Band 
Propaedeutik der Mineralogie
Seite
18
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Vorbereitender Theil der Oryktosnosie.

III. Ecke n.

Die Ecken sind die Durchschnitts - Punkte der Flächen. Drei Flächengehören wenigstens 'dazu, um eine Ecke zu bilden.- Man hat die Lage unddie Gröfse derselben zu erörtern. Leztere hängt von der gröfseren oder ge-ringeren Zahl der sie, zusammensezzenden Flächen ab.

4. Arten der Grund-Gestalten.

Man zählt deren sieben ;

Pyramide, Würfel, Säule, Tafel, Dodekaeder,Ikosaeder, Linse.

Wir werden späterhin auf eine Erklärung dieser Grund-Gestalten und aufBemerkungen über dieTheile, aus denen sie zusammeugesezt sind, zuriikkommen.

Andere Naturforscher reduziren die Hauptformen auf drei Gattun-gen : Pyramide, Prisma .(hierher das Hexaeder, WO eine völ-lige Gleichheit der Dimensionen statt findet und die Tajnl ) undPolyeder (Dodekaeder und ikosaeder).

Der Linse haben wir ihre Stelle in der Reihe der regelmäßigenäufseren Gestalten, wenigstens Anhangsweise, nicht versagep zukönnen geglaubt. Einige Mineralogen wollen sie nur als eine Ab-weichung von der regelmäßigen Form, als eine Art von-krystalli-nischer Mif-geburt, betrachtet wissen.

Die Verschiedenheiten jener Grund-.Gestalten sind Resultate der Zahl,Gröfse und der Richtung ihrer Flächen, so wie der Winkel, unter denensie verbunden sind. Zu welchen Umständen bei den Pyramiden noch derder Einfachheit oder des Gedoppeltseyns hinzukommt. Der ersteren Verhält-nisse haben wir bereits oben gedacht, von dem lezteren wird weiter untendie Rede seyn.

5. Veränderungen der Grund-Gestalten.

Die Hauptformen der Mineralien kommen nicht immer vollständig aus-gebildet in der Natur vor. Es fehlen sehr häufig Kanten oder Ecken , derenStellen durch Flächen ersezt werden, die mit den Flächen der Grund - Gestaltunter verschiedenen Winkeln Zusammenstößen. Diese Abänderungen der I-faupt-formen werden bewirkt durch Zuspitzung , Zuschärfung , Abstumpfung, oderdurch Theilung der Flächen.

I. Z u s jt i z z u n g.

Wenn die Endflächen oder Ecken von wenigstens drei kleinen Flächenersezt werden, welche schief zusammenlaufen und sich meist in eine Spizze,seltener in eine Schärfe epdigen , so nennt mau das Zuspitzung. Als Theilederselben unterscheiden wir: die Zuspizzungs - Flächen, die Zuspizzungs-Kanten und die Zuspizzungs - Ecken. * ,

Zuspizzungs - Flächen. Wir beachten ihre Figur; die verhältnifsmäfsigeGröfse derselben gegen einander und gegen die Flächen der Grund - Gestalt;ihre Zahl, die Zuspizzung kann aus drei, vier, sechs oder acht Flächen zu-sammengesezt seyn; den Ort der Aufsezzung, ob sie auf den flächen, oderauf den-Kanten der Grund - Gestalt ruhen, und die Art der Aufsezzung, ob dieFlächen der Zuspizzung auf allen Flächen oder Kanten, oder nur auf denabwechselnden aufsizzen und ob sie im lezteren Falle rechtsinnig, an zweientgegenstehenden Enden auf denselben Flächen oder Kanten, oder widersinnig,an jedem Ende auf verschiedenen Flächen oder Kanten aufsizzen.

Zuspizzungs - Kanten. Man unterscheidet die eigentlichen Kanten derZuspizzung, welche durch das Zusammentreffen der Zuspizzungsflächeu ent-stehen, die Kauten, weiche die Zuspizzungs- mit den Seitenflächen der Grund-Gestalt bilden und die Endkaute. Leztere siekt man nur bei Zuspizzungen,welche in eine Schärfe anslaufen.

Ecken der Zuspizzung. Hier sind zu bemerken , die Endspizzen und dieEcken , welche die Zuspizzungs- mit den Seitenflächen bei ihrem Zusammen-stofsen machen.

I

Zuspizzungs - VKinkel. Die Zuspizzung ist rechtwinklich, stumpf- oder

spizwinklich.

Stärke. Wenn durch die Zuspizzung von der Grund - Gestalt viel verlorenworden, so nennt mau sie stark, im entgegengesezten Falle schwach.

Endigung. In der Regel lauft die Zuspizzung in einem Punkte aus,seltener endigt sie in eine Schärfe.

II. Zu sc.härjun g.

Wenn zwei, in einer Schärfe zusammenstofsende , kleine Flächen dieStelle der Endflächen, Kanten oder Ecken der Grund - Gestalt vertreten, so nenntman das Zuschärfung , jene Flächen heißen Zuschärf 'ungsflächen und die vonihnen gebildete Schärfe Zuschärf ungs - Kante.

Bei den Zuschärf ungs - Flächen hat man zu beachten: ihre Figur , das

Verhältnifs ihrer Gröfse zu der der Hauptform, woruach die Zuschärfungstark oder schwach genennt wird; die Lage, ob sie auf die Flächen oder auf fdie Kanten aufgesezt sind; ihre Fortdauer, ungebrochen oder gebrochen, wenndie Zuschärfungs-Flächen in zwei oder drei kleinere Flächen gelheilt, d. lneinmal oder zweimal gebrochen sind; endlich die Richtung, welche jedochnur bei den Endflächen zu bemerken ist. Man nennt die Zuschärfung geradeoder recht aufgesezt, wenn sie mit der Krystall - Achse einen rechten Win-kel bildet, ist der Winkel ein schiefer, so heifst sie schief aufgesezt. Beidem Zuschärjungs-Winkel hat mau zu bestimmen,'ob er rechtwinklich, scharf-oder stumpfwinklich ist.

III. Abstumpfung.

Wenn die Ecken, die Kanten oder die Endspizzen einer Grund - Gestaltfehlen und wie abgeschnitten erscheinen , statt dieser aber eine kleine, meistgerade Fläche sich darstellt, so ist eine Abstumpfung vorhanden. Die neuentstandene Fläche heißt Abstumpfungs -Fläche, die Schärfen, welche siedurch ihr Zusammenstößen mit den übrigen Flächen der Grund - Gestalt macht,nennt man Abstumpf ungs - Kanten, die Ecken, welche auf gleiche Weise sichbilden , Abstumpf ungs - Ecken.

Abstumpfungs - Flächen. Wir unterscheiden dabei: ihre Figur ; das Ver-hältnifs ihrer Gröfse , darnach ist die Abstumpfung schwach oder stark, jenachdem die Theile der Hauptform weniger oder mehr verloren haben; dieRichtung, gerade oder gebogen (krumm, Zurundung ); endlich die Lage, sieist entweder gerade, wenn sie mit den anstoßenden Flächen unter gleichenWinkeln zusammsntrifft, oder schief, wenn sie verschiedene Winkel macht.

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Die Zuru(idung der Ecken und Kanten, wodurch manche Kry-stalle ein geschmolzenes Ansehen gewinnen, ist häufig bei den Nor. disclien Fossilien, zumal bei denen von Arendal (Kolophonit, Au-git u.s. w.) zu bemerken.

IE. Theilung der Flächen.

Die Flächen einer Grund - Gestalt erscheinen getheilt oder gebrochen, wennsie durch mehrere - kleine Flächen (zwei, drei, vier, auch sechs), weicheunter sehr stumpfen Winkeln verbunden sind, abgeilieilt sich darstellen. DieTheilungs - Kanten laufen entweder aus der Mitte nach den Ecken und nachder Mitte der Seiten- und Endkanten , oder nach der Diagonale. Alle Flä-chen sind übrigens bei einem und demselben Krystall stets auf gleiche Weisegetheilt.

6. Art des Vorkommens der Veränderungen derGrund-Gestalten.

Man trifft diese verschiedenen Abänderungen, die Zuspizzung, Zuschär-fung und Abstumpfung bald einzeln an, bald zu mehreren vereinigt an ei-ner Hauptform. Die vereinigten Abänderungen linden sich nebeneinander,d. li. an verschiedenen Stellen (ein Tetraeder kann an den Kanten zugeschärfcund zugleich an den lacken zugespizt seyn) , oder übereinander und dann er-leidet die erste Veränderung durch die zweite eine Modifikation (die Zu-spizzung einer Säule ist oft wieder abgestumpft).

7. Vollendung der Ausbildung.

Die Vollendung der Ausbildung eines Krystalls sezt ein richtiges Ver-hältnifs der Masse zum Lösungsmittel voraus, aus welchem er sich erzeugensoll. Fehlt die erforderliche Menge von einem von beiden, so verräth sichdies durch die Unvollständigkeit des Krystalles, durch den Mangel irgend ei-nes seiner Theile, der Ecken, Kanten oder Flächen. Man nennt einen Kry-stall zerbrochen, wenn er wie abgebrochen erscheint, indem das eine oder dasandere Ende desselben nicht ausgebildet worden. Aus gehöhlt heifst er, wennein Theil der Masse in der Mitte des Krystalles fehlt. Mangelt der größereTheil der Masse, so ist ein Krystall oft ganz hohl.

Zu den merkwürdigen unvollendeten Ausbildungen gehören ij. a.die mannichfaltigen Abänderungen kreuzförmiger Kristallisationen de«Strahlkieses. Sie dürfen nicht mit den kreuzförmigen Zwillings-Kry-stallen verwechselt werden, sondern sind sämmtlich den prismati-schen Varietäten des spizzen Oktaeders beizuzählen, und entstehendurch einen bald kleineren , bald gröfseren Mangel an den Seitenkan-ten dieser Prismen.

8* Deutlichkeit.

Deutlich nennt man diejenigen Krystalle , deren Form sich genau erken-nen läfst. ' Der Deutlichkeit steht die Undeutlichkeit entgegen, d. h, dieSchwierigkeit der Erkenntnifs aller Theile, die einen regelmässig gestaltetenKörper ckarakterisiren. Die Undeutlichkeit wird durch das Verstecktseyn, oderdurch das Verwachsenseyn, oder durch die Kleinheit der Krystalle veranlaßt.