Band 
Zweyter Theil [3].
Seite
1612
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i6ir Setvandoni»

S e r v a u d o n i.

folgt:Diejenigen, welche iKervandon, zu Rom gekannt haben, behaupten, daß dieß bloß ein an-genommener Name gewesen, um denjenigen seinesVaters, eines gemeinen Vitturin'os zu Lyon , woer auch geboren ward, vergessen zu machen.*)Bey Pannini lernte er noch sehr jung zu Piacenza ,bey Rossi zu Rom . Nach Frankreich kam er 1724.wo er bald die Leitung der Oper-Dekorationenerhielt. Die Magie seiner Kunst entwickelte erzum erstenmal in 1728. im Orion, wo er ganzParis gleichsam an die Mündungen des Nil, undunter die Ruinen der Pyramiden zu versetzen wußte;und im Verlaufe von achtzehn Jahren folgten über60. ähnliche Theaterverzierungcn nach, worin eralle seine Vorgänger weit hinter steh zurückließ.Zu den schönsten zahlte man diejenigen der Ely-frischen Felder in der Proserpina , des Sonnen-pallasts und der Mosquee im Scanderbeg, dannbesonders des Feuergenies im Reich der Liebe,wo er gleichsam sich selbst übertraf, und vermit-telst einer durchsichtigen Urne eine solche Lichtmasseüber die Bühne zu verbreiten wußte, die das Augkaum zu ertragen vermochte. Der Akademiewurde er in der Eigenschaft eines Landschaftmarlers einverleibt. In 1782. ward sein Entwurfeines Portals für die Kirche St. Sulpice allenandern vorgezogen, und bey dieser Gelegenheitwar es, wo der Papst ihn zum Ritter von St.Johann von Lateran schuf. Der Maschinen-Saal in den Tuilerien war die Bühne einer vonihm erfundenen neuen Art Optischer Lustbarkeiten.Hier stellte er, für eigenen Gewinnst, in 17z«.zuerst seine St. Peterskirche zu Rom , und imfolgenden den ganzen Cyclus der Geschichte derPandora vor. Ausführlich werden bey d'Ar-gensville sowohl diese als dann besonders seineZauberpalläste, Feuerwerke n. s. f. auf der Seine,bey Anlaß der Heirath der Prinzessin Louise Eli­ sabeth von Frankreich mit dem Infamen DonPhilipp von Spanien beschrieben; eben so seine(vorzüglich bewunderte) Höllenfahrt des Aemas,nach dem Vl. D der Aeneis (174»-)- die Eben-theuer des Ulysses (1741.), und die Geschichtevon Leander und Hero (1742.). In 1740. erhielter von dem Papste auch den Christus-Orden.**)In die Zwischenzeit von da bis 1754. dürfte seinAufenthalt in England fallen ***). Alsdann er-schien er aufs Neue zu Paris mit seinem bezau -berren Walde nach Tasso, u. s. f. In ,735. wurdeer für die Thmter-Verzierungen der Oper Aetius an den Sächsischen Hof berufen, und erhielt da-für mit dem Lirel eines Decorations-Architekten,ein Jahrgeld von 20,000 Fr. Jetzt folgtenwieder zu Paris , ein Jahr ums andere, seine Al-ccstis, seine Krone der Beständigkeit, seine Ero-berung des Mogolischen Reichs durch Tamas-Koulikan, und sein Engelsturz nach Milton.Diese späthern Arbeiten kamen freylich seinenfrühern selten bey. Hierauf beschreibt d'Argens-ville die dauernder» Denkmäler seiner Kunst,nämlich seine Bauten. Vor Allen das schon ge-nannte Portal von St. Sulpice, das sich durchedeln und männlichen Geschmack bald vor allemAehnlichen auszeichnen soll, und wo es nur andem engen Platze umher fehlt, solches gehörigbewundern zu können. Dann verschiedenes An-dres von der manigfaltigsten Art; wie z. B. dasErholungshaus der Priester von St. Sulpice zuVaugirard , die graziöse Stiege im Hotel d'Aurvergne, zwey Rotonden, die eine als Kapelle fürden H. de la Live an der Rüe neuve von Luxem­ burg , die andre zu Deckung einer Eisgrube fürden Marschall von Richelieu zu Gennevilliers ;ein artiges Landhaus im Dorfe Balaine, vierStunden von Paris ; das Theater im SchlosseChambord für den Marschall von Sachsen; diePfarrkirche zu Coulanqele - Vineuse in Burgund ;

die Haupkaltäre in der Kathedrale zu Gens, undbey den Carthausern zu Lyon , u. s. f. Immer-hin aber blieb seine Verzierungskunst bey Festivi-täten sein vorzügliches Talent. So z. B. beymFriedensfeste zu Sceaux (1739.), und in demsel-ben Jahr, bey der Feyer zu Bvurdeaux, als dieschon erwähnte Madame de France nach Spa­ nien gieng. Daß er auch für die Höfe von Por-tugal!, Spanien , Wien , Würtemberg u s. f.gearbeitet habe, ist bekannt. Weniger seinfrey-lich nicht ausgeführter Entwurf eines Platzes, derden Namen Ludwig XV. tragen, einzig für öf-fentliche Feste dienen, von , 36 . Arcaden mit36 o. Säulen umzingelt seyn, und bloß in seinenGallerten 2h,000. Menschen (welche Unzahl erstin seiner ganzen Weite!) hatten fassen sollen.Eben so unausgeführt blieb derjenige Plan, dener für das Fest von 1749. entworfen hatte, woer den Friedenstempel auf einen ungeheuern FelSmitten in die Seine stellen wollte, und das ganzeSchauspiel so eingerichtet war, daß 600,000. Men-schen es hatten mikansehcn können. Von Spar-samkeit, weder für die Fürsten , die er bediente,noch für sich selbst, hatte er nicht den geringstenBegriff; und mehrmals meiste er, um einsweilenseinen Gläubigern zu entgehen - eine kleine Reiseins Ausland thun. In Gasthöfen bewirthete ersehr oft ganz Unbekannte, Personen aus den an-liegenden Häusern, u. s. f. In England hatteer sich verheuralhet; alsdann bey seiner Rückkehreinen Rechtshandel mit dem Pfarrer von St. Sul-pice zu führen, den er nach vielen Umtrieben end-lich gewann, nun kein Geschäft mehr zu habenwähnte, und bald nachher (1766.) aus langerWeile starb. Als eigentlichem Maler will d'Är-gensville unserm Künstler wenig Verdienst zu-schreiben, da er im Grund keine Figur zu zeich-nen wußte, sein Colortt matt, dann aber freylichseine Himmel blau genug waren. - de Fonre-nai spricht von einer seiner Theater-Dekoratio-nen, die zu emem Triumphzuqe dienen sollte, beywelchem 400. Pferde ganz gemächlich ihre Evo-lutionen machen konnten; und von jenem Planezu der ungeheuern Place de Louiö XV. sagt er,daß solcher in die Hand des H. von Bernage,damaligen Prevor de Marchands gekommen, und,nach Aussage dieses letzten,, von ihm dem Königezugestellt worden sey (wo er sich wohl finden mag?).Nach Milizia dann (kci. terx.) II. 3)1 44.hätte er sein Glück zuerst in Portugal ! gemacht.Nach England (sagt dieser Schriftsteller, sey erin 1749. eines Feuerwerks wegen berufen worden,das 100,000. Guineen kostete, und in einem Nuabgebrannt wurde; nach Wien für die Hochzeitdes Kaisers mit der Infantil, von Parma, und nach Stuttgart ! zu dem gleich vorbenanntenTriumphzuge mit 400. Pferden. Auch FtorilloIII. 353 54. nennt unsern Künstler: EinenMann voll Geist und Muth, dessen rastlose Thä-tigkeit ihn beynahe durch ganz Europa getrieben,und der in seiner Gattung wirklich Erstaunens-würhiges geliefert, sich dadurch ein großes An-seht, erworben, aber auch nicht selten mit solchenEntwürfen zum Vorschein kam, welche die Kräftedes größten Monarchen überstiegen hätten. Wahr,scheinlich der Anfangs angeführte Maschinen-Saal, heißt hier ein eigenes Theater, das ihmin den Luillerien eingeräumt worden sey, undwo, um seine Versuche zu bewähren, die Stückeerst besonders vor seinen Augen aufgeführt wer-den mußten. Noch andre behaupten, dies Thea-ter sey vornehmlich zu Ausbildung seiner Schülererrichtet worden. Kurz vor seinem Tode (1760.)endlich schildert Diderot in seinen: Lsnais «urla ?einture p. 186. unsern Künstler (wie wir be-sorgen treffend genug) wie folgt:Servandoiliist ein Mensch, den alles Gold von Peru nicht

«) watetet sagt: Man glaube, er habe eigentlich Gervan geheißen, und ftp aus dem Ländchen Aunis gebürtiggewesen.

**) Nach de Fontenai ebendenselben auch von Portugal!.

Oder dann fast i°. Jahre spälher? Vielleicht auch zum zweyten Mal,