Band 
Zweyter Theil [3].
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zu irgend einer Täuschung verstehen muß. Um diebeyden Handlungen einander ;u nähern, war da-her Raphael genöthigt, die Entfernungen der bey-den Scenen als sehr gering darzustellen. Die oberegeht demnach vielmehr auf einem ganz nahen Hügel,als auf einem mehr oder minder entlegenen Bergevor. Denn in letzter», Fall wäre sonst die obereSzene, wegen der Kleinheit der Figuren, zu einemNichts geworden ". Nicht ohne Lächeln liest mandann am Schlüsse dieser doch wirklich schönen Be-schreibung: »Schüchterne Gewissen, welche einigeFurcht über den Raub anwandeln dürfte, den mandurch die Entfremdung dieses Meisterwerks an ei-ner Römischen Kirche begangen, müßen wir beleh-ren, daß solches ursprünglich für eine Französische Kathedrale bestimmt war, dann aber aus heiligem,wiewohl eigennützigem (sie!) Eifer von denheutigen (?) Römern in Rom zurückbehalten wurde.Das Völkerrecht (man traut seinen Augen kaum,foderre es daher für Frankreich zurück,und der Sieg gewahrt» solches". vixi lZy)!

Auch Mengs, den wir späterhin noch weiter(und vor allen Andern) über Raphael hören wer-den, halt dafür: »Daß dieses Bild alle feine frü-hern Arbeiten noch weit übertreffe, und beweise,welchen hohen Begriff er sich gegen das End sei-nes Ziels von dem wahren Schönen gemacht. DerAusdruck darin sey noch weit edler und zarter alsin allen übrigen, Helldunkel und Haltung trefflicher,und endlich der Pinsel von bewundernswürdigerFeinheit, so baß man z. V. in den Umrissen nichtdas Geringste von einer Li.nic gewahr werde, wiehingegen in so vielen seiner altern Werke". Freylichfüge er dann sogleich mehrere Rügen hinzu. So z. B-;»Was das Kolorit betrifft, so ist es zwar in einigenThei-

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len des großen Ganzen sehr gut; aber doch sichnicht allenthalben gleich. Die männlichen Figurensind von besserer Färbung , als die Weiber. EinigePartien sind nicht von dem Meister gemalt; so dieGruppe des Besessenen, in der man den furchtsa-men Pinsel des Giuliv Romano wahrnimmt. DieKöpfe der Apostel gegenüber hat er retouchirt; dennhier zeichnen sich seine meisterhaften Pinselzüge aus.Inzwischen ist der Ton des Kolopsts hier dennochzu einförmig; das Fleisch scheint hart und aufgetrocknet zu seyn". Und noch an einer andern Stelle-, »Der Kopf der Frau auf dem Vorgrunbe ist kalt:und graue doch glaub' ich, daß er gleich nachder Vollendung des Bildes diesen Fehler nichthatte; aber um die besorgte und beynahe geleckteBehandlung seines oberwahnten Schülers nicht zuzerstören, mußte er die Ueberlage der Farben beymRetouchireu nur sehr dünne machen, und so hatsie dem Einflüsse der Zeit nicht widerstehen können.Hingegen bemerkt man an den großen Zehen dernämlichen Figur eine Verbesserung, bey der, uinden Fehler der Anlage zu tilgen, der Auftragstark seyn mußte; und dieser Fleck ist viel bessergemalt und colvrirt, als der Rest. Eine ähnlicheVerbesserung findet man an dem Daumen der ver-kürzten Hand des Apostels auf dem Vorgrunde,und daher ist dieser Theil gleichfalls besser gemaltund erhalten auf uns gekommen iy»)". Ein an-derer Neuerer dann saßt seinen Preis' des unsterb-lichen Werkes, theils in demjenigen, von Mengsanfangs erwähnten, theils aber in einem noch weithöhcrn Gesichtspunkte auf: »Bekanntlich" (heißtes dort) »wird dieses sein letztes Bild als dasvollendetste Meisterstück angesehen, welches die ganzeneuere religiöse Kunst in dem Gebiete der Oelma.

189) Gestochen wurde dieses Bild in ältern Tagen: Srstlich nach Zeichnungen, von einem Schüler M. Antons,

bev A. Salamanca (1538). Ferner von einem Unbekannten, mit dem Monogramm, li. (wahrscheinlich M.von Ravenna ), und endlich eben so in neuern Zeiten, von Franz Anton de Santls zu Rom , nach einerRaphaelischen Scizze (?); so daß man daraus lernen konnte, was der Künstler noch während der Arbeitfür Veränderungen darin vorgenommen hat. S. RsIcoe Leb. Leo X. kll. >4,3. Anm. e. Dann nachdem Gemälde selbst, von C. Cort (-57Z. 74. und 1602.), ein gutes Blatt, das von der Erfindung, Anord-nung und (so urtheilt Füßli i. 12z.) auch dem Zeichnuugsstvle (?) des Urbilds einen richtigen Begriffgiebt, für den Ausdruck hingegen nur mittelmäßig ist. Demselben ähnlich in der Form, aber weit gerin-ger in der Kunst, von M. Ä. Marelli. Weiter von R. Sadcler; von S. Thomassin iu zwey Platten, wasHeinecke unvergleichlich nennt, und auch Füßli, was zumal den Ausdruck betrifft, vor demjenigen vonGort für vorzüglicher hält. Fast eben so groß von I. Ehereau. In Schmarzkunst von I. Simon zu London .Von S. Valee, gut; von H. Vincent (>69,.); von A. Wcstcrhout, schön geetzt; von Lardieu; baun voneinem Ungenannten, nach I. B. Lenardi's Zeichnung. Vorzüglich aber, und so daß es schwerlich von Neuernzu übertreffen seyn wird, von N. Dorigny (,709.), späterhin von R. Strange aufgestochen, und selbst i»dieser Nestauration noch ein schönes Blatt (Addison nennt es den schönsten Kupferstich nach dem schönste»Gemäld in der Welt). Hierauf in neuerer Zeit, von B. Eredi und F. Pozzi (von letzten»: Uo,«as ,779.26" hoch, >7" breit); und endlich, in unsern neuesten Tagen, von m. Morghen, lange mit Pomp ange-kündigt, von demselben auch schön begonnen, aber von seinem Bruder schlecht vollendet, seither indessen(-8-2.) wieder von dem erster« neu gefertigt, als ein großes Meisterstück gepriesen, und nun (>8>3) wirk-lich erschienen för den Stich allerdings ein glänzendes Kunstwerk, aber dessen ungeachtet seines hohenPreißes von 8» st. kaum werth, und, nach mehrerer Kenner Urtheil, in allem Wesentlichen den erstenguten Drücken von Dorigny's seinem nicht vorzuziehn. Namentlich wurde im (Journal he Paris bemerkt:Man hätte an dem untern Theile der Eomposition mehr Ausdruck und Kraft zu finden gewünscht. DasGanze scheine ein wenig monotonifch und bleich; man habe Gegensätze, wie im Gemäld erwartet, aber fastin allen Theilen dieselbe Behandlung gefunden: Viel Feiuheit, Reinheit, ausgesuchte Milde und Anmuth;aber kein Feuer, keine Verschiedenheit des Tones. Der'obere Theil sey ungleich besser gefertigt, und gebedie himmlische Scene sehr gut wieder; man könne nichts lieblichecs, nichts ätherischeres sehen, als die Ge-stalt (fhristi, u. s. f. Auch für das Museum Napoleon (Heft XXXVl.) wurde unser Bild, nach Ter-tre's Zeichnung, von A. Girardet, mit unglaublichem Fleiß, aber doch von einigen Zeichnungsfehlern undharten Stellen nicht frey gestochen. Noch wird irgendwo ein auderes neueres, uns unbekanntes Blatt, vonPoignet , genannt. Endlich kennt Füßli noch eines, von P. Drevet, beynahe in gleicher Größe, wieTbomaffin's, und neunt es, unter denen ihm damals bekannten, das zierlichste von Allen, aber ohne Energieund Ausdruck, wahrscheinlich bloß nach fremder Zeichnung oder nach den ältern vorhandenen Blättern ( dadieser übrigens so geschickte Künstler niemals in Rom war). Lb indessen dies letztgenannte nicht mit,demoben angeführten von S. Valee (welches Heinecke: clltzs ll-'evct rubrizirt) Eines und dasselbe seyn dürfte,ist wohl noch zweifelhaft. Bloß den obern Theil des Bildes hienächst (die eigentliche Verklärung) gab Ändertmit dem Grabstichel (-704.); und eben so findet es sich in de» Sinnbildern von Bocchius- S. einen Theilobiger Litteratur ausführlicher bev H ein ecke ll. 3929 ;. dir. 562432. Füßli I. 115-25.

Im Umrisse giebt das Ganze -^nn. III. Xr. 67. Dann:. Vis om. so kka/>l>«el Xr. r. (sehr ange-nehm ), und endlich das Manuel I. c. .

Noch bemerken wir endlich drey Originalstudien einzelner Gedanken zu dem untern Theile unsers Bildes,von welchen Richards»» lll. 62628. spricht. Zwey dergleichen soll sei» Vater besessen haben: Auf einerderselben die Figur, welche in dem Gemälde gleich ob dem zur Erde fitzenden Apostel stebt, der das Buchhält, vortrefflich gezeichnet; und zwar hier ganz ausgeführt, da man hingegen im Gemälde bloß einen Theildesselben erblickt. Noch mehr indessen preißt Richards»» eine dritte (zu seiner Zeit im Besitze des H. tenKate zu Amsterdam ), auf welcher die bevden wunderschönen Köpfe, des jugendlichen Jüngers der seineHände auf die Brust legt, und des ältern zu seiner Seite, lebensgroß, in schwarzer Kreide gezeichnet, undvollkommen erhalten sich befinden. Wer belehrt uns, in welchem Grabe auch diese Kunstschähe nochruhen mögen?

190) Oxers I. 14445.