge, der Johannes zuFlorenz nicht auf einem Baumasie sitzet, wie hin-gegen derjenige, unten folgende zu Paris ; über-haupt aber, daß, wenn je nur Eines der Bilderdieses Namens das Urbild seyn sollte, es wohlzuverläßig das unsrige ist. Auch sagt Fior,Ho i78):»Die Originalität desselben wird dadurch noch mehr
'kes wegen, das minder gewoben als gemalt erscheine.
>. ZÜl.