»Hg6 Tiepolo.
der in einem Schreiben an Guiba!*) ihn einenivackern, aber eben nicht warmen Freskantennennt. Seine vornehmsten dortigen Arbeitennennt, ebenfalls Jiorillc» IV. 4 o 3 . genauer alsdas Lex. wie folgt: „Ein Deckenstück im Saalder Garde im neuen Pallast, das den Vulkan inseiner Schmiede darstellt/ wie er die Waffen aufBitten der Venus verfertigt; ein allegorischesBild in der Antichambre des Königs/ nämlichdie Spanische Monarchie/ die auf einem Löwenruht/ mit dem Apollo und andern Gottheiten ihrzur Seite; und sein Meisterstück in dein Saal delos Reynos: Dieß besteht in einem Kacnies,worin man alle Spanische und Indische Provin-zen als allegorische Figuren, mit prächtiger Be-kleidung und dem Ueberfluß ihrer Producte er-blickt. Auf der andern Seite stehen die allegori-schen Bilder der Religion, der Macht und derSpanischen Größe. Ein bewundernswürdigesWerk, voll Feuer, Reichthum der Phantasie undkräftigem Effekt des Helldunkels. Von seinenOelgcniälden verdient die Vorstellung einiger Hei-ligen über dem Hauptalkar des Klosters des heil.Pasqnal zu Aranjue; unsere Aufmerksamkeit".Für den sächsischen Hof erstand (li c. II. 187.)der Graf Algarotki ei» großes Gemälde von ihm,welches das Gastmahl des Anronius und derCleopatra mit Figuren in natürlicher Größe vor-stellt. Ei» Hintergrund von schöner Architektur,das Geräumige des Schauplatzes, die phankaste-rciche Erfindung in den Kleidertrachten, die schö-nen Kontraste in der Anordnung der Lvkälfarben,und eine unaussprechliche Freyheit und Anmuthdes Pinsels machen, wie Algarotti sagt, diesesGemälde i» der That des Paul Veronese würdig.In den Bildern der Isis, des Serapis und inder Sphiup (fügt derselbe hinzu), die er als Ver-zierungen angebracht hak, zeigt der Künstler dieGelehrsamkeit eines Raphael oder Poussin . Nochein anderes Bild für denselben Hof verfertigteTiepolo ; es stellt den Cäsar auf einem öffentli-chen Platze zu Alexandria vor, wie ihm der Kopfund Ring des Pompejus dargereicht wird. DieSchrift: LVinkelmann «nd sein Jlahrhunrertdann (S- 24«.) findet unsern Tiepolo, so wieseinen Landsmann Piazetta, bereits auf den be-kannten Irrwegen ihrer Zeit: „Schwache Gedan-ken , fehlerhafte Zeichnung, Mangel an Ausdruck,Charakter und edcln Gestalten, Zweck durch hef-tige Gegensätze Würkung hervorzubringen, unzu-längliches Wißcn unter kecke Pinselstriche zu ver-bergen, sind ihnen Allen gemeine Eigeiischafren.Piazetta unterscheidet sich nur durch mächtigereSchatten, welche ins Rothbraune fallen; Tie polo wendet hingegen hellere Farben an, undbedarf deßwegen keiner gewaltsam dunkeln Stel-le». In Beyder Werken finden sich indessen »ochSpuren von dem guten Kolorite der ältern Vene-zianischen Schule", wareler endlich giebt un-serm Künstler ein glückliches Genie, einen großenGeschmack in der Zeichnung, obgleich von Manierund Inkorrektheit begleitet, einen markigten undleichten Pinsel, geistreiche Tocciruig, angenehmeNachläßigkeit in der Ausführung, und ein leuch-tendes Kolorit, das nur allzuglanzend und schönsey, und nöthig habe, von der Zeit ein weniggeschwärzt zu werden (im Fr. gar gui 3 besoinck'ötrs 8»li par le tvmp« ). Seine Frauenköpfesind sehr anmuthig! In Deutschland besitzenvon ihm, neben dem Obgenannten (bey Fiorillo)dessen jedoch die Verzeichnisse der Dresdner Gal-lerte keine Erwähnung thun, unsers Wissens ein-zig noch diejenige zu München vier Bilder:Opfer der drey Weisen aus Morgenland (12' hoch,G br.) in überlebensgroßen Figuren, die ausge-führte kleine Scizze einer Kaiserkrönung, einOpfer der Jphigeuia, und eine unbekannte Ge-schichte, als Pendant (beyde letztere ebenfalls ganzkleine Bilder^; dann die Gallcric zu Sanssoucpzwey Landschaften von Zuccarelli, beyde mit (un-
Depolo.
verständlichen) Figuren von dem Unsrigen staffirt,die Eine mit Silen auf der Erde, zu dem einjunges Mädchen ihre Zuflucht nimmt, die An-dere mit Neugierigen, die sich mit Lesung einerZuschrift beschäftigen. — Bey Partikularen end-lich sah mau von ihm (1809.), in dem Kabinetedes H. Hof- und Landgerichts-Advokaten Schmidtzu Riel das meisterhafte Bild eines zu Marktegehnden Bauers, und einen kräftig gemalten al-ten Kopf. Selbst geetzt hat Tiepolo mit vielemGeist, Feinheit und Leichtigkeit, 56 verschiedeneBlätter; wie z. B. eine Anbetung der Könige(ob etwa, wie das Bild zu München ?); dieß(in Fol.) soll, nach Rost I. c. sein beßtes Blattseyn; dann zwey Folgen von Capricci, Charakter-köpfen u. dgl. die eine von 24. die andere vonio Bl. in 40.; verschiedene erste Gedanken znPlafonds, u. a. Aehnliches. Dons. den Katalogvon winkler, wo der Gegenstand mehrerer sei-ner Blätter näher angegeben ist. So z. B- eineH. Familie, wo zwey Engel die Wiege für dasKind zurüsten; die vier Evangelisten; Iason undMedea ; Andromeda am Fels; ein Philosoph mitdem Zirkel in der Hand, der einen Globus mißt,u s. f. Und zwar (bemerkt FioriUo II. 187. undwir müßen ihm aus einigen vor uns liegendenProben beypflichten ) etzte er, aller Wahrschein-lichkeit nach in Zinn, wozu er sich dnrch einigevon seinem Freund Algarotti gemachte Probenverleiten ließ. Nach Heinecfe's Illes etc. S.106. würde sich auch Arbeit von ihm in Anr.Mar. Zanetti's: Divers, leonnm ete. -^run-fiel. Lolleetionis ete. kol. Venet. ih.jZ. befin-den, welches Werk bekanntlich sonst lauter Blät-ter nach Zeichnungen von Franz Mazzuoli ent-hält, denen aber der Herausgeber einige von ihmselbst bescßene Bilder, von dem Unsrigen gezeich-net und geetzt, seltsam genug, beyzufügen be-liebte. Gestochen und geetzt dann »ach ihm ha-ben vörderst Joh. Dominicns, sein Sohn»Mannigfaltiges, wovon der schon genannte Ka-talog von winkier über 20 namentlich angiebt;wie z. B. St. Johannes Predigt in der Wüste(schön), und Ebendesselben Taufe Christi im Jor-dan; dann eine Himmelfahrt der Madonna nacheinem Gemälde in der Kapelle der Maria von»Berge Carmel, bey der Kirche dieses Ordens znVenedig (22" hoch,. i 5 " br.) ein Kapitalblatt;und ebenfalls die H> Jungfrau, welche St. The-resten und zwey andern H. Frauen erscheint; fer-ner: St. Ambrosiuü, der zum Volke spricht, nacheinem Bilde, das dem Grafen Algarotti zustän-dig war; die schöne Etzarbeil der Bildniße dervornehmsten HH. aus der Familie Crokta, u. s. f.Die übrigen Stecher nach ihm waren: F. Derar-di, A. Carbon, I. Catini, I. Giampiccoli, B.Grivelari, Hcrtel, I. Leonardis, P. Monaco,M. Pitteri, I. A. und P. Scatagiia, Wagnerund A. Zucchi. Hier nennen wir nur: Die Nie-derlage der Deutschen durch die Venezianer, un-ter Anführung von Georg Cornaro und Barth.d'Alviano , nach einem Gemälde im Großen Raths-saale zu Venedig , von Zucchi; dann zwey Vor-stellungen des dortigen Karnevals, die eine innackten, die andere in maskirten Figuren, nachBildern im Kabinct Algarotti , von Leonardis;alle drey große Bl. von 18" Dr. und iZ" Hohe.Dons. das Mehrere in den Katalogen von Winr-ler und Brandes. Zwey ansgetuschte Feder-zeichnungen mit Weiß erhöht: Eine Taufe Christiund eine Verklarung, besaß noch 1810. der Erbedes Kunstdilettanten Paignon-Dijonval zu Paris .Noch wird bey Fiorillo I. c. unserm Tiepolo eine besondere Geschicklichkeit zugeschrieben, dieverschiedene» Manieren älterer und neuerer Künst-ler mit fast untrüglicher Richtigkeit zu unter-scheiden.
* Tiepolo (Johann, Domini'cns undkaiirenz)Maler und Kupferstecher , Sohne von Johann