Band 
Zweyter Theil [4].
Seite
1885
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Tier, eil.

auf dem Harze bedienstet, und sieht gegenwärtig(1816.) als solcher anf der Wilhelmö-Hütke beySensen (s. ü. etwas früher: auf der Carlshuttebey Ahlfeld) im Braunschweigischen. Als eingroßer Liebhaber von den bildenden und zeichnen-den Künsten, worin er sich verschiedentlich ver-suchte , fieng er um l8oh. an, eine neue Art Ab-drücke von ivo. geschnittenen Steinen, welcheihm der H. von Brabeck verschaffte, in einerweißen Maße (wahrscheinlich einer Art Papier-mache, die er daher Chartyl-Gemmen nannte),nebst einer Beschreibung herauszugeben. Sowurden sie in einem Kästchen um 5 . Rthlr. vonder Rostifchen Kunsthandlung verkauft, und er-hielten wegen ihrer Dauer, Schärfe undWohlfeilheit großen Ruf. LNeusel III. EstHen-burg i. Deutsch . Merk. i8uü. Iul. S. 226,u. ff. Akc. Noch gab er verschiedenes Litterari-sches ans Licht, was hjer eine Erwähnung ver-dient. So z. B Abhandlung über die For-merei und Gießerey auf Eisenhütten. Nürn­ berg 180Z. 7. Bogen gr. 8°. mit 3 . Kupfern; einWerk, was ohne die gewöhnliche Geheimnißkräsmcrey abgefaßt, und in einem Anhange zugleichdie praktisch von ihm selbst versuchte Mcdaillen-gießercy lehrt. Dann: Neue arriftisch-rechnischeEncyclopädie, oder gründlich aufErfahrungberuhende Anweisung zur Verfertigung dervorzüglichsten Lunstsachen. In alphabetischerOrdnung. Erster Band. Von Abdruck bis Lu-pferstecherkunst. Berlin , bey Heinrich Frölichi8usi. 8°. 522. Seiten. Man findet hierin man-che nutzbare, zur ausübenden Kunst, nach allenihren Zweigen, gehörige Sachen, die man an-derwärts vergeblich sucht; vermißt dagegen aberauch andere, die wohl darein gehörten ; wie z. B-das Formschneiden. Die 7. Kupfertafel» dazuhat S. Halle nach des Verfassers eigener Zeich-nung gcetzt. Tiemann hatte zwar den zweytenTheil dazu 'auch schon beendet, er erschien abernicht im Drucke, da die Handschrift bey demVerleger (der entweder starb, oder bankerottmachte) verloren gegangen ist.

Tienen (Cornelius van), ein Kupferstichver-leger, dessen exe., ohne Angabe eines Stechers,z. B. auf 10. numcrirten fein und gut in 12^. gesto-chenen Blättern, mit lateinischen und holländischenUnter-schriften befindlich ist, aufweichen das Lebeneines Menschen von seiner Geburt an bis zuseinem Tode dargestellt wird; dann eine nieder-ländische Kirmeß nach Pet. von der Borcht inqu. Fol. Ausdrücklich als Stecher soll er sichauf einem kleinen Blatte, die Anbetung der Wei-sen , benennen. Eben so auf einem St. Chri-stoph nach Rubens , kleine Kopie eines großemBlattes von R. Eyndhouets.

* (G. B. van), wohl, unter verschie-

den» Taufnamen, inik Obigem der Nämliche, sollnach Rubens den H. Christoph (Kopie nach R. Eyn-houedts Blatt), und nach Titiau den H. Georg, derden Drachen tödrct, gestochen haben. lls

kub. Akc. Daher scheint der v. van Tienenim Lex. nur eine irrige Schreibart des Unsrigenzu seyn. S. auch den gleich ff. Art.

* (V. van), s. oben G. B. van

Tienen. Indessen nennt ihn Basan (Lll. sec.)wirklich vincenz, und setzt dann hinzu: »Der-selbe hat etliche Blätter, aber so mittelmäßiggeeht, daß sie keine nähere Anführung verdienen.

* Tiepolo (Dominicus), s. unten JohannDominicus T.

* Tiepolo (Joh. Baptist). Nach Einigengeb. 1697. Lanzi III. 27g. nennt ihn »den letz-ten Venetianischen Maler, der sich einen großenNamen erworben; den Algarorti öfters pries,und der Abt Berinelli mit dichterschem Lob er-

Tiepolo. r86S

hob, berühmt durch ganz Italien , in Deutschland ,und endlich in Spanien , wo er als Königl. Hof-maler (nach Einigen schon 176g.) verstorben war.Hierauf fährt Lanzi also fort: »Die Lehren sei-nes Meisters Franzeschini erwog und behielt erso gut inne, daß solche seinem Genie einen Zaumanlegten, ohne den es vielleicht den Reißaus ge-nommen hatte. Hierauf ahmte er eine Zeit langPiazetta nach, nur daß er dessen Styl mehr Fröh-lichkeit und Leben gab; so z. B. in seinem Schiff-bruch des H. Satyrus in St. Ambrosio zu May-land. Dann aber studirte er vornehmlich seinengroßen Mitbürger, P. Caliari; und wenn er die-sem im Ausdrucke seiner Köpfe nicht gleich kam,so näherte er sich doch demselben sehr im Falten-wurf und in der Färbung. Auch die Betrach-tung der Stiche von A. Dürer war für ihn eineFundgrube von Erfindungen. Zu keiner Zeit ver-säumte er ein eifriges Studium der Natur, haupt-sächlich im Beobachten des Licht- und Schatten-spiels, und in dem Gegeneinandersetzen der Far-ben, mn die größtmögliche Würkung zu erzielen.Dieser Kunsttheil gelang ihm wunderwürdig gut,zumal in seinen Frescoarbeiten, für welche ihndie Natur, wie eigene, init so viel Fertigkeit undLeichtigkeit, für weikschichtige Werke ausgerüstethatte; und, was wunderbar ist, gebrauchte erda, wo andere sich gewöhnlich der glänzendstenFarbe» bedienen, nur ganz gemeine und bey-nahe unsaubere, denen er dann freylich die schö-nern und reinern in die Nahe brachte, und soin seinen Plafonds eine Würkung man möchtesagen eine Sonne erzielte, die vielleicht ohne Bey-spiel ist. So in seiner großen Decke bey denLheresianern zu Venedig , wo er das H. Haus,im Geleite von Engelsgrupvcn in der schönstenMannigfaltigkeit, und in einem Lichkgefihld dar-stellte, das sich mit dem wirklichen Firmamente,wie zu vereinigen schien. Für allzugroß müßtenwir nun freylich unsern Künstler halten, wennes ihm gelungen wäre, in alle Theile solcher weit-schichtigen. Arbeiten, auch die gehörige Richtig-keit der Zeichnung zu bringen; aber im Ganzengewähren sie darum nicht minder alle ein hohesVergnügen. Studjrter dann war er freylich inseinen Bildern in Oel , die man zu Venedig undim dortigen Gebiete antrift; so in seiner Marterder H. Agatha in St. Anton zu Padua , wasAlgarotti zum Beyspiel des seltensten Ausdru-ckes anführt, wo man nämlich auf dem Antlitze die-ser Heiligen zugleich die Schrecken des Todes,und die Freuden der nahen Verherrlichung lesenkann. Viel anderes Schönes von ihm führt Kof-fern an, wo er das eben gemeldte Bild gegenTochin in Schutz nimmt, der daran denn dochManches auszusetzen wußte*). Bey FiorilloII. r8ö 87. lesen wir über ihn, neben Anderm,daß er schon in einem Alter von sechszehu Jah-ren sich bekannt genug gemacht halte, um nachverschiedenen Städten Italiens Einladungen zuerhalten. Dann: Daß^er in Deutschland gewe-sen war, und das lebhafte Kolorit der Künstlerjenseits der Alpen kennen gelernt hatte, trug auchviel zur Verbesserung seiner Farbengebung bey,welcher anfangs, wiewohl sie große Partien hat-te, doch eine gewiße Kälte anhieng; ein Fehler,der damals in der Venezianischen Schule allge-mein war". »In seinen Arbeiten zu H?ürz-burgt" (sagt Fiorillo) »glänzte Tiepolo durchein kräftiges Kolorit, durch Grazie in den Bewe,gungen, und durch so kühne Effekten des Contra-postes, daß dieselben Bewunderung einflößen,und nur der tiefe Kunstkenner eine reinere undstudirkere Zeichnung daran vcrmißcn wird. ZuMadrid , wohin er um 1761. oder noch früher,mit einem ansehnlichen Gehalte berufen ward,arbeitete er mehrere Jahre gemeinschaftlich mit Cor-radoGiaquintound zuletzt sogar mitMengs**),

i) Von seinen Werken in Padua s. auch^ p. Rrandolese's yttturs etc. äi r-llova 8°. ?Lüov» 796. x. zoö-'"') «Der» (heißt es bey Kost IV. >5-.) ,,so schwach war, auf ihn eifersüchtig ru werden".