Band 
Zweyter Theil [3].
Seite
1730
JPEG-Download
 

!7Zo Stell«

Stell«.

mann erst (seit um 1780.) Hofgärtner-Substitutdes gedachten I. H. Voigr zu Altenburg , rücktenach dessen Abgang ein (noch daselbst 1801.);Rudolph Epserböckzu Molsdorf (um 1789. nochdaselbst 1801.); Lucas Heinrich Müller zu Ei-senberg (um 1790. noch daselbst i8«i.) Diesemwar, von seinem Antritte an, Johann JacobMüller substituirt, der aber um 1800. abhandenkömmt.

Stell« (Anton Boussonet), Sohn des Gold-schmied Stephan Boussoners, und des untenfolgenden Jacob Stell«'s Neffe *). Rost Vli.sZZ. setzt Antons Geburt, wohl ohne genügsa-men Grund schon in itzZo. Als Maler (heißt esvon ihm bey Ftorillo lll. 167.)Derselbe ver-einigte mit seinen übrigen Vorzügen einen weichenund saftigen Pinsel, hielt sich aber zu sehr andie Nachahmung seines Oheims und Lehrers"?Fast möchten wir fragen: Was konnte er Besse-res thun? Und hofften zur Antwort zu erhalten:Originell zu seyn was aber nicht Jedem gegebenist. Noch in 181«. besaß H. Paignon-Dijouvalvon diesem Künstler über 20. getuschte Zeichnun-gen, welche theils die heilige Geschichte (8. dasLeben der H. Jungfrau), theils Gatkuugsscenenzum Gegenstand hatten. Als Stecher dann kenntman von ihm (neben den Töchtern Jethro's, ei-nem großen Blatte ohne seinen Name»), eineLandschaft (165,4.) mit der Geschichte der von derWölfin gesäugten Romulus und Remus staffirt(1676.). Hinwieder giebt Gaulr de Sr. Eer-niam (irrig) Noinulus und Remus, als ei» Bildvon ihm, und nach ihm von Claudine Gtellagestochen an, welche bloß die Verlegerin war.

(Antonia, Claudina und FranciscaBoussonet), Anrons Schwestern, alle drey Ste-cherinneu mit der Nadel und dem Grabstichel;Claudine auch Malerin.

1. Antonia, geboren zu Lnon um i6Z5. und

(nach (öandellini) gest. 1682. wie er sagt in ho-hem Alter, was sich aber mit ihrem oben ange-gebenen Geburtsjahr nicht reimen will. Als Nichtevon Jacob Srella genoß sie desselben Unterricht,und stand im Stechen ihrem Bruder, und selbstihrer folgenden berühmten Schwester kaum nach,was denn doch N)areler (wohl mit Grund) nichtzugeben will. Immerhin kennen wir von ihr,freylich bloß zwey, treffliche Blatter: Einzug Kai-ser Sigismunds zuMantua, in einer laugenFrise im Pallasie L. daselbst, nach einer Zeich-nung Jul. Pipi, und Romulus und Remus , vonder Wölfin an der Tiber gesaugt, nach ihremBruder Anton; wohl dieselbe Darstellung, wieauf seinem obenangeführten eigenen Blatte. RostVII. 2Z6. Andre nennen dann noch von ihr: DieTöchter Jethro's beym Brunnen, nach Poussin (wohl Copie nach dem Blatt ihres Bruders);eine Versuchung St. Antons, und ei» BildnißFr. Harlay's, Erzbischofs zu Paris (diese beydeohne weiter» Namen, als den ihrigen). IhreBlätter bezeichnete sie mit: A.

2. Claudina, nach Rost V !I. 235. geborenzu Lyon 1654. und gestorben zu Paris 1697. Dereinzige Gandellini will sie und ihre nachfolgendeSchwester Franzisca (wohl irrig) nicht zu Nich-ten, sondern zu Töchtern von Jacob Stell»machen. N)areler giebt ihr unter allen ihresGeschlechts, welche steh der Stecherkunst gewicd-met haben, die Palme; nicht (fügt er hinzu) daßnicht mehrere durch einige Lockmittel, die den Pö-bel der Liebhaber reize», sie übcrkroffen hatten,

sondern weil sie besser, als irgend eine andere,in die tiefere Wissenschaft ihrer Kunst eindrang.So kann man z. B. behaupten, daß selbst keinmännlicher Künstler, den wahren Charakter vonPoussin , wie sie, erreicht habe. Man vergleicheeinmal alle andern Blätter nach diesem großenMeister mit ihrem Lahmen am Tempelthor (1679.)mit ihrem so malerisch geetzten Calvaricnberge(167-4.), mit dem geretteten Moses (s. 6. irrigNoz-ss expc>86 au blil) 1672., aus der Galle-rte des Palais Rvyal, und besonders mit ihrem:Moses schlägt an den Fels (1687.), »ach ihm,welches letztre Blatt man zu dem Schönsten zählt,was die Etecherkunst auszuweisen hat **). Manschätzt bekanntlich diejenigen von Pesne , dessenwenig angenehme (unangenehme!) Etzarbeitcn,uns freylich immer ein Etwas von Poussius Schön-heiten fühlen lassen. Aber wie weit feiner undbestimmter stellt uns Claudine die Zeichnung desFranzösischen Raphaels wieder dar! Wie weitbesser drückt ihr wohlgeordneter Stich die verschie-denen Gegenstände aus, als Pesne's Etznadel,die uns in ihrer Verwirrung nicht einmal denReiz einer malerische» Dahingcbung gewährt.Claudineu's geschickt abgcstuffte Töne deuten mitseltener Richtigkeit die verschiedenen Grundflä-chen, und, mehr als kein andrer Stecher, Pous-sin's Farbe an; hierin steht sie selbst über Gerard Audran (?). Ihre Blätter arbeitete sie mit derEtznadel sehr weit aus, und brauchte den Grab-stichel bloß, um ihnen noch die letzte Harmoniezu geben. Neben den schon genannten, kenntman von ihr nach Poussin zwey H. Familien;die eine wenigstens aus dem ehemaligen Königl.Französischen Cabjnette, die andre mit mehrernKindern, die dem jungen Christ Blumen bringen.Dann nach ihrem Oheime I. Stell« drey Fol-gen : Von Hirkcnstücken 1667. (17. Bl.), vonKinderspielen (5o. n. b. 52. B>.), von antikenSculpturzierrathen (66. u. b. 56. Bl.), diese zumTheil gemeinschaftlich mit ihrer Schwester Fran-zisca; dann noch (ohne ihren Namen) eine Ma-donna die Nähten» (ein Engel betet das schla-fende Kind an). Ferner nach ihrem Bruder An-ton: Den Medaillon eines Kardinals, von derKirche und der Religion gehalten, und mit allenTugenden umgeben. Nach Einem von den bey-den Srella's: Die Verlobung der H. Catharinamit dem Jesuskinde. Noch nennt eines unsrerVerzeichnisse eiN: IFvre «je portrakure, und:saures cisn5 je lVIigsel L'ran^ois «je HIr. Voi-sin, beyde ohne wettern Namen, als den ihrigen.Wenn Papillon in seiner Behauptung nicht irret,baß Claudius auch in Holz geschnitten habe, somüßte sich dergleichen wohl unter den über hun-dert Blättern befinden, welche nach ihrem OheimJacob in dieser Gattung geliefert worden.

3. Franzisca. S den vorhergehenden Art.von Claudine. Immerhin war sie, wenn nichtdie mindest erfahrene, doch die mindest bekannteunter ihren Schwestern. Von einzelnen Blättern,die ihr allein zugehören, finden wir unzweydeu-lig einzig: Den stigmatisirtcn St. Franzisc nachH. Carraccj, in dem Katalog von Paignon-D^jonval angezeigt.

* Stell« (Fermo ). Aanzt (k)6. ter2. IV.212.) nennt denselben einen Mailänder, der umi5o2. gearbeitet habe, und zählt ihn übrigensunter die minder berühmten Schüler von Gaud.Ferrari. Er lebte eine geraume Zeit in Veltlin,wo man Bilder von ihm in den Kirchen St. Lau-renz zu Teglio , und St. Stephan zu Mazzo sieht.

*) Wohl von der Mutter her; also daß nicht etwa Boussonet, sondern Stelln, als Antons und seiner gleichfolgenden Schwestern Zunamen zu betrachten ist, den sie sich wahrscheinlich wegen des großen ÄünstlerrusSder Familie Stelln beygelegt hatten. Auch nennt de Fontenni ihren Vater lediglich Stephan Boussonetvon Lyon gebürtig, der sich späterhin zu Paris niederließ.

Die Urbilder dieser bevden letztgenannten Blätter besaß Jacob Stell« selbst. Moses, der den Felsenschlägt, wurde ihm von Poustin geschenkt. Noch in «8io. besaß H. Pnitznon-Dtjonval zu Pa-

ri» zwey mir: tz (Boussonet) 8>e»!« signirte getuschte Handzeichnungen unserer Ltnudine, beyde nach Poussin ,<oer gerettete Moses, und die H. Familie auf der Stiege) welche ihr wahrscheinlich zu ihren schonen Blätternnach diesen Bildern dienen mußten