Band 
Propaedeutik der Mineralogie
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XXIII. Die Vulkane

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(Obgleich Breislak an Ort und Stelle beobachtete unddaher den Vorgang bei vulkanischen Eruptionen genauer zudurchschauen vermochte als Andere, so läfst dennoch seine Theo-rie dieser Erscheinungen dem vorurtheilsfreieu Physiker mancheSeite bemerken,- wo sie von naturgemiifsen Ansichten ab weicht.Denn können dem brennenden Erdöle mit Recht die ungeheurenWirkungen allein zugeschrieben werden, welche ein arbeitender Vul-kan darbietet? 'Ist der Grad der Hizze, welchen es während demBrennen liefert, so stark, dafs durch ihn die für eine solcheKraft stets schwer schmelzbaren Fossilien der Umgebungen in Lavenverändert werden? Wie ist es nach der Erfahrung denkbar, dafs ein,auf der Oberfläche einer öalzsooie brennendes, Flüssige im Staudesei das Wasser der Salzsoole zu zersezzen ? Wäre man nicht eherberechtigt dieses Wasser und seine Dämpfe als Hindernisse desBrands des Erdöls anzunehmen? Wollte man auch die Gegenwartdes Schwefels in dem Erdöle und die Zersezzung des Kochsalzesdurch die, vom Verbrennen des Schwefels resulureude , Schwefel-säure zugeben; welche Menge von Schwefel miilste daun nicht dasErdöl während seinem Laufe aufgenommen haben um die, zu derErzeugung der unermefslichen salzsauren Dämpfe erforderliche,Schwefelsäure darzustellen ? Wurde je eine, Schwefel enthaltende,Quelle von Bevgöl in der Nähe des Vesuvs gefunden? DieselbeFrage trifft den Phosphor im Erdöle. Die Phosphoreszenz der koh-lensauren Kalkarten von Kastellamare ist keineswegs Beweis fiirdie Anwesenheit des Phosphors in denselben. Alle kohlensaurenKalksteine phosplioresziren ohne Phosphor zu enthalten. Hingegenenthalten die Apatite von Estremadura Phosphorsäure. Hat mandergleichen schon in der Umgegend des Vesuvs entdeckt? Und wäredieses wirklich der Fall so fragt es sich noch immer, ob die gelin-dere , von der Zersezzung der Schwefelkiese lierrührende, Hizzemit dem Erdöle vereinigt hinreichend wäre die, Glühefeuer erfor-dernde, Zersezzung dieser Mineralkörper einzuleiten? Wo bliebeaber denn dabei das nach dem Vesuv dringende Erdöl ?

Man sieht, dafs erst diese Fragen gehörig zu erörtern und zubeantworten sind , um Breisrak-s Theorie Gültigkeit zu verschaf-fen. Demungeachtet enthält sie manches Eigenlhümliche und istdeshalb , sowie das an Beobachtungen reiche Werk Breisraks, inden ferneren Verhandlungen über diesen Gegenstand, stets zu be-rücksichtigen.

Patrin trat gegen BaetstAK auf, anstatt aber ihn zu widerle-gen gab derselbe eine neue chemische Theorie der Feuerberge, inwelcher schon in den Vordersäzzen so manche Verstöße gegen che-mische Erfahrung sich vorfinden, die so Vieles ohne Prinzip Vor-ausgeseztes enthält, dafs solche hier füglich unberührt bleibenkann. Gaertner .)

Werners Theorie zu Folge haben die Vulkane mit den Erdbrändeneine gleiche Entstehung. Zwischen diesen und den ruhigen Vulkanen herrschtungemein viel Analoges. Beide haben ihr Daseyn und ihre Fortdauer denentzündeten Steinkohlenlagern zu danken. Nur dafs bei den Feuerbergeu einegröfsere Mächtigkeit der Stein- und Braunkohlenilözze, eine höhere und fe-stere Bedeckung als bei jenem statt findet, dafs diese Bedeckung aus solchenGebirgslagern bestehen roufs, welche einen schicklichen Stoff zur Bildung derLava liefern Basalt, Wachs und dafs zugleich der Flinzutntt desWassers, als Eruptions - Ursache , eine Hauptbedingung ist.

Das häufige Vorliandenseyn ungeheuerer Stein- und Braunkohlen-lager, und namentlich ihr Vorkommen in solchen Gegenden, woüie Vulkane sich finden ungeachtet wir das leztere nicht überallmit Gewifsheit nachzuweisen vermögen; der Umstand, dafs bren-nende -Flözze der Art nichts Seltnes sind; dafs die Verbreitungmancher. Vulkane durch ganze Gegenden mehr auf ein weit gedehntes alsauf ein tief niedersezzendes Lager schliefsen läfst; die geoguostische Ver-wandtschaft der Braunkohle mit demBasalte, indem man über jenerdiesen, als leicht in Flufs zu bringenden Decke gelagert findet, und das soo'ewöhniiche Vorkommen des Basaltes und anderer Glieder der I'rapp-Formation in der Nähe der Feuerberge (in Süd-Amerika sind diePorphyrberge der Siz des vulkanischen Feuers) ; die scheinbare Ver-wandtschaft, in welcher, in geognostisclier und oryktognostischerBeziehung, Basalte und Laven stehen; die Möglichkeit der Selbst-Entzündune- feuchter zusammengedrückter Braunkohlen, zumal solcherdie Alaun enthalten; endlich der Umstand, dafs bei Erdbrändengleichfalls Schwefel und salzsaures Ammonium erzeugt werden, undandere wichtige Gründe sprechen von dieser Seite sehr fiir Wer-mers Ansicht*"der Sache; allem diese Ansicht hat sich bis jezt nichtvöllig von dem gründlichen Einwurfe frei machen köiinen, dafs dieSteinkohlenlager nur so lauge Stoff zur Unterhaltung des vulkani-schen Feuers zu liefern im Stande seien als Vorratli von Brennma-terial vorhanden ist. Mit dessen Abnahme mufs notliwendig jeneder Wirkungen des Vulkans im genauen Verhältnisse stehn. Undwelcher Vorratli von Steinkohlen oder anderer brennbaren Fossi-lien hätte wohl ausgereicht, den Vesuv 17 Jahrhunderte hindurchund den Aetna seit Hombhs Zeiten zu SO unzähligen Ausbrüchenzu veranlassen.

Die Gebirgsarten der Trappformation sind übrigens stets geschieden vonden Strömen neuer Laven.

So scheiden auf Teneriffa Lager von Tuff , von Puzzolan undThon das System der' Basalthügel von den heuen steinariigmi Lavenund von den Auswurfen des gegenwärtigen Vulkans.

Auch der scharfsinnige Davy hat seine Doktrin zur Erklärung deri vulkanischen Ercslieinungeu angewendet. Die Metalle, welche die Basen

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der Erden ausmachen, können zwar nicht im reinen Zustande auf der Erd-oberfläche vorhanden seyu, allein es Scheint dem Englischen Scheidekiinstlermöglich, dafs solche einen Iheil des Inneren unseres Planelen zusammensezzen.Diese Annahme würde die Phänomene der Feuerberge, die Bildung der Laven, dieEntwicklung unterirdischer yVärme erklären, indem mau zu den Schichten,welche jene Materien enthalten, Wasser und Luft treten liefse. Unterjenen Umständen wäre eine aufserordentliche Entwicklung von Wärme möelichund zugleich, vermittelst der Oxydation, der metallischen Lasen, die Erzeu-gung vieler steiniger und erdiger Substanzen.

, (So sehr diese Hypothese von der einen Seite sich der naturge-jnäfseren Ansicht des Vorganges im Innern der Vulkane nähert,so läfst sie doch von der andern Seite die Frage unbeantwortet:auf welche Weise die Schichten dieser Erden - IVietalle entstanden/ seien? Räumt man aber auch ihre Existenz ein, so ist darumnoch nicht begreiflich : durch weiches Mittel ihre desoxydirendeWirkung auf die, über oder unter ihnen befindlichen, Schichtenheterogener lossiJien verhindert werde? Man mü/ste denn anneh-meu , dafs jenes Mittel Erdöl sei, unter weichem diese Körper auchauf der Erdoberfläche ihre metallische Natur beibehalten! Alleinjeine solche Voraussezzung ist durchaus unverträglich, mit denGrundsätzen einer geläuterLen Gcognosie. Betrachtet mall hingegenden Erdkörper und die wechselseitigen Schichtungen seiner Theil-ganzen, im Einklänge mit der Mehrzahl der Physiker neuererZeit, gleich einer galvanischen Batterie von ungeheurer GröRp,als eine Verbindung mehrerer grofsen elektrischen Säulen und seztdie heterogenen Endpole von zwei oder mehreren dieser Säulenin den Feuerraum eines jeden Vulkans, so ist dadurch die Entwiek-, lang des Sauerstoffs, des Wasserstoffs, des Schwefels, der Metalle,der Alkalien und Erden und vieler anderer, heftiger Explosionen( fälliger, Stoffe aus den flüssigen (Wasser, Erdöl ) und festen Theil-ganzen der Umgebungen dargethan. Mithin das Schmelzen festerSubstanzen zu Laven, das explodirende Entweichen des geschwe-felten- und gekohlten Wasspr&toffgases , die Entwickelung vonSäuren u. s. w.

Das 1755 für Lissabon so zerstörende Erdbeben, die oben beiden Eruptionen des Aetna angeführten Beispiele liefern Beweise fürden unterirdischen Zusammenhang der Vulkane. Während des .ersterenwurden die Erschütterungen innerhalb eines gewissen Strichs gleich-zeitig auf Schiffen und in einem Theile von Amerika beobachtet. Einanderer, diesen Bewegungen zu der nämlichen Zeit ausgesezter, Strichwurde in den Gewässern zwischen Grönland und Afrika erkannt.

t Die Wechselwirkung, welche zwischen dem elektrischen Flüssigendes Erdkörpers und demjenigen in der Atmosphäre statt findet, be-rechtigt zu der Annahme, dafs leztere bei einem vulkanischen Pro-zesse nicht unthäug bleiben kann. Im Gegentlieilc muls sie Vieleszur Erhöhung desselben beitragen. Die vulkanischen Erscheinun-gen werden daher bald schwächer bald stärker auf dem Erdkörpersich änfsern , je nachdem demselben gröfsere oder geringere Gele-genheit von der atmosphärischen Elektrizität und von den, mitdieser in genauerem Zusammenhänge stellenden, Witterung^ *Be-* scliaffenheit eines jeden Jahrs dargeboten wird ^ sich seines Über-maises von elektrischem Flüssigen auf anderm Wege als durch je-nen der Vulkane entledigen zu können oder nicht. (Das Ruhenund die erneute Thätigkeit der Feuerberge fänden sich in dieserErklärung vulkanischer Phänomene mit einbegriffen.)

Hierher der eigene drückend - hoifse Zustand der Atmosphäre, wel-cher vor den Ausbrüchen der Vulkane beobachtet wurde , und durchwelchen das Licht der Sonne in rötlilicher Farbe sich, darstellte. Diestarke Einwirkung der Atmosphäre auf das Elektrometer. Die Blizze,Welche zu dieser Zeit aus dem Vulkane in den gewöhnlich dicht be-wölkten Himmel, Find'andere die aus den Wolken zum Vulkane fahrenWobei derselbe gleich einer elektrischen Spizze zu wirken scheint;die bei vulkanischen Ausbrüchen häufigen Feuerkugeln u. s. w.

Dem Erdbeben bei Albugnol in Spanien (1004) ging einstarker, sich bald in eine dichte Wolke vereinigender , Nebel voraus.Sowie die Wolke gebildet war, erfolgten, innerhalb 10 Minuten , ausderselben 5 starke Feuerausbrüche, deren jeder von einem ungeheu-ren Erdstofse begleitet war-

Von weicher Seite der Einflufs des Mondes auf die Feuerberge derErde zu betrachten sei, müssen uns noch fernere Beobachtungen leh-ren. So viel ist offenbar, dafs die verschiedenen Stände desselben,wie die Erdnähe, die Erdferne, seine Phasen (Eintritt desselben indie Erdbahn) in nicht zu bezweifelndem Zusammenhänge mit den vul-kanischen Erscheinungen auf der Erde stehe. Die Meinung mehrererAstronomen von Gewicht spricht für die Gegenwart bedeutender Vul-kane iA diesem Himmelskörper , deren Wirkungen jene der Feuerbergeunseres Planeten noch übertreffen sollen. Gaeiitmeii.)

Man bekenne sich nun zu der einen oder zu der anderen der aufge-führten Eruptions - Theorien, so scheint es, dafs man eine allen Vulkanen

gemeinsame Ursache annehmen müsse, welche nur durch örtliche und&

andere Umstände mehr oder weniger modifizirt wird, denn eine Verglei-chung der vulkanischen Erzeugnisse und der in verschiedenen Gegendenbeobachteten Erscheinungen, von dem Zeitpunkte an, wo uns Traditionenund geschichtliche Urkunden mit den Veränderungen der Oberfläche des vonuns bewohnten Planeten bekannt gemacht haben, bieten eine, wenn auch nichtin den einzelnen Momenten vollkommene, doch im Allgemeinen höchst be-wunderungs würdige Übereinstimmung zwischen den Operationen und denProdukten dar.

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