92
der gezahlt werde, die R. unter perugino gefer-tigt habe. Morgenstern (1809.) fragte nachdemselben: »Wan zeigte mir nun" (sagt er) »einOelgcmalde, worauf die Madonna, eine Blondine,mit reinem Gesicht, den nackten Christusknaben ineinem Buche lesen laßt; im Hintergründe Joseph.Sie hat den Knaben aus dem Schovß und stehtnieder. Sanfte Milde in ihrer Miene; viel Na-türliches in ihrer Attitüde, und etwas Naives imKinde, wie es liest. Dieses Bild könnte wohlseyn aus Raphaels frühester Zeit, hat aber sehrgelitten, weshalb man es auch wohl hier gelassen.Der Ton ist etwas grau geworden". a. ck.
I. (Z.) 8. 747.
In der Kirche (St. Francesco Ebendaselbst,wo einst die jetzt in Paris befindliche Krönung derMaria hing, sah ebenfalls Morgenstern (I. c.7Z->.) eine gute Copie von der Grablegung inBorghese; und (dessen erinnert er sich indessen nichtmehr. recht genau, sonst bemerkenswert!) genug)ein Bild von perugino, woraus ein predigenderJohannes, und unter den Zuhörern zwey Solda-ten mit den Köpfen des Malers und seines acht-zehnjährigen Schülers Raphael goi).
Dann in dem öffentlichen Gebäude, das manil Cambio nennt, zwey Kapellen in Fresco, Einewenigstens ganz ausgemalt von Perugino . In dereinen Scenen aus dem Leben Christi; z. B. dieVerklärung. »Der Herumführende sagte: DerKops des Christus soll von Raphael seyn; wenig-stens hat er etwas besonders Zartes". Und eben-falls in einer dieser Kapellen bemerkte Morgen-stern in einem der dortigen Bilder einen schönenJünglingskopf — »offenbar des junge» Raphaels,sehr ähnlich seinem Bildniß in Perugino's St. Mi-chael zu Paris " (l. c. 751.).
S. 46. »Das Gemälde in der schönen Kapelledes Hauses Ancajani zu Spolero" (bemerkt unsH. Meyer) »wird zwar für Arbeit aus R. Ju-gendjahren gegeben; er soll sich sogar in einer ju-gendlichen Figur darin selbst abgebildet haben; in-zwischen ist sowohl das eine als das andere Vor-geben von zweifelhafter Beschaffenheit, da wedergeschichtliche Nachrichten, noch die Eigenschaftendes Bildes dieselben kräftig genug unterstützen.
Dieses immerhin merkwürdige Bild sah auchH. Morgenstern (i8°6.) und beschreibt solches(^N82. a. ä. Nageb. I. (z.) 8 . 761—64.) aus-führlich, wie folgt: »Das Bild ist auf Leinwand;unvollendet, so daß manche Gewänder und andereNebensachen noch gar nicht colvrirt find; aber dieHauptsache ist doch schon vorhanden. Ueber demgoldnen Rahmen stehn die Worte: Venlmus cnmmuneribus aäorare Oomlnum. Im Vvrgrundliegt das Christkind, den Finger in den Mund ste-ckend, nackt, auf einem blauen Tuche, das miteinem blauen Kiffen zusammenhangt. Vor ihmkniet anbetend seine Mutter, die Hände faltend.Links der H. Joseph, nicdersehend, sich stützendauf seinen Stab. Er steht vor dem ländlichen Stallmit freyen Pfeilern, worin zwey Kühe sind. ZweyEngelfiguren von jugendlichem Alter knieen auch;der eine in Anbetung die Hände erhebend, derandere die seinigen über der Brust kreuzend. Diedrey Könige kommen, der älteste mit langem, grauenBart kniebeugend; zwey andere orientalische Figu-ren herantretend mit Geschenken; hinter ihnen schauetein alter Mann hervor, und noch drey Kopse,worunter eine liebliche weibliche Jugendgestalt mitblondem Haar, die nicdersieht, und die Linke wiebewundernd erhebt. Noch sieht man in der Ferne,in des Bildes Mitte, drey Männer, und links imGemälde Maulthiere herankommen von einer Anhöhe.In dessen Mitte stehn auf Wolken drey Engel, ineinem langen Zettel lesend. Auch die innere Ein-
461) Buch Volkmann (lll. 44 -.) nennt aus eben dies«
Auferstehung heißt, worauf sich die Bildnisse des ;
Sakristey eine schone Seim (?) von dem letzter».
sassung, die der junge Raphae! gewählt hat, istreitzend, en Camayeur auf zierlich punctirtem Gold-gründe arabeskenartig. In den vier Winkeln sindvier Köpfe, unten eines Heiligen und einer Heili-gen in schwarzen Kleidern, die auch innig anbeten;oben zwey Halbfiguren, eine weibliche »nd einemännliche (beyde jugendlich), die Zettel halten,deren Jnnschrift ich von meinem Standpunkt nichtlesen konnte. In der Mitte oben an der Einfas-sung ist der Name Jehovah in einer goldenen Sonne;unten dagegen ein Wappen mit Bischofsmütze undHirtcnstab. Der untere Theil der Einfassung, auchGrau in Grau auf demselben zierlichen Goldgrund,enthalt, gleichsam nach Art von Basreliefs, aufSeepferden reitende Männer und Genien, zweyFrüchte tragende Figuren mit Pferdefüßen, undzwey weibliche sitzend auf Seepferden in den Ecken,welche auf der Zither spielen und aufblicken. IhrHaar strebt nach oben wie leine Flamme empor,offenbar nach dem heiligen Kinde z». Ueberhauptist (wodurch hier auch der Zierrakh spricht) in allenmenschlichen Figuren der Arabesken (ausser zweyniederschancnd Tragenden im obern Theil) das Ge-fühl von Anbetung und Freude ausgedrückt. ImGanzen des Bildes selbst ist große Innigkeit, vielliebliche Anmuth. Jammerschade, daß es nicht vol-lendet ist. An weniger bedeutenden Stellen, wiedes Grundes im Freyen, und bey einigen Gewän-dern, ist noch die bloße hellbräunliche Leinwandsichtbar. Doch ist genug da, nm die ganze Inten-tion und Compositivn zu fassen, »nd gern zu glau-ben , daß dieses Werk eine Jugendarbeit Raphaelsist; wie es scheint, aus seiner Peruginischen Zeitoder ihr nah, und in der prächtigen mit einer Artvo» Kuppel versehenen Hauskapelle, wo das Lichtvon oben herein fällt, hinter seinem rothen Vor-hang sehr wohl erhalten. Die Madonna, welcheniedersetzend die Hände faltet, hat ganz den weib-lichen Charakter voll Demuth und Bescheidenheit;doch ist noch ihre Form weniger idealisirt als in ispätern Madonnen. Die über der Brust die Händekreuzende, knieende Engelfigur ist isehr angelisch,sanft und rein; der über die zwey herantretendenorientalischen Figuren hcrüberschauende Mann be-deutend ernst und nicht ohne Tiefe. Die drey Män- incr im Hintergrund in der Ferne stehend, wovonzwey Krieger sind, haben kräftiges Kolorit, so daßman daraus schließe» darf, daß er das Ganze, dasjetzt nur sanft und blühend angelegt ist, mit hin- ^reichender Kraft würde ausgeführt haben, um einesseiner lieblichsten Ji'iiiglingsprodiicte (denn dafürhalte ich's) zu vollende». Die Figuren unten anden Arabesken machen zwey symmetrische Theile.Aus den Körben bringen die Genien Früchte, unddie Männer auf den Pferden strecken die Händeempor.
S- 47. » Der im Duirinal einst befindliche Jo-hannes" (schreibt uns H. Meyer) »war aller-dings eine sehr gute Copie nach R. Für einOriginal wurde er, so viel mir bekannt ist, nieweder ausgegeben noch gehalten, außer etwa vomSignor Custode."
»Die beyden Apostel Peter und Paul befandensich 1796. in der im Vatikan angelegten Gcmalde-Gallerie; daß sie das Werk von Fra Barcholomao,
St. Peter aber von Raphael beendigt sey, sagtschon Vasari ."
Ebendas. » Das dort erwähnte Bild in Ära Coeli"(bemerkt uns Ebenderselbe) ist Wiederholung,vielleicht auch sehr gute Copie der Madonna dellaGatta" (s. oben die Anmerk. zu S. 41.). »DasCvlorit ha; einen guten Ton; die großen kräftigenSchattcnparthien thu» vielen Effekt."
Ebendas. »Die Copie des A. Nucci in St.Agojiino, nach R. stellt" (schreibt uns wieder H.
c Kirche ein solches Bild von Perugino , das er aber eineMisters und des Schülers befinden sollen. Dann in der