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zu seyn, weil eben diese Stellen, vermöge ihrergrößern Wirkung, eine Art von Uebergewichk imBilde verursachen. Auch in den Bildern aus spä-terer Zeit ist die Beleuchtung von eben der Art,nur hat er sich bey denselben etwas mehr Freyheitgenommen; in der Messe von Bolscna scheint die-Beleuchtung nicht durchaus wahr und richtig zuseyn."
VHI. von den Gewändern in RaphaelsVierten.
»Der Originalgeist unsers Künstlers erscheintnirgends in einem schönern Glanz als in seinen Ge-wändern. Alte Bildsäulen hat er selten, und ingrößer« Gemählden niemals cvpirt, sondern denSinn derselben überhaupt erforscht, und in derAusübung angewandt. Mit ihnen wetteifernd bil-dete er sich zum größten Meister seiner Zeit aus,und ist für die Nachfolger, Alle ohne Ausnahme,ein unerreichbares Muster geblieben; man könntedaher vielleicht nicht mit Unrecht aus RaphaeisGewänder jenes Sprichwort von den Versen desHomers wieder anwenden, und sagen, daß es leich-ter sey, dem Herktikes die Keule zu rauben, alsihm eine einzige Falte."
»Zuerst hat Raphael, nach seines MeistersWeise, in Gewändern die Natur ein wenig steifund trocken, jedoch mit bcsserm Geschmack nachge-ahmt. Sie bessern nnd verschönern sich aber vonBild zu Bild, und in der Disput« sind schon bey-nahe alle zierlich gelegt, doch nur wenige großund breit, die meisten hingegen noch etwas zuhäufig, zu mager und z» klein; ihre Massen ent-stehen von der Beleuchtung, und, weil die lichtenPartien helle und vorsichtig behandelt sind, nichtimmer daher, daß sie in der Anlage selbst breiteFlächen bildeten; oft sind sie vielleicht etwas zuscharf gebrochen, doch im Ganzen vortrefflich ge-zeichnet , und mit äußerster Sorgfalt ausgearbeitet"
»Im Parnaß äußert sich die verbesserte Anlagein reinern Massen und einem weit sicherern Ge-schmacke ; man nimmt unterdessen doch nochin dem großen, gelben Gewand der Muse, welchevom Rücken gesehen wird, etwas zu scharfe Brüchewahr; es sind auch die Falten des fliegenden Ge-wandes, an der tragischen Muse, ein wenig schmalnnd dünne, beynahe noch eben so, wie die Ge-wänder der schwebenden Engel in der Disputa ."
»Die angestellten Betrachtungen über RaphaelsKnnstcharakter zeigten uns ein beständiges Fort-schreite» seines Geists, und wir sehen ihn von Bildzn Bild immer größer und vollkonimner werden;doch scheint seine Kunst bereits in der Schule vonAthen den höchsten Gipfel erreicht zu habe». Wennihm auch in spätern Werken Einiges, das unmit-telbar zur Ausübung und nicht bloß znm höher»Wirken des Geistes gehört, noch besser gelang, sosind es doch nur einzelne Theile, wie z. P. dasKolorit in der Messe von Bolsena , der erhabeneAusdruck des erscheinenden Ritters im Hclwdor,die Massen der Beleuchtung in der Frau des Noah,und im schlafenden Jakob. Allein im Zusammen-hang übertrifft doch drc Schule von Athen alleseine andern Bilder, und so haben auch die Falten
in derselben denß semsien Geschmack, die größteZierlichkeit; ihre Massen sind größer und reinerals in der Disputa oder im Parnaß; und derGrund dazu liegt nicht nur in der Ausführung,sondern schon in der Anlage selbst. Auch ist dieBehandlung freyer und leichter; man findet durch-aus nichts Kleines, Mageres, oder zu scharf Gebro-chenes mehr; von den höchsten Stellen der Glieder,wo sie immer glatt aufliege», senken sie sich, ihrernatürlichen Schwere gemäß, hernieder, und brechensich in den hohlen Stellen, mehr oder wenigerbreit nnd kies, nach dem Verhältniß als sie sichausdehnen oder zusammenziehen. Sie geben derBewegung der Glieder nach, und zeigen die Formderselben an der Seite, wo sie aufliege», deutlich,doch niemals gar zu genau an, und lassen den ent-gegengesetzten Contour, oder die andere Seite desGliedes, uns gleichsam nur errathen. Das naheanliegende Gewand der Frau mit den Wafferkrü-gen, im Jncendio del Borg», welches vom Sturmeangedrückt wird, und die Formen der Glieder sehrbestimmt zeigt, macht zwar eine Ausnahme; aberes ist auch eine besondere Ursache die solches be-wirkt, und sowohl in diesem als in andern flie-genden Gewändern, welche Raphaet in seinenWerken angebracht hat, ist die Bewegung, dasFlattern im Winde unverbesserlich ausgedrückt; dieFalten schweben und fließen in runden wallendenFormen, leicht und locker dahin; ihre freyen, sichschwingenden Linien werben hie und da kaum merk-lich unterbrochen."
»Meng« hat schon irgendwo die seine Bemer-kung gemacht, daß Raphael in seinen Falten oftden vergangenen Moment, d. i. die Lage, welcheein Glied kurz zuvor gehabt hat, darzustellen ge-wußt ; und man findet bey genauer Beobachtungin der That einige Figuren, wo er diese schwereAufgabe glücklich gelöst hat, und unsre Bewundrnngdafür in Anspruch nimmt." 430).
In Dergleichung mit obigen klassischen Urtheilenzweyer Deutschen ist Alles, was ältere und neuereItalienische, französische und Englische Kunst-lichter über Raphael geschrieben haben, von ge-ringer Bedeutung. Ohne in den eigentlichen Cha-rakter seiner unendlichen Kunst einzudringen, ver-lieren sich seine welschen Biographen und Kriti-ker, in hochtönenden Lvbsprüchen; oder, was hin-wieder einige derselben an ihm rügen, rührt vontrvpfschlägigem Zunftgeiste der flo. entmischen,Bolognesischen und Lombardischeir Schulengegen diesen Fürsien der Römischen her. Unterden Engländern sind der ältere Richards)» (obman ihm gleich allerley Prunk mit Auskramen we-nig wiffenswnrvigcr Dinge, und vielen Lärm umNichts gerne schenken möchte), und der jünaereWebb (der sein Plagiat 431) aus MengsischenHandschriften geschickt ;» verhehlen weiß 432))immerhin beachteuswerth; noch mehr (seiner un-gemeffencir Vorliebe für Michael Angelo ungeach-tet) der Schwerer Heinrich füßli , den wirhier rbenfalls unter die Dritten zählen müßen 433).-Unbefangen, aber wenig sagend dann ist der Preißdcil einige der ältern Franzosen unserm Sanziogespendet haben, wie;. B. Monier 434) und feli-
45 c>) Hier folgt noch ei» raiscnnirtcS Verzeickniß der vorzüglichsten Theile, besonders der Korse 1» den Stanzen-gemälden (i. c. S. -zr—was besonders für diejenigen, welche das Glück habe», die Originalbildcr zusehen, äußerst belehrend ist.
43 >) Welchen wiiikelman» dem Verfasser der gegenwärtigen Ansähe Tags mit großem Unwille» verrieth.
4 L») Untersuchung des Schönen in der - "»d der Verdienste der berühmtesten alten und
»euer» Maler. A. d- Engl, 8 Mrich 766.
4 SZ) ltre A/.,tere-. H. ci. LnZ!. 8 llran,8oz. S. daselbst besonders, was er über die Stanzen,
die Kanons und über das Bild der Verklärung spricht. Den Lvclus in den Skanjcnbildcrn scheint er (viel-leicht etwas gewagt?) zuerst aufgefunden z» haben. ..Dieser Cnclus nämlich" (sagt er >. o. S. 207—9.) stell! denUrsprung, den Fortgang, Umfang, und endlichen Triumph des Kircheiiregimeiils, oder der Herrschn» der Kirchedar. In dem ersten Gemälde des Parnaß wird die Poesie zu ihrem Ursprünge und ersten Geschälte zurückgeführt-