Sergel.
vollends den Ruf eines der größten damals le-benden Bildhauer in Europa *). — Verspäthetwurde die gänzliche Vollendung, wie es scheint,hauptsächlich Mrch den traurigen Gemüthszustanddes Künstlers. Schon 1799. beschreibt ihn Acerbi(s. dessen Reise» S. 114.) von aller Arbeit ent-fernt, und so sehr in die tiefste Melancholie ver-sunken, daß er sich durchaus vor niemand mehr,als vor seinem Bedienten (wohl am Wenigstenvor naseweisen Reisenden) sehe» ließ. Auch Johnssare (Havel.?) nennt jene Bildsäule mit Be-dauern als Sergel's wahrscheinlich letztes Mei-sterstück **). Für ein noch größeres indessen hal-ten Andre seine für den Pallast Haga ausgeführtemarmorne Gruppe (Amor und Psyche, oder Marsund Venus?) die (wenigstens nach Acerbi's Ur-theil) mit der größten Schönheit der Formen ei-nen überaus glücklichen Ausdruck verband. Nä-here Nachrichten von diesem letzter» Werke, sowie ein Verzeichnis seiner übrigen Arbeiten, undmehrere Notizzen von seinem Leben, finde» sichin Eck« Reise in Schweden (8°. Leipz. 80h.bey Reclam ) S. i 55 . u. ff. die uns aber bishernicht zu Gesicht gekommen sind. Desto angeneh-mer hingegen ist eine ganz neuerliche Kunde, daßder treffliche Mann von seiner Gemüthskrankheitvöllig hergestellt, und auch bey heran nahendemhohem Alter sich wieder eifrig seiner schönen Kunstgewiedmet habe. In i8ai. hieß es nämlich inöffentlichen Blättern: „Sergel , einer der größtenBildhauer neuerer Zeit, der seit mehrern Jahrenaus einer »»erklärbaren Schwermukh, unv zumgrößten Leidwesen des Vaterlands die kunstbegabrten Hände ruhen ließ, ist plötzlich wieder erwacht,und lebt seiner Kunst und seinen Freunden nachgewohnter Weise." „Mögen die Götter" (wirddann —sehr köstlich hinzugesetzt) „ihn lange erhal-ten, daß er Schweden noch mit einem himmlischenGebilde mehr ziere. Schon verdienen seine bey-de» großen Meisterwerke, Amor und Psyche, undMars und Venus, Wallfahrten von Künstlern nachdiesem Lande." In 1812. endlich wird er unterden neu proklamirten Ehren-und Kunstgliedernder K. K. Akademie der vereinigten bildendenKünste zu Wien aufgeführt. Gestochen nach ihmkennen wir einzig die Bildnisse des oben angeführ-ten Reisenden Bioernstahels, von I. Gilberg,und des Köm'gl. Bibliothekars C. C. Gjoerwell'svon I. F. Martin en Medaillon, gr, 8". punk-tirt. — So eben bemerkt uns noch ein Freund:„Um 1790. trug unser Künstler den Titel einesersten Bildhauers des Königes, Professors derKunstakademie zu Stockholm , Ritters des Wasa-Ordens, Associes etrangers der Akademie zu Pa-ris , auswärtigen ordentlichen Mitglieds derjenigenzu Berlin » und Ehrenmitglieds der Kunstakademiezu Kopenhagen . S. auch mehrere Jahrgänge desHandbuchs für den Lönigl. prenss. Hof u.
Serlio. i6og
Staat, wo er stets fort (!) Sergette geschrie-ben wird. Noch an einem andern Orte heißt es:» Als im Jahr 1801. der Reichstag zu Regensburg die Idee hatte, dem Erzherzog Carl von Oestreichein Nationaldenkmal zu setzen, so schickte, nebenandern Künstlern, auch Sergel! Zeichnungendazu ein. Das ganze Unternehmen gerieth je-doch, wenn wir nicht irren, in Stocken, undblieb nur Idee."
Sergent (A.). Mit diesem einzigen Na-men bezeichnet kennt man ein Bildniß Heinrich-IV. von Frankreich und der Dame le Clerc; danndasjenige des Dragoners Bonne Serre und deSChevaliers de Chervaillac; beydes, wie es scheint,Eesellschaftsstücke.
— — (Franz), s. oben Sergeant.
— — oder Serjeant ( ). So nennt
auch Fiorillo V. 8Z1. einen in England lebendenKünstler neuester Zeit, nach welchem man eineAnsicht der Themse und Westminsters vom Green,wicher-Park aufgenommen) voll Fr. Jukes ge-stochen kenne; dann überdies viele kleine -Zeich-nungen von Englischen Kirchen in den Provinzen.Ob et etwa mit dem oben angeführten FranzSergeant Eine Person seyn dürfte? Wir glau-ben es kaum.
Sergneff oder Sergnaffs ), einRussischer Künstler, gab um i 8 v 5 . die Zeichnun-gen zu den Kupfern des Prachkwerks: Reisen derRuss Kais. ausserordentlichen Gesandtschaft an dieOttomannische Pforte im I. 179Z. von dem Col-leg. Assessor von Reimer 3 . Thl. 4 °. St Petersb.bey Schnoor (17. Thlr.).
* Serie« (Ludwig), s. Sl'ries.
* Serin (H. I.). Nach einem solchen hatP. Tanjö, für den Verlag von F. A. Scheurleer,das Bildniß des Pfarrberrn v. Muilmann (m.1746. sst. 72.) in Quarto gestochen. Ob unser Künst-ler der Johann Serin des Lep. oder ein Ande-rer sey, ist uns unbekannt.
* Serlin (Sebastian). So wird etwa irrigSeb. Serlio geschrieben.
* Serlio (Sebastian). . In seiner Jugendsoll derselbe (i 5 n. u. i/j.) ju Pefaro gelebt, unddort, ohne Zweifel Perspektio gemalt haben, wo-mit auch andre gerühmte Baumeister zu ihremhöhern Beruf sich vorbereitet hatten. La-rM Lst.ter-2. V. 61. Dort wird sein Todesjahr zu Fon-tainableau erst in , 552 . gesetzt. So auch beyMilizia. Bey d'Argensville dann, ganz an-
2) E. M. Arnöt in seiner merkwürdigen Reise durch Schweden , (kV. 69. gr.) wo er überhaupt von demin allen Dinaen nach dem Höhern und Jdealischen strebenden Nationalcharakter der Schweden spricht, fährtdann also fort: « Bekömmt eine solche Geistesstimmung das Reich der schönen Künste zu ihrem Gegenstand, soläßt sich auch hier das Vollkommenste erwarten", und führt dann unsern Sergel als Beyspiel an- Bev ihmfindet er jene mit Einfalt verbundene Erhabenheit, die das Höchste jeder Kunst ausmacht, «und an derenStelle Canova's noch so sehr gepriesene Kunstwerke" (wie er —wir besorgen mit Grund meint) «nur die ue-berzierung und Weichlichkeit unsers Zeitalters, eine gewisse Selbstgefälligkeit, und etwas Kleinliches mitten imGroßen zu erkennen geben. Mit kühn aufstrebendem Geiste stiegt der Schwedische Künstler über seine Zeitempor. Verbunden aber mit jener stillen Hoheit de« Alterthums spricht aus seinen Arbeite» zugleich jede»Schauende» ein weicheres Gemüth, eine tiefere Trauer und Sympathie der Menschheit an, als auch den Werkender Antiken, welche alle Bilder des Lebens sogleich in den höchsten Himmel der Idee zur Allgemeinheit erhu-ben"—was nun (nach unserm Ohr) wieder etwas neumodisch klingen will. «Allein dieser treffliche Künstler"(so spricht Acerbi noch >8c>;.), «der, nur aufwärtsstrebend, wahrscheinlicher Weile auf der Unterwelt keinenfesten Punkt weder suchte noch fand, unterlag dem Schicksal oder sich selbst, und scheint gegenwärtig, von Le-bensüberdruß und Melancholie ergriffen, für die Kunst verloren zn seyn " Nach diesem letztgenannte» Schrift-steller wäre die Gruppe Mars und Venus unstreitig das größte Meisterstück unsers Künstlers.
nn) Auch der Engländer R. R. Porter in seinen Reisescizzen durch Schweden vom I. >8<>8. legt diesem Werkedas gebührende Lob bey: Die Gestalt und Stellung sey vortrefflich, und erinnre an einen Apollo; nurliege ,'» den Achseln etwas Gezwungenes und Linkisches, vielleicht von der Dravverie herrührend. Au» dersonst sprechend ähnliche Kopf scheine etwas zu klein; und eben so die untern Theile der Figur im Verhältnissezu den Schultern, wohl gleichfalls der weitschichtigen Maße der Drapperie wegen; sonst sey die Tracht (die-jenige der alten Schwedischen Marine) ungemein vortheilhaft für die Kunst. Da der König sehr schön gewach-sen war, so hätte selbst diese Drapperie einen solchen Wuchs gelten» machen sollen (aber auch können?).Endlich >'ey das Piedestal zu ho», um das Ganze anders als in einer solchen Entfernung überschauen zu könne»,in welcher dann hinwieder die einzelnen Schönheiten nicht mehr ersichtlich seyen. (Sollten wohl beyde Vortheilezugleich z» erreichen seyn?)