SubleyLas.
Tagen endlich wiederholt von unserm KünstlerLandon Anna!. II. 91. vörderst im Allge-meinen das Urtheil von d'Argensville: „SeineGemälde werden wegen des Reichthums in derAnordnung, dem guten Farbenton und der feinenAusarbeitung sehr geschätzt". Alsdann nennter theils dort, theils X. iZg. XI. 12g. undXIV. ic> 5 . die vier Bilder, welche sich von ihmin der Gallerie des Museums befinden, beschreibtund würdigt solche, und giebt davon die Abbil-dung im Umrisse. Es sind: Die eherne Schlange(sein Preisbild); von diesem sagt er: „Es ist einesehr glückliche Composikion, gut gezeichnet, vonangenehmem Colorit, und schöner Ausarbeitung".Dann St. Ambrosius, der dem Kaiser Theodoswegen einer gegen Theßelonich verübten Rachedie Absolution ertheilt; und St. Bruno, der dasKind von Todten weckt, beyde einst zu Perugia (somit Kunsterobcrung). Von dem erster» heißtes: „Es herrsche darin, wie in vielen von denWerken dieses Künstlers, mehr Gefühl als Stu-dium, und mehr Leichtigkeit als eigentliche Natur;es sey kurz bloß eine große Scizze. Von dem zwey-ten urtheilt Landon wohl mit Grund: Vörderst einGärtner im Vorgrund sey theils schon an und fürsich eine Person, die das Interesse des Ganzenstöre, und noch eine lächerliche Carrikatur obendrein; überdies hätten die Mönchsköpfe eine Mo-notomie, die nach bloßer Praktik zielen. Somitbestehe das ganze Verdienst dieses (wie es scheintganz kleinen) Bildes einzig in dem verführerischharmonischen Ton desselben, und in leicht gewor-fener Drapperie. Dagegen misse man an denSchatte» Kraft und Gründlichkeit. Das vierte,Magdaleua zu Christi Füßen am Gastmal desPharisäers (also ebenfalls Kunsterobcrung) nenntLandon, gleich Fiorillo, des Künstlers Kapi-talwcrk, aber nach seinem Sinn, mehr des Län-gen- und Höhenmaaßcs (es hält 2 V in die Länge)als des ihm beywohnenden Geistes wegen. »Das-selbe" (lesen wir da) „bietet weder Richtigkeitder Zeichnung, noch Würde der Charaktere,noch Wahrheit des Ausdrucks, noch Genauhcitdes Costum's — kurz keinen von allen den Vor-zügen dar, auf die man zu Subleyras Zeitenwenig Werth setzte, wo ein ernster Geschmackvielmehr für Pedanterie galt. So mußte freylichdieses Bild, das man nur für eine große Scizzeachten kann, seinem Urheber viel Ehre machen,enthielt es doch alle Arten von Verdienst, dieman damals zu schätzen wußte Einen gekünsteltfrischen Ton, angenehmen Effekt, hingegebeneZeichnung, deutungslose Charaktere, manierirteGrazie, aus der Luft gegriffenes Costum, undvor Allem aus eine große Leichtigkeit des Pin-sels, die man jetzt für den ungezweifeltcn Stem-pel eines großen Talentes hielt." „Mit alle dem"(wird dann fortgefahren) „war Subleyras keinzu verschmähender Künstler, und hatte nur dasMißgeschick, nicht etwas srüher oder später ge-boren zu seyn; alSdann wären seine Studien aufbessere Grundsätze gestützt worden ". Hierauf istauch hier von einer Scizze dieses Bildes dieRede (wohl von der in der Akademie St. Lucaszu Rom ), von welchem die größere Ausführungbloß Wiederholung sey, mit beygefügter Bemer-kung: „Der Künstler hätte besser gethan, nachModellen zu arbeiten, die Natur zum Muster zunehmen, und seiner Scizze bloß für die wirklichwohlgeordneten Massen zu folgen, als sich hinge-gen sklavisch an diese letztre, und ihre freylichebenfalls lebendige und leichte Toccirung zu hal-ten ". Dieses treffende Urtheil von Landon ist,unsers Ermessens, ein wahrer Gewinn für dieKunstgeschichte. Doch sollen wir eben so wenigunterlassen, der Schätzung zu erwähnen, womitder nachsichtige Lanzi (k-l. terr:. 11. 2-jg.) vonSoubieyras also spricht: »Einige Jahre nachCarl Vanloo kam Derer Soubieyras nachRom , und leistete der Römischen Schule sehrgroße Dienste. Mittlerweile nämlich diese letztrebloße Nachahmer älterer Style erzeugte, und
Subleyras. lyZr
damit selbst in wahre Allersschwachheit gerieih,trat dieser Ausländer zu rechter Stunde auf,um wieder eine ganz neue Bahn zu eröffnen,und namentlich auch eine bessere zu betreten,als jene manierirte, welche etliche Künstler derdortigen Französischen Akademie vor ihm einge-schlagen hakten. Zwar wurde Subleyras in ebendieser Schule gebildet; aber er behielt bloß ihrGutes bey, verwarf das Schwächere, und thataus seinem eigenen Genie hinzu, was ihm vou-nöthcn war, um sich eine wahrhaft originelleManier zu schaffen. In derselben fand man Zier-lichkeit , Vollendung , wohlverstandene Mannigfal-tigkeit in den Köpfen und Stellungen, und großesVerdienst in Ausspendung des Helldunkels, sodaß seine Bilder bald immer einen recht gutenTotaleffekt gewähren. Alles sah er aus dem Ge-sichtspunkte der Wahrheit an (tutto veclsvs flalvero); aber seine Figuren, so wie ihre Gewän-der, gewänne» unter seinem Pinsel eine gewisseGrandiosität, die an ihm leicht erschien, weil sieihm natürlich war, und er hierin unter seinenSchülern keinen Nachfolger hatte. Ein BildnißDcnedikr XI V. (welches einem andern von Masuccivorgezogen wurde), erwarb ihm den Ruf desdamaligen ersten Künstlers zu Rom ." Von sei-nem St. Basilius und Valens heißt es hier:„Welches Hcrvorstreben in diesen Köpfen! WelcheWahrheit in Darstellung des Schauplatzes dieserScene! Und vollends in diesen Gewändern! Hierscheint Seide Seide, leuchtend, leicht, und sogebrochen zu seyn, wie sie ist". Seinem St.Benedikt zu Perugia endlich (den Lanzi nichtnach eigener Kenntniß beurtheilt), wird hier offen-bar ein viel zu hoher Werth beygcmesscn. — InDeutschland besitzen, unsers Wissens, die ein-zigen Gallerten von Dresden und München Arbeiten unsers Künstlers; jene die schon An-fangs erwähnte Scizze des Gastmals beym Pha-risäer, welche (für die große Menge Figuren)das kleine Maaß von 4 " 4 --"In die Breite, undV 10" in die Höhe hak. München dann viere:Vörderst die kleine, aber sehr fleißig ausgeführteScizze seines H. Basilius in Et Peter zu Rom ;dann einen Bischof in seinem Kirchcnornate,Brustbild in Lebensgröße; ein Bischof segnet einenKönig, wieder eine kleine ausgeführte Scizze;endlich einen Ordensgeistlichen, der ein todtesKind erweckt, eben so. Noch nennt d'Argens-ville über alles bisher Erwähnte von ihm: ZuRom die Ehebrecherin im Evangelio, ein großesBild, und die Geschichte der Psyche (ohne dieStellen zu bemerken, wo beyde stehen); zu Mai-land einen St. Hieronymus, und ein Crucifix,beyde für die dortigen Hierouymiter; zu Grossein Provence eine Himmelfahrt der H. Jungfrau,und zu Toulouse einen Et. Joseph mit demKinde. — Dann Bildnisse des Churprinzen vonPolen; des H. von Vieuville, Viccköniges vonSizilien , zu Pferd, u. s. f. Bekannt ist, daßSubleyras Einiges nach seiner Erfindung selbstgeetzk hat, und wirklich gehört er, nach LVare-lers Urtheil, aus dem noch so Wenige» zu schlie-ßen, was man von ihm kennt, unter diejenigenMaler, welche die Nadel mit dem meisten Geistund Geschmacke geführt haben; seine Schraffirun-gen sind, ohne anscheinende große Bemühung,von vortrefflicher Wahl. Als Beweis seines Ta-lentes hicsür, darf man nur sein geetztes Blattnach seinem Mahl beym Pharisäer in guten Drü-cken (1708.) sehen, da nämlich früher (1707.)Hunderte derselben in Rom sehr schlecht abgezogenwurden (nicht daß, wie es irgendwo heißt, dasBlatt bloß 100. Drücke gehalten habe). Seineübrigen uns bekannten Blätter sind: Die eherneSchlange (womit er einen Preis gewann), unddie Marter von Ht. Petrus (um so viel schätzbarer,da das Hauptbild, wie wir vernommen, niemalsausgeführt worden), und endlich vier Fabeln vonla Fontaine (auch diese nach eigener Erfindung).Einige thun noch eine Madonna mit dem Kinde(vielleicht jene Verlobung von St. Catharina)
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