Band 
Zweyter Theil [3].
Seite
51
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donne; leicht mit dem linken Knie hinkni'eend hebtsie den rechten Arm und Hand, und berührt mitder andern das Kind, das auf einer Rasenbanksitzt, mit seiner Rechten auf Johannes deutet >und das Köpfchen nach der Mutter wendet. Jo-hannes kniet hinter dem Sitze, und hat die Augenauf das Christkind gerichtet.Dies Bildchen hatetwas unendlich Anmuthiges; es geschieht eigent-lich nichts, es ist ein bloßer Moment aus demhäuslichen Leben; aber R. Genie hat ihm dengrößten Rcitz, zumal in den beyden naiven Kin-dcrgcstaltcn zu geben gewußt". (S. unten nochdie Endnote zn dieser Beschreibung der Spanischen Bilder).

5 - Von der Madonna bei Pcz (vom Fische)haben wir schon oben 269) gesprochen.

0. In der Sakristcp derselben Kirche: Mariasitzend, das Kind auf dem Schooße, das linkeFüßchcn noch in der Wiege, streckt die Händenach dem jungen Johannes aus, welcher ihmFrüchte bringt, und lächelt die Mutter fast muth-willig an, die ihren Arm um den Nacken der H.Elisabeth legt; Joseph im Hintergründe, an ei-nen Baumast gelehnt.Von allen MadonnenRaphaels ist diese, glaube ich, die blühendsteund rcitzendste; in der That ein zauberisches Ge-sicht. Hände und Füße sind eben so schön; und,obgleich dieses Bild sehr beschmutzt ist, und soschlecht hangt, daß eS nur eine Stunde des Ta-ges giebt, wo man es leidlich sieht, so läßt sichdoch ahnden, daß es eins der vollkommensten undglänzendsten an Kolorit und Farbe der Gewänderdes Meisters seyn mag".

7. Im Zimmer des Prinzen von Asturien. Ma-ria sitzt mit dem Kinde, das mit seinen Armendie Mutter umschlingt, so wie sie hinwieder das-selbe mit den ihrigen umfaßt. Den Kopf wendetes gegen den kleinen Johannes, der hinter ihmmit dem Kreuze steht. In der Stellung der Mut-ter ist Aehnlichkeit mit der Madonna della Sedia;hier aber sieht man ihr Gesicht im Profil.Wiefast alle Madonnen Raphaels einen Grundzugvon Aehnlichkeit, und denn doch einen verschie-dentlich gestempelten Ausdruck haben, so auch hier.Die unsrige zieht besonders durch ihre unendlicheEinfachheit an, und die beynahe bleiche Gesichts-farbe kragt auch noch dazu bey, den Zügen etwashöchst Interessantes zu geben". Dieses Gemäldist Kniestück, die Figuren in natürlicher. Größe.

8. Wieder in der Sakristey. Mariens Besuchbey St. Elisabeth, lebensgroße Figuren.Ma-ria tritt herein, den Kopf auf die linke Seite ge-senkt; sie hat große, niedergeschlagene, wunder-schöne Augen mit langen Wimpern, und hellbrau-nes Haar. Das Gesicht ist unnachahmlich, großin den Forme», blühend, vollendet im Colvrit,und von einer Grazie, einem hohen und sittsamenReitz im Ausdrucke der liebenswürdigen Verschämt-heit über ihren Zustand, für den in der That dieSprache zu schwach ist. Geelig der Glückliche,dem ewig diese Bilder der Schönheit underhöhten Menschheit vor Augen schwebten.!

Mariens Bewegung ist beynahe uoch schreitend;ihre linke Hand liegt auf ihrem Leib, die rechtereicht sie der H. Elisabeth. Diese ganz mit derPhysiognomie, die ihr Raphaei fast beständig giebt,hat einen mütterlich frohen, gutmüthigen Ausdruck.Das Einzige, was mir nicht gefallt, ist die er-wähnte linke Hand auf dem Leib der H. Jung-frau; sie hat nicht die schöne langlichte Form derRaphaelischen Hände; die Finger sind besonderskurz. Mariens Kopfputz ist sorgsamer, als manihn gewöhnlich sieht; die Haare sind mit einemleichten Bande burchssochten. In der Ferne siehtman Christi Taufe durch Johannes;' der Himmelist aufgethan. Engel steigen hernieder".

9. Im neuen Pallaste zu Madrid . Das 270)schon an seinem Ort erwähnte berühmte Spasimodi Sicilia.

10. Ebendaselbst: Madonna mit dem Kinde(ohne den Johannes), welche sonst der Madonnabelle Sedia zu Florenz völlig gleich ist, in vier-eckigter Form, die Figuren etwas kleiner als Le-bensgröße, sehr schmutzig und vernachläßigt. AuchMengs, in seinem Schreiben an pens 271)nennt es, als im Kabinet der Prinzessin von Astu­ rien befindlich, in halb lebensgroße» Figuren, undurtheilt davon:Vermuthlich eines von den Wer-ken, welche Raphaels Schüler ausgeführt haben,von ihm übermalt, doch mehr wie Seizze, als wievollendetes Werk. Wenigstens ist der Kopf derH. Jungfrau ganz sein, und seinen beßtcn Ar-beiten gleich, voll Leben und Ausdruck". Hinwie-der rühmt »nser Reisende vornamlich das Kind,das so unaussprechlich süß an der Brust seinerMutter liegt" 272).

n. Endlich noch eine H. Familie. Die sitzendeMadonna halt die gefalteten Hände vor ihrerBrustvortreffliche Hände und Finger, die vol-lendetste längliche Form, die man sehen kann. Ihrheiliges, schönes, jugendliches Gesicht hat einenwehmüthigen Zug; die lichtbrannen Haare umgiebtein feiner Schleyer, Hals und Nacken sind frey".Das Christkind sitzt auf ihrem Knie, und hält denrechten Arm segnend in die Höhe gegen Johannesder von ihm kniet, die eine Hand auf der Brust,in der andern das Kreutz.Sein blond gelocktesKöpfgen ist ernst, und der Ausdruck der Köpfebeyder Knaben etwas über ihr Alter". St. Eli-sabeth sitzt neben Marien, und berührt das Kindam Ellbogen.Ein wenig hart in den Contou-ren ist dieses Werk, und die Farben sind wenigerverschmolzen als auf andern Bildern von Raphael;dafür giebt die betende Stellung der Mutter, undder ernste begeisterte Ausdruck der Kinder, demnnsrigen einen heiligen erhabenen Charackter".Auch von diesem Bilde geschiehet bey Mengs I. c.Erwähnung,- ihm schien es vielleicht, nach San-zio's Zeichnung, von einem der bcßten Schülerdesselben gefertigt zu seyn 27z).

XIX. Frankreich .

In der Königlichen Gemahldesammlung in Frank­ reich befanden sich, schon von Alters her, neben

269) S. -4. und Anm. Nr. 78.

270) S. 20. und Anm. Nr. 93.

-71) Opsre II. 75.

272) Fast uugezwelfelt dasjenige Bild, von welchem va» Schuppen einen wenig bekannten, aber trefflichen Stichgeliefert hat.

27z) Wir erinnern uns nicht, ein Blatt nach Raphnelischen H. Familien ru kennen, welches einer der unsrige». in Spanien (Nr. ,o. ausgenommen) vollkommen gleichet; doch befindet sich eines von Simonneau nach einer Copievon Garofolo, welche Crozat besaß, (gemein) gestochen, sür's Kabiner Croiat Nr. 34. , das dort und anderswo aus-drücklich ein Gemahlt» aus dem Sskurial beißt, und in der That unserm Nr. 4. in der Stellung seiner Hanptfignre»ganz entspricht; dann aber das Christkind nicht auf eine Rasenbank, sondern an einem Gängelband auf dasStück einer Cornische von schöner Architektur setzt, mit einer warnenden Gebehrde der Murcer, daß es nichtherabfalle, besonders aber im weit entfernten Hintergrund einen St. Joseph hac, der mit dem Licht iu«in Gewölb geht, wo es indessen leicht möglich ist, daß derselbe in spätherer Zeit nachgedunkelt» und gegen-wärtig seine ganz kleine Figur kaum mehr ersichtlich ist. Noch bemerken wir, daß in dem Blatte bev Crozatder kleine Johannes vor dem Kinde mit einem Krentzchen knieet. S> den Nawstich desselben bev London :Vie et Oeuvres äe /federt bir. 4r).