Band 
Zweyter Theil [3].
Seite
52
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Denen oben bereits nach vasan n. s. s. genannten ren (xlisLent Zoücement tlun fonä ä lautre);

Bildern 274) folgende, deren dieser vorzüglichste ein großes, mildes und reines Aug, das keine an-

Biographe von ^aphael (von einigen derselben dcre Liebe als die mütterliche ausdrücken kann; eine

fast unbegreiflich) keinerlcy Erwähnung thut: nur wenig gebogene Nase, deren Rundungen zart,

r. Die vorzüglichste aller seiner H. Familien, aber doch nicht mager, und sein ohne Trockenheit

welche unser Künstler rzi8. für Franz I. gefertigt, sind; ein Mund der eben so Reinheit ausdrückt,und diesem Monarchen damit für die fürstliche Be- als rein er gezeichnet ist; die Stirne eben so jung-lvhnung seines St. Michaels ein noch weit große- fraulich, als es der in ihr wohnende Gedanke ist;res Gegengeschenk gemacht. Dieselbe enthalt sieben Haare, die ganz wie von selbst zierlich gelegt sind;lebensgroße Figuren. Die beßte Beschreibung von der Hals minder lang als bey den Alten, aberdiesem klassischen Bilde geben l'Epici« I. 84 85 - dafür weicher und graziöser gerundet; die Schul-Füßkl I. 16162. lind das: Namiel ärr Lluseurii lern gesenkter als bey jenen, aber geschlankcr, ed-kVan^ais. Oeuvre öe /ta-o/E/ b!r. Z. Füßli, lcr und markigter gezeichnet; eine Brust, derenwie folgt: --Maria sitzend, neigt sich mit einer sanf- nie berührte Gestalt eine Drapperie verlangt, dieten Bewegung zu dem Kinde Jesus, welches sich ihn völlig decke; ein jugendlicher, züchtiger Körper-aus einer Wiege gegen sie erhoben hat, und mit bau; Aerme, Hände, Füße, die man, nur ausinbrünstiger Gebehrde sie zn umarmen sucht. Ne- Ehrfurcht für dies ganze Wesen, nicht anbeten darf;Leu diesen ist Elisabeth, die, mit einem Knie auf und endlich eben dies Ganze, das unserm Aug'der Erde, den kleinen Johannes halt, welcher mit vereinigt alle Reitze darbietet, welche die Einbil-gefalteten Handen und einer liebevollen unschuldi- dungskrast einer idealischen Schönheit nur liehengen Miene seine Bewunderung zu zeigen scheint, kann, die von der Grazie der Unschuld, und vonHinter diesen Gruppen ist Joseph stehend, mit der blühenden Farbe der Sittsamkeit belebt wird",gestütztem Haupte, in einer nachdenkenden Stcl- Hierauf weiter: »Raphael wollte die vcrschiede-lung; und über Maria und ihrem Kinde sind zwey nen Alter der Schönheit in Eine Rahme fassen.Engel, deren einer Blumen streuet, der andere Das göttliche Kind ist ein Jnnbegriff von Anmuthaber sein Wohlgefallen über diese Handlung be- und Vollkommenheit für sein Alter; seine Kürper-zeiget. Liebreicher Ernst, mit jungfräulicher Eitt- Muskeln sind etwas ausgesprochener, als sie es beysanckeit karakterisiren das schön gezeichnete Gesicht einer bloß menschlichen Natur seyn würden, ohneder Maria; das Liebe-und Sehnsuchtsvolle in dem daß das Angenehme und Reine der Contoure et-Bestreben ihres Kindes, sie zu umarmen, ist eben was davon einbüßt. Die Weise, wie es gegenso geistreich durch dessen lebhafte Blicke, als durch seine Mutter aufstrebt, ist ebenfalls seinem Alterdie Bewegung der vollkommen schön und edel gc- gemäß, voll Liebe und Anhänglichkeit; seine Augenzeichneten Glieder, und durch die ganze Wendung die- schimmern schon von einer göttlichen Gluth, aberser eleganten kleinen Form ausgedrückt. Die Fi- zugleich von kindischer und kindlicher Zärtlichkeit,gur des kleinen Johannes hat zwar wegen dem Hinwieder hat in diesem Bilde das Jünglingsalterhier nöthigen Kontraste weniger Geistvolles im Ge- ebenfalls sein Muster von Vollkommenheit, in demsichte, und weniger Elegantes und Schlankes in Engel , dessen gehobene rundlichte Arme Blumender Form, als das Kind Jesus, aber dennoch über die Mutter und das Kind ausstreuen. Derausnehmend viel Sanftes, Frohes und dabey Gc- Kops desselben ist die männliche Jugend in ihrerlaffenes in Miene und Gebehrde; das Gesicht der Blüthe; sein in den Schatten hochgefärbtes Ant-Elisabeth zeigt, in einer ältlichen Form, Anmuth l>tz benimmt dieser Blüthe nichts; aber seine Schön-und Ernst verbunden; das Ernste und männlich Heck ist abermals eine andere als die der Antiken,Feste ist in Josephs Gesicht und ganzer Form lreff- nicht des Apollo, nicht des Antinous, nicht Me-lich ausgedrückt, und kontrastirt »»gemein mit der leagers; es ist ein Geschöpf für's Paradies gebil-Leichtigkeit und sonderbaren Gewandtheit, die Ra- det, und aus demselben herabgestiegen; die Händephael den zwey schön gezeichneten Engrlsformen sind von einer reitzenden Zartheit, die Finger wiezu geben gewußt hat. Ueberhaupt ist in diesem Bild Spindeln zugespitzt; der Arm scheint ein wenigAlles zu bewundern. Erhabenheit in der Erfindung, muskulöser zu seyn, mehr Rundung würde ihn zutiefe Ueberlegung in der Anordnung und Gruppi- einem Frauen - Arm machen; so ist er es nicht,rung der Figuren, Stärke und Wahrheit im Aus- Der Kopf von Elisabeth ist der einer schönen Ma-druck, Eleganz und Richtigkeit in der Zeichnung, kröne, hat Züge die zeigen wie schönste einst war;und eine Drappirung, die nicht schöner und wah- Güte und Wohlwollen malen sich noch in ihrenrer gedacht werden kann". Runzeln; ihr Kopfputz ist edel und ihren Jahren

Das Manuel dann läßt sich in noch mehreres angemessen; sie mühet sich mit ihrem Kinde, mitt-Detail von Beurtheilung ein, und sängt mit der lerweile alle Andern mit dem Jesuskinde beschäf-scharfsinnigen Bemerkung an: »Raphael empfand, tigt sind. Der alte Joseph endlich ist hier zumdaß dieser Gegenstand, den er so oft wiederholte, ersten Mal nicht eine Person, die bloß den Platzder einzige war, der in der bildenden Kunst auch beengt, den er einnimmt; sein Kopf drückt Ernstdie anmuthvollsten Darstellungen der alten Götter- und Güte aus, seine Stellung ist denkend undlehre ersetzen könnte; und da er lieber mit den An- überlegend. Das Lokal der Szene ist wohl etwastiken kämpfen, als sie nachahmen wollte, nahm er zu köstlich, es ist nicht die Wohnung eines Aim-andere Formen, andere Characktcrc, und einen an- mermanns; diese Kissen mit güldenen Eicheln sinddcrn Styl an. Seine Madonnen sind keine De- sicher nicht historisch, und die Broderie am Ge­ nus , und keine Nioben, und es ist wahrscheinlich, wand der H. Jungfrau auch zu viel; sie ist nichtdaß er nicht selten seine Modelle unter den Tvch- im Himmel, sie ist noch auf der Erde. Wer dannkern des Volkes wählte, von welchem die H. Jung- endlich das Ganze dieses Bildes ins Aug' saßt,frau abstammte, und das noch heut zu Tage sehr wird finden, wie sehr es in allen Theilen überlegt,schöne Frauen auszuweisen hat". Alsdann beschreibt ausgearbeitet, bis ins kleinste Detail vollendet sey,er die unsrige also: »Der Kopf ein vollkommenes und gar nichts zu wünschen übrig lasse 275)."Oval, dessen gerundete Contoure sich sanft vcrlic- 2. Das schlafende Jesuskind, unter dem Na-

274) Madonna der Gärtnerin, St. Johanns in der Wüste, der beyden St. George, der bepden St. Michael,und dem Bildnisse der Königin von Arragon. S. 2. u. 6. Aiim. »8. 2426. 34.

275) Gestochen hat dasselbe unübertrefflich G. Edelink für die bekannte Sammlung der beßten Gemälde aus demalten Köniql. Kabinet. Einzeln ist es , zumal in guten Drücken, wo der Wappenschild von Cvlbert ausgelöschtist, sehr schwer zu finden, und wird oft bis 5. Louisd'or und noch höher bezahlt. Eine getreue aber kalreEöpie nach demselben (nur in etwas verjüngt) gab für's Kabinet Crozat I. I. Frey, wo dieser geschickieMeister sich einmal im reinen Grabstichel, ohne Anthun der Eknadel versuche» wollte. Dann kannte mandasselbe schon in ältern Tagen durch die Stiche von I. Caralius (selten); in der entgegengesetzten Stellung