z. Nach Dallaway 357) endlich legierte ein„I 1765. als Gouverneur von Verwirk verstorbenerGeneral Guise an Ehnst-sthurch zu Orford meh-rere Fragmente zu Raphaelischen Cartons; undeine Miß-Cracherode schenkte an gleiche Stelleein dergl. sehr schönes. Eines von Ezechiels Ge-sicht, und von einer H. Familie, besaß in unsernneuern Tagen der Herzog von Buccleug in derGrafschaft Northampton ; wieder eines von einerH. Familie befand sich zu Badminton, und einunschuldiger Kindermord zu Bath bey H. Hoare.
Und nun unser Deutschland besitzt noch (viel-leicht mit wenigen Ausnahmen) auf den heutigenLag, was folgt.
Vörderst die KK. Gallerie zu Wien :
1. Die H. Familie, unter einem Palmbauineruhend. Die Mutter mit dem einen Knie auf derErde, neigt das Kind dem kleinen St. Johannentgegen, der ihm knieend Früchte darbringt, undden der bey der Mutter siehnde St. Joseph beymAermchcn saßt, um ihn aufstehn zu machen. ZurSeite etwas Landschaft. Ganze, lebensgroße Fi-guren (4/ hoch, 3/ 7" br.) ZZ8).
2. H. Familie in einer Landschaft; gerade die-selbe, wie Madonna die Gärtnerin zu Paris ; Ra-phaels Name auf der Stickerei am Kleide derMutter, mit der Jahrszahl 1506. Ein trefflichesBild, wenn schon noch etwas in der PeruginischenManier 359).
3. St. Margaretha vor einer Höhle, wie sieden Satan, in Drachens Gestalt, zu ihren Füßen,durch Vorzeigung des Kruzifixes besiegt. Ganze,lebensgroße Figur (5/ hoch, 3/ 10" br.). Vor-trefflich in Zeichnung und Ausdruck (Sieg derUnschuld über das Laster!), aber ziegclförmig co-lorirt. Einige (wohl irrig) eignen eS dem Jul.Pipi zu 39 °).
In der Gallerie von Lichrenstein zu wie»»dann befinden sich, nach dem Katalog derselben:
.Nr. 97. Die Musick, eine Scizze (?) 7" hoch,und 3^ ii" br.
kz
Nr. 300. Wieder eine Scizze (?), welche verschie-dene Arbeiter von aller Gattung musikali-scher Instrumente, und in der Mitte einBild der Musik auf einer Cathcder vor-stellt; ii-2" hoch, und 4/ br. 361).
— 48 r. H. Familie mit Engeln, Grau in Grau
gemalt, 5" 3-4" hoch, «ft br.
— 737 . Madona mit dem Kinde, St, Joseph und
St. Johann, 3/11 s-" hoch, 2- 9^- br. 362).
— 54 »- Zeichnung (?), 1/ 2" hoch, 9/," br.Was uns aber Alles (die Nr. 97. u. 3°o- zumal)
etwas zweifelhaft scheinen will 363).
Die Gallerie zu München besitzt:
Neben der Kunstperlc von Raphaels Bildniß, einstim Pallaste Altvviti zu Florenz , jetzt im Besitzedes H. Kronprinzen von Bayern , dessen wir schonan seinem Orte gedacht:
1. Die H. Familie mit zwey Engeln, im Klei-nen (2/ 3/" hoch, i/ 4" 6" br.) der berühmtenin Frankreich gleich auf Leinwand gemalt, und fürOriginalität wohl zweifelhaft 364).
2. Eine andere H. Familie. Die Mutter knieetvor dem schlummernde» Kinde, hebt den Schleyerin die Höhe, und hält den kleinen St. Johann mitder Linken. Auf Holz, rund; 4- 3" im Durch-schnitte 39 z).
3. Getreue Kopie der Madonna bella Seggiola,mit dem kleinen St. Johann 306).
4. Der vom Kreutz abgenommene Leichnam liegtzur Erde, den Oberleib von einem ehrwürdigenGreisen emporgehoben. Die Mutter der Schmer-zen sinkt ohnmächtig zurück, und wird durch eineheilige Freundin und St. Johann unterstützt; zurRechten St. Maqdalena ist gerührt hingebeugtüber die Füße des Todten; im Hintergrund nocheine knieende weibliche Figur; zur Seite Josephvon Arimathea, In der Ferne Jerusalem . GanzeFiguren auf Holz (1- 8"/ hoch, 8" 6'" br.)367).
5. St. Hieronynilis, im Begriffe, das Ueber-bachte niederzuschreiben; vor ihm ein Buch undein Lvdtenkops, neben ihm sein Löwe. Ganze,
357) H- p. 238. 244.
358) Beschrieben in den: Betrachtungen über die RR. Bildergalerie zu tvien (-785.) S. 179-8-. und:Gemälde der RA. Gallerie (-796.) S. -09—10. wo die Originalität desselben, gegen Volkmnnn (l.294 ) gerettet, und hauptsächlich dadurch erwiesen wird, das st» davon ein seltenes Blatt von I. Bonasonemit Raphaels Namen finde. Dieses Blatt nennt auch Hemecke S. 423. Wahrscheinlich ist auch einzweytes (l. c. S. 422- bemerktes) von einem unbekannten Meister, nach dem gleichen Urbilde. MariaTheresia kautte es mit schwerem Gelde von einem Armenstift in Mailand , welchem der (wahrhaft) heiligeCarl Borromäus solches geschenkt halte« In neuern Tagen gab solches schön in pnukkirter Manier Ml.Venedetti (Pr. 8 fl.)
559) Beschrieben s. dasselbe in den Betracht. S. »78—79. und in den Gemälden u« s. f. S. --4--5. AlteStiche davon find uns unbekannt, es müßte denn einer bev IVinkler Nr. 3772. Lan-i,-,--- exc. ohne Namendes Stechers seyn. Zwei) ganz neuere haben wir schon oben, bey dem Französischen Bilde genannt. „ Eineschöne (?) Kopie von dieser, oder dann (wohl eher) von der Französischen Madonna der Gärtnerin", (sagtHemeche II- 429.) «befindet fich in der Gallerie zu Dresden , von Carl van Mander; und eine nochschönere befand sich zu Hubertsburg, von (dem berühmten Kopisten) Terentius von Urbino . Wo solche,nach der Plünderung dieses Pallastes, hingekommen, kann ich nicht sagen". Jene von van Mander heißtbey llechninger (p. 32.) a'aprer Lttpbact, ä'un maikre incomiu.
360) Beschriebe» ist solches in den Betracht. S. »7-—75. und in den Gemälden l>. s. f. S. -07—8. wo es heißt t«Es ist in Raphaels zweytem Styl, nach der Art des Fra Bartolomeo "; was aber dem, oben im Terkebemerkten, Charackter des Kolorites völlig widerspricht. Dies Bild stand einst in der Brüßler-Gallerie.Gestochen wurde es in ältern Tagen von I. Troyen und L. Vorstermann; geschabt von Menl, geetzt vonPremier. Heinecke II- S. 457—58. Dort wird noch eine St. Margaretha genannt, die i» der einen Handein kleines Kreutz, und in der andern einen Palmzweig halte (was sich weder mit dem Wiener - noch mitdem oben angeführten Pariserbilde reimen will« Dieser letzter Stich von N. Bari» (4". 690.), und eineKopie davon in Duodez.
36-) Von diesen beyden Scizze» wird nicht gesagt, ob eS dergleichen von gemalten Bildern, ober bloß Zeich-nungen seyen?
362) Ob Gemäld oder Zeichnung, wird nicht gesagt«
36z) Blätter nach diesen Bildern find uns keine bekannt.
564) Im neuern Katalog des H. von Männlich Nr. -044.
365) i. c. Nr. »c>6.
366) l. c. Nr. -49.567) r. c. Nr. 142.