Band 
Zweyter Theil [3].
Seite
46
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ren somit die Allegorie schon unzweydeutig inden Stellungen; aber nun vollende auch in derFarbe der purpurnen Abendröthe, der violettenDämmerung, und der dunkelblau annähernden Nacht,so wie Raphael, und wir Alle mit ihm, dieseFarbenübergange, an jedem unbewölkten Sommer-nbend an den Gipfeln unserer Alpen erblicken.

Ebenfalls im varikan, im sogenannten Sammt-zimmer (wo der Papst gewöhnlich Audienz er-theilte) sah Richardson noch von R. eine vor-zügliche Madonna in Fresko, und in einem anderneinen Carton von dem untern Theil des Bildes derVerklarung, in schwarzer Kreide 223).

In der Sixt,'nischen Rapelle befand sich einst(jetzt, unsers Wissens, nicht mehr) eine Krönungder H. Jungfrau durch Christum . Oben Gott derVater; unten auf der einen Seite Johann derLauser, auf der andern St. Hieronymus , in derMette zwey Engel, die einen Zettel lesen. Vondiesem Bilde kennt man einen alten Stich, ohneRaphaels Namen, mit dem 6. auf einem Würfelbezeichnet, und spathere Drücke davon im Verlagevon Roßt und Lafrcry, mit der Unterschrist: Loronutio13 . Marias etc.

Im Päpstlichen Pallaste des O-uirinals (MvnteEavallo) sah Ramdohv noch eine (von vielen füroriginal geachtete) aus Hol; gemalte Copie «desberühmten Johannes des Täufers in der Wüste,wie man dergleichen noch an so viel andern Ortensieht 224). Andcrwerts heißt es übrigens, daßsolche vortrefflich und wohl erhalten, dennoch aber,aus den dunkeln Tinten zu schließen, sehr wahr-scheinlich von Jul. Rvmano seyn soll. In frü-hern Tagen fand sich dies Bild im Collegiv derMaronitcn, von welchen Clemens XII. dasselbe für2000. Scudi erstanden hatte. Ebenfalls im Qui-rinal zeigte man Ranrdohrn noch ein anderes (vonihm ungenanntes) Bild aus R. erster Manier, waser aber wenigstens für sehr zweifelhaft halt 225).Bey Titi 226) findet sich noch, als in einem derdortigen Päpstlichen Zimmer befindlich, vielleichteben das, was Ramdohe nicht nennt: Peter undPaul, zwey, dort vortrefflich genannte Bilder, die

»22) Indessen sollen wir nicht verhehlen, daß hingegen C>.ja p. 85-86. diese immerhin herrlichen Bilder P. delVag« und I. da lldine bestimmt zuschreibt. Gestochen bat, in ältern Tagen viere derselben: Jupiter ,Mars, Diana und Merkur (s. Heinecke il. 492.) P. S. Bartoli: Alle aber (nebst den Figuren des Thierkreisesa» demselben Plafond) unsers Wissens zum ersten Mai, noch bloß in Umrissen Th. Pirol! für Piranesi ;dann Mich. Angelo Maestri in Gouache ausgemalt, wovon jedes Blatt in Deutschland . Zeccd. kostete. Inganz neuern Tagen gab die Planeten, und von dem Thierkreisc die Figuren der Waage, des Wassermanns,der Jungfrau und der Zwillinge, wieder in Umrissen (ohne die Verzierungen) ilmidon Nr. 1-824.

22Z) Ulcluirtiüon III. 477. Noch bemerken wir, daß llandoil in seiner: Vie er Oeuvre« äe Lapba,/ dir.I/I 81. eilf Darstellungen im Umrisse giebt, deren Urbilder sich in einem sogenannten Kabinet Julius II. im Vatikan befinden sollen; eben so sieben und zwanzig andere, die er Kameen im Vatikan nennt unter Nr.2c>2, z, 59. und 6785. und endlich auf vier Blättern (Nr. 16265.) noch iz. andere, die ebenfallsdort zu suchen sind. Alle sind mythologischen oder symbolischen Inhalts; vie ersten, will er aus älternStichen von H. G. Barioli (wahrscheinlich aus dessen Werke: ?-»rerg» »tque ornameniL in Varicsinkalatti x>«ti« etc. 4Z. Bl. in 4 die man sonst in Rom auch: 8cker2i ili I-igure colvrite iti rilievo 61Ecco heißt) die zweyten aus neuern Stichen von Th. Pirol! und I. B. Chapuys, die dritten endlich aus sol-chen von H. Wyberl und G. Audran genommen haben. Allein beynahe von allen diese» Bildern findet sich,weder in altern noch neuern Beschreibungen des Vatikans, unter Raphaels Namen nicht die geringste Spur.Mit denen nach Bartoli mag es in so weit seine Richtigkeit haben, daß solche unter den zahllosen Verzie-rungen der (selbst nie gezählten) Stanzen des Vatikans, von Raphaels Schülern, manche wohl nach seinenZeichnungen, vorhanden sind. Sogar der bloßen Rttbrick eines Kabinets Julius II. hingegen wird nirgendsgedacht. Und namentlich haben Künstler, die in Rom , mit größter Mühe und Scharfblick, alle dortige»Ucberrefie von Sanzio's Werken aufgespürt haben, uns versichern wollen: Daß sechse von denen, welchePiroli, Chapuys , und ebenfalls in unsern Tagen Mich. Angelo d)öarstri (letzterer colorirt) gegeben, unddie so manches weibliche und männliche Boudoir von Europa zieren, vollends freylich nicht unfeineErfindungen neuerer Kunst senen. Und sind dieses nämlich jene bekannten Amorine, Führer von Wagen, dievon Delphinen, Schwanen, Schlangen, Schildkröten, Schnecken und Papillons gezogen werden.. Und Aehnlichesbehauptet man von jenen zwölf Tagsstunden, die sich angeblich ebenfalls von Rnphnel im Vatikan vorfindensollen, und gleichmäßig in neuern Tage» von F. Hubert, Lacroutelle, Lavallee, L. F. Manage, S. F.Ribaut, N. Thomas, und (wieder colorirt) von oberwähntem Maestri, und nach diesen von ilandon (l- c..dir. 45863.) ,'m Umrisse geliefert wurde». Noch kennen wir (nebst so viel andern, ungleich Awevdeutigerm)fünf Kinderspiele, eines von acht, die übrigen von vier und drey Figuren, ietztre mit Festons durchwunden,wovon eines den Namen des Streits zwischen Eros und Anteros trägt, und welche alle mit: äk-igll. L>.inv. dann mit dem Würfel des Beatrizet, ,^nc. IUerl tormi«, und 6. ). konnt formt« 16 ,5. dann aberhauptsächlich mit der Eigenschaft: lupe/reits äst bezeichnet sind, und die auch Lnndsn l. c. Nr.-54-28. im umrisse giebt.

224) Rnn,-g>hr II. 19,.

225) >. c. 192.

226) p 280. und 507.

der Mutter und des Johannes hat erwähnter Künst-ler über das Urbild durchgezeichnet.

XIV. Spolero.

Hier befand sich noch 1310. in der Hanptkapelleder Casa Aneaiani ein in Wasserfarbe auf Leinwandgemaltes ziemlich großes Altarblatt von dem Unsri-gen: Die Anbetung der III. Könige. Links siehtSt. Joseph in sich gekehrt; neben ihm kniet Ma-ria mit gefallenen Handen. Vor dem Kinde Rechtserscheinen die Könige in morgenlandischer Pracht,mit Gefolge, das im Hintergrund aus Felsen her-ankömmt; zwischen ihnen knieen zwey Engel; überihnen halle » drey andere eine überschriebe»? Pa-pierrolle. Das Ganze ist in des Künstlers ersterManier, und gleicht den Werken seines Meisters,oder auch Pinturicchio's. Die Farbe ist an einigenTheilen noch wohl erhalten, an andern hingegensehr verblichen bey manchen Figuren, so daß nurnoch die aufgezeichneten Faltenumrisse und Gewän-der sichtbar find 221).

XV. Rom.

Im varikan, im Saale Borgia in Fresko, alsPlafond die sieben Planeten: Jupiter , Apollo,Mars, Diana, Merkur, Venus und Saturn, inganzen Figuren mit ihren Attributen, jedes in ei-ner Einfassung von Arabesken; vortreffliche Bilder,deren (wunderbar zu hören!) weder bey Vasari noch bey irgend einem andern Schriftsteller keiner-lei) Erwähnung geschieht. Auch erzählte uns voretlichen Jahren ein Reisender (mit wie viel Grundist uns freylich unbekannt) daß solche (damals vorganz kurzer Zeit) unter den fast unzähligen Schä-tzen des Vatikans, gleichsam neu entdeckt wor-den 222). Man kann sich nichts Schöneres undSinnigeres denken. Wir haben so eben die Diana<Lnna), als Bild der herannahenden Nacht, nachden Farben des Originals colorirt, vor uns. Siefährt aus ihrem Wagen daher, von der Dämme-rung und der Abendröthe gezogen; letzter sucht dieerster» in ihrer Eile noch auszuhalten; aber dieGöttin giebt ihnen den Wink, den unerbittlichenLauf der ewig kreisenden Stunden nicht zu verwir-

22,) Aus mündlicher Erzählung eines Freundes.