Band 
Zweyter Theil [3].
Seite
62
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Auch der vor Kurzem verstorbene Architekt I.G. le Grand besaß eine Raphaelische Zeichnung:Zwey Engelchen aus Einem Blatte, mit fliegendenPapieren, und mit seltsamen Jnnschriflen: Enusa ef-tectua ?uter, und: Lausn tlnaes ap^rtio lla-raäisi 347).

Neben den Bildern, deren schon vasäri u. a.erwähnt, welche sich gegenwärtig in England be-finden sollen 348), und von denen wir schon obenan verschiedenen Stellen 349) gesprochen haben,nennen wir hier noch:

1. Vörderst eine Grablegung, die sich in deralten Sammlung des Grasen von Arundel (wogegenwärtig?) befand. Fclsigte Gegend. Nico-drmus halt den Körper. Vier H. Frauen, zweykniecnd, zwey stehend beweinen ihn 3.?o). AuSdem in der Anmerkung enthaltenen Grunde ver-muthen wir, daß dieses Bild bloß eine Zeichnungvon Parmeggianino nach Raphael sey. Dasselbedenken wir

2. Von einer H. Familie, bey Richard Mead,wo der kleine Johannes dem Kind auf der MutterSchovß einen Zettel: Lcco 3§NU8 Del darbietet.Hinter ihr St. Joseph, der sich aus ein Säulen-siück stützt 35 t). Dieselbe scheint uns zu den al-teren solcher Darstellungen von Sanzio zu ge-hören.

3. Eine andere Madonna, die das Kind anihre Brust drückt, stand einst zu Lensmgron 352).

4. Don einer dritten in Profil, die das Kindauf ihren Knieen, den kleinen Johann zur Seitehalt, vermuthen wir bloß, daß das Bild irgend-wo in England befindlich sey, da I. W. Tom-kins ein artiges Blatt nach demselben (1789.) ge-stochen hat 3Z3).

L- Zuverlaßig hingegen sah Goede noch 1803.in der vorzüglichen Gallerie des H. Agars zuLondon eine H. Familie von Raphael, die sichvorher in derjenigen des Herzogs von Choiseul ,noch früher in der des Prinzen von Carignan be-funden, und mit zwey andern viel Aehnlichkeithaben soll, deren eines das Museum zu Paris (?) so wie ein zweytes Lucian Bonaparte gegen-wärtig besitze 354).

6. Dann in der Villa von William Beckford

347) Zum erstenmel abgebildet bey Lnndon 1. c. Nr.die Abbildung einer Zeichnung, deren Besitzer nichtTöchter, die einer vierten die Palmenkrone reichen.

zu Foechill in Salisburp zwey kleine Bilderaus Sanzio's früherer Zeit: Eine CharitaS, hältzwey schöne Knaben umschlungen, die begierig anihren Brüsten trinken, und betrachtet beyde mitmütterlicher Zärtlichkeit; dann die Freude, als einmunteres Mädchen vorgestellt. Sie hält eineBlume in der rechten Hand, und hüpft schnell mitflatterndem Gewand über eine Wiese 355).

7. Beym Grafen von pembroke in wilron-house angeblich dreye. Mariens Himmelfahrt,soll schon vor beynahe 200. Jahren aus der Gal-lerie des Herzogs von Mantua in diese Sammlunggekommen und eine Jugendarbeit Raphaels seyn,die er für seinen Lehrer Perugino gemalt. DieMadonna sieht in steifer Stellung mit gefallenenHanden auf einer Wolke; diese ist von vier regel-mäßig einander gegenübergestellten Engeln umgeben,und am untern Theil der Wolke bildet ein Engels-kopf die Spitze. Unten im Dorgrunde stehn eilfApostel in einer Reihe, die Hände faltend, unddie zum Himmel ausschwebende Jungfrau anbetend.Die ganze Anordnung ist ausnehmend steif, aberder Ausdruck in den Köpfen der Apostel des Künst-lers nicht unwürdig, und vielleicht das einzige,was zum Beweis dienen könnte, daß dies Werkihn zum Urheber habe. — Ein zweytes stellt dieMutter mit dem Kinde, St. Elisabeth und einenEngel in vortrefflich geordneter Gruppe dar. Ma-ria sitzt bey der Wiege, und tragt das Kind,das ihr Acrmchen um sie geschlungen halt. Ander Wiege steht der Engel und hat das Bette fürdas holde Kind bereitet, um welches er den lin-ken Arm legt, und das sein Gesicht lächelndnach ihm hinrichtet. Hinter der Gruppe breitetdie ehrwürdige Gestalt der Elisabeth mit dem Aus-drucke der Liebe und Bewunderung ihrer Arme aus.Im Hintergründe sieht man den Eingang zumTempel. Das dritte Bild ist wieder eine Madonnamit dem Kind, in ihrem Schovß sitzend; sie hältes mit ihrem Arm umschlungen, und reicht ihmeine Blume, nach der es begierig greift. MitMutterliebe betrachtet sie lächelnd desselben un-nachahmlich ausgedrückte Freude und Begierde.An der Spitze ihres Brusttuchs steht der Namedes Künstlers in Form einer Stickerei 35ü).

286. Noch befindet sich in eben dem Werke Nr. 5 >7.angegeben ist, mit: Lohn des Siegs rubriziert. Drey

248) Außer den sieben Cartons nämlich: Einx Madonna, einst in St. Franzesco zu Perugia » deren Besitzer unsunbekannt ist; dann der St Georg in der Gallerie Pembrock; das Bildniß Julius II . (Zeichnung) zu Ri-chardsons Zeiten bey dem Herzoge von Dcvonshire; dasjenige des Archidiakons Carondolet bey dein Herzogevon Grasten: und endlich die Z8. Rnphnelischen Zeichnungen, die der Maler Jarris in 1735. IN Florenz gekauft, und wahrscheinlich wieder an irgend einen Englischen Großen verhandelt hat.

249) S. 6. Anm. -8. — S. 12. Anm. 53. — S. 28. u. ff. — S. 58. Nrv. z. 4. 5. — S. 59- Anm. 3-9.- S.62.

25°) Gestochen wurde der Gegenstand» nur wenig verschieden von dem Bilde bey Arundel, in altern Tagen vonE. Virus (>543.), also nicht mit einem andern eben dieses Meisters (-548.) zu verwechseln; hierauf na-mentlich unser Bild von Heinrich van der Vorcht dem Jüngern (1L45.), Heinecke II 4°-. sagt: Nach einerZeichnung von Parmeggiano, so daß noch zweifelhaft ist, ob der Britte bloß diese Zeichnung, oder ein Ge-nial» von Raphnel besessen habe, und zwar um so viel mebr, da in einer Ecke ein Täfelgen die Chiffer:ir. V. I. enthält; späther gab völlig dieselbe Darstellung N. de Larmessin. Im bloßen Umrisse LandonVie etc. äs Napbaek dir. 215. Nach Heinecke II. 4»3. hätten auch L. Vorstermann (1628.), unter Rubens Aufsicht, eben dieses Bild (winkler Nr. 3654. nennt es sehr artig), späther M- Lochen (die Abdrücke beyMoncvrnet schlecht), und nach winkler Nr. 5655. in neuern Tagen (1768.) F. Lonsing gestochen. Alleinwir zweifeln, ob nicht zwey oder drey verschiedene Bilder (namentlich durch Heinecke's Pfuschen) verwech-selt werden; und bleibt somit das Blatt von van der Bvrcht im Grund das einzig sichere, nach der Dar-stellung bey Arundel .

35») Nach Heinecke II. 4-9—20. hätten schon in ältern Tagen Jul. Bonasone, Splv. von Navenna und DianaMautuaua, nach Lnndon auch Cavalleriis, dann späther Brebiette, und ein Ungenannter: 0. kssciotikormis,auch H. Frezza gestochen. Hauptsächlich aber rubrizirt winkler (Nr 5727.) ein Blatt fast genau mit obigerDarstellungs - Weise: kr-nce^c» äel. (versteht sich nach Raphael). Lä. ldrlcgll sc. in Helldunkel.AuS der Sammlung von R. Mend. Nach dem Blatte von Cavalleriis giebt iLandon diese H. Familie imUmrisse in: Vie e,c. äs Kr. 427. Hier hält das Kind einen Apfel in der Hand. Die Mutter

trägt kurze Manschetten. Ein offenes Buch liegt zur Seite. Durck ein Fenster sieht man in eine Landschaftmit Bauten.

352) Diese hat I. Bowles zu London in Schwarzkunst geschabt.

353) S. winkler Nr. 3756.

354) S. Goede IV. 74.

355) l. c. V. 120.