Stell.
Stell.
Stell oder Sckell (Friedrich Ludwig ),Königl. Bayerscher Hofgarten-Intendant, desCivilverdienst-Ordens und der Bayerschen KroneRitter, auch ausserordentlichcs wirkliches Mitgliedder Akademie der Wissenschaften in München ,geb. i/ 5 o. zu Nassau-Weilburg, wo sein VaterWilhelm damals als Hofgärtner, und späterhin,in nämlicher Eigenschaft, zu Schwetzingen inDiensten stand. Dort erhielt er seine erste Bil-dung, und (weil man ihn schon frühe zur höhcrnGartenkunst und der damit verbundenen Civilar-chitektur bestimmte), vorzüglich auch Unterricht inder Mathematik, Bau - und Zeichenkunst. Spra-chen, u. s. f. In 1770. legte er den ersten Ele-mentargrund zur Gartenkunst in den Garten zuBruchsal und Zweybrücken, und reiste dann, mitden nöthigen Vorkenntmssen ausgerüstet, nachFrankreich . Hier studirte er in den Gärten zuVersailles und Lrianon die Kräuterlehre nebst derPflanzencultur, die Behandlung aus-und inlän-discher Bäume und Gesträuche, mit der Kunst zutreiben, und die hierzu dienlichen Häuser zukonstruircn. Auch verfertigte er dort viele Planeder schönsten Gärten mit ihren Bauten, die er demdamaligen H. Churfürsten übersandte, und sichdadurch dessen Gnade und Zutrauen erwarb, sodaß er ihn 177Z. auf Staatskosten nach Englandreisen ließ. Hier verließ er nun gänzlich die Bahnder alten symmetrischen Gartenkunst, studirte dieNatur, und die Art wie dieselbe in den Gärtennachgeahmt werden müße, u. s. f. und benutztedabey den Umgang und die Belehrung des Bau-meisters der Königin, Ritters von Chambers, desGartenkünstlers Brown, u. a. In den Garten zuCew, Chelsea u. s. f. setzte er seine botanische Stu-dien fort, verfertigte ein Herbarium der seltenstenPflanzen, und auch hier eine Menge Zeichnungender schönsten Nalurgärten Englands, mit ihrenmannigfaltigsten architektonischen Staffirungen.In 1776. wurde er zwar bereits als Churfürst!.StaatSdiener angestellt, erhielt aber erst 1777. denRuf, nach Mannheim zurück zu kehren. SeinenRückweg nahm er über Holland , bereicherte auchdort seine Kenntnisse, und brachte eine große Zahlder seltensten ausländischen Bäume, Pflanzen undGesäme nach Haus, welche dann den ersten Grundzu den Schwezinger-und Schleisheimer-Samm-lungen legten, und sich nach und nach durch Ver-kauf im In-und Auslande verbreiteten. Jetzthieß ihn der Churfürst, auf der rechten Seite desEchwezinger- Gartens den ersten Versuch einerEnglischen Anlage beginnen. Don diesem Zeit-punkt an verbreitete sich der neue Geschmack nichtallein in den Churfürstlichen Gärten, welche ervon dem alten Tand der Bux-Schnörkel-Parter-res und unnützen Gitterwerke befreyte, sondern erentwarf auch, auf Verlangen, für das Ausland,wohin er öfters gerufen wurde, Plane und Vor-schläge zu natürlichern Gartenanlagen und derenVerzierung. In 1780. ließ der verstorbene Chur-fürst von Mainz durch Stell die Gartenanlagenin Schönbusch , Schönthal u. s. f. bey Aschaffen-burg besorgen, wovon nachwerts auch die Köni-gin von Neapel die Plane verlangte. Mit glei-chem Beyfall entwarf er denjenigen für die Fa-vorite zu Maynz, welcher zum Theil ausgeführt,aber alles Vollendete durch den Krieg wieder zerflörtwurde. In demselben Jahr berief ihn der HerzogWilhelm von Bayern nach Landshut , um auf demdortigen Schloßberge einen modernen Garten an-zulegen. Zum Beweise seiner Zufriedenheit ließder Fürst dem Künstler ein kleines Denkmal mitff. Jnnschrift setzen: Hstmss rerum rnstris dis-turss sectstori semulo lioo in circuitu et instalatinatu kuzus Asneris cultori sscrum. Eben-falls in den Jahren 178». und 90. verfertigte erdie Plane für die Garten des Herzogs von Zwey-brücken auf dem Karlsberge und Montbijou, undarbeitete schon an deren Ausführung, als auchhier der Krieg seine Bemühungen zernichtete. In-78g. wurde er beauftragt, die Ideen des Grafenvon Rumford zu Militargärten bey Mannheim zu
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entwerfen, welche größtencheils von ihm selbstausgeführt, aber durch den Krieg, bis auf einestTheil bey der Mühlau, ebenfalls zernichtet wurden.In demselben Jahr ward er auch nach München berufen, um, unter der Oberleitung oes gemeldtestGrafen, Vorschläge zu einem Englischen Gartestbey gedachter Residenz zu machen. In 1791.wurde er von dem Oberjägermeister von Haakeersucht- im Karlsthale zu Tnystadr in der Rhein-pfalz, wo die Natur ihre unzähligen Reize, wiehinter einem Schieyer versteckt - dem Aug' entzog-dieselben durch seine Kunst zu enthüllen. In we-nigen Wochen zeigte sich dann, wie in einem Vier-telstunde langen Thal ein wilder Strom über un-geheure Felsenmassen, unter fürchterlichem Lermund Begleitung schwerer Schlage der dortigen Ei-senhammer brausend herabstürzt, und eine MengeRuysdaelscher Wasserfalle bildet, die sich endlichin einem ruhigen See, am Fuß eines Berges,gekrönt mit den kühnen Resten einer alten Ritter-burg vereinen, und dieses romantische Thal schlies-sen; mehrerer andrer seiner Garteniagcn, zu Türk-heim an der Haard, zu Neckerhauien bey Laden-burg, in Hernsheim bey Wo:mS (für den Frey-herr» von Dalberg), zu Oppenweiler in Schwa ben , z» Oirmstein in der Rhcinpfalz, zu Anna-halm bey Brieskastel cfür die Gräfin van derLeyen), in Birkenau an der Bergstraße , zu Werr-stadt (für die Rheingräfin von Eolms), zuOrarnienstein bey Limburg an der Lahn , zuAmoi bach, u. s.f. hier nur kurz zu erwähnen. In 1796 dann legteer des jetzigen Königes Maj. einen noch bestetzn,den Garten in der Bergstraße in Rohrbach an;und eben dieser Monarch ernannte ihn >799 nachdem Tode des Oberbaumeisters Pigage, zum wirk-lichen Garrenbaudirektor. In ,8c,o. hatte er einenPlan zur Verschönerung der dcniolirken Festungs-werke von Mannheim mit Graden: Spaziergangenu. s. f. zu entwerfen, und war noch aus sich selbstauf die Anlage einer gemeinschaftlichen Becrdi-gungsstelle bedacht, wobey er besonders auch dar-auf Rücksicht nahm, daß dieselbe das bisher üb-liche, Furcht erregende Ansetzn verlöre, und dafürei» traulicheres Bild annehmen mochte. Dieserschöne Entwurf wurde genehmigt, und kam auchdann noch in Vollziehung, als diese Stadt mit derRheinpfalz Baaden vereinigt ward. Damals(i8«Z.) wurde zwar Stell unter die Zahl derje-nigen StaatSdiener gesetzt, welche nach München kommen sollten; auf seine Bitte aber erhielt erdie Bewilligung, in Schwetzingen verbleiben undin Baadensche Dienste treten zu dürfen, falls ihmdie dortige Regierung erlauben wurde, in wichti-gen Garten-Angelegenheiten nach Bayern reisestzu dürfen. Späterhin indessen (,8„g.) erhielt er,als Hofgarten-Intendant, den Ruf nach Mün chen , dem er folgte. t?eit seinem dortigen Auf-enthalt nun haben sich, unter seiner Leitung, dieneuen Gartenanlagen in Nymphenburg ansehnlichausgedehnt; ein neues Gewächshaus nach seinerErfindung ist bereits mit den seltenste» Gewächsenangefüllt. Eben so wird (1810.) der EnglischeGarte» bey München , an der Vorstadt Schönfeld,nach einen, Generalplan unsers Künstlers, ganzneu bearbeitet. Die neue Gartenanlage zu Bieder,stein, und die gänzliche Umänderung des Herzogl.Gartens vor dem Carlsthore sind ebenfalls seinWerk. Eben so find die Plan. zuM botanischenGarten bey München von ihm entworfen, undbereits gebilliget worden; und kann man zumVoraus versichern, daß in Deutschland kaum eineähnliche Anstalt, auch in ästhetischer Hinsicht,diesergleichen,undviell ichtauch keinGcwächShauS,wie dieses (dessen Decke eine Ellipse bilden «oll,die vieles Licht aufnehmen, und dieses wieder aufdie Gewächse reflektiren wird) der Erhaltung derPflanzen so gut entsprechen dürfte. Hiernächstbesorgt Skell nicht minder den Plan zum Gartenbeynt allgemeinen Krankenhause in München ; danndie neuen Anlagen zu Berg am Wurm - oderSternenberger-See. Und endlich sind ihin dieGarten-Anlagen des H.Ministers von Monkgelas