Tenier.
Mittelgrund«) giebt ein Bauer zwey Wgn'mmenHerberge. Im Hintergründe sieht man einen Ge-fangenen aus dem begitterten Gefängnisse befrcyt,und durch das Fenster eines Hauses eine Krankevon mehrern Personen besorgt; endlich zu aller-hmterst Geistliche, welche einen Todten zu seinerGrabstätte begleiten. „Für Originalität und Aus-druck" (sagt Landon) „sicher ein Kapitalbildunsers Künstlers, das denn aber in Absicht aufleichte Ausführung manch Andern weichen muß".Dieses Bild wird übrigens von d'Argensvilleu. A. Teniers dein jungen, zugeschrieben.
Da dasjenige, was er selbst geetzt hat, undhinwieder was nach ihm gearbeitet worden, mitSicherheit fast unmöglich von den Blättern vonund nach seinem gleichnamigten Sohn zu unter-scheiden ist, so folgt die diesfäliige Litteratur amSchlüge des Artikels des gleich nachfolgendenletzter«.
* Tenier (David), der jüngere, geb. zuAntwerpen . Der Erzherzog Leopold, der ihn zuseinem ersten Kammerdiener gemacht und ihm seinBildniß an einer goldenen Kette geschenkt, wares, der seine Werke zuerst an mehrern europäischenHöfen bekannt gemacht hatte. Früher lebte ereine geraume Zeit in dem unverdientesten Dun,kel, und mußte oft selbst nach Brüßcl gehen, umdort seine und seiner Schüler Tagewerk zu ver-kaufen. So viele weit geringere Kunstgenüssen,ein Thilborg, Artois und van Heil, wurden ihmcinsweilen noch vorgezogen. Izt aber arbeiteteer lange einzig für den König von Spanien , derfür seine Bilder eine eigene Gallerie erbauen ließ.Dann für die Königin Christina u. s. s. Um dieunzähligen Liebhaber zu befriedigen, kleckste erbisweilen nur sehr wenige Figuren an Einem Tageflüchtig hin. Seine Kopien »ach andern Mei-stern, wie z. V. nach Rubens und Langhen-Jan,waren zum Täuschen; aber seinen großen Ruferwarb er sich durch das bekannte, ihm eigen-thümliche Talent, welches er zuerst in der leben-den und leblosen Natur eines holländischen Dor-fes (Berk, zwischen Antwerpen und Mccheln)ausgebildet halte; daher die Einförmigkeit seinerlandschaftlichen Hintergründe, bey noch so großerMannigfaltigkeit des eigentlichen Gegenstandes sei-ner Darstellungen. Hier bewohnte er, den grö-siern Theil seines Lebens ein Schloß, zu den dreyThürmen genannt. Dort besuchten ihn Einhei-mische und Fremde, Hohe und Niedere. Hierunterwies er den Prinzen Juan d'Austria. deröfters bey ihm wohinc, und eines Tags das Bild-niß des Sohns seines Lehrers malte. (Wo sichdiese Kunstseltenheit befinden mag?) *) Ein Grafvon Fuensaldagne berief ihn nach England, umfür seine Gallerie eine Wahl von ItalienischenBildern zu wessen. Ueberhaupt genoß er bey sei-nem Leben alles Ansehn, Ehre und Glück, wel-ches er seiner Kunst, und zugleich seinen gutenmoralischen Eigenschaften und angenehmen Sittenzu verdanken hatte. Er st. zu Bcüßel; aber seinLeichnam wurde nach seinem geliebten Berk ge-bracht, nnd in der dortigen U. L. F. Kirche bey-gesetzt. Seinen Tod geben Einige irrig schon in1680. an. Er war zweymal verheirachet. DerTod seiner ersten Gattin, Anna Breughel, hatteihn in große Verlegenheit gesetzt, da er den be-deutendsten Theil seines Vermögens seinen Kin-dern Hinausgeben mußte. Dann vermählte er sichwieder mit der Tochter eines Brabantischen Raths,
Tenier. 1829
Isabellen de Frene . In 1644. wurde er zum Di-rector der Akademie zu Antwerpen ernannt, derenVersammlungen er aber nur selten beywohnenkonnte. Unter seinen Kindern nennt man beson-ders einen Sohn, welcher Barfüßer-Mönch zuMecheln war, auf dessen Bitte er für das dor-tige Kloster dieses Ordens die sich noch daselbstbefindlichen schönen Bilder der sogenannten 19Märtyrer von Gorcum malte. Eine seiner letztenArbeiten war das Bildniß eines Anwalds. Die-sem sagte er eines Tags: „Ich habe mich fürmein Schwarz immer der Elfenbein-Asche bedient;für Euer Bildniß mußt' ich den mir ausgefallncnletzten Zahn zu Kohle brennen". Sein beßterSchüler war der jung verstorbene Abshoven vonAntwerpen ; dann Hellemont, de Hont und Erte-bout. So viel von Teniers dem Menschen. Undnun etwas, seine wunderbare Kunst betreffend.Z. B- von Rubens halte er gelernt, was dieserTitian abgesehen hatte, daß nicht immer starkeGegensätze nöthig sind, um einem Bilde grossenEffekt zu gewähren. So sah man von ihm einenFischfang im Kabinett Vence , wo Himmel, Was-ser, und die Hauptfigur eines Fischer in blanke»Hemde gleich helle sind. — Teniers Feinde hat-ten ausgestreut, seine Bilder hätten keine Dauer,und wären mit der Oelfarbe bloß ausgctuscht;diese Kritik nahm der Künstler nur allzusehr zuHerzen, und übermalte itzt sein Tuch mehrmals;von da an hatte seine Arbeit nicht mehr die Leich-tigkeit und Wärme wie vormals, und gewann eingewisses Gräulichtes oder Nöthliches. Doch Ru bens brachte ihn wieder von diesem Irrthum zu-rück**), und riech ihm, die Lichter zwar so starkaufzutragen, wie es ihm beliebte, in den Schat-ten aber stets die Grundirung durchscheinen zulassen. Daher sind in seinen beßten Werken alleGegenstände, selbst im fast völligen Dunkel nochsichtbar. Hierüber, so wie über die Genauigkeitseines Ausdrucks, die Gewandtheit seiner Grup-pirung, die stete Unterordnung der Beywerke zuseinem Hauptgegenstand, das über das Ganze ver-breitete ruhige Leben, s. man besonders Des-camps II. 160 — 61. Das Landschaftliche dannin seinen Bildern hatte nichts Gewähltes, undeben so wenig Abwechselndes (es war immer dieUmgegend seines Dorfs), aber desto mehr Na-türliches. Köstlicher noch sind die Bilder andererberühmterer Landschafter als Er war, welche ermit seinen Figuren stasfirte, bisweilen aber auchaus Gefälligkeit ihnen de» Ueberrcst ausbcßcrtc;z. B. einem I. de Momper. — Man wirft ihmdie kurzen Gestalten seiner Figuren vor; aber der-gleichen Menschcnbündcl sind unter dem noch dazumeist in Lumpen gekleideten Volke, welches er dar-stellt, sehr gemein^)- Man kennt aber auch an-dere edlere und zierlichere von ihm. Ein ganzgroßer Zeichner ist er eben nicht; aber immer eincorrckter, und besonders ein geistvoller. Sehe manzumal seine Handriße mit Pleystift oder schwar-zer Kreide, und man wird nicht müde werden,die Feinheit und Richtigkeit seines Ausdruckes zubewundern; dann einige von ihm geetzte Blätter,und diejenigen, welche Andere, und besonders leBas nach ihm geliefert habe». Ein sehr interes-santes Verzeichnis; seiner Bilder in Französischen,Niederländischen 11. a. Kabineren giebt DescampsI. c. 16Z — 69. Im Köm'gl. .französischen einesder schönsten, auf Kupfer gemalt, welches dieWerke der Barmherzigkeit darstellt.^) Im Ka-binet d'Grleans (einst) 10. Im Kabinct ven-
D Auf einem in 1656. gemalten Bildniße dieles Fürsten (einst in der Brüßler-Gallerie, und von I. Tropengestochen) nennt er sich — Kammermaler desselben.
D'Argensville halt denn doch sein meist etwas gräulichtes Kolorit, und dann eine gewiße Härte (-0Ngout irop äecoupk) für charakteristisch an Teniers dem Sohn, wodurch er sich von seinem Vater unter-scheide, den er übrigens im Ganzen weit übertreffen habe.
4 ) Wohl mochte ihn der häufige Umgang mit ihnen, zu einer gewißen Angewöhnung, auch bey Gegenständen,wo es sich minder geziemte, verführt haben. Wobey wir übrigens die ausdrückliche Bemerkung von Des-camps nicht vergessen dürfen, daß, wenn er sich noch so öfters unter diesen Gesellen befand, er sich mitihnen nichts minder als gemein machte.
f) D'Argensville sagt (>745.) ausdrücklich (Lü. ü, L. I. III. x. zgo.), daß dieses das einzige Bild von