Band 
Zweyter Theil [4].
Seite
1906
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allegorischen Sinn haben. Die meisten seinerIdeen hat er auch niedergeschrieben. Höchst in-teressant ist die Erzählung von seinem Leben, wieer niitec tausendjährigen Eichen im Wald gebo-ren ist, dort unter Gänsen, Habichten nnd Has-sen aufwächst, immer mit der Kreide in derHand; wie er dann »ach Hamburg kam, nachCassel, nach Holland , wo er sich sehr gefiel; zu-letzt nach Italien . Seit So. Jahren schreibt ersehr viel; alle Menschen, öie ihm der Mühe werthschienen, hat er theils beschrieben, theils, wo ernicht Worte fand, gezeichnet. Ueberall steht ergleich das Rechte, und giebk's so einfach, wieantik, von sich. Er schreibt etwas undeutsch,da er in Italien seine Muttersprache fast verlernthat; und was man ihm corrigirt, verdirbt manihm". Noch an einer andern Stelle heißt es: Auf e. s. Blatter wird der Arme geritten, undder Reiter hält, statt-Sporn und Peitsche, ihmrings eine lange biegsame Stange nberm Kopf,an deren End schöne warme (?) Brötchen , undalles was das Herz 'erfreuen kann, gebundensind, so daß er dieser schönen Perspektive immernachläuft , und nicht ahndet, daß sie umso schnel-ler stiebt,, je schneller er lauft". In den Ham-burg . Künstl. kIachr. S. 42. heißt eS von ihm:Er werde in seinen Werken leben, so lange denMenschen Schönheit noch Symbol der Sittlich-keit, und diese der Menschheit heilig seyn wird".Aus der Allgemein. Kunst;, 8". (186Z.) S. 240.vcrnchmeu wir, daß unser Künstler sich auchim Besitze bedeutender alter und neuer Kunstschatzebefand. So sah man z. B. bey ihm einen vonden (vielen) in der Wüste sitzenden Johannes denTäufer, von Ravhael; zwey Figuren welche Küssewechseln, von Schidoue; eine Folge von kleinenBildern aus den ersten Zeiten der Oelmalerey,wovon die ältesten noch niit griechischen Buchsta-ben versehen seyen; dann geschnittene Steine undKameen (unter letzter» das treffliche FragmentciiiesSatyrs); griechische Münzen (darunter einenPyrrhus); und endlich gegen hundert griechischeVasen von verschiedener Größe (darunter ein vor-zügliches in Glockenform, das die Amazonen-schlacht mit Theseus vorstellt, und bey St. AgathaMlsgegrabcn worden). Noch eine genauere Be--schreibung der Tlsch.beimschen Kunstsammlungbefindet sich in dem schon oben angeführten Auf-sätze im LI deutsch, Merk, I. o. S. 6872.Gestochen nach unserm Künstler kennen wir ein-zig einen Conradin von Schwaben, den der H.Graf von Fries in Wien besitzt, von Stubenrauchgeschabt; dann seine Scene aus Goez von Ber-Uchingen, von Süsemühl, in Prestels Verlage<6. fl.); dann das kleine Dildniß des Preußischen-Ministers, Grafen 8. W. von Zinkenstem; fernerdasjenige der Schauspielerin Döbbclnr, als Ariad-ue, beyde von D. Berger; und endlich ein tref-lich ähnliches des sel. Heyne von Göttingcn vorHeerens Biographie desselben (8E Gökk. 81Z.) vonÄiepcnhausen. In 1810. gedachte ein Kupferste-cher zu Bremen , I. G. Pflugfelder (a. K. Flug-felder) das Bild bey Angari daselbst zu liefern;allein man ahndete wenig Gutes von diesem Ver-suche, der auch, unsers Wissens, nicht zu Standgekommen ist. Tüb. Morgenbl. 1810. S. 588.Endlich nennt uns noch einer unserer Freunde ei»großes (2 ,/P dr. .und r i/P hohes) , Blatt vonConr. Westermayr (das erste dieses Künstlers),welches den zu Götz von Derlichingsn gefangengebrachten Weisungen darstellt. So eben nenntuns noch ein Freund, als nach unserm Tischbeingestochene Blätter: Von Johann Pichlcr 1792.den Prinz Victor Amadeus-Anhalt (geschabt); vonRiepenhausen in Göttingcn, (wo nicht das schon obengenannte) wieder den Pros. C. G. Heyne (punkiirt),und dann die Kupfer zu der Mimik des H. von Se-ckendorf, die 1816. erscheinen wird (einige dieserZeichnungen habe jedoch Fr. Barthei gefertigt).

18 Tischbein (Johann Jacob, gewöhnlich Ja-cob) geb. zu Hayna 172b., der sechste Sohn des

Stammvaters, Joh. Heinrichs des Bäckers,lernte anfangs, wie sein Bruder Joh. Heinrich,bey dem Tapete»-Maler Ziminermann in Cassel,bildete sich aber nachgehcnds zu einem geschicktenMaler für Thiere und Landschaft aus. Er setztesich zu Lübeck und starb hier 1791. Srrie-der's Hess. Gelehrrengesch. XVI. 228. Nach ^ihm gestochen hat man mehrere Bildniße; alsvon Chr. Fritzsch den Arzt I. A. ttnzer (1764.) undden Pfarrherrn zu Hamburg C. S- UlbersiM.)beyde 8".; von I. C. G. Fritzsch die beyden Got-tesgelehrten zu Lübeck P. tz. Becker 4°. (1779-)und I. A. Schinmeier 4 °. (1786.). In den Hain-burg . Künstlernachr. S. 46. heißt es:Im Ma-len der Kühe und Schaase suchte er Berghem,in den Pferden Wouwermann nachzuahmen. SeineBilder sind sehr leicht behandelt, und ausführ-lich gemalt (?). Er wohnte Anfangs in Ham-burg , wo er sehr viele Portraits fertigte; danngieng er nach Lübeck , wo er (heißt es hier irrig)»in 2789. starb. Ein Nekrolog von ihm inMeusel's Mus. XVI. besagt:Daß seinemeisterhaften Gemälde, besonders im Fache derLandschaften und Thierstücke seinen Namen un-vergeßlich erhalten werden, so wie sein biedererCharakter, und besonders auch sein edles, un-eigennütziges Bezeigen gegen reisende Künstler,sein Andenken ehrenvoll macht". Noch bemerktuns einer unserer Freunde, daß er Bildniße, un-gefähr in einem so weichen Style, wie Denner,gemalt habe. Seine Gattin, eine geborne Lilly,die ebenfalls matte, und besonders in der Land-schaft geschickt war, ist schon an ihrem Orte,oben in diesen Supplementen erwähnt worden.

19 Tischbein (Johann Valentin), zweyterSohn des Bäckers und Stammvaters JohannHeinrichs, und derjenige, der die Neigung sei-ner sechs Brüder, zu den bildenden Künsten, be-sonders anfachte; geb. zu Hayna 1715. EinBeamter aus Darmstadt , den seine Geschäfte nachHayna riefen, entdeckte die Talente des Unsrigen,nahm ihn, in seinem vierzehnten Jahre, mit sichnach Darmsiadt, behielt ihn in seinem Hause undließ ihn durch den dasigen Hofmaler I. C. Fied-ler vier Jahre lang in der Malerey unterrichten.Hierauf "kam er nach Cassel, wo er sich unterdem Hofmaler van Freefe weiter ausbildete, unddann eine Reise nach Holland unternahm. NachBeendigung derselben zog ihn der Herzog vonHildburghanft» in seine Dienste, unter dem Cha-rakter als Kabiners-Sekretär Mit Erlaubnißseines nunmehrigen Herrn durfte er indessen Caj -sei besuchen, um daselbst die Dekorationen fürdas Opern- und Comödienhaus zu verfertigen.Dort gedachte Tischbein sich auch völlig nieder-zulassen; starb aber, eben, als er dieserwegenseine Geschäfte ordnen wollte, zu Hildburghausen 1767. (nicht um 1780. wie wir irgendwo gelesenhaben)) Strieder's Hess. Gelehrrengesch.XVI. 221.

20 ^ (Ludwig Philipp, gewöhnlichLudwig) , älterer Sohn von'Job. Valentin, geb.zu Cassel 17 ./ lernte bey seinem Vater, hieltsich hernach funf(->. 6. neun) Jahre zu Rom ,und alsdann eine Zeitlang in Paris auf. Hieraufkam cr (vor 1780.), als Rußisch-Kaiser!- Hofak-chikckt, Theater - und Dekorationsmaler, nach St.Ptttrüöurg. Das dortige steinerne Theakerhanserbaute cr 178). Es ist ein großes Gebäude vonedclm Ansetzn, das durchaus seiner Bestimmungvollkommen entspricht. Auch der Vorhang desTheaters, und Anderes mehr an demselben, istvon seiner Hand gemalt. Georg» Beschreib,von Ar. Petersburg 8E Das. ,798. S. 76-GZcy Da dieser vorzüglich geschickte Architektsich in St. Petersburg späterhin, wir Witzennicht weswegen, gekrankt glaubte, so arbeitete erdie letztem Jahre seines Lebens öffentlich garnichts mehr für die Kunst, und zehrte von sei-nem frühem guten Verdienste. Unterdessen ser-