Band 
Zweyter Theil [4].
Seite
1879
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Tiarini.

gebracht. Unglücklicherweise fehlte es ihm anGrazie und an jenem Farbenschmelz, den man inden Werken seiner Zeitgenossen so sehr bewundert;es schätzten ihn daher mehr die Meister in der Kunstals die Dilettanten, und er erwarb sich mehr denBeyfall gründlicher Kunstrichter, als den desgroßen Haufens. Dürfte ich es wagen ein Gleich-niß aufzustellen, so würde ich die Gemälde desTiarinl mit den meisterhaften Fugen eines Se­ bastian Bach , die nach dem Urtheile der Igno-ranten nicht mehr modisch sind, aber den Kennervoll Bewunderung fortreißen, nicht unpassend ver-gleichen. Die Werke des Unftigen schmeichelnnicht den Beschauer durch Schimmer und Gefäl-ligkeit, sie erregen aber Bewunderung durch ihrehohe Vollkommenheit, und stehen als regelmäßigemeisterhafte Muster da. Die melancholischenIdeen, welche er gemeiniglich abzubilden pflegte,ziehen unser Her; gerührt an sich; wir fühlenuns im Innersten unsrer Seele von Mitleid undTheilnahme durchdrungen; wir werden endlichangenehm durch den Anblick der tragischen Gegen-stände bewegt, aber nicht durch Schrecken oderEntsetzen fortgerissen. Ob gleich seine Gemäldegrößtentheils unglückliche und traurige Scenenversinnlichen, so wirken sie doch nicht auf un-sern Geist wie das Jammern eines Verzweifelnden,sondern sie erheben ihn durch zarte mit Freudevereinte Wehmuth. Wer dieser Eindrücke empfäng-lich ist, wird die große Anzahl der Werke des Trarim,hauptsächlich aber sein wiederbelebtes K>nd in derKirche des Heil. Bernardus bewundernswürdig fin-den. Dieses Sujet ist völlig von jenem in derKirche des Heil. Dominicus verschieden". Nochführt dann Fiorillo von unserm Künstler, alsein erstaunenswürdiges Werk, ein großes Bild indem Kloster St. Michele del Bosco an, welchesdie Geschichte eines nach seinem Tode wiederausgegrabenen und auferwcckten Mönchs dar-stellt, dem dann St. Benedikt über den von ihmbey Leibes Leben erwiesenen Ungehorsam Ablaß ertheilt. Dann heißt es dort weiter von ihm: »Erbesaß eine ganz fremdartige Manier zu arbeiten,indem er die Tinten nicht auf der Palette bereitete,sondern sie gleich mir dem Pinsel auf dem Ge-mälde verfertigte, und die ganze Draperie miteiner in das Gräuliche fallenden Farbe entwarf,die er darauf lassierte. Ohne Zweifel ist diesesdie Ursache, daß seine Gemälde sehr nachgedun-kelt haben, weil das kassieren, obgleich noch jetztleider sehr gebräuchlich, eine verwerfliche Sacheist. Man bemühe sich an dessen Erteile das Jm-pasto hervorzubringen, was aber freylich weitschwieriger ist. Tiarini bildete mehrere Schüler,und eröffnete eine Akademie, worinn nach demNackten gezeichnet wurde. Zum Modell hatte ereinen Lastträger, Namens Valstrago, der sichdurch seine musterhafte Gestalt hervorthat, vondem wir aber auch weiter nichts wissen. Meh-rere Künstler, welchen er auch liebreich beystand,besuchten seine Akademie, vorzüglich Luca Bar-bier! und Francesco Carboni". In deutschen Gal-lerten finden sich von ihm: Zu München Tan-kred in einem bezauberten Walde, lebensgroßeHalbfiguren; dann (vormals in Schleisheiin)vollends in ganzen lebensgroßen Figuren : DiePharisäer zeigen den ZinSgroschen. (von Männ-lich findet an »hm: »Angenehme und kräftigeFärbung; die Behandlung fest, ausgeführt undweich"). Dresden : Medor und Angelika, derenNamen er an einen Brunn schreibt, Halbfiguren.Das Französische Museum hienächst besitzt von»hin (wie es scheint als Kunsteroberung): Vörderstjenes wunderseltsame Bild, dessen schon das Lex.Erwähnung thut: St. Joseph, welcher knieendseiner Gattin Maria den übel gegründeten Ver-dacht gegen ihre Treue abbittet; sie richtet ihnliebreich auf, und zeigt gen Himmel, der so wun-derbar das wichtigste Ereigniß für die Menschheitbereitet hatte. Jin Hintergründe sieht man eineGruppe Engel, Zeugen ihrer Vereinigung; derEine giebt seinem Gefährten Zeichen zum Still-

Tibo. i87d

schweigen. Die Szene ist in einem Portikus vonKorinthischer Ordnung. Lands» II. N°. 61.Dann (dieses nun sicher aus der Gallerie zn Mo-den«) die Verlobung von St. Catharina mit demChristuskinde, ein kleines, bloß 8.1/2" hohesund 10.1/2" breites Bild von acht Halbfiguren(darunter ein St. Michael der eine Wage hält(L),und St. Carl Borromäo, als Erzbischof zu May,land) auf Kupfer, was sich nach Landon's Ur-theil Cis. Xll. 66.) durch guten Geschmackin der Zeichnung, einen gründlichen Ton undNaivetät im Ausdruck auszeichnen soll. Zeich-nungen von ihm sah »nan im Kabinele des in180g. verstorbenen Künstlers I. A. von Silvestre.Gestochen kennt man nach ihm: Vörderst sein Bild-niß in der Florentiner-Gallerie von Gregori; danneine St. Francisca, die Römerin, von B. Cri«vellari; den wieder ausgegrabenen Mönch, vonI. M. Giovannini; den von seinen Eltern bewein-ten todten Abel, von A. Lorenzini und von I.Wagner; eine Pietä (der Leichnam, von den Wei-bern beweint) aus St. Anton des Abts, vonM- Mitelli geetzk, in desselben: Lononicnsiuni?ict. Icon. b'ol. 1678. Dann die berühmte Ab-bitte St. Josephs, von I. Traballesi, und beyLandon (l. c.) im Umrisse; das wieder auftr-weckte Kind zu St. Dominic , von Ebendemsel-ben, und von I. Wagner (eines der beßtenBlätter des letzter»); die Verlobung von St. Ca-tharina, im Umrisse wieder bey Lands» l. c.Und endlich: Angelika und Medor aus Dresden ,für dortiges Galleriewerk ('!'. II. 26.), vonA. Radigues.

Tiarks (Jacob), geb. in Ostfriesland . Seiti8oj. studirke er auf der Kunstakademie zu Dres­ den , wo er auch auf dasiger Ausstellung i8oö. einBildniß nach Grass in Oel, und eine Zeichnungnach Carracci , und eine solche nach dem Eypssehen ließ. Mn.

* Tibaldi (Maria Felicia), geb. 1707. Gat-tin von perer Subleyras, wahrscheinlich dievornehmste Ursache, warum dieser Rom nichtmehr mit Paris vertauschen wollte. Sie maltein Oel, Miniatur und Pastell, und hatte eben sowohl eine große Fertigkeit, nach dem Leben zuzeichnen, als historische Arbeiten großer Meisterin Miniatur nachzubilden. Dieses geschah dann,neben Andern», mit dem Abendmal der Apostel(von dein auch das Lex. spricht), nach dem Ur-bilde ihres Gatte», was Benedikt XlV. ihr mit1000. Scudi bezahlte. Der in 1809. verstorbeneKünstler I. A Silvestre besaß von ihr zwey große,h" 6^" hohe, und 4 " 6'" br. sehr köstliche Mi-niaturen , deren eine Bacchus und Ariadne (dieKrone der letzter» unter den Sternen), die an-dere aber Angelika und Medoro darstellte. Nachdem Tod ihres Mannes unterhielt die wackereFrau ihre Kinder und Familie durch den Gewinnihrer Talente. FiorlUo III. 33 o 3 i. Anm.

T»baule ( ), ein Französischer Bildhauer,der um 180». zu St. Petersburg arbeitete. D»e5 . Basreliefs, welche zwischen den 6. Karyati-den stehen, die die Attika der Facade des dorti-gen St. Michailowschen Pallastes, nach der Gar-tenseite zu, stützen, sind von ihm. S. ReimersBeschr. von Sr. perersburg II. 106.

Tibbemann (P.). Arbeiten von ihm sahHemecke zu Rotterdam , in dem schönen Kabi<nette des H. Arnold de Leers. zssachr. II. 66.

Trbelius (C-). Von einem solchen, unssonst ganz unbekannten Künstler nennt Benard'sCatalog von Paignon-Dijonval Ansichten vonAmsterdam und Rotterdam , nach Backhuysen.

Tibianus, s. Schinbain in den gegenwär-tigen Zusätzen.

* Tibo, f. Thibousi oben und im Lex.