würde er den Alten voin erstell Range beygckvmmenftp». Eben daher kommt es auch, daß er in zar-te,, Frauen - und Kinderfiguren minder glücklich,und dagegen in der ncrvigten Natur des Alters,der Philosophen, Apostel u. s. s. so glücklich war.Wenn er aber Grazie zeigen wollte, stet er gerneins Plumpe (toiiclo) und Platte."
In dem bekannten Briefe an 7 t. Potts 421)sagt er: „Unter den neuern Künstlern verstandsich noch keiner auf den richtigen Ausdruck so gutals Raphael , der die Personen, welche er schildert,nach dem Leben, andere Künstler hingegen, undselbst die geschicktesten aus ihnen, die ihrigen bloßnach Schauspielern gebildet zu haben scheinen, wel-che für ihre Zuschauer Gcmüthszustande vorstellen,die sie nicht suhlen. Mehrere indessen wußten we-nigstens in einige ihrer dargestellte» HandlungenGrazie zu legen, ein Verdienst, das die übrigenebenfalls nicht besaßen, und daher in allen ihrenZusammensetzungen leblos und kalt blieben. Ra-phael hingegen ist überall ausdrucksvoll, und be-sitzt zugleich die wahre Grazie in der Bewegungseiner Gestalten ; doch gebrach es ihm einigermaaßenander Zierlichkeit der Formen und Umrisse, so wieseine Aussührung überhaupt allzustark und bestimmtwar 422)."
In dem nämlichen Pamphlete heißt es 423):„Wenn Raphael in allen Theilen der Kunst für-trefflich war, so war er vollends allen Andern inErfindung und Zusammensetzung überlegen; so daß,nach meinem Urtheile, selbst jene Griechen erstauntseyn würden, wenn sie seine ungeheuern Werke imVatikan gesehen hatten, in welchen mit so großemReichthum zugleich so viel Bcdachtsamkeit, Fein-heit, Leichtigkeit und Vollendung anzutreffen ist.
Noch liest man in demjenigen Kunst-Pamphlete»on Meng«, das znr Aufschrift: Ueber dassse ne 8318 czuol tragt 424) ff. Stelle über Ra-phael.
„Derselbe wählte allzeit majestätische Figurenvon ernster Physiognomie und nervöser Zeichnung,die er mit vieler Einsicht abwechselnd zu machenwußte. So oft er diese Art von Personen behan-delte , trug er immer die Palme davon; bey denübrigen Arten hingegen blieb er stets unter sichselbst, und wußte seinen Figuren niemals eine gött-liche Schönheit zu geben, und eben so wenig denwahren ländlichen Charakter denjenigen, welche den-selben tragen sollten. Was diejenigen betrifft, dieman grandiös nennt, so bildete er die Extremitä-ten derselben, namentlich auch die Hände, gewöhn-lich zu dick. Seine größte Starke bestand in deneinfachen und etwas magern Charakteren, d. h.bey Figuren im Alter von fünfzehn bis fünf undzwanzig Jahren; und vollends erhaben war erbey Behandlung derjenigen von fünf und zwanzigJahren und »och darüber; denn i» diesem Alterfallt das allzuviele Fleisch weg, und Gebein undMuskeln werden sichtbarer, die Raphael besondersstudiert hatte, und besser als irgend ein Andererzu behandeln wußte. Viel schwacher war er inFiguren von höberm männlichen Alter, weil in die-sem die Muskeln fleischigter und in ihrer ganzenStarke sind. Hierin übertrjft Michael Angelo denUnsrigcn, dem er sonst in allen übrige» Arten nach-stehen muß."
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In den Propyläen hiernächsi, nachdem Meyerim ersten Bande St. I. hauptsächlich S. iai—27.u. St. II. S. 82—99. ^laphaels einzelne Werke,besonders diejenigen im Vatikan , durchgegangen,fahrt er substanzlich also fort:
„Erheben wir uns nunmehr noch zu einem all-gemeinen Blick über sein Talent, und betrachtenselbiges nach den verschiedenen Rubriken, in wel-che man die Eigenschaften und Erfordernisse einesBildes einzutheilen pflegt/' 425)
I. von der Erfindung inRaphaels N)e> kett.
„Die Gabe der Erfindung hat kein neuererKünstlerin dem Grade besessen, wie Raphaeljkeiner so glücklich, wie er, jeden Gegenstand vonder beßten und treffendsten Seite aufzufassen unddarzustellen gewußt. Bey der Fruchtbarkeit, dergroßen Mannigfaltigkeit seiner Gedanken, bey dempoetischen Talent, welches ihn immer nach derHöhe zieht, und zum kühnern Fluge reitzt, mischter doch selten etwas Ueberflüffiges in seine Werke.Die Hauptsache behalt immer die Herrschaft, dieNebensache» werden niemals zu mächtig. Unbe-siochcn und streng prüft er Alles, ordnet Alles, undwählt die nächsten eittfachsten Mittel, um den vor-gesetzten Zweck zu erreichen; darum scheint Raphael in seinen beßten Werken nicht eigentlich zuerfinden oder zu dichten, sondern er laßt uns glau-ben, Alles sey unmittelbar aus der Sache selbst,und gleichsam ohne sein Zuthun entsprungen; cSkönne und müsse nur so und nicht anders seyn.Diesen Charakter der Ueberredung, des Natürli-chen, Ungezwungenen, der höchsten Wahrscheinlich-keit tragen fast durchaus alle, selbst die feinste»und glänzendsten Gedanken in ^aphaels Bildern,und werden dadurch noch um so viel anziehender.Einigemal ist es ihm gelungen, seinen Gegenstandganz zu erschöpfen, oder, mit andern Worten,demselben alles Bedeutende und Zweckmäßige sorein und vollkommen abzugewinnen, daß die nach-folgenden Künstler keine unbenutzte Motive, odereine andere eben so interessante Seite für die Dar,sielluiig ausfindig machen konnten, und also seinWerk als Canon anerkennen, dasselbe wiederholen,oder nothwendig schlechter werden mußten.. Indiesem Falle haben sich selbst die größten Meisterbefunden, welche seit Raphaele Zeiten eine Ver-klärung, einen Kindermord, oder die Pest zu ma-len unternommen. Eben so hat die Bataille vonConsiantitt allen Künstlern, welche, im heroischenSinne dieses Fachs der Kunst,, namhafte Werkegeliefert, zum Muster dienen Müssen. Sie sind,nebst noch mchrcrn andern, die zwar nicht so oftnachgeahmt worden, als Darstellung im Ganzenbetrachtet, vollendete Werke, und, in so ferne sichvon dem Möglichen urtheilen laßt, unübertrefflich.Es giebt sogar ein paar Beyspiele, wo Raphaelselbst, indem er eine Geschichte zum zweptenmaledarstellte, aus' Ueberzeugung das Bcßte, Zweck-mäßigste und Alisdruckvvllste gefunden zu haben,genöthigt war, sich zu wiederholen, wie solches inden Figuren des Moses und Jacobs, in den Ge-mählden vom feurigen Busch und der Himmelslei-ter geschehen ist, welche in den Logen, so wie inden Stanzen, auf ähnliche Art gebildet sind. Auseben diesem Grund, aus der Ueberzeugung vomGuten und Wahren, hat unser Künstler in meh-reren seiner Bilder den Massaccio vor Augen ge-
421) S. Opers üi ^/e»x, I'- ll. p. 4s—4g.
422) Eine allzubestimnite Ausführung ist diejenige, welche ihre Gegenstände mehr als nöthig ist, bezeichnet.Der Zuschauer wünscht, etwas zu errathen oder selbst zu finden. Eine »Uzmiachdrückliche Bezeichnung desAusdrucks zumal, thut immer der Schönheit Abbruch. Änmeök. d. Versass, oder d. Herausgebers.
4sZ) Opers äi I. c. x. zy.
424) S. Mengs Werke Uebersetz. v. Panzer (worin sich dieses Pamphlet allein findet) Th. H. S. 307—8.
425) Freylich kommt auch hier wieder manches Besondere vor, was znr Verdeutlichung des Allgemeinen dient.Dieses aber müssen wir unsere Leser größtentheils bitten, in den Propyläen selbst nachzulesen.
Anh. zum VII. Hefr. Av