Band 
Propaedeutik der Mineralogie
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104
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Vorbereitender Tlieil der Oryktognosie

II. I n n e r e K e n n z e i c h e n»

!

fi&) Das farbige Anlaufen (Hornstein),ß) Das bunte Anlaufen (Kiese)*b) Das Verfärben. Farbenveränderung durch das ganze Stück»£)iese Erscheinung rührt von dem., durch die Hizze ver~änderten, Gehalte an Sauerstoff in demjenigen Metalloxydeher, von welchem das Fossil die natürliche Farbe erhielt.(Gelber Eisenoc k'e r a welcher sich rötliet; K o b a 1 1 b I ü t h e 4die blau wird; Anthrakoxiit, weither sich entfärbt, W eifs*Bleierz.)

2) Veränderung des Glanzes (Glimmer, späihiger Gyps, Blende).

3) Des Durchscheinens (Glimmer),

4) Der Strahlenbrechung; das Spriia gigwerden ; Ursachen hier*von sind: das Verdampfen von Krystallisationswasser.j dieAusdehnung der ^n dem Fossile enthaltenen Luft (Baryt),

Diese Erscheinung gibt ein vortreffliches Mittel an die Hand , umZur Kenntnifs der Struktur mancher Fossilien geleitet zu werden.

5) Der Festigkeit.

a) Das Hartbrennen; Vermehrung der Festigkeit ( Töpferthon )»

b) Das Kalziniren (Lockerbrennen)-; Verminderung der Fe-stigkeit ( Kalkstein ) 0

6) Die Entwickelung eines Geruches Sie kann entstehen :

a) Durch Verflüchtigung gasf örmiger Stoffe (Pyrodmalit , gibtvor dem Lötlirohr den Geruch der oxydirten Salzsäure );(schwefelsaurer Baryt e;ibt auf einer Kohlen - Unterlagegeschmolzen, den Geruch der Hydrothionsäure) Dysodilfl

b) Durch Verflüchtigung fester Körper (Sublimation) (beider Arsenikblüthe , den Kiesen , bei dem Speiskobalte).'

7) Die Entstehung eines Geschmacks.Dieser kann seyu :

a) kaliniseh (bei den Kalk- Arten) *

b) hepatisch (bei dem> auf einer Köhlen -Unterlage geschmol-zenen, schwefelsauren Baryte).

Die Prüfung atif den Geschmack ist mit Vorsicht anzustellexi.ß) Veränderungen mit Formenwechsel.

1) Das Zergehen oder das Losen in dem Krystallisation$~wasser (Borax, Alaun , kohlensaures Natron ).

' Mehrere hierher gehörige Mineralkörper bilden, nachdem sie Inihrem Krystallwasser sich gelöst haben, Hache Kügelchen, die sichstets im Kreise herumbewegen. Mit der Abnahme des Lösungsmittelswerden sie wieder fest und schmelzen dann erst, bei verstärktemHizgradc, im eigentlichen Sinne.

2) Das Zerspringen; Zersprengung des Mineralkörpers in klei-nere Theile, verursacht von dem entweichenden Krystall-wasser , oder von der, in den Zwischenräumen befindlichen,ausgedehnten Luft. Das Zerspringen theilt sich ni :.

a) Das Zerprasseln; wobei das Fossil mit .gröfserem Geräuschein gröfsere Stucke zerspringt (Bleiglanz , Bunt-Kupfererz),h) Das Zerknittern (Dekrepitiren) ; wobei das Fossil, mit ge-ringerem Geräusche in kleinere Stücke -zerspringt (Koch-. salz, Kupferkies , Diaspor welcher knistert und miteiner Explosion in viele flimmernde Splitterchen zerspringt).

3) Das Verdampfen.; wenn Theile des Fossils, ohne dessen Sub-stanz - Veränderung, in Dampfgestalt sich verflüchtigen( Quecksilber - Hornerz , Wasser ).

4) Das Aufblättern; Trennung der Blätter eines Fossils -und

dadurch bewirkte Erweiterung des Umfanges. Ursache.: Ent-weichen des Krystallwassers (faseriger Gyps, Apophyllit ,Stilbit 9 Spodumen). .

5) Das Ausblühen (Effloreszenz). Entstehung moosähnlicherAuswüchse an den Kanten oder Flächen (Topas (schwach),Blende , Galmei).

6) Das Blaseniverfen ; Hervortreten einzelner Blasen auseiner Kante oder Flache (Pyrophysalit (wahrscheinlich durchdie Entbindung von flufssaurem Gas), Zeolith).

7) Das Aufschäumen; Zunahme des Umfanges:, durch kleineBlasen von schaumigem Ansehn verursacht ( Gas- undDampf-Entbindung) (JVIeionit , Lepidolitli ).

8) Das Aufwallen (Sieden), Bei dem Flusse zugleich siedend-wallende Bewegung (Borax 9 bei dfcm Zergehen; basal-tische Hornblende , bei dem Schmelzen).

9) Das Auswachsen; Erweiterung der ganzen Masse zu einemstaudenförmigen, ästigen, zackigen oder gewundenen Körper(Borax , Mesotyp , Gadolinit , Prehnit )«

3.0) Das Zurunden ; wenn Kanten und Ecken in Flufs kommenund so ihre Schärfe verlieren ( Feuerstein , Serpentin mancherTalk , Pecherz).

Erstreckt sich der Ilufs über die ganze Oberfläche, so nennt mandiesen Zustande das Glasuren (Mancher Staurolith).

11) Das Fritten ; wenn einzelne Gemengtlieile des Mineralkörpersin -Flufs kommen, während andere unverändert bleiben(Mit Quarz innigst gemengter dichter- Feidspat'hy , Schmirgel).

ln manchen Fallen zur Entdeckung des nicht sichtbaren Gemen-ges eines Fossils anwendbar.

12) Da$ Verschlacken; ein unvollkommener nuisdilicher Flufsohne Kugelbildung (Mancher Chlorit )»

13) Das Schmelzen; vollkommener Flufs mit Kugel- oder Per-len-Bildung (Feldspathy Borax).

Unschmelzbar nennt man alle Mineralkörper, deren aufsere Ge-stalt vor dem gewöhnlichen Mund - Löthrohre gar keine Verände-rung erleidet (Andulusit etc.).

Die Ausdrücke: lei c h t f 1 ii s s i g 5 c h w er sc h m elz ba rsind sehr unbestimmt. Der aus der Erfahrung entnommene Gm.ndsaz :dafs die zum Schmelzen einer Kubiklime von einem Minerale erforder-liche Menge Wiirmestoff noch eidWialso grdfs seyn müsse, um zweiKubiklinien desselben in Flufs zu bringen, führt zu folgendem zweiten:Wenn eine gegebene Menge von Wärmestoff doppelt so viel von einemMineralkörper zu schmelzen vermag, als von einem andern, s.o kannder erstere als um das Doppelte schmelzbarer als lezterer betrachtetwerden. Beide berechtigen zur Annahme, dafs die Kenntnifs derMassen, -Welche die Flamme des Eerthrohres im 'Flösse erhalten kann fein Mittel ist'den Grad der Schmelzbarkeit der Fossilien genauer ange-ben zti können , als solches bisher der Fall wa^ und dafs derjenigeMineralkörper der schmelzbarste sei, von welchem eine gegebene Menge"Wärmestoff die gröfste Menge zu schmelze« im Stande ist; das schwer-schmelzbarste Mineral hingegen, von derselben Menge Wärmestoff,nur in geringerem Volum, völlig geschmolzen werde.

Saussure arbeitete nach diesen GrundsHzzen eine Tabelle über dieSchmelzbarkeit vieler'Substanzen -aus. . Die nachstehende Tabelle ent-hält, als ein Auszug von jener, die darin .befindlichen Fossilien nachihren systematischen Benennungen. Das Verfahren, dessen sich 'Saussurebediente, um den Grad der Hizze nach dem WET>cwooi>' l schen Pyro-meter, bei welchem die Fossilien schmolzen, äufzufinden, bestand mfolgendem. Er benuzte dabei Wedcwoods Angaben, welcher 28°«eines Pyrometers für den Hizgrad bemerkt, bei welchem reines Silberschmilzt, und 1-S0-® desselben für den Flufs des Giuseisens. Der Durch-. messe? des größte« Kügelchens Silber, -das Saussure bei der Flammeeines Wachslichtes (deren vier ein Pfund ausinaclne«., und die mittelsteines doppelten Blasbalgs, dessen Flächen jede 62 .Ouadratzoll betru-gen, angefacht wurde) im Flusse erhalten konnte, war = 2,7 /A/ ; derjenigevon einem Kügelchen Gufseisen= 0,6 /// . Da aber diese Proben auf-einer ausgehöhlten Kohle gemnclit wurden, welclie die Stärke derFlamme vermehrte und solche auf der Zyanit - Unterlage, geringer aus- fallen mufsten , so suchte Saussvrk das durch diesen Unterschied be-gründete'V erhUltniß auf diese Weise artsztimitteln, dafs er -aus den Durch-messern der in größten Massen , sowohl auf der Zyanit- als Kohlen-Unterlage geschmolzener, Fossilien, die sich wie 3: 4 verhielten,auf jene der übrigen Fossilien sclilofs , die nicht unmittelbar aufder Zyanit - Unterlage geschmolzen werden konnten. Daher wird,durch die Vermehrung des Durchmessers des auf der Zyanit- Unter-. lag© geschmolzenen Kügelchens eines Fossils um ±J5, der Durchmesser,des Kügelchens erhalten, weichen dasselbe auf Kohlen geshmoizen'gegeben haben würde. Wie er bei diesen Arbeiten verfuhr mag derRergkrystall als Beispiel deutlicher auseinander, sezzen. Er fand, dafsdieses Fossil, auf der Zj'anit-Unterlage geschmolzen, sich nur bis zu einem( Durchmesser von 0,014 '" ausdehnen lasse, wenn das Kügelchen noch

in dem Flammenstrahle flüssig bleiben, soll; dieser Durchmesser um ifs ver-mehrt ist gleich 0,0187'" und verhält sich zu dem Durchmesser desSilberkügelchens, wie der zum Schmelzen des Iezteren erforderlicheWärmegrad zu demjenigen,-wohai der Ber-gkryst-allfliefst.

.0,0187 : .2,7 = 28 : 4042 als .dem Hizgrade des Bergkrystdls imAugenblicke der Schmelzung.

,

Durchmesser

Übersicht der Schmelzbarkeit mehrerer

der

geschmolze-

Grad deaWedo*

Mineralkörper vor dem Löthrohre, zur

wen Kiigel-

woonschen

Erläuterung diese»' Versuche.

chen in Fr.

Pyrometers.

Linien.

Topas , aus Brasilien .... . . . . .

'0,019

3024

Saphir , aus dem Oriente . . ... .

0,00ö

9450

Rubin. , aus dem Oriente *. . . .. .

0,020

'2800

Sclimai'agd, aus P«rw

0,300

1189

Edler Beryll, aus Siberien

0,187

304

Bergkrystall (vollkommen wasserhell)

0,014

4043

-Elektrischer Schörl, vom St. Gotthard

2,100

27

(erstes Aufschwellen).

Derselbe, (zweite Schmelzung) ......

0,600

94

Chrysopras, aus Schlesien . . . . .

0,040

1426

Hyali't, von Frankfurt ..

0,078

727

Apatit, aus dem Sächsischen Erzgebirge

0,150

378

Idokras, Vom Vesuv (erstes Aufschwellen,

1,200

47

blasse grünliche Schlacke).

'

Derselbe, (zweite Schmelzung) , . . . .

0,600

I 94