Suvee.
«„vertrauten Schüler. Ob er sich gleich oft be-klagte, daß die Beschwerden und Sorgen seinesAmtes ihm am Leben nagten, dachte doch nie-mand, daß er solches nicht höher bringen würde,als er am 9. Febr. 1807., vom Schlag gerührt,eines schnellen Todes verblich. Seine Mitbürgersetzten ihm in der anfangs genannten Kirche St.Donar zu Brügges ein Grabmonument. SeinMoralcharakter, und besonders seine Beharrlich-keit und Uneigennützigkeit in der Freundschaft wur-den sehr gerühmt". Ein vortreffliches Beyspielhievon, wie er nämlich einen seiner Mitschülervon weit größerm Genie als das seinige, der aberseine Talente eine Zeitlang völlig einschlummernließ, wieder auf seine vorige Thätigkeit zu leitenwußte, erzählt Lebrecon 1 . c. G. lUonlteur 1807.p. 1084. Oonk. einen zweyten Nekrolog von ihmim: Journal <ls 1^8. Dort lesen wir noch:„Kurz vor seiner Abreise nach Nom machte ernoch einen Besuch in seiner Vaterstadt, und be-zeugte der dortigen Akademie seine Erkenntlichkeit,für den einst von ihr erhaltenen Unterricht, mitdem Geschenk eines Gemäldes, das den Ursprungder Zeichnung darstellt". Dann von seinem Wir-kungskreise in Rom : „Das Geschäft einer gänz-lichen Reorganisation der dortigen Schule, odervielmehr eine so gut als neue Schöpfung derselben,war äußerst schwierig; allein seine Einsichten,seine Thätigkeit und Eifer besiegten alle Hinder-nisse, und das regenerirte Institut fand seinenSitz in der prächtigen Villa Medicis, wo auchunserm Künstler sein letzter Tag erschien". Endlichwerden auch hier seine liebenswürdigen Personal-Eigenschaften eben so sehr als seine Kunst ge-rühmt. — Seine Kinder hatte er in früher Ju-gend verloren, und sein, wie es scheint nicht, un-beträchtliches Vermögen fiel an entferntere Ver-wandte. — Noch ein dritter Nekrolog von Suvee,der sich bey Lands» (dr.lon 1808. 1 .16—17.) be-findet, schildert desselben Kunstcharakter, wie folgt:„Genauer Zeichner, erfahren in der Anatomie undPerspektive, war er überdies ein weiser Lehrer,der viel dazu beytrug, das einfache Studium derNatur in unsere Schule zurückzuführen. Jenesglühende Genie, jene poetische Ader besaß er ebennicht, die den Künstler vom ersten Range bezeich-nen. Zu jener Blüthe (krslclisur) und Wahr-heit des Kolorits, welche auch den gemeinstenGegenstand höher hebt, und dem unbedeutendstenBilde einen Werth giebt, konnte er niemals ge-langen. Der Richtigkeit des Gedankens, der ver-ständigen Ausspendung (ljisposition) seiner Figu-ren, der correkten Zeichnung , der treuen Beobach-tung des Costums, und der Harmonie seiner Lich-ter und Schatten — was man ihm Alles nichtabsprechen kann — ungeachtet, scheinen seine Ar-beiten immer kalt und kraftlos (lan^uissantes)und findet man nichts darin, was den Beschauerwecken und rühren könnte. Dieser Künstler kamnach Paris zu einer Zeit, wo die Französische Schule sich noch nicht aus dem Verfall erhoben,in welchen die Natoire, le Moine, Boucher undso viele Andere sie gestürzt hatte; es war alsoschon etn großer Schritt von ihm, sich vor einerdamals fast allgemeinen Kunstseuch« zu verwah-ren". Von seiner Stiftung des Nonnenordensvon der Heimsuchung, sagt ebenfalls Lands» inseinen Annalen V. 62. (wo solches im Umrisse ab-gebildet ist) die Zeichnung sey correkt, das Koloritsehr wahr, und die einfache Composition (die unsan Vien erinnert) schicke sich vollkommen zu demGegenstände. — Auch bey Fisrillo III. 490 — 92.vernehmen wir noch mancherley Neues von ihm.So z. B- daß er den ersten Unterricht von Mathiasde Visch empfing, welchem Brügge , wegen Stif-tung der dortigen Malerschule, viel zu verdankenhakte; dann daß seine Studien zu Rom , unterVien's Leitung, sechs Jahre dauerten. Ferner,daß ihn der König bald nach seiner Rückkehr ausWelschland vielfältig beschäftigte. Von seinemSt. Franzisc von Sales wird hier gesagt, daßsich dieses Bild durch correkte Zeichnung, richti-
Suyderhoef. 1795
ges Costum und einen schönen Faltenschlag aus-zeichnen. Weiter (interessant genug): „Unterseine beßten Arbeiten gehört das Bildniß des un-glücklichen Trudaine Montigny. Der Künstlerwar selbst am 7. Thermidor des Jahrs II. in Ge-fahr, sein Leben zu verlieren, malte aber dem un-geachtet an dem Bilde seines Freundes, der ausseinen Armen gerissen und zum Schaffst geführtwurde. Die Bildnisse von Trudaine de Sabliereund seines Anverwandten Courbeton sind gleich-falls unvollendet geblieben; beyde fielen eben-mäßig als Opfer der Partheywuth, und wurdenzu schnell aus dem Kerker, worin sie zugleich mitdem Künstler saßen, weggeführt, als daß sie der-selbe mit Muße hätte schildern können; dennochhatte er diese Bilder späterhin, zum Trost ihrerunglücklichen Familien, aus dem Gedächtnisse vol-lendet. Seine Cornelia, welche er ebenfalls wäh-rend jener Schreckensperiode verfertigte, fandvorzüglich wegen des gut angebrachten Costumsdes Alterthums, und einer gewissen gefälligenRuhe, die überhaupt in allen seinen Arbeitenherrscht, vielen Beyfall. Nur tadelte man mitRecht die Zeichnung und Ausschmückung des Gan-zen , das mit den Vorstellungen auf den sogenann-ten hetrurischen Gefäßen viele Aehnlichkeit hat".Im Mensel scheu Arch II) ( 3 .) i 55 . wird un-ser Künstler durch Druckerfehler ^tvee genannt-Noch ein Bild nennt der Almanach des Leaux-Arrs 1803. von ihm: Die den Künsten wiedergegebene Freyheit; und jener oben angezogene Ne-krolog bey Lands»: Den Ursprung der Malerey.Gestochen nach ihm kennen wir einzig: Den Pro-phet Simeou, von seinem Schüler Jos. Demeulermaester, unter der Leitung von Bcrwick, mit(heißt es in den IVouv. äez ^rrs I. i 8 » 3 . p. 24.)leichtem und correktem Grabstichel, was (als sei»erstes Werk) von dem Talent dieses Künstlers Vie-les hoffen ließ. — Wie wir dielen Art. schließen,finden wir »och bey Gaulr de St. Germain S.273. ff. BildervonSuvee angezeigt; nämlich, nebendem schon erwähnten Fest der Pales (schon im Salon1780. aufgestellt): Das gegenseitige Geschenk, undein Bildniß des H. van Outrye in ganzer Statur.Hierauf die freylich nich t sehr schmeichelhafte Charak-teristik unsers Künstlers: „Derselbe zeichnete nurgut auf dem Papier, und hinterließ einige akade-mische Blatter von tüchtigem Charakter. Wasaber seine Gemälde betrifft, so sind solche dürrein allen Theilen, und so ärmlich ausgeführt, daßsie bald völlig werden vergessen seyn".
* G uwa ry (Bernhard). So heißt irgendwoverstümmelt Bernard Garn, genannt Bojars.
* Suyderhoef(Jonas), Zeichner und Ste-cher mit der Nadel und dem Grabstichel, geb.zu Leyden um 160». und gest. gegen End (?) desJahrhunderts. Bey Warelet heißt es von ihm(vielleicht nicht angemessen genug): „Liebhaberbewundern die Feinheit seiner Arbeiten, ob manihm wohl zuweilen Kleinlichkeit, Steifheit, undzugleich Trockenheit der Umrisse vorwerfen könnte.Ersetzt aber wurden diese Fehler durch die Fe-stigkeit seiner Touche, das Pastose, die Farbeund den Ausdruck, der seinen Blättern Warmegiebt, obgleich (wer in aller Welt versteht das?)die Arbeit daran etwas kalt ist". Verständlicherwenigstens liest man bey de /onrenai von ihm:„Da sein lebhaftes Genie ihm nur einen selte-nen Gebrauch des Grabstichels erlaubte, wählteer sich eine schneller zum Ziel eilende Gattung,die ihm ganz eigen ist, und zeigte, was fast diebloße Etznadel für Geist und Geschmack zu leistenvermag, wenn sie in so geschickte Hand geräth,wie die seinige war. Mag man immerhin in sei-nen Blättern das Mark, die Lieblichkeit, Reinheitund Harmonie nicht finden, die der Grabstichelgewährt, so entschädigen sie dafür durch eineWärme, Wahrheit und Ausdruck, welche nichtszu wünschen übrig läßt". Auch Malps sagt:Guyderhoefs Name werde auf die Nachkommen-schaft kommen , so lange ächte Kunst bey Ehren