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deßen Kunstmaximen nicht befolgen wollte. Ammeisten hielt er sich aber an Dominichino, undwar stolz hierauf, mittlerweile man ihm jedoch,Zug für Zug , weit eher den Cortoneser ansieht.Auch mit Pousskn, mit dem er in freundschaftli-chen Verhältnissen stand, hatte er Aehnlichkeit inden Figuren, die ihm aber zuweilen allzuschlankgeriethen; dann in der Landschaft, und im Studium-er Antiken, auf welches er ordentlich erpicht,und in der Zeichnung nach denselben ein Meisterwar. Sein sel. Karmeliter, Angiolo zu St.Martin di Monte (?), ist ein Bild voll Kraft *);matter hingegen erscheint er in einem Altarblattezu St. Romans in Lucca ; besser wieder in St.Paolino, und in der Gallerte Buonvisi. Dannzu Rom im Campidoglio: Joseph, den Js-maeliten verkauft; ein Kindermord im PallasteSvada **) u. s. f. Auch ein Paar Fresco-Ar-beiten kennt man von ihm: Das symbolischeBild der Freyheit im Stadthause zu Lucca , undim Oratorium des Hauses Lippi eine kleine Ku-pole voll Grazie; dann Einiges im Gartenhausedes Monsignor Muti zu Rom . Die Geschichtewirft ihm eine große Schüchternheit, Hang zurSchwermuth, stetes Mißtrauen gegen Andere,und zugleich eine »«gemessene Einbildung vonsich selbst vor, was denn Alles dem armen Jüng-linge mehr Feinde als Freunde machte, und höchstwahrscheinlich die Veranlaßung seines frühen To-des war. Lob erndtete er daher bey Leibesleben nurwenig ei», und erhielt nur selten eine Bestellung.Desto übertriebener rühmen ihn einige Kunsige-schichtschreiber, wie z. B. passem, und zwar be-sonders auch gerade jener Geburthen seiner ver-worrene» Einbildungskraft wegen, die dort vsstach pensieri » sublimi invenmoni U. coricettixoetici beissen müssen. Nach .fiorillo's Urtheilwürde Testa's herrschender Geschmack zwischender Manier des Berettini und Poussins in derMitte stehen, oder vielmehr bald den Styl deseinen, bald des Andern , und ein drittesmal Do-minichino's seyn. Seinen Joseph im Capitalhält er für ein bewundernswürdiges Werk. (l. 442.II. 609.) Die Französische » Kunstrichter dannscheinen selbst nicht recht zu wissen, was sie ausunserm Künstler machen sollen. So lesen wirz. B. bey Waeeler: »Ungeachtet der LuccheserTesta eigentlich zur Römischen Schule gehört, sohat er doch jene Lebhaftigkeit der Bewegung bey-behalten, welche die neuern Künstler von Tos-cana, und schon die alten von Hetrurien bezeich-net. Seine Manier ist ihm ganz eigen. »Vonseinen Lehrern" (heißt es nun hier) »scheint ernichts beybehalten, von seinen Vorgängern nichtsentlehnt, und selbst von den Allen nur jene Groß-heit anaenommen zu haben, die er sich zu eigengemacht. Kurz, man möchte sagen, daß er sei-ne» Charakter der Antike den großen Meistern,und der Natur selbst unterworfen habe. DieFranenbildcr zeichnete er mit einer einnehmendenWeichheit, und seinen Kindern gab er jenes rund-lichte Fleisch, das ihrem Alter eigen ist, undsonst niemand besser als der berühmte Flammän-dische Franz (du Quesnoy ) ausgedrückt hat.Seine, bis ans Bizarre reichenden, eigensinnigen,aber immer sinnreichen, und meist allegorischenComposttionen, tragen gewöhnlich den Anstrichder Satyre, und sind immer von Poesie belebt",u. s. f. Dann spricht er von einem seiner Bilderbesonders, das sich in der Luccheser-Kirche zuRom (St. Croce de' Lucchesi) befinde, und vonseinem Talent zu malen, und selbst zu colorircnzeuge. (Aus T»t, vernehmen wir, daß solches«ine Darstellung Mariä im Tempel war, welcheaber von gedachter Kirche an den Kardinal Da-lenti Gonzaga verkauft worden sey). In Deutsch land befinden sich von ihm: Zu Wien in der
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Galleris Lichienstein «in hohes und 4 ^ brei-tes Bild: Die Geburt des Eneas . In derGallerie zu München : St. Hieronymus , derin ein Buch schreibt, lebensgroße Halbfigur.Zu Düsseldorf einst (wo jetzt?) ein Parnaß,»wo die Jugend" (sagt der ehrliche JosephBarsch) „zum Studiren durch die Morgenröthe««gefrischt wird"; zur Seite verjagt Herkulesdie Feinde der Künste ( 4 / 5 " hoch, 6 ^ 6 " br.).Wie das gewohnte Urtheil über seine selbst geetz-ten Blätter vor dem Richterstuhl ächter Kritik be-stehen kann: » Daß es unter allen Kupferstichen,die von Malern gefertigt sind, wenige gebe, dieder Künstler mit solchem Nutzen studiren könne",mißten wir nicht einzusehen. Immerhin nenntwareler seine Nadel, wohl mit Grund, etwasmager. Von 45 . derselben, von welchen dasLex. spricht, kennen wir weit den größten Theil,welche (doch nicht alle) entweder seinen Namen,oder doch sein Monogramm eines verschlungenenk. P. u. I.. tragen: Das Opfer Abraham's(ohne Zeichen); zwey Anbetungen der Könige(diejenige oben mit der Glorie, reich componirtund schön). Mehrere H. Familien (eine, wo daSKind das Kreuz umarmt, welches ihm Engelhalten). Aus der Evangelischen Geschichte: DieParabel des verlernen Sohns, in vier kleinengeistreichen Blättern; die Auferweckung Lazari;Christus am Kreuze; Petrus aus dem Gefäng-nisse befreyt. Aus der Heiligengeschichte: Diesterbende Magdalena in der Wüste, von zweyEngeln gehalten (bloß mit: 7 e§tn sei. bezeichnet);die Marter von St. Sebastian und von Sr.Erasmus (selten); St. Hieronymus im Gebet(mit und ohne Zeichen); St. Rochus, St. Nik-las und noch ein dritter Bischof rufen die Mutterund das Kind an, der Pest Einhalt zu thun.Aus der Mythologie, der Homerischen Fabel undden Tragikern: Liegende Venus, von Amorinenumschwärmt; Venus zeigt Minerven die für Aesueas geschmiedeten Waffen; Adonis Rückkehrvon der Jagd; Proserpinenraub; Opfer der Jphi-genia (sehr schön); Thetis laßt das Kind Achill in den Stix tauchen; Achill schleift den LeichnamHektors um die Mauern von Troja (ein schönesBlatt); Tod des Hippolytus ; der Triumph desBacchus; der Triumph Amors und Hymens,oder der Einfluß des Frühlings (prächtige Com-position). Von Geschichtlichem: Sokrates mit sei-nen Freunden an der Tafel, in einem Gesprächüber die Liebe (1648.); der Tod des Cato; dasOpfer der Camma: Diese, eine Galatierin, reicht,bey ihrer Dermäblungsfeyer mit Sinorix, dieihren ersten Gemahl Sinatus umgebracht, jenemeinen Pokal, wodurch sie, nachdem sie selbst da,raus getrunken, auch ihn vergiftet. Endlich aller-lei, meist dunkele, verwirrte, und im Traum com-ponirte Allegorien, mit eben so kauderwelschenErklärungen, Zueignungen, u. s. f. Eine zu Eh-ren Jnnocen; X (1644.). Der Triumph derMalerei, das Lycäum der Malerey (ein schönesBlatt), u. s. f. u. f. Dann kennt man nach ihm ge-stochen: Von P. Aquila die Marter des Erasmus;von P. S. Bartoli die Verwandlung der Jo; St.Peter auf den Knieen vor Christo, aus Colignon'sVerlag; etwas uns Unbekanntes von l'Emperenc;Opfer der Jphigenia, von L. Picart; Flucht inEgypten ; von A. Scacciati; Darstellungen, Tem-pel, nach B. N. le Eueurs Zeichnung (schön),von G. F. Schmidt; Marter von St. Angjolo,von gemeldtem le Sueur und dem Grafen vonCaylus (in Helldunkel); von I. Cäsar Testasechs Blätter, die wir gleich oben in seinem Art.angeführt haben; von I. Waesberg Testa's Bildsniß; A- van Westerhout, ein Pastoral; G. A.Wolfgang gute Copien nach etlichen von Testa'sobcngenannlen selbstgeetzten Blättern. Endlich
'-) Sollte hier nicht etwa, durch irgend eine sonderbare Verwechselung, von dem Sc. Basilides die Rede seyn,welchen I. C. Testa nach ihm gestochen hat. Titi indessen nennt ebenfalls den St. Angiolo.
2») So Gandellüit. Das Ler. spricht von einem Opfer der Jphigenia. Gelten beyde, oder findet bey dereinen Angabe Irrthum statt?
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