Band 
Propaedeutik der Mineralogie
Seite
174
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174 Vorbereitender Theil der Geognosie.

Durch seine Substanz, durch die 'verschiedene Intensität der Farbe sei-ner Grundmasse, durch Natur und Häufigkeit der Gemengtheile, lafst sichjeder Strom erkennen , denn die Bedingungen , unter weichen sich die Lavavor der Eruption im Feuerberge fand, sind zu manniclifaltig, als dafs mansie zu zwei verschiedenen Zeiten gleich erwarten konnte, darum mufs auchdas von ihnen abhängige Produkt nothwendig sehr verschieden seyiu

Die Lava wird schnell fest. Nur am Rande des Kraters kann sie, un-

I geachtet sie vom Heerde entfernt ist, nicht leicht erkalten, denn das Hydro-gen dringt in einzelnen 'Säulen herauf, entzündet sich und bringt die fest-werdende Masse aufs Neue in Flufs. Aber sobald diese den Rand des Feuer-schlundes überstiegen hat, ist sie nur von eigenen Kräften abhängig. Anallen Punkten , wo die Lava die Oberfläche berührt, sieht man sie bald mit| einer mehr oder weniger dicken und harten Rinde bekleidet, welche der| noch flüssigen Hälfte des Stromes zur Decke dient. Durch den, während der

I Eruption stets erneuerten, Zuflufs wird die Rinde nicht selten emporgehoben,so dafs sie zusammenstürzt und in das Fluide hinabsinkt, allein unter demEinflüsse der Atmosphärilien bildet sich bald eine frische Kruste. Die tie-fer gelegene Lava bleibt längere Zeit fliefsend und erhärtet oft erst nach ei-nigen Jahren.

In dem Schoofse jenes feurigen Fluidums entwicklen sich, nachBnmsLAivs Ansicht, die Kräfte der Anziehung. Die Elemen-te der Substanzen, weiche durch die Schmelzung getrennt wur-den, vereinigen sich von neuem zu krystallinischen Gebilden, ähn-lich denen, welche ihr Ur- Zustand bemerken iiefs. So erklärt je-ner. Naturforscher die .Entstehung der Fossilien A u g i t, Glim-mer, Felds path, Leuzit, Zeolith u. s. w. die wir ingröfserer oder geringerer Häufigkeit als Einschlüsse der Laven lin-den und leitet die Erscheinungen , welche man in dem Relativenihrer Lage bemerkt, von eigentlüimiichen, bei jener Operation ein-treten» könnenden Verbindungen her.

Dahin gehören die L e u z i t - Kiystalle , welche Fragmente vonA u g i t { oder F e 1 d s p a r h und umgekehrt die Au gi t - Krjstalle,welche Leuzit - Bruchstücke eiiisclilieisen u. s. w.

Jener hypothetischen Annahme stehen allerdings sehr gewichtigeGründe entgegen. So namentlich, dafs wir das Veiwändtschafts-Verliältnifs nur alsdann als wirksam zu betrachten vermögen, wenn,wie dies ausschliefslich bei einem vollkommen flüssigen Mediumgeschehen kann , die Masseutheilchen Freiheit haben sich einanderzu nähern und so zu regelmäfsigen Gestalten sich zu verbinden,

8 Indessen ist es von der anderen Seite auch nicht zu verkennen,

dafs die Infiltrations - Theorie gar manche Einwürfe ungelöst hifst.Bei einem Ilizzegrade von geringerer Intensität ist es endlich garwohl denkbar, dafs jene Einschlüsse, ohne eine .Schmelzung erlitten-zu haben , sich mit dem Teige der Laven vermengten. Amwahrscheinlichsten ist es, dafs die Natur zur Bildung dieser Sub-stanzen nicht immer die nämlichen Wege einschiägt und mandarum kein allgemeines Gesez zu fixiren vermag.

Aus der Verwitterung und aus dem zur Vegetation geschickten Zu-stande mancher Laven lassen sich Schlüsse für das Alter der Erde gewin-nen. Es rnufs jedoch hierbei ein sehr verschiedener Mafsstab angenommenwerden, denn wir haben Laven, die über 2000 Jahre zählen (von demAusflusse des Aetna , der zur Zeit Thukydides die Stadt Naxos zerstörte),

I welche noch immer eine feste, vegetationslose Oberfläche zeigen, dahingegenandere zur schnellsten Verwitterung geneigt sind und oft nach wenigenMenschenaltern schon einen fruchtbaren gedeihlichen Boden darbieten.

- So findet sich an der Westseite des F i k s auf Teneriffa eineLava, von der man weifs , dafs sie einem sehr alten Ausbruche an-gehört und die demungeaclitet nicht im Geringsten verwittertest,sondern sich in einem Zustande vollkommener Verglasung erhalten hat.

Ferner kann es als Regel gelten, dafs, je mehr.man sich von den neuen

1 Vulkanen entfernt, die Lavagüsse, indem sie zugleich au Masse und Aus-dehnung gewinnen, desto mehr den Charakter wahrer Felsen annehmen,sowohl was die Regelmäfsigkeit ihrer Lagerung, als was ihre Theilung inparallele Schichten und ihre Unabhängigkeit von der jezzigen Form des Bo-dens b.etrifft. Die Vulkane, welche ein höheres Alter haben als die Sand-steine und die K^lkfelsen , sind seit Jahrhunderten erloschen ; die noch bren- uenden zeigen sich in der Regel mit Brekzien und neuen Tuffarten um-geben. i

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' Auch zwischen der Physiognomik der Vulkane und dem Alter ihrerGebirgsarten walten, nach Humboldt, merkwürdige Beziehungen.

Die Gipfel, welche jezt noch mit gröfster Gewalt und in denkürzesten Zwischenräumen Feuer speien, sind schlanke Piksvon konischer Form.

Hierher der Kotopaxi, der Pik von Teneriffa und dervon Orizava in Mexiko -

Berge mit verlängertem Rücken und durch kleineSteinmassen uneben gemacht sind sehr alte, dem Erlöschen naheVulkane.

So tler Karguairazo und der Pi c 2i i n c h a in Quito , derVulkan von Puraze bei Popayan und vielleicht auch derHekla auf Island .

Höhen in der Form von Kuppeln oder umgestürz-ten Glocken zeigen jene problematische Porphyre an, vondenen man verninthet dafs .sie, an Ort und Steile erliizt, vonDämpfen durchdrungen und in einem erweichten Zustande in dieHöhe gehoben worden seien , ohne je, wie die eigentlichen stein-artigen Laven, geflossen zu liaben.

Der Chiroborasso, der Grand-Sarcouy in Auvergne.

5. Eruptions - Theorie.

Gar viele Versuche die Probleme der Natur zu lösen sindeigentlich nur Konflikte der Denkkraft mit dem Anschauen. DasAnschauen gibt uns auf einmal den vollkommenen Begriff von etwasGeleistetem ; die Denkkraft, die sich doch auch etwas auf sich ein-bildet, 1 mochte nicht Zurückbleiben, sondern auf ihre Weise zeigenund auslegen, wie es geleistet werden konnte und mufste. Da siesich selbst nicht ganz zulänglich fühlt, so ruft sie die Einbildungskraftzu Hülfe und so entstehen nach und nach solche Gedankenwesen, denendas grofse Verdienst bleibt , uns auf. das Anschauen zurückzuführen ,und uns zu gröfserer Aufmerksamkeit, zu vollkommenerer Einsichthinzudrängen. (Goethe.)

Nach den Hypothesen der Physiker älterer Zeit nahm man ein, imMittelpunkte der Erde ununterbrochen fortbrennendes,Feuer an. Die Krater galten für die Zugöffnungen jenes unermefslichenFeuermeeres.

Diese abentheuerliche Ansicht wurde durch die Meinung Ltster s ver-dränge, welcher in den entzündeten Dämpfen der So hwe felkiesedie gemeinsame Ursache der Vulkane, Erdbeben und Gewitter suchte.

, Allein wir kennen kein Beispiel eines Schwefelkies-Lagers, das sich

selbst entzündet und gebrannt hätte , oder noch brennte. Die Feu-erberge miifsten geschmolzene Schwefelkiese als Rollstein auswerfen,die Laven sehr eisenhaltig seyn, die Schwefeldämpfe sich weicstärker und konzentrirter zeigen u. s. W-, welches Alles nicht derFall ist. Audi kommen die Schwefelkiese nicht in solchen niedri-gen Gebirgen vor, als die sind, in welchen die Vulkane nicht sel-ten ihren Siz haben.

Breislak , dieser scharfsinnige Beobachter des Vesuvs , glaubt die Ur-sachen der vulkanischen Ausbrüche, und namentlich jene, weiche bei demgenannten Feuerber'ge wirken, von der Zersezzung der Schwefelkie-se und von der Einwirkung des dabei sich entwickelndenWärmestoffs auf die Steinkohlen-Flözze und auf die Lagervon bitum in ösem Letten lierleiten zu müssen. Er sagt : der Tbeilder Apenninen z Kette im Osten des Vesuv s enthalte eine grofse Menge bi-tuminöser Fossilien und Schwefelkiese, die, wenn nicht zusammengelagert,doch nicht weit von einander entfernt seien. Die eindririgende Feuchtigkeitbewirke eine langsame Zersezzung der Schwefelkiese, und der dabei freiwer-dende Wärmestoff veranlasse die bituminösen Fossilien zur Erzeugung vonErdöl . Dieses Erdöl fände bei seiner Entstehung Gelegenheit sich mit demAmmoniak und dem Schwefel der Steinkohlen , und während seines weiternLaufes mit Phosphor - Stoff (welchen Breislak in manchen kohlensaurenKalkarten von Kastc.llamare eben so enthalten glaubt als in den phosphor-sauren von, Estremadura ) zu vereinigen. In diesem Zustande trete es mitder , in diesem Theile der Apenninen häufigen, Salzsoole in die unterirdi-schen Behäljer des Vesuvs. Hier auf dieser Soole schwimmend könne essehr leicht durch einen , in den Höhlungen dieses Bergs nicht seltnen , elek-trischen Funken entzündet werden. Als Produkte dieser Entzündung, undI der davon abhängenden Zersezzung der Salzsoole, entstiegen daun dem Kra-ter die gasförmigen Säuren wie die Schwefelsäure, die schwefelige Säure, dieSalzsäure, die Kohlensäure, ferner das salzsaure Ammoniak und das SalzsäureNatron (?). Das, zu allen diesen Zersezzungen erforderliche, Sauevstoffgasdringe mit dem Stickstoffe in der atmosphärischen Luft durch die Spalten,welche früher das Erdöl und die Salzsoole zu dem Innern des Bergs geleitethätten, und fülle allda die leeren Räume. Diese Spalten wären gleichsamals Zuglöcher des vulkanischen Ofens zu betrachten. Wollte man diesesnicht zugeben, so würde man doch der Ansicht seinen Beifall nicht versagenkönnen, dafs durch die Zersezzung der feuchten, die ungeheuren Höhlungenstets erfüllenden, Dünste der Sauerstoff den brennbaren Substanzen zugeführtwürde.

Auf diese Ansichten sich stiizzend, und darin durch das häufige Vorkom-men bituminöser Fossilien in der Nähe vieler Feuerberge bestärkt, glaubtBreislak sich zu dem Schlüsse berechtigt: dafs, sowie bei dem Vesuv alle Ausbrüche der andern Vulkaue auf der Entzündung des Erdölsberuhten.

- Er beweist die Gegenwart des Erdöls im Vesuv selbst aus denBeobachtungen DolomieiRs : dal's die Schlacken der Irischen Lavenvon diesem Berge sehr oft unzweideutige Spuren von Erdöl zeigten ;ferner aus jenen von Humboldt, Buch und Gav-Lussac welchewährend der Ersteigung des Vesuvs, zu einer Zeit, wo derselbein Thätigkeit war , einen starken Geruch nach Erdöl verspürten.