Band 
Zweyter Theil [4].
Seite
1905
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Tischbein.

ist ohne Zweifel das von Meuse ! III. 44447.angeführte Werk, mit dem seltsamen Titel: Ohan-rasten fürs stumme Buch und einige Ueber-bleibsel der Sibyllinischen Bücher vor derGrotte von Luma gesammelt. Oder deutli-cher: Ein Buch der Weisheit in redenden Bil«dern und Gemälden, deutsam und verständlichfür alle, die das Schöne im Geist und in derWahrheit anbeten. Mit Beyschriften vom Künst-ler. Eine Sammlung von 17. eben so seltsamenGemälden folgenden Inhalts: i. Eine schöneLandschaft. Ein Rosenhayn spiegelt sich im sil-bernen Bache, wo Libellen schweben u. s. w.Mit der Beyschrift: Auf dem Schlachtfelde beyVerona . 2. Die Begeisterung. Eine edle weib-liche Gestalt, auf einem Felsen sitzend, das linkeKnie ruhend auf dem rechten; die rechte Handmit dem zweyten und dritten Finger sanft an dierechte Schläfe gedrückt, die linke mit dem Grif-fel über eine Rolle gelehnt, welche auf dem Kniesteht; unten zur Seite mehrere Bücherrollen;Scheitel und Schulter hinab der Schleyer; dieoffene Stirn voll Gedanken, sinnenden Ernst inden großen forschenden Augen; in der Ferne einFlammen sprühender Berg; am Himmel der Voll-mond ; Feuer und Mondlicht spiegeln sich im un-ten wogenden Bache. 5 . Die Lava strömt ausdem Berge. Schon droht der Flammenstrom amFusse des Berges einem Greise, der mit Todes-angst im tiefsten Schmerzen mit nacktem Oberleibeauf der Erde sitzt; vor ihm der Sohn mit krampf-hafter Bewegung der Hände und Arme, fliehendund bleibend (?); im Gesicht höchster Ausdruckder Angst, Liebe, Verzweiflung, sein Haar wild ge-sträubt u. s. w. Beyde Körper glühen im gelb-lichen Wiederscheine der Flamme und der dickwogenden Lava. 4 - Eine Mutter, das eine Knieauf die Erde gestützt, die offene» Arme gegendas Kind gebreitet, das ihr entgegen kommensoll; das Kind steht ängstlich, und wagk's nicht;die Mutter spricht ihm Muth ein. Der Vaterruht zur Seite unter einem Baum im lieblichenGesträuche, den Kopf auf die Linke gestützt, undsieht mit still freundlichem Lächeln die Uebung derlehrenden Mutter und des furchtsamen Kindes.5 . Ein Bär umarmt einen Hund, und erdrücktihn in seinen Tatzen. 6. Ein geduldiges Roßträgt einen Bauer, der dessen Zaum halt; hin-ter ihm sein Weib, das chn liebkoset und sichzärtlich an dem Manne hält; der Man» ernst-haft und etwas grämlich; das Pferd trabt lang-sam seinen Schritt. 7. Eine niedliche Landschaftund ein Schwan in klarer bläulicher Fluth; ihmentgegen auf dem Lande im Schilf und Kothein Schwein. 8. Ein Joch flüchtiger Ochsen voreinem Wage,,, dessen Ladung in Flammen gera-then ist, und Immer stärker brennt, je starker dieZugthiere davon rennen. 9. Der Esel frißt dieAnanas für Disteln, i». Vier Esel, deren dreyden halb verschütteten Mond zu betrachten schei-nen. n. Ein Knabe mit dem Buch unter demrechten Arm, stehend; vor ihm die sitzende Mut-ter, die ihm einen Kran; um den Kopf flicht;sie ängstlich besorgt, er voll Unlust, mit einerhingebenden erzwungenen Folgsamkeit- 12. EinMann im tiefen sinnenden Ernst; sein Hauptmit dem obern Theile des Körpers vorwärts ge-senkt; die Rechte sanft gegen die sinnende Stirngedrückt; der linke Arm stützt den rechten; ersteht vor einem brennenden Kamin, und seinSchatten ist im ganzen Zimmer verstreut; aufdem Gesimse des Kamins Gefäße. ia. Einschönes jugendliches Mädchen, im gelblichen Ge-wände , wandelt die Rasenstufen hinauf vor demEingang eines Waldes; ihr Körbchen am Armmit Tauben und Gänschen; sie fällt; ein weisseTaube fliegt über sie weg, zwey andere flatternder Erde naher und drohen zu entfliehen; zweyGänschen flattern neben dem umgestürzten Korbe,uns eine größere guckt mit dem halben Körper

2) Wir nehmen, mit aller Achtung für den edel» M

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heraus. 14 Das Kind spielt mit dem Vater,der am Ufer sitzt; der Vater fällt rücklings überund bleibt, den rechten Arm auf die Erde gestützt,den linken über dem Kopf, ruhig und sanft lä-chelnd , mit dem brennenden Pfeifchen im Mundeliegen; das Kind kriecht auf ihn und drückt ihnmit seinen Händen fest gegen die Brust; es freutsich, und glaubt, den Vater bezwungen zu ha-ben; die Mutter, rückwärts gewandt, sieht demlieblichen Spiele zu; ihr Blick stille, bedächtigeFreude; sie freuet sich des Kindes, das den Va-ter niederdrückt. In der Ferne ein qualmenderVesuv , der die Wolken bräunt, und auf demMeere Schiffe und Fahrzeuge, ih. Der Löweliegt im Walde gestreckt, Eroßmuth und Wohl-wollen im Gesicht; ihm zur Seite der Fuchs,auf die Hinterpfoten gestützt; vor beyden eineMenge Gänse, die schnatternd ihre Hälse em-porrecken. 16. Klopstock's Bildniß. 17. Mit demhöchsten Ausdruck der Angst, des Schmerzensund der Verzweiflung knieet das Weib neben demerschlagenen Gatte», der da im Staube liegt.Sie will über ihn stürzen; ihr Haar sträubt sichwild, geröthet vom Wiederscheine des Feuers,das dort um die belagerte Beste brennt; in ihremAuge Verzweiflung bis zum Wahnsinn; am Him-mel der halb beschattete Mond; zur Seite derMutter und des erschlagenen Vaters das Kind,das im tiefsten Gefühle des Schmerzens sichkrümmt und jammernd die Hände ringt, undsein Auge halb weggewendet von der Leiche desVaters. (Vergl Joh. Ludrv. Warner in Wie-land's Neuem Teutsch. Merkur 1806. St. Vlll.S. 254279).Tischbein" (heißt es in demschon angeführten Jnrell. Bl. der Jen. A.L. Z )harte von Neapel über 10, Folio-Bände derschönsten Zeichnungen von den merkwürdigstenAntiken zusammengebracht, in Betreff derer ge-dachter Aufsatz bemerkt:Er wünsche, durch diegroßmüthige Unterstützung eines reichen Fürsten inden Stand gesetzt zu werden, nach dem Frieden diesevortreflichen Sachen zum Wohl und zur Bildungaller Menschen öffentlich bekannt zu machen".Endlich liest man am Schlüsse:Dieser berühmteKünstler übt nicht bloß die Malerei aus; er istDichter , Philosoph und geschickter Redner zu-gleich, wie einst Dürer, Kranach, Rubens ,Mengs, Gcßner, u. s. f. Er hat sehr hüb-sche Gedichte, mancherley Abhandlungen, ei»Werk über die Beurtheilung des Aeußern derMenschen, nird besonders jene berühmte Eselsge-schichte (vielleicht die schönste Satyre, die jemalserdacht worden ist *) geschrieben, und gewöhnlichAlles mit äußerst intercßanten Zeichnungen beglei-tet. Von Tischbein dem Menschen, lesen wirin der Zeirung f. d. Elegante Weit 1808.N°. 8Z. von Jemandem, der ihn damals besuchthatte:Er ist ein bejahrter Mann, mittlererGröße; von einfachem mildem Wesen, gemüth-lich , doch regsam. Sein schlichtes weißes Haarund die Bläße seines klaren Gesichts gaben ihmetwas Ehrwürdiges, und nahmen gleich für ihnein. Ohne sich gerade in der Arbeit stören znlassen, gab er sich doch gerne hin, und ließ denBeschauer an der Freude über das gelungeneWerk Antheil nehmen. Gerne hörte er das ihmgebührende Lob, und stimmte selbst unbefangenein. Er zeigte uns einige Hefte kleinerer Bilderin Wasserfarben, mehrcntheils Thierstücke, mitlandschaftlichen oder auch architektonischen Um-gebungen ; mehr andere hatte er so eben an oenHof von Weimar versandt. In diesen Bildernspricht sich der eigentliche originelle Geist unsersKünstlers aus. Wenn er sich an einem histori-schen Bild müde gearbeitet hatte, so überließ ersich, znr Erholung, diese» frohen Spielen. Mankaun nichts Lieblicheres und zugleich Bedeuten-deres sehn, als diese frohem Schafe, Murmel-thiere u. s. f., meist in südlichen oder antiken Umge-bungen , deren Handlungen denn meist noch «inen

mn, die Freyheit, hieran zu zweiftl».

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