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Propaedeutik der Mineralogie
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A. Kennzeichen der Mineralien.

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C h e m i sehe K e n n z e i c h e n.

Ein bestimmtes Maß läfst sieb überhaupt nicht festsezzen. DieStärke und Gewandtheit des jedesmaligen Experimentators entschei-den über dasselbe; je gröfser diese, um so gröfspr können dieFossilstiickclien seyn und umgekehrt. Diejenigen, welche Mühehaben die Weifsgliihehizze hervorzubringen, müssen die Stückchensehr klein nehmen. (Siche 33) das Schmelzen, Anmerkung),c) Die Gestalt des Fossils. Dünne Ecken und scharfe Kanten er-leichtern sehr das Schmelzen. An sehr schwer schmelzbaren Fos-silien zeigen öfters nur diese Ecken und Kanten einen Anfang vonSchmelzung.

B) Die Unterlage oder der B e f e s tigu n g sp unk t für denMineralkörper. Hierunter werden begriffen :

<J.) Nicht leicht oxydirbare Unterlagen :

1) Fine Zange aus Platin oder aus Silber mit einer Platinspizze.Die zwischen den beiden Schenkeln des Griffes angebrachteFeder dient den Körper in der Zangenspizze festzuhalten.

2) Fine , in eine dünne Spizze ausgezogene , Glasröhre. DasMineral wird daran festgeschmolzen. (Für leicht schmelzbareFossilien brauchbar.)

3) Ein Heiner runder Löffel aus Platin, Gold oder Silber ; des-

sen Handhabe aus einem irdenen Pfeifenstiele besteht. ZuVersuchen brauchbar, wobei salpetersaures oder kolilengesäuertesKali als Flufsmittel dienen. .

4) Der Zyanit (Sappare). Saussvre war der erste, welcher aufden '*Zyanit als Unterlage aufmerksam machte. (Er bewiesdurch Versuche, dafs dieses Fossil vor der Flamme des ge-wöhnlichen Löthrohrs unschmelzbar sei.) Zu dem Ende wirdderselbe in feinen Fäden, in welche er sich leicht theilcnläfst, an die Spizze einer dünnen Glasröhre angeschmolzen,welche in den Tragarm der, zum genaueren Beobachten desMineralkörpers nach dem Versuche bestimmten, Luppe oder,des Mikroskopspafst. Die kleineren , etwa -f 0 /// im Durch-messer haltenden, Theilclien eines Minerals hängen sich sehrleicht an die, mit etwas Gummi- oder destillirtem Wasser be-feuchteten , Spiz.sen dieser Zyanit-Fäden. So vorbereitet schnellder Flamme ausgesezt, werden diese Fäden nur insofern vondem daran hängenden Mineralkörper angegriffen, als zur Befe-stigung desselben unumgänglich erförderiieh ist. Auf dieseWeise gelang es Saussure den Bergkrystall zu schmelzen;daher sie sich besonders eignet die Fossilien auf ihre Schmelz-fälligkeit zu prüfen. Die Apparate mit Sauerstoffgas siuddurch sie entbehrlicher gemacht worden. Einige Mineralienz. B. Kalk, Gyps , Flujs, Talk greifen jedoch diese Zyanit-Unterlage, unter Aufbrausen, an. Saussure schlug dahervor, sie auf einem , zu demselben Geschlechte gehörigen,Fossile zu befestigen und so, an eine Glasröhre gelöthet, demFlamruenstrahle auszusezzen.

5) Unterlagen von Kreide, reinem Thone , Speckstein. Für Mine-ralkörper anwendbar, auf welche, die Kohle keine Wirkungäußern soll,

ß) Unterlagen , welche sich leicht oxydiren.

6) Die wohlausgeglühete Holzkohle. - Vorzüglich jene von Ellern oder Linden. Sie dient als Unterlage lür alle nicht mit ihrverpuffenden Körper. Man schneidet hierzu in der geebnetenSeide derselben eine halbkugelförmige Grube, zur Aufnahmedes Fossils, aus. Entweder bleibt diese Grube, wejin keinWegspringen des Fossils zu befürchten ist, unbedeckt, oder siewird mit einem deckelförmigen Kohlenstücke, welches ein Ei-sendrath niederhält, versehen. Die Grube erhält dann einekommuniprende Rinne, durch welche der Flammenstrahl das,in der Vertiefung befindliche, Mineral treffen kann. Stattdieser Rinne kanu^anch ein, zu gleicher Absicht in den Koh-lendeckel geschnittenes, Loch dienen.. Bei Fossilien, die demZerspringen unterworfen sind, ist es öfters nöthig, da zuprüfende Stück, durch Eiustecken einer seiner scharfen Kantenin die Kohle, vor diesem Nachtheile zu sichern. Eine gleich-förmigere Kohlenmasse ohne Risse wird durch Anstofsen vonfeinem Kohlenpulver mit Traganthsclileim erhalten. Man gibtderselben eine paralellepipedisclie Gestalt und trocknet sielangsam.

7) Kohlen-Unterlage zum Abtreiben. Die bei 6) beschriebene Un-terlage mit der Veränderung : dafs die in derselben befindlicheHöhlung mit feuchter ausg'elaugter Holzasche, feuchtem feinemSande, welche nachher mit der Unterlage getrocknet werden,oder auch mit getrocknetem Thone ausgefüllt ist. .Sie dient zurDarstellung deS Gehalts eines Fossils au Gold, Silber, Kupfer ete.(S. Reduktionsmittel.)

C) Die Lage, in welcher man den Mineralkörper wäh-rend des Versuchs hält.

1) Aufserhalb der Flamme. In gröfserem oder geringerem Ab-stande.

2) In dem äußeren ( oxydirenden ) Theile der Flamme.

3) In dem inneren (reduzierenden) Tlieile der Flamme.

Der Mineralkörper sowie die. Unterlage müssen beide stufenweisean der ILiclitflamme erwärmt werden, ehe man sie dem, durch dasLöthrolir bewirkten, Flammenstrahle aussezt. Bei Desoxydations-

Versuchen der metallischen Mineralien bringt man diese -zuerst in denäufsern Fiammenstrahl. Die geringere Intensität desselben läfst dcutli- 1eher die Folge von Farben - Veränderungen bemerken. Erst daun,wenn diese Veränderungen alle vorüber sind, bediene man sich derinneren blauen Flammenspizze zur Reduktion des Metallkorns.

D) Die Zeit, während welcher das fossil in einer steten oder ver-schiedenen Lage, einer und derselben oder verschiedenen Stärke desFlamihenstrahls ausgesezt wird. Zur genaueren Bestimmung dieserZeit sowie derjenigen, in welcher ein Mineralkörper schmilzt, istein zweiter Beobachter mit einer Sekundenuhr erforderlich.

E) Die Stärke des Fl am m cn s t r ahls. Sie hängt ab:

a) Von der verschiedenen Dichtigkeit der Luft, welche in einer gege-benen Zeit ans dem Löthrohre Strömt.

Diese Dichtigkeit des Luftstroms wird bestimmt ;

Durch die Art des angewandten Löthrohres. So gibt das Blase-

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balg Löthrolir von IIassenfratz einen weit stärkeren Luftstromals das Mund - Löthrolir von Voigt. Lezteres hat aber den Vorzug. einer leichteren Behandlungsweise.

b) Von dem grofseren oder geringeren Gehalte der, aus dem Löthrohreströmenden , Luft an Sauerstoff.

Hier stehen die Blasebalg-Löthrohre vor den übrigen. Die, vondem Munde in das Instrument geprefste, Luft ist stets von gerin-gerem Gehalte an Sauerstoff als jene der Atmosphäre; allein'die Mund-Löthrohre lassen der Willkiihr des Beobachters, rucksiehtiich desGrads der Ifizze, freieren Spielraum.

c) Von der Beschaffenheit -des Lichtes, nach Mafs gäbe des dasselbeunterhaltenden Brennmaterials. Man kann hierzu anwenden -. einFVachs licht ; eine Talglampe ; eine Oellampe ; ein Talglicht. DieMeinungen über den Werth des einen vor dem andern sind getheilt;den Talglampen und Wachslichtern gibt man den Vorzug. Zu Doch-ten für die Talglampen dienen nicht zu breite Streifen von alterfeiner Leinwand. Die Wachslichter müssen eine platte Gestalt ha-ben, und jedes erhält drei gewebte platte Dochte. Dem Luftstromegibt man die Richtung gegen die eine scharfe Kante der breitenFlamme und. zwar so , dafs diese dadurch unter einem Winkel vonungefähr 45° nach unten gebogen wird. Zu Versuchen, bei wel-chen mau gezwungen ist sich eines Lichtes mit zylindrischemDochte zn bedienen, biegp man diesen Docht etwas um, halte dieAusströme-Spizze des Löthrohrs unmittelbar über den Bogen, welchenderselbe bildet, und erzeuge durch Blasen den Flammenstrahl.

d) Von den verschiedenen Theilen des Flammenstrahls selbst. Diegröfste Intensität desselben findet sich in dem Uufseren dunkelbrau-nen (oxydirenden) Theile, dicht vor der Spizze des innerenblauen. Zur Auffindung dieses Punkts führt man das zu untersu-chende Stück von der äußersten Flammenspizze gegen diejenige desblauen Theils, bis man die Stelle trifft, in welcher das Fossil amhellsten glüht.

Bei Versuchen mit Sauerstoffgas statt gemeiner Luft, mittelst ei-gener zu dieser Operation eingerichteter Apparate, findet das Gesagte. mit einiger Ausnahme seine Anwendung. Als Unterlage dient dannder Platinlöffel.

II) Das Verhalten der Mineralkörper bei dem Versuche selbst:

A) Behandlung für sich ohne Zusäzze.

1) Art der Erscheinungen.

a) Erscheinungen ohne bleibende Veränderung des Fossils.

Gt) Das Glühen; ein heller einfarbiger Schein.

Das Rothglühen; von rother Farbe.

Das Weifsglühen ; von weifser- Farbe.ß) Das Phosphoresziren; ein sehr heiler Schein in den verschie-densten Farben , von welchen zuweilen mehrere mit einanderabwechseln; bei Fossilien von weifser Farbe und deren Nu-anzen, als: Phosphorit, Pyrophysalit , späthiger Flufs, spä-thiger Kalkstein, Dipyr (welcher phosphoreszirt und schmilzt).

Diese Erscheinung darf nicht mit dem Weilsglühen verwechselt

werden; auch nicht mit dem gebrochenen, von der Kohlen-Unterlage an die Probe zurückgeworfenen, Feuerstrahle.

<y) Das Färben des Flammenstrahls.

. (Beispiel: Sch w.e felsa u re rStrontianit, kohlensaurerStrontianit, salz sau res Kupfer, färben den blauen Theildes Flammenstrahls blafsroth. Wavellit.)

b) Erscheinungen mit bleibenden Veränderungen des Mineralkörpers,

d) Veränderungen ohne Formenwechsel.

1) Der Farbe; wobei zu unterscheiden:

a) Das Anlaufen , Farbenveränderung der Oberfläche,Es wird getheilt in:

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