Auch de Pikes war einst der glückliche Besitzervon zwey Raphaelischeii Zeichnungen: Einer St.Cäcilia, wie ein Stich nach derselben 338) besagt,mit den vier Gefährten, in dem berühmten Bildeaus Bologna , und welche wir vielleicht bald untenwieder finden, und alsdann naher beschreiben wer-den ; hicrnachst einer Flora, nach einer altenStatue 339 ).
Der H. von Eaplus hatte in seiner eignen zahl-reichen Sammlung für sicher: St. Paul und einenandern Apostel; dann den Glauben und die Liebe(<Hi(n8) 340). Ferner, nicht unwahrscheinlich:Den Unglauben des Thomas, den er weuigsteusgcetzt hat 541.
In unseren neuesten Tagen dann besaß der ini8oy. verstorbene ehemalige Zeichenmeister der Kö -nigl. Kinder in Frankreich , Jac. Aug. Silve-sire, von unserm großen Meister: Vörderst einengroßen (16" 3^" hohen, 40" 9-" langen) freylichzerrissenen, und, wie es scheint, überhaupt übel-zugerichteten Carton mit der Feder gezeichnet undausgetuscht, welcher die von Raphael mehrmalswiederholte, sinnige Geschichte des in dem Korn-sacke gefundenen Bechers Josephs darstellt. Danneine sehr schön getuschte und mit Weiß gehöheteebenfalls Federzeichnung: St. Paul im Areopag,ersten Gedanken zu einer der Tapeten (8" 9"^hoch, 11" 4"/ br.), welche aus dem KabinetLallard kam. (Aus dem Kabinet Coypel soll sicheine andere ähnliche im Museum befinden, die unsrigeaber nichts desto minder sicher original seyn. Fer-ner Studien von Figuren, auf beyden Seiten einesPapeirbogens, sehr leicht mit der Feder gezeichnet(10" hoch, 7" br.). Endlich einen jungen Mäd-chenkops im Profil, der den Blick gen Himmellichtet, in schwarz und weißer Kreide (8" 9^"hoch, 6" 8'" br.) 342).
Hiernächst besitzt, unsers Wissens noch gegen-wärtig, H. paignon Difonval zu Paris 343)den Schatz von 13. Raphaelischen Zeichnungen.
1. Benjamin, von seinen Brüdern Joseph vor-gestellt, zehn Figuren, getuscht, mit Weiß gchöht(in der Mitte etwas restaurirt) auf grau Papier(n" lang , 7"- hoch).
2. Ealomo sitzend, in Begleit von sechs Perso-nen , hört aufmerksam Davids Rathe an, der aufseinem Bette liegt. Schone leichte Federzeichnungaus weiß Papier (10" lang, 6" hoch).
3. Darstellung Christi im Tempel, reiche Com-position von zwölf Figuren, prächtige getuschteZeichnung, mit Weiß gehöht, aus grau Papier,aber übel erhalten (11" br. y" hoch).
4. Sitzende Madonna mit dem Kinde, das seinHändchen nach Früchten streckt, die. ihm der jungeSt. Johann darbietet. St. Anna stützt sich aufdie Knie der H. Jungfrau, und sieht den Kindernzu. Unten, rechts, eine Katze. Getuscht, mitWeiß gehöht, auf gran Papier. (10" br. 9" hoch).
5 - Brustbild der Madonna im Profil, gegendie linke Seite, mit gesenktem Haupt. Fcder-croquis aus weiß Papier ( 5 " br. u. 5" hoch).
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6. Studium eines Marienkopss A gegen dieSeite geneigt, leicht alla Sanguine, auf weiß Pa-pier (9" hoch, 7" br.).
7. St. Cäcilia hört ein Concert von Engeln inder Höhe. Sie selbst stürzt ihre Orgel um, undtritt verschiedene kleinere musikalische Instrumentemit Füßen. Sie steht zwischen St. Paul und Mag-dalcna. Hinter ihr St. Johann der Evangelisteund St. Augustin. Kapitalzeichnunq, völlig die-selbe Darstellung, wie in dem Bild aus Bologna ,und in dem schönen Blakte von M. Anton. Ge-tuscht, mit Weiß gehöht, auf grau Papier, voll-kommen erhalten (i->" br. 6" hoch) 344).
8. Galatheens Triumph, auf einer Mcenuufchel,von Delphinen gezogen, und von Tritonen undNymphen begleitet. Amorine in den Lüsten, schie-ßen Pfeile und streuen Blumen. Anmukhige Com-position. Braun getuscht, mit Weiß gehöht, vonde Witt zu Amsterdam retuschirt (15" hoch,
br.).
9. Caritas. Sitzend, welche zwey Kinder um-halsst (6" hoch, 5" br.), Federzeichnung aus weißPapier .
10. Kinderspiel als Frise. Eins steckt einerPansfigur ein Rvhrpseisgen in den Mund; ein an-deres setzt einen Helm aus eine verstümmelte Säule,u. s. f. Leicht getuscht aus weiß Papier . Aus derHinterseite wieder Kinder, von denen zwey kämpfen(10" br., 5" hoch).
n. Studium eines nackten Kindes am Boden,das die Hände reckt, damit man's aufhebe; a laSanguine, auf grau Pap. (9" hoch, 7" br.).
12. Studium einer Sibyllc. Federcrognis a.weiß Pap. Aus der Hinderseite Soldaten in ver-schiedenen Stellungen, (n" hoch, 6" br.), vonOel befleckt.
13. Entwurf eines Kirchenportals mit Säulen,zwischen denen Palriarchenstatuen. Ob der Thüreein Basrelief, das die Enthauptung St. Johanndes Lausers vorstellt. Federzeichnung, auf weißPap. (18" hoch, 13" br.).
Dann besitzt der berühmte Dilettante Denonwenigstens ihrer sieben: Den Leviten von Ephraim ,Federzeichnung; den todten Christ auf den Knieender H. Jungfrau; St. Paul predigt zu Ephesus .Leichte Federzeichnung ausgetuscht, mit Zierathenringsum, von Bapt. Franco; Einzug des Kardi-nals Joh. von Medicis zu Florenz . Erster Ge-danke zu zwey Camajeux, die sich auf einem Ka-mine des Vatikans befinden, und die man durchBartoli's Stiche kennt; endlich drey Studien vonBildnissen eines St. Bruno, einer artigen gemei-nen Frau, und vollends einer — allerliebsten inProfil und kostbarem Schmucke, die — eben da-rum nicht seine Fornarina seyn kann 345).
Ferner H. Roger de ia Goy, zu Paris , sie-ben, darunter fünf Gedanken zu H. Familien, einAmorinentanz 346), und ein Alexander und Roxane(letztere ungefähr die nämliche Darstellung, wiein der oben angeführten Zeichnung des Kvnigl.Museums).
3Z8) Von Elisabeth Cheron le Haye. winkler Nr. 38-9.
359) >inon. zc. VVinklrr Nr. 4028.
34») Von ihm selbst geetzt, und nachgebildet bey Landsn Nr. »49. und -90.
34') Nachbildung desselben s. bey Landsn l. c. Nr. -z-.
24-) c»t. -je -le k<! s>. 98—99. Wo solche bey der Versteigerung von Siloestre's Kabinet hin»
gerathen sind — wer sagt uns dies?
343) S. den Katolog seines reichen Kabinets, von Denard. 4- knris 8io. p. 16—17.
344) Dies ist nun diejenige Zeichnung, von der wir vermuthen, daß sie mit der schon oben angefahrten, einstde Pikes zuständigen eins und dieselbe sei'. Sollte das Blatt der EI. Cheron, nach dieser letzter» (das wirgegenwärtig nicht vor uns haben) das Maaß anzeigen, solches dasselbe mit dem unsrigen, und die Glorieder muficirenden Engel ebenfalls darauf einhalten seyn, so würde wohl kein Zweifel mehr übrig bleiben.
345) Zum erstenmal abgebildet im Umrisse, bey Landon: Vie -rc. -le dkr. ,39. -9-. 298. 3-6. u. z-o-
346) Dieselben soll dieser Liebhaber selbst geetzt haben. Nachgebildet dann finden wir sie bey Lands» l. c. Nr.220. 2-8. u. 29.
Anh. zum VII. Heft. 16