die Lichter beynahe weiß; doch giebt es einige vor-züglich gut cvlorrtte Stellen, wie z. B. die halb-bcschattcten Füße der Poesie, an welchen die dun-kel» Partien so saftig und klar sind, daß sie in die-sem Stück den Arbeiten des Correggio verglichenwerden dürften; die beyden Knaben in ebendemsel-ben Gemählde haben das Verdienst eines blühen-den Tons."
«Im Gemählde von der Disput» über dasSakrament ist zwar immer noch Manches von dengrünlichten Halbschatten, rothen Uebergange» rc.der Deckensiücke übrig geblieben; aber die Töneder Farben sind abwechselnder und dem Charakterder Figuren gemäß, bald zart und jugendlich blü-hend, bald stark und von kräftigen, warmen Far-ben, schwächlich und blaß, braun, von Luft undSonne gedeiht, gelb und abgelebt, Alles mit größ-ter Treue und Wahrheit der Natur nachgeahmt.Man wird also das Kolorit der Disputa zum We-nigsten natürlich nennen können; einzelne treff-lich gelungene Schattenparthicn fehlen auch indiesem Bilde nicht; die linke Hand des heiligenGregorius, welcher vor dem heiligen Hiervnimussitzt, die beschatteten Stellen an den Beinen desBramante u. a. m. sind ausnehmend schön und klar.Ueberhaupt sind alle Schatten des Fleisches ziemlichgut, nach dem verschiedenen Ton desselben einge-richtet, bald mehr oder weniger stark, nach Be-schaffenheit kalter und grauer oder wärmer und mehrins röthlich Braune fallend."
«Die guten Eigenschaften, welche RaphaelsKolorit in der Disputa lvbcnswerth machen, ver-mehren sich im Parnaße. Die Tone der Farbenwerden angenehmer, frischer, blühender, und dasganze Bild gewinnt mehr Uebereinstimmung."
»In der Schule von Athen ist Alles noch bessergeworden; daselbst sind die Töne der Farben über-haupt sehr gut und meisterhaft abgewechselt, sindfrisch, warm, blühend und, so viel man noch er-kennen kann, im allgemeinen Einklang und Ver-bindung unter sich selbst. In diesem Gemälde ver-dient nun Raphael ohne Widerrede schon denNamen eines guten Kolvristen, ob er gleich dieLichter nicistentheils noch zu weiß und die Schat-te» etwas zu brau» gehalten hat. Im Hcliodvrund im Attila mäßigt er seine Lichter mehr, und,weil die Behandlung freyer ist, so sind auch dieFarbe» frischer. Die Schatten der Gewänder,welche im Parnaß und in der Schule von Athenoft nur von einer dunkler» Farbe sind, werdennunmehr natürlicher, und, besonders im Heliodor,mehr gemischt und gebrochen; auch kömmt dasChangeant weit seltener vor. Endlich übertrifftdie Messe von Bolsena , in Rücksicht des Kolorits,alle andere Werke unsers Künstlers. VerschiedeneFiguren in derselben, z. B. der Papst, die beydenCardinäle, die Schweizer , der hinterste Chorknabeund der Jüngling mit der Mütze in der Handwären des Titians-nicht unwerth, und Raphaelerwirbt sich dadurch den gegründetsten Anspruchauf den Ruhm eines großen Meisters auch imKolorit."
Vkl. von der Wirkung der Massen undBeleuchtung.
»Den Einfiusi harmonischer Farben, der Wider-scheine und des To»j aus die Wirkung eines Ge-mähldes, scheint Rapchaet niemals zum Gegenstandfeiner besondern Aufmerksamkeit »"„acht zu haben.Von der Harmonie der Farben erinnern «<>-nur, daß unser Künstler sich mit einfachen Regelndes Cvnteasts und gleicher Verthcilung der bunten,vornehmlich der rothen Gewänder begnügte. Wi-derscheine, oder Farben, die sich andern mittheilen,bemerkt man in seinen Werken nie; und dasjenigewas in der Kunstsprache Ton genannt wird, umeine allgemeine Farbe anzuzeigen, die sich über das
Anh. zum Vkl. Hess.
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ganze Bild verbreitet, ist eine spatere Erfindungder niederländischen Schule. Unsere Betrachtungenüber die Wirkung in Raphaels^ Bildern werdensich also bloß auf die Beleuchtung IM Allgemeinenbeziehen." '
»Raphael erkannte, -aß iiiuinterdröchene großeMassen von-Licht und Schatten einen angenehmen,friedlichen Effect machen; daß die Figuren deutli-cher in die Augen fallen, und sich durch Gegensatzvon Hell und Dunkel besser heben. Mit dieserUeberzeugung ließ er sein Licht aus jede Figur, sowie es nach ihrer Stellung- ihrem Verhältniß zuden übrigen angehen konnte, breit auffallen, undunterbrach solches so wenig als möglich; die be-schatteten Partien stellte er mit großer Sorgfaltund Geschicklichkeit hellen Stellen.entgegen, undlichte Partie» suchte er hinwieder gegen dunkle ab-zufetzen. In der strengen Beobachtungdieser Grund-sätze scheint die Ursache zu liegen - warum RaphaelsFiguren alle, wenn sie auch nicht groß sind, dochgleichwohl in beträchtlicher Entfernung deutlich indie Augen fallen; wie z. B. die Gemählde in denLogen des Vatikvns, von unten aus dem Hofe ganzbestimmt erkannt werden können. .Dieser Marimevom Ab-und Entgegensetzen des Hellen und Dun-keln ist Raphael in allen seinen vatikanischen Wer-ken immer rreu geblieben, und hat nur in einigenseltnen Fallen, die gleichsam Ausnahmen von derRegel machen, und Rothbehclse zu seyn scheinen,Reflexe von einer andern . Farbe gebraucht, umseine Figuren desto besser von einander zu unter-scheiden."
»Schon in den Deckengemahlden, im Zimmerder Schule von Athen, und vorzüglich an der Fi-gur der Gerechtigkeit, bemerkt man es deutlich,daß unser Künstler die Masse» vpn Licht und Schat-ten gesucht hat. In der Disputa sind ihm einigesehr gut gelungen; bey andern aber hat er seinenZweck darum nicht ganz vollkommen erreicht, weildie Falten noch immer ei» wenig mager sind, undbisweilen auf und sogar über hohe Stellen der Glie-der laufen." u
„Im Parnaße werden die Massen überhaupt schonreiner, besser, weniger unterbrochen, und in derSchule von Athen sind sie vortrefflich; eben so imJncendio del Borgs, im Heliodor, im Attila, inder Messe zu Bolsena und in der Besreynng Pe-in ; am allcrschönstcn aber scheinen sie uns in denDeckengemahlden, wo Gott dem Noah befiehlt dieArche zu baue», und in Jacobs Traum von derHimmelsleiter gelungen, wo Raphael die großefniiple Manier der Alte» sehr glücklich nachgeahmthat."
„Die Beleuchtung im Allgemeinen ist in unsersKünstlers Werken fast immer simpel, kunst-undanspruchlos. Es sind nur ein paar Falle bekannt,wo er für die Bedeutung Nutzen daraus gezogen;und man kann annehmen, er sey nicht dahin gekom-men, sich ein Bild, in Rücksicht der Beleuchtung,als eine Einheit zu denken; sondern er hat, imGanzen, wie es scheint, Licht und Schatten bloßfür das Mittel angesehen, seinen Figuren Rundungund Deutlichkeit zu verschaffen."
»Im Ansang bestieß er sich, wie in Allem klebri-gen, so auch hier, der Wahrheit, und ahmte dieNatur genau nach; wenn daher in einigen Bilder»Gruppen von vorzüglich schöner Wirkung vorkom-men, wie z. B. in der Disputa die Reihe zurLinken von den oben in Wolken sitzende» Heiligenund Patriarchen; die Gruppe von der Laura, Pc-NMg). A,i.ikreon rc. im Parnaß, und die Gruppeder Musen, zur rechten Hand, eben daselbst; die.Reihe von den Zuhörern des Plato und Aristoteles ,rechts wo Bembv steht, in der Schule von Athen,u. a. m. so scheint solch-s mcyr zufällig, durch dieRichtung des einmal fürs Ganze angenommenenLichts, als wirklich mit Absicht und Zweck geschehen21