Band 
Zweyter Theil [3].
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habt, und besonders in der Vertreibung des Ada,msnnd der Eva aus dem Paradiese, in den Logen,jenes Gemählde in der Capelle Brancacei, all Car-mine, r» Floren; verbessert nachgeahmt. Die Fi-gur des Kaisers Cvnstantin in der Bataille- gegenden Maxen; soll aus einem Basrelief im PallastIustiniani entlehnt seyn, und im Opfer zu Lyssradiejenigen, welche den Ochse» schlachten wollen,aus einem andern Basrelief, welches jetzt in derflorentinischen Sammlung ist."

II. von der Anordnung.

Das Kapitel über die Anordnung in RaphaelsWerken könnte sehr weitläufig werden, wenn man,da er hierin» unter den Neuern der vollkommensteMeister war, alle seine vatikanischen Bilder mitRücksicht aus diesen Theil der Kunst, von Stück;u Stück durchgehe», und ihre Verdienste gehörigaus einander setzen wollte; wir wollen daher, umwenigstens in der Uebersicht vort Raphaels Kunst-charakter keine Lücke zu lassen, im Allgemeinenund Besondern nur das Nothwendigste anzeigen,und uns dabey so kurz und deutlich als möglichzu fassen suchen."

Die allgemeine Anordnung eines Bildes ist vonder besondern Anordnung seiner Theile, Gruppen,einzelner Figuren und Glieder sorgfältig zu unter-scheiden: Jenes sind die allgemeinen großen Schön-heiten , die im Plan des Ganzen liegen; dieseseinzelne Zierrathen, womit der Meister sein Werkgeschmückt, angenehmer und unterhaltender gemachthat. In der allgemeinen Anordnung wird wohlimmer mit Recht eine gewisse Symmetrie beobach-tet. Es ist dem Beschauer angenehm den Haupt-gegenstand gerade vor sich zu sehen, er will aberauch das Uebrige, das Minderwichtige, nicht gerneverlieren; er will nicht gerne auf einmal sehr an-gestrengt und gleich darauf wieder müßig und gleich-gültig seyn. Diese Bedingungen machen in jedemBilde eine Mitte und Gegensatze hüben und drü-ben nothwendig, damit Gleichgewicht im Ganzenentstehe, welches der Mater »m so weniger ausder Acht lassen darf, als er auch dafür sorgen muß,das Interesse auf die ganze Flache seines Bildesso auszutheilen, daß keine leere Stelle, die nichtsAnziehendes enthält, in demselben übrig bleibe."

Rüphael scheint diese Grundsätze stets gegen-wärtig gehabt zu haben; er hielt indessen die Be-deutung und den Ausdruck, mit Recht, für höhereWichten, als daß er nicht, wo es dieselben er-forderten, Ausnahmen von der Regel gemacht ha-ben sollte. Niemand wußte so gut wie er, sich ineinen gegebenen Raum zu fugen, und seine Ge-wandtheit in diesem Stück ist in der That bewun-dernswürdig. Die sonderbaren Formen, welcheThüren, Fenster und Gewölbe oft zur Bedingungseiner Bilder gemacht habe», scheinen ihm nichtnur keine Hindernisse in den Weg zu legen, sondernmüssen bloß dazu dienen um seiner Kunst noch mehrGlanz zu leihen."

Raphael hat sich immer in acht genommen, dieFiguren mit Gliedern quer zu durchschneide». Erwählte auch niemals Stellungen, wo von irgend ei-nem Theile der Figur nur wenig erscheint, welchesinsgemein Undeutlichkcit verursacht; sondern einGlied, Gliebestheil, Gewand, und was es sonstseyn mag, ist entweder ganz verborgen, oder eskömmt so viel von demselben zum Vorschein, daßseine Form unzweifelhaft und deutlich m die Au-gen fällt. Nie läßt er zwey Glieder, oder Theilein gleicher Richtung mit einander laufen, so daßnur ein Streifen dazwischen bliebe; noch wenigerdarf sich ihr Contour nur bloß berühren, sonderner tritt entweder beträchtlich weit herein, oder bleibtso entfernt, daß nie eine Zweydeutigkeit statt fin-de», das Auge ohne Mühe jedes Ding leicht un-

terscheiden kann, und nirgends Einförmigkeit oderWiederholung, sondern überall Cvntrast, Wechselund Mannigfaltigkeit entsteht. Da wo Contourezusammenstoßen, sich abschneiden, sah unser Künst-ler sich allemal wohl vor, daß solches nicht in ei-nem spitzen Winkel geschehe, und dadurch ein klei-nes magres Aussehen gewönne, sondern sorgte,auf allerley Weise, baß jedes Zusammenstoßen undDurchschneiden der Linien in möglichst stumpfenWinkeln, und, dem zufolge, sanft und gefällig seynmöge."

III. Raphaels Ausdruck.

»Ausdruck der Leidenschaften ist dasjenige vonunsers Künstlers Verdiensten, welches am meistenanerkannt ist, und worin er allgemein für den größ-ten Meister geachtet wird. Seine Bilder sind auchin der That, vorzüglich vor allen andern, ganz Herz,Gemüth und Seele. Diese glänzende Seite inseinem Kunstcharaktcr wird sich am deutlichsten ent-wickeln lassen, wenn wir uns die Mühe nehmen,eins von seinen einfachern Gemählden in den Stan-zen, bloß in Rücksicht auf den Ausdruck zu be-trachten. Es ist die Messe von Bvlsena. DerMaier hatte in diesem Bilde die verschiedenen Grabedes Affekts darzustellen, welche die Wundererscheinung,daß aus einer geweihten Hostie Blut stießt, in denPersonen, nach dem besondern Charakter einer je-den, hervorbringt. Wir werden sehen, wie er dieseAufgabe behandelt, und ob es ihm gelungen, dieseWirkungen angemessen und deutlich auszudrücken."

»Mit Erstaunen sieht der Priester die blutigeHostie an; das befleckte Luch will der sich öffnen-den Hand entfallen. Es ist dem Maler geglückt,selbst das Unbewegliche, das gleichsam Versteinerte,im Augenblicke des Erstaunens, in die Stellung beSPriesters zu legen. Den Papst, welcher gegenüberkniet und die Hände zusanimengelegt halt, kannder Vorfall in seinem Gebet kaum ein wenig auf-halten; wohl sieht er (doch ohne Erstaunen) aufden Priester, sieht seine Verwunderung und dieUrsache derselben. Ihm ist das Wunder kein Wun-der. Er weiß Alles, faßt Alles, und ihn bewegtnichts. Von den beyden Kardinälen, die zunächsthinter dem Papst auf drn Stufen knien, sieht der-jenige, welcher die Hände auf die Brust gelegthat, grimmig auf den Priester hin; er sieht, daßdie Wundererscheinung von desselben Unglaubenherrührt, und glüht darum aus, in heiligem Eifer;er ist ganz Bewegung und Leben, seine Auge» fun-keln, das graue Haar fliegt, die Finger scheinensich zitternd zu bewegen, von zorniger Wallunggcrölhek. Sein Nachbar von minder lebhaftemTemperament und blassem Gesicht, bleibt gelassener;er sieht mehr aus das so ge>chieht, als auf dieUrsache desselben, und betet zum Herrn, der anWunder erschienen ist. Hinter den Kardinalenknien zwey Prälaten. Der jüngere sieht aufmerk-sam aus das was vorgeht, doch ohne viel weiter»Antheil zu nehmen; hingegen dem nähern, bcjahr,tcn, blassern, dessen Gesichtszüge fast an Karika-tur gränzen, ist die Sache sehr bedenklich; er-staunt zieht er die Augenbraunen hoch empor, undüberlegt was wohl daraus entstehen könne, undwerde. Die Schweizer sind natürliche gute We-sen, mit Knechtsgcsichtern, nicht fähig in die Sa-che und Ursache einzudringen; der hinterste siehtbloß den Papst an; ein anderer bleibt ganz unge-rührt, und schaut aus dem Gemählde heraus;der vorderste zeichnet sich vor den andern durchedlere Züge aus, Ehrlichkeit und Bonhommie sindauf sein Gesicht geprägt. Liebliche Bilder schönerharmloser Jugend erblickt man in den vier Chor--knabcn. Der so zunächst am Priester kniet, miteiner wahren Engelsphysivgnomie, hat schon gcje-brn »nd begriffen, und wendet sich zu dem hinter-